Giesecke & Devrient

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Giesecke & Devrient
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Rechtsform GmbH
Gründung 1. Juni 1852
Sitz München, Deutschland
Leitung Walter Schlebusch
Mitarbeiter 11.660[1]
Umsatz 1,75 Mrd. Euro
Website www.gi-de.com

Giesecke & Devrient (G&D) ist ein internationaler Technologiekonzern mit Sitz in München, der sich, ausgehend vom Banknoten-, Wertpapier- und Passdruck, auch zu einem Spezialisten für Chipkarten und Sicherheitslösungen entwickelt hat. Der Traditionskonzern wurde am 1. Juni 1852 von Hermann Giesecke (1831–1900) und Alphonse Devrient (1821–1878) in Leipzig als typographisches Kunst-Institut „Giesecke & Devrient“ gegründet und unterhält heute weltweit über 50 Tochtergesellschaften und Gemeinschaftsunternehmen. G&D beschäftigte im Geschäftsjahr 2012 11.213 Mitarbeiter, davon 7.125 im Ausland. Im selben Jahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 1,8 Mrd. Euro.[2] Bei seinen Produkten gehört das Unternehmen zu den weltweiten Markt- und Technologieführern.[3]

G&D war zunächst auf den Banknoten- und Wertpapierdruck spezialisiert. Ab den 1960er Jahren stellte das Unternehmen auch Sicherheitspapiere, ab den 1970er Maschinen für die Banknotenbearbeitung und Chipkarten für Bankenanwendungen her. Außerdem war G&D maßgeblich an der SIM-Kartenentwicklung beteiligt. Später kam noch der Ausbau des Bereichs der ID-Karten dazu.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Firmenlogo um 1860
Verlagsgebäude in Leipzig
Verlagsgebäude in Leipzig

Das Unternehmen war 1923 maßgeblich am Druck der Rentenmark beteiligt und druckte u. a. 1939 die Gewinnanteilscheine 5–10 und Erneuerungsschein zur Aktie der TUAG-Tuchhandels-Aktiengesellschaft, die aus der zuvor arisierten jüdischen Stoff- und Schneiderzubehörhandlung "Großhandlung Gebrüder Heine" in Leipzig hervorgegangen war,[4] über 1000 Reichsmark.

Wiederaufbau[Bearbeiten]

Ab 1948 baute Siegfried Otto das Unternehmen in München neu auf, während die in Leipzig vorhandenen Gebäude und Anlagen verstaatlicht und als VEB Deutsche Wertpapierdruckerei (DWD) weiter betrieben wurden (ab Juli 1974 VEB Wertpapierdruckerei der DDR und seit Juli 1990 Wertpapierdruckerei Leipzig [5]). 1958 verpflichtete sich G&D zur Lieferung der Hälfte der Banknoten für die Deutsche Bundesbank. Die andere Hälfte lieferte die staatseigene Bundesdruckerei. 1968 war G&D an der Entwicklung des eurocheques und der eurocheque-Karte beteiligt. Im selben Jahr meldete Helmut Gröttrup, ab 1970 Geschäftsführer der GAO (siehe nächsten Absatz), das erste Patent in Bezug auf Chipkarten an. 1981 wurden die ersten Chipkarten im Auftrag der Deutschen Bundespost von G&D hergestellt. Drei Jahre später erfand der Konzern das sogenannte SIM Plug in, das sich in den kommenden Jahren zum weltweiten Standard für SIM-Karten durchsetzen sollte. Nach der Wiedervereinigung übernahm G&D 1991 das ehemalige Stammhaus in Leipzig und gliederte es als Standort für den Wertpapier- und Banknotendruck in den aus München geführten Konzern ein. 1991 lieferte G&D die erste kommerzielle SIM-Karte für einen finnischen Netzbetreiber.

Ab 1970 begann G&D, zunächst in ihrem Tochterunternehmen Gesellschaft für Automation und Organisation mbH (GAO mbH), mit der Entwicklung der automationsfähigen Banknote, deren Echtheit durch maschinenlesbare Merkmale überprüft werden konnte. In den folgenden Jahren wurde das Produktspektrum durch Maschinen zur Sortierung von umlaufenden Banknoten nach Echtheit und Zustand (Umlauffähigkeit) erweitert. Mit den Maschinentypen ISS 300 (ab 1977), ISS 3000 (ab 1989) und BPS 1000 (ab 1996) wurde G&D Weltmarktführer für die Ausstattung von Zentralbanken mit einem Marktanteil von mehr als 70 %. 1990 gewann G&D einen Großauftrag des seit 1913 privaten Federal Reserve System der Vereinigten Staaten von Amerika zur Lieferung von mehr als 130 Systemen der BPS 3000, die 40 Banknoten pro Sekunde prüfen kann.

Ab 1990 wurde die Expertise im Bereich Chipkarten ausgebaut. So entstand etwa die erste Gesetzliche Krankenversichertenkarte (1993), die erste Elektronische Börse (1995) oder die weltweit erste SIM-basierte Mobile Banking-Lösung (1998). Mitte der 1990er Jahre hatte sich G&D als führender Lieferant von Masken, Karten und Terminals für die in Deutschland eingeführte GeldKarte etabliert. Zwei Jahre später wurde das neue Unternehmenssegment Sicherheitssysteme gegründet, das einen Schwerpunkt auf Informations- und Netzwerksicherheit legte. In den 1990er Jahren wurde die Mehrheit der 1891 gegründeten Athener Wertpapierdruckerei Matsoukis erworben, nachdem beide Unternehmen bereits viele Jahre kooperierten. In Athen werden Briefmarken für Griechenland, Albanien, Georgien und Zypern gedruckt; des Weiteren Fahrscheine, Eintrittskarten, Steuermarken und Echtheitszertifikate[6].

Ab 1999 druckte G&D für die Europäische Zentralbank die neue europäische Währung Euro auf der Grundlage modernster Sicherheitsstandards. G&D ist dabei volumenmäßig der größte Drucker von Euro-Banknoten unter den 15 beteiligten Druckereien.

2002 war G&D für Entwicklung, Design und Druck der neuen Banknotenserie für Afghanistan verantwortlich. In den folgenden Jahren entwickelte das Unternehmen vor allem auch Visa-Personalisierungssysteme, beispielsweise für Kasachstan, Serbien und Italien. Auch folgte die Herstellung von elektronischen Gesundheitskarten, etwa für Taiwan. 2002 wurde eine Banknotendruckerei in Malaysia nahe Kuala Lumpur eröffnet.

Im Jahr 2004 war G&D in der Bundesrepublik an der Herstellung der neuen Ausweisdokumente mit Speicherung biometrischer Daten auf einem Chip beteiligt. Zudem ist das Unternehmen in das Projekt Elektronische Patientenkarte involviert.

Bis Juli 2008 lieferte G&D das Papier für den Druck der Banknoten des Simbabwe-Dollar. Die Einstellung der Lieferung erfolgte schließlich wegen des international wachsenden öffentlichen Drucks und der Kontroverse um die rechtliche bzw. moralische Erlaubnis der Lieferungen. Denn während die USA bereits 2001 Sanktionen gegen Simbabwe verhängt hatten, existieren in der EU lediglich Sanktionen gegen einzelne Vertreter des Regimes von Robert Mugabe.[7] [8] [9] [10]

Eine der führenden Hersteller von Banknoten- und Sicherheitspapier ist die Papierfabrik Louisenthal GmbH, ein Tochterunternehmen von Giesecke & Devrient, mit Produktionsstätten in Gmund am Tegernsee und Königstein in der Sächsischen Schweiz.

Mitbewerber[Bearbeiten]

In Deutschland sind die Bundesdruckerei und Safran Morpho Hauptkonkurrenten, weltweit bei Chipkarten Gemalto (Weltmarktführer mit 30 %) und bei Banknoten das britische Unternehmen De La Rue.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Giesecke & Devrient – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. http://www.gi-de.com/deu/de/about_g_d/company/facts_and_figures_1/facts-and-figures.jsp
  3. Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  4. Arisierung 1938, abgerufen am 26. Januar 2013
  5. Michel Deutschland Spezial 2011, Bd. 2
  6. PDF bei www.gi-de.com
  7. Fokus: G&D soll nicht für Mugabe drucken
  8. Spiegel Online
  9. Zeit: Blutgeld aus Bayern
  10. SZ: Lieferstopp nach Simbabwe, Giesecke gibt klein bei

48.13893055555611.622547222222Koordinaten: 48° 8′ 20″ N, 11° 37′ 21″ O