George Bizos

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George Bizos (* 14. November 1928 in Kirani,[1] Griechenland; geboren als Giorgos Bizos)[2] ist ein südafrikanischer Menschenrechtsanwalt, der unter anderem im Rivonia-Prozess 1963 bis 1964 Nelson Mandela verteidigte.

Leben[Bearbeiten]

Von Griechenland nach Südafrika[Bearbeiten]

Bizos’ Vater war Antonios Bizos, Bürgermeister von Vasilitsi auf der Peloponnes-Halbinsel. 1941 halfen George Bizos und sein Vater sieben neuseeländischen Soldaten, in einem kleinen Boot vor den deutschen Besatzungstruppen nach Kreta zu flüchten. Sie gerieten in Seenot und wurden von dem britischen Zerstörer HMS Kimberley gerettet, der auf dem Weg zur Schlacht um Kreta war. Nach der Schlacht wurde Bizos im britisch besetzten, ägyptischen Alexandria abgesetzt.[3]

Als Flüchtling wurde er mit seinem Vater im August 1941 nach Südafrika geschickt und landete in Durban.[3] Zu seinen ersten Eindrücken gehörte die Beobachtung von Rikscha-Fahrern, die von ihren weißen Kunden unwürdig behandelt wurden. Von Durban fuhr er mit dem Zug nach Johannesburg. Er wurde in die dortige griechische Gemeinschaft aufgenommen. Die Sunday Times veröffentlichte 1941 einen Artikel über sein Schicksal. Seine Mutter und Geschwister folgten später nach Südafrika. Anfangs sprach Bizos weder englisch noch afrikaans und arbeitete in einem griechischen Café, bis ihn die Lehrerin Cecilia Feinstein aufgrund des Zeitungsartikels wiedererkannte und ihm eine Schulbildung ermöglichte. 1948 wurde er in die Witwatersrand-Universität aufgenommen, wo er Rechtswissenschaften studierte. Bizos belegte dort Kurse zusammen mit Nelson Mandela und weiteren Anti-Apartheid-Kämpfern, mit denen sich Bizos anfreundete.[4] 1950 erwarb er den Bachelor of Arts, 1953 den Bachelor of Law.

Aktivitäten im Apartheid-System[Bearbeiten]

Bizos wurde 1954 in die Anwaltskammer aufgenommen. Bereits kurz danach verteidigte er bekannte Apartheid-Gegner, unter anderem Trevor Huddleston. Er gehörte 1956 bis 1961 zu den Verteidigern im Treason Trial. 1963 bis 1964 gehörte er – neben Bram Fischer, Harry Schwarz, Joel Joffe und Arthur Chaskalson und Vernon Berrangé – zu den Verteidigern im Rivonia-Prozess, in dem Nelson Mandela, Walter Sisulu und andere Anti-Apartheid-Kämpfer unter anderem wegen Sabotage angeklagt waren. Sie wurden zu lebenslänglicher Haft verurteilt; auch die Verhängung der Todesstrafe wäre möglich gewesen. Bizos beriet Mandela bei der Abfassung seiner Abschlussrede I am prepared to die, die Mandelas letzte öffentliche Rede bis zu seiner Freilassung 1990 war. Er ergänzte die Schlusszeile der Rede, in der Mandela seine Bereitschaft, für seine Ideale zu sterben äußerte, um den Zusatz But if needs be – „Wenn es sein muss“, und erreichte somit eine Abmilderung der Aussage.[3] Später vertrat er Mandelas damalige Frau Winnie Madikizela-Mandela in vielen Rechtsstreitigkeiten gegen die Behörden. Er verteidigte auch Bram Fischer, als dieser wegen Verschwörung, Sabotage und Verstoßes gegen den Suppression of Communism Act angeklagt war. Wegen seines Engagements gegen die Apartheid wurde Bizos in dieser Zeit die südafrikanische Staatsbürgerschaft verweigert.[4]

Bizos war während der Zeit der Apartheid Anwalt bei zahlreichen Verfahren, bei denen es um ungeklärte Todesfälle in der Haft ging. Von 1985 bis 1989 verteidigte er Mosiuoa Lekota und Popo Molefe im Hochverratsprozess Delmas Treason Trial. Bis 1990 arbeitete er als Strafverteidiger.[1]

Wirken als Jurist nach dem Ende der Apartheid[Bearbeiten]

Bizos ist Mitglied des National Council of Lawyers for Human Rights („Nationalrat der Menschenrechtsanwälte“) zu dessen Mitbegründern er 1979 zählte. Er ist Senior Counsel des Legal Resources Centre in Johannesburg; er steht dort der Constitutional Litigation Unit vor (deutsch etwa: „Abteilung für Verfassungsprozesse“). Von 1985 bis 1993 war er Richter am Court of Appeal („Berufungsgericht“) in Botswana. 1990 wurde Bizos Mitglied des Legal and Constitutional Committee („Komitee für Rechts- und Verfassungsfragen“) des African National Congress (ANC). Bei der Convention for a Democratic South Africa (CODESA), bei der die Abkehr vom Apartheid-System ausgehandelt wurde, fungierte er im selben Jahr als Berater der Verhandlungsparteien und wirkte an der Erstellung der südafrikanischen Übergangsverfassung mit. Er verfasste zahlreiche Gesetzentwürfe, insbesondere die Truth and Reconciliation Bill, die zur Einrichtung der Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC) 1996 führte. Von ihm stammen auch Änderungen am Criminal Procedures Act, die allen Angeklagten fundamentale Menschenrechte garantieren sollen.

In den Anhörungen der TRC hatte er die Leitung der Gruppe, die die Familien prominenter Apartheidopfer vertrat, darunter den Familien von Steve Biko, Chris Hani, Ruth First und den Cradock Four. Das Ziel, Amnestien für die Verantwortlichen zu verhindern, wurde in den meisten Fällen erreicht.

George Bizos wurde 1994 vom damaligen Präsidenten Mandela als Mitglied der Judicial Services Commission berufen, die Kandidaten für Richterämter benennen und Vorschläge zur Abschaffung der Gesetze aus der Zeit der Apartheid machen sollte. Bizos erreichte, dass die Todesstrafe als verfassungswidrig abgeschafft wurde. Er arbeitete auch als Berater der Nationalversammlung bei der Zertifizierung der Verfassung durch das südafrikanische Verfassungsgericht. 2004 vertrat er den simbabwischen Oppositionsführer Morgan Tsvangirai, der beschuldigt wurde, vor den Präsidentenwahlen 2002 einen Mordanschlag gegen Präsident Robert Mugabe geplant zu haben. Tsvangirai wurde freigesprochen.

2005 war Bizos Nelson Mandelas Anwalt in einem Rechtsstreit mit dessen früherem Anwalt Ismail Ayob. Seit 2012 vertritt Bizos vor der Farlam Commission für das Legal Resources Centre und die Benchmark Foundation die Familien der Opfer des „Massakers von Marikana“, das am 16. August 2012 stattfand und 34 Opfer forderte. 2013 gibt es einen Rechtsstreit zwischen zwei Töchtern Nelson Mandelas sowie Bizos, dem ehemaligen ANC-Minister Tokyo Sexwale und dem Juristen Bally Chuene. Den Männern wird vorgeworfen, unerlaubt als Verwalter des 1,3 Millionen Euro umfassenden Fonds Mandelas zu amtieren, während diese angaben, von Mandela eingesetzt worden zu sein.[5]

Bizos ist seit 1954 mit Arethe „Rita“ Bizos, geborene Daflos,[6] verheiratet und hat drei Söhne.[3]

Sonstiges[Bearbeiten]

1973 eröffnete Bizos die hellenistisch und griechisch-orthodox orientierte Schule SAHETI[7] (South African Hellenic Educational and Technical Institute) in Johannesburg, die auch während der Ära der Apartheid von Schülern aller Hautfarben besucht wurde, darunter den Kindern von Chris Hani.[4]

Ehrungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • 1998: No One to Blame – In Pursuit of Justice in South Africa. David Philip, Johannesburg
  • 2007: Odyssey to Freedom. Autobiografie. Random House Struik, Kapstadt

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Porträt bei sahistory.org.za (englisch), abgerufen am 25. August 2013
  2. Informationen zu griechischen Namen (englisch), abgerufen am 27. August 2013
  3. a b c d Birthday tea with Bizos Mail & Guardian am 16. November 2008 (englisch), abgerufen am 24. August 2013
  4. a b c Hellenic ideals inspired anti apartheid fighter neokosmos.com am 7. März 2010 (englisch), abgerufen am 25. August 2013
  5. Konflikt um Vermögen: Noch vor Mandelas Tod gibt es Streit um sein Erbe Tagesspiegel am 17. April 2013, abgerufen am 25. August 2013
  6. A great champion of democracy bei iol.co.za am 30. November 2003 (englisch), abgerufen am 26. August 2013
  7. Offizielle Website der Schule (englisch), abgerufen am 25. August 2013