Georg Jennerwein

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Georg Jennerwein

Georg „Girgl“ Jennerwein (* 1848 in Haid bei Holzkirchen; † 6. November 1877 am Rinnerspitz in den Schlierseer Bergen) war ein bayerischer Wilderer.

Leben[Bearbeiten]

Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, musste Georg Jennerwein als Zwölfjähriger erleben, wie sein Vater von königlichen Jägern als Wilderer erschossen wurde. Seine Mutter war die Bauerntochter Maria Jennerwein, sein Vater, Hannes Mitterer, stammte aus Tirol. "Girgl" wuchs als uneheliches Kind in Großhartpenning auf. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 nahm er Gelegenheitsarbeiten als Holzknecht an, was für den Lebensunterhalt jedoch kaum ausreichte. Er begann zu wildern. Jennerwein wird einerseits als guter Zitherspieler, Gstanzlsänger und Schuhplattler beschrieben, hatte aber auch den Ruf eines Weiberhelden, Raufbolden und Wirtshausbruders.

Er jagte unerlaubt in königlichen Wäldern um den Schliersee, im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tirol. Gejagt von königlich-bayerischen Forstbeamten, wurde seine Leiche am 15. November 1877 im Wald am Bergkamm nördlich der Bodenschneid in den Schlierseer Bergen, der auch den Namen „Peißenberg“ trägt, gefunden. Die Begleitumstände waren eigenartig: Die rechte große Zehe steckte im Abzug seines Gewehres und der Unterkiefer war zerschmettert. Ein Teil der Wange mit dem rechten Schnurrbart hing in den Ästen einer Fichte. Im Rücken befand sich eine Schussverletzung.

Die Ermittlungen ergaben, dass er bei der Jagd am 6. November 1877 von dem Jagdgehilfen Josef Pföderl, einem Kriegskameraden, ertappt und erschossen worden sei. Dieser bestritt die Tat und wurde wegen Überschreitung seiner Befugnisse zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Tötungsabsicht unterstellte das Gericht dem Angeklagten nicht. Es wertete dessen „gänzlich ungetrübten Leumund“ als mildernden Umstand. Als Tatmotiv kam Eifersucht in Frage, doch auch der Jäger Simon Lechenauer wurde als Täter verdächtigt. Pföderl wurde nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis gemieden, begann zu trinken und starb 1889 in Tegernsee.

Jennerwein hatte mit der Sennerin Agnes "Agerl" eine Tochter namens "Roserl". Das Eifersuchtsdrama um "Agerl" führte schließlich zum Tode des Wilderers.

Nachwirkung[Bearbeiten]

Jennerweins Grab auf dem Friedhof Westenhofen in Schliersee

Durch die mysteriösen Begleitumstände seines Todes und vor allem durch die Schussverletzung im Rücken wurde der Wildschütz Jennerwein zu einer Legende und Symbol der Auflehnung gegen die Obrigkeit.

Ein Volkslied, beginnend mit der Zeile „Ein stolzer Schütz in seinen schönsten Jahren“, trug bereits kurz nach seinem Tode zu seiner Verklärung als Volksheld bei. Der Verfasser des Liedes ist unbekannt, seine Entstehungszeit liegt im späten 19. Jahrhundert. 1970 brachten die Hot Dogs unter dem Titel Der Wildschütz Jennerwein erfolgreich eine Neufassung des Liedes als Single heraus.

Georg Jennerwein wird häufig auch mit Robin Hood verglichen. Seine Geschichte wurde zuletzt 2003 unter dem Titel Jennerwein verfilmt, mit Fritz Karl in der Hauptrolle.

An seinem 99. Todestag wurde eine gewilderte Gams an sein Grabkreuz gehängt, was auch bei Pius Walder gelegentlich vorkam. Eine populäre Gaststätte in München-Schwabing erinnert noch heute an den Wilderer. Mehrere bayerische Schützenvereine haben sich nach ihm benannt, unter anderem in Etting, einem Stadtteil von Rain, in Oberlauterbach, einem Ortsteil von Aresing und in Eicherloh, einem Ortsteil von Finsing.

Der Liedtext und die Inschrift des Grabkreuzes führen trotz des Zusatzes „bei Tegernsee“ bei Ortsunkundigen oft zu der irrigen Annahme, Jennerwein sei fernab seiner Heimat am Hohen Peißenberg ums Leben gekommen.

Im bewirtschafteten Bodenschneidhaus oberhalb von Schliersee hängen Erinnerungsbilder. Wenige hundert Meter entfernt steht das Marterl.

Das Jennerwein-Lied[Bearbeiten]

Es war ein Schütz in seinen besten Jahren,
er wurde weggeputzt von dieser Erd,
Man fand ihn erst am neunten Tage
bei Tegernsee am Peißenberg.

Auf den Bergen ist die Freiheit,
Auf den Bergen ist es schön,
Doch auf so eine schlechte Weise
Mußte Jennerwein zugrunde gehn!

Auf hartem Stein hat er sein Blut vergossen,
Am Bauche liegend fand man ihn,
Von hinten war er angeschossen,
Zersplittert war sein Unterkinn.

Und es war schrecklich anzusehen;
Als man ihm das Hemd zog aus,
Da dachte jeder bei sich selber:
Jäger, bleib mit'm Selbstmord z'Haus!

Du feiger Jäger, s’ ist eine Schande,
Du erwirbst dir wohl kein Ehrenkreuz;
Er fiel mit dir nicht im offnen Kampfe,
Wie es der Schuß von hint’ beweist.

Man bracht ihn dann noch auf den Wagen,
Bei finstrer Nacht ging es noch fort,
Begleitet von seinen Kameraden,
Nach Schliersee, seinem Lieblingsort.

Von der Höh ging’s langsam runter,
Denn der Weg war schlecht und weit;
Ein Jäger hat es gleich erfunden,
daß er sich hat selbst entleibt.

Und als man ihn dort in den Sarg wollt legen,
Und als man gsagt hat: Ist jetzt alles gut?
O nein! sprach einer von den Herren, o nein!
Auf seiner Brust, da klebt ja frisches Blut!

In Schliersee ruht er, wie ein jeder,
Bis an den großen jüngsten Tag,
Dann zeigt uns Jennerwein den Jäger,
Der ihn von hint’ erschossen hat.

Zum Schlusse Dank noch den Vet'ranen,
Da ihr den Trauermarsch so schön gespielt,
Ihr Jäger, tut Euch nun ermahnen,
Daß keiner mehr von hinten zielt.

Am jüngsten Tag da putzt ein jeder
Ja sein Gewissen und sein Gewehr.
Und dann marschiern viel Förster und auch Jäger
Aufs hohe Gamsgebirg, zum Luzifer!

Rezeption[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Georg Jennerwein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien