Giesecke & Devrient

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Giesecke & Devrient
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1. Juni 1852
Sitz München, Deutschland
Leitung Walter Schlebusch
Mitarbeiter 11.660[1]
Umsatz 1,75 Mrd. Euro
Website www.gi-de.com

Giesecke & Devrient (G&D) ist ein internationaler Technologiekonzern mit Sitz in München, der sich, ausgehend vom Banknoten-, Wertpapier- und Passdruck, auch zu einem Spezialisten für Chipkarten und Sicherheitslösungen entwickelt hat. Der Traditionskonzern wurde am 1. Juni 1852 von Hermann Giesecke (1831–1900) und Alphonse Devrient (1821–1878) in Leipzig als typographisches Kunst-Institut „Giesecke & Devrient“ gegründet und unterhält heute weltweit über 50 Tochtergesellschaften und Gemeinschaftsunternehmen. G&D beschäftigte im Geschäftsjahr 2013 11.660 Mitarbeiter, davon 7.517 im Ausland. Im selben Jahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 1,75 Mrd. Euro.[2] Bei seinen Produkten gehört das Unternehmen zu den weltweiten Markt- und Technologieführern.[3]

G&D war zunächst auf den Banknoten- und Wertpapierdruck spezialisiert. Ab den 1960er Jahren stellte das Unternehmen auch Sicherheitspapiere, ab den 1970er Maschinen für die Banknotenbearbeitung und Chipkarten für Bankenanwendungen her. Außerdem war G&D maßgeblich an der SIM-Kartenentwicklung beteiligt. Später kam noch der Ausbau des Bereichs der ID-Karten dazu.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Firmenlogo um 1860
Verlagsgebäude in Leipzig
Verlagsgebäude in Leipzig

Gründung[Bearbeiten]

Am 1. Juni 1852 gründeten Hermann Giesecke und Alphonse Devrient in Leipzig eine Buch-, Kupfer- und Steindruckerei unter dem Namen „Giesecke & Devrient“. Schnell entwickelte sich der Banknoten- und Wertpapierdruck zu einem erfolgreichen Geschäftsfeld und wurde bestimmend für das junge Unternehmen. Bereits 1858 zog die Druckerei mit einer eigenen Schriftgießerei in neu erbaute Geschäftsräume in der heutigen Nürnbergerstraße 12 in Leipzig (III). 1923 war G&D maßgeblich am Druck der Rentenmark beteiligt (IV). Die Produktionsanlagen wurden 1943 durch einen alliierten Bombenangriff schwer beschädigt, die Produktion ausgelagert. Das Unternehmen wurde 1948 durch die Sowjetische Militäradministration enteignet und in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) umgewandelt. Nach der deutschen Wiedervereinigung erwarb G&D 1991 das ehemalige Stammhaus in Leipzig und gliederte es als Standort für den Wertpapier- und Banknotendruck in den aus München geführten Konzern ein.

Wiederaufbau[Bearbeiten]

Nach der Enteignung in Leipzig verlegte Siegfried Otto 1948 den Sitz des Unternehmens nach München und baute es neu auf. Vom ersten Münchner Standort in Riem zog G&D in den 1950er Jahren nach Steinhausen. Der Hauptsitz von G&D befindet sich heute in der Prinzregentenstraße in München. Bereits 1958 richtete Siegfried Otto das Unternehmen durch die Gründung einer Tochtergesellschaft in Mexiko international aus.(VI) 1958 wurde G&D mit der Lieferung der Hälfte der Banknoten für die Deutsche Bundesbank beauftragt. Die andere Hälfte lieferte die staatseigene Bundesdruckerei. Eine strategische Entscheidung war 1964 der Erwerb der Papierfabrik Louisenthal, die es G&D ermöglichte, eigenes Banknoten- und Sicherheitspapier herzustellen. Heute ist das Tochterunternehmen einer der führenden Hersteller von Banknoten- und Sicherheitspapier mit Produktionsstätten in Gmund am Tegernsee und Königstein in der Sächsischen Schweiz.(IX) Siegfried Otto gründete 1970 die Gesellschaft für Automation und Organisation GmbH (GAO), in der über 30 Jahre lang die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von G&D gebündelt wurden. Die Modernisierung und Automatisierung der Banknotenbearbeitung und des Zahlungsverkehrs waren der Forschungsschwerpunkt der GAO. 1968 war G&D an der Entwicklung des eurocheques und der eurocheque-Karte beteiligt, was den bargeldlosen Zahlungsverkehr in Europa ermöglichte.(X) Unter dem 1970 ernannten GAO-Geschäftsführer Helmut Gröttrup, der bereits 1968 in Österreich die erste Chipkarte zum Patent angemeldet hatte, wurde die Chipkartentechnologie wegweisend weiterentwickelt.(XI) 1986 wurden die ersten Chipkarten im Auftrag der Deutschen Bundespost von G&D hergestellt.(XII) 1989 brachte der Konzern das sogenannte SIM Plug in auf den Markt, das sich in den kommenden Jahren zum weltweiten Standard für SIM-Karten durchsetzen sollte.(XIII)

Expansion[Bearbeiten]

1975 lieferte G&D die erste automationsfähige Banknote aus, deren Echtheit durch maschinenlesbare Merkmale überprüft werden konnte.(XIV) In den folgenden Jahren wurde das Produktspektrum durch Maschinen zur Sortierung von umlaufenden Banknoten nach Echtheit und Zustand (Umlauffähigkeit) erweitert. Damit entwickelte sich G&D bereits in den 1970er Jahren zum Weltmarktführer für die Ausstattung von Zentralbanken. Ab 1990 wurde die Expertise im Bereich Chipkarten ausgebaut. So entstand etwa die erste Gesetzliche Krankenversichertenkarte (1993),(XV) die erste multifunktionale eurocheque-Karte mit Funktion einer elektronischen Geldbörse in Österreich (1995) (XVI) und die weltweit erste SIM-basierte Mobile Banking-Lösung (1998).(XVII) Mitte der 1990er Jahre hatte sich G&D als führender Lieferant von Masken, Karten und Terminals für die in Deutschland eingeführte GeldKarte etabliert. Zwei Jahre später wurde das neue Unternehmenssegment Sicherheitssysteme gegründet, das einen Schwerpunkt auf Informations- und Netzwerksicherheit legte.

Ab 1999 druckte G&D für die Europäische Zentralbank die neue europäische Währung Euro auf der Grundlage modernster Sicherheitsstandards.

2002 war G&D für Entwicklung, Design und Druck der neuen Banknotenserie für Afghanistan verantwortlich. In den folgenden Jahren entwickelte das Unternehmen vor allem auch Visa-Personalisierungssysteme, beispielsweise für Kasachstan, Serbien und Italien. Dem folgte die Herstellung von elektronischen Gesundheitskarten, z. B. für Taiwan. 2003 wurde eine Banknotendruckerei in Malaysia nahe Kuala Lumpur eröffnet.

2004 war G&D in der Bundesrepublik an der Herstellung der neuen Ausweisdokumente mit Speicherung biometrischer Daten auf einem Chip beteiligt. Zudem ist das Unternehmen am Projekt Elektronische Patientenkarte beteiligt.

Bis Juli 2008 lieferte G&D das Papier für den Druck der Banknoten des Simbabwe-Dollar. Die Lieferung wurde schließlich wegen des international wachsenden öffentlichen Drucks und der Kontroverse um die rechtliche bzw. moralische Erlaubnis der Lieferungen eingestellt. Denn während die USA bereits 2001 Sanktionen gegen Simbabwe verhängt hatten, existieren in der EU lediglich Sanktionen gegen einzelne Vertreter des Regimes von Robert Mugabe.[4] [5] [6] [7]

Eine der führenden Hersteller von Banknoten- und Sicherheitspapier ist die Papierfabrik Louisenthal GmbH, ein Tochterunternehmen von Giesecke & Devrient, mit Produktionsstätten in Gmund am Tegernsee und Königstein in der Sächsischen Schweiz.

G&D gehört in seinen Geschäftsfeldern Banknote, Mobile Security und Government Solutions mit seinen Produkten und Lösungen weltweit zu den Markt- und Innovationsführern. Der Technologiekonzern hat sich im Laufe seiner traditionsreichen Geschichte zahlreiche neue Geschäftsfelder erschlossen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus W. Bender: Geldmacher, das geheimste Gewerbe der Welt. Wiley-VCH Verlag, 2008, ISBN 978-35275-0383-4.
  • Jan Hendrik Prell, Horst Böttge: Giesecke & Devrient 1852–2002. Werte im Wandel der Zeit. Deutscher Sparkassen Verlag Stuttgart, 2002, ISBN 3-09-303892-8.
  • Hermann Giesecke, Alphonse Devrient, Das Etablissement von Giesecke & Devrient in Leipzig, Leipzig 1862. StA-L (Staatsarchiv Leipzig), 21061, Giesecke & Devrient A.G., Nr. 688
  • Franziska Jungmann-Stadler, Ludwig Devrient, Giesecke & Devrient. Banknotendruck 1854-1943, München 2009.
  • Franziska Jungmann-Stadler, Ludwig Devrient, Giesecke & Devrient. Banknotendruck 1955-2002. Anhang: VEB Wertpapierdruckerei der DDR (WPD) 1951-1990, München 2014.
  • Giesecke & Devrient (Hrsg.), Von der ec-Karte zu Mobile Security. 1968-2012, München 2012.
  • Giesecke & Devrient (Hrsg.), Ein Jahrzehnt der Innovation. Giesecke & Devrient 2002-2011, München 2012.
  • Papierfabrik Louisenthal (Hrsg.), Louisenthal 1964-2014, [Ostfildern] 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Giesecke & Devrient – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

I StA-L (Staatsarchiv Leipzig), 21061, Giesecke & Devrient A.G., Nr. 688, Hermann Giesecke, Alphonse Devrient, Das Etablissement von Giesecke & Devrient in Leipzig, Leipzig 1862.
II Franziska Jungmann-Stadler, Ludwig Devrient, Giesecke & Devrient. Banknotendruck 1854-1943, München 2009, S. X-XII.
III StA-L (Staatsarchiv Leipzig), 21061, Giesecke & Devrient A.G., Nr. 688, Hermann Giesecke, Alphonse Devrient, Das Etablissement von Giesecke & Devrient in Leipzig, Leipzig 1862.
IV Franziska Jungmann-Stadler, Ludwig Devrient, Giesecke & Devrient. Banknotendruck 1854-1943, München 2009, S. XIV.
V Jan Hendrik Prell, Horst Böttge, Giesecke & Devrient 1852-2002. Werte im Wandel der Zeit, Stuttgart 2002, S. 74, ebd. S. 161.
VI Giesecke & Devrient (Hrsg.), Ein Jahrzehnt der Innovation. Giesecke & Devrient 2002-2011, München 2012, S. 102f.
VII Franziska Jungmann-Stadler, Ludwig Devrient, Giesecke & Devrient. Banknotendruck 1955-2002. Anhang: VEB Wertpapierdruckerei der DDR (WPD) 1951-1990, München 2014, S. 14.
VIII Jan Hendrik Prell, Horst Böttge, Giesecke & Devrient 1852-2002. Werte im Wandel der Zeit, Stuttgart 2002, S. 107ff.
IX Papierfabrik Louisenthal (Hrsg.), Louisenthal 1964-2014, [Ostfildern] 2014, S. 8.
X Giesecke & Devrient (Hrsg.), Von der ec-Karte zu Mobile Security. 1968-2012, München 2012, S. 18ff.
XI Jan Hendrik Prell, Horst Böttge, Giesecke & Devrient 1852-2002. Werte im Wandel der Zeit, Stuttgart 2002, S. 121ff.; Giesecke & Devrient (Hrsg.), Von der ec-Karte zu Mobile Security. 1968-2012, München 2012.
XII Giesecke & Devrient (Hrsg.), Von der ec-Karte zu Mobile Security. 1968-2012, München 2012, S. 98.
XIII Giesecke & Devrient (Hrsg.), Von der ec-Karte zu Mobile Security. 1968-2012, München 2012, S. 168.
XIV Jan Hendrik Prell, Horst Böttge, Giesecke & Devrient 1852-2002. Werte im Wandel der Zeit, Stuttgart 2002, S. 204.
XV Giesecke & Devrient (Hrsg.), Von der ec-Karte zu Mobile Security. 1968-2012, München 2012, S. 140.
XVI Giesecke & Devrient (Hrsg.), Von der ec-Karte zu Mobile Security. 1968-2012, München 2012, S. 150.
XVII Giesecke & Devrient (Hrsg.), Von der ec-Karte zu Mobile Security. 1968-2012, München 2012, S. 175.


  1. [1]
  2. http://www.gi-de.com/deu/de/about_g_d/company/facts_and_figures_1/facts-and-figures.jsp
  3. Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  4. Fokus: G&D soll nicht für Mugabe drucken
  5. Spiegel Online
  6. Zeit: Blutgeld aus Bayern
  7. SZ: Lieferstopp nach Simbabwe, Giesecke gibt klein bei

48.13893055555611.622547222222Koordinaten: 48° 8′ 20″ N, 11° 37′ 21″ O