Gimmeldingen

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49.3763888888898.1522222222222174Koordinaten: 49° 22′ 35″ N, 8° 9′ 8″ O

Gimmeldingen
Ehemaliges Gemeindewappen von Gimmeldingen
Höhe: 174 m
Fläche: 7,17 km²
Einwohner: 2529 (1. Jan. 2009)
Eingemeindung: 7. Juni 1969
Postleitzahl: 67435
Vorwahl: 06321
Karte

Gimmeldingen (rot) innerhalb der Gemarkung von Neustadt

Gimmeldingen, das als Winzerdorf seit 1935[1] den Namenszusatz „an der Weinstraße“ trug, wurde am 7. Juni 1969 als Ortsteil in die drei Kilometer südlich gelegene kreisfreie Stadt Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz) eingemeindet.[2] Heute zählt es gut 2500 Einwohner.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Silhouette Gimmeldingens vom Neuberg aus

Der Ortskern gruppiert sich auf einer Höhe von 150 m ü. NN um die protestantische Pfarrkirche auf einem Hügel an der Deutschen Weinstraße in der Vorderpfalz am westlichen Rand der Oberrheinischen Tiefebene. Südlich des Hügels verläuft die Talaue des Mußbachs. In diese Niederung hat sich Gimmeldingen ebenso ausgebreitet wie nach Südwesten und Nordwesten in die Hanglagen der Haardt, des Ostrandes des Pfälzerwaldes.

Nachbarorte[Bearbeiten]

Nachbarorte sind im Süden die Kernstadt von Neustadt sowie im Südwesten, Norden bzw. Osten die Neustadter Ortsteile Haardt, Königsbach und Mußbach. Westlich, innerhalb des Pfälzer Waldes, grenzt die Gemarkung von Lindenberg an.

Klima[Bearbeiten]

Die Lage des Ortes an der Deutschen Weinstraße bedingt ein mildes Klima. Die Temperaturen betragen im Jahresmittel ca. 10° C, im Winter 0° C und im Sommer 20° C. Im Lee des 553 m hohen Weinbietes beläuft sich der durchschnittliche Jahresniederschlag auf nur 500 mm.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Mittelalter lag südöstlich in der Niederung des Mußbachs das kleine Dorf Lobloch, das 1751 in Gimmeldingen aufging und inzwischen so eng mit dem Hauptort verschmolzen ist, dass eine optische Trennung nicht mehr möglich ist. 1860 erhielt die Gemeinde Gimmeldingen den amtlichen Doppelnamen Gimmeldingen-Lobloch [3], was am 27. November 1952 wieder rückgängig gemacht wurde [4] Der Name des ehemaligen Dorfes Lobloch ist nur noch im Namen der Loblocher Straße, des Loblocher Schlössels und eines lokalen Weinfestes (siehe Abschnitt Feste) enthalten.

Gimmeldingen wuchs schon im 19. Jahrhundert mit dem östlichen Nachbarort Mußbach zusammen und besaß mit ihm eine auf 500 m gemeinsame Straße, welche eine ungewöhnliche Grenze bildete: Die Häuser auf der Nordseite gehörten als „Mußbacher Straße“ zu Gimmeldingen, die auf der Südseite als „Gimmeldinger Straße“ zu Mußbach. Die Straßenfläche lag vollständig auf der Gemarkung Mußbachs, das die Straße auch zu unterhalten hatte. Seit der zeitgleichen Eingemeindung beider Orte nach Neustadt heißt die gemeinsame Ader einheitlich „Kurpfalzstraße“, die unsichtbaren Gemarkungsgrenzen existieren allerdings weiterhin.

Bereits 1472 ist in Gimmeldingen urkundlich eine religiöse Winzerbruderschaft zu Ehren Unserer Lieben Frau belegt, welche am 10. Januar des Jahres vom Speyerer Generalvikar Peter vom Stein kanonisch anerkannt sowie mit Ablässen für ihre Mitglieder ausgestattet wurde.[5]

Politik[Bearbeiten]

Ortsvorsteher ist Wilfried Marggraff (SPD), der 2009 in der Stichwahl 61,3 % der Stimmen erhielt.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Protestantische Kirche am Kirchplatz
Blick von der Kurpfalzstraße auf Lobloch und die katholische Nikolauskirche
Das Mithras-Reliefbild
König-Ludwig-Pavillon auf dem Neuberg
Loblocher Schlössel

Einen Überblick enthält die Liste der Kulturdenkmäler in Gimmeldingen. Besonders erwähnenswert sind:

Protestantische Kirche

Die Protestantische Kirche in der Ortsmitte besitzt einen romanischen Turm aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts, dem 1723 ein barocker Saalbau angegliedert wurde.

St.-Nikolaus-Kirche

Die kleine hochgotische St.-Nikolaus-Kirche mit ihrem noch älteren romanischen Turm liegt am Hang zwischen den parallelen Straßen Loblocher Straße (Eingangsseite, unten) und Kurpfalzstraße (oben). Sie war einst das katholische Gotteshaus von Lobloch. Ab etwa 1700 dem Verfall preisgegeben, wurde die Kirche von 1956 an restauriert, 1957 wieder neu geweiht und als katholische Filialkirche der Pfarrei Mußbach zugeordnet. Die drei Fenster im Altarbereich bestehen aus eindrucksvollen Buntglas-Mosaiken.

Mithras-Heiligtum

Die St.-Nikolaus-Kirche war auf dem Areal eines Mithras-Heiligtums aus der Römerzeit errichtet worden. 325 n. Chr. hatte der Römer Materninius Faustinus den Tempel zu Ehren des aus dem Perserreich übernommenen Gottes Mithras erbauen lassen. Bei Bauarbeiten 1926 wurden die Grundmauern und ein steinernes Reliefbild gefunden. Dessen Original befindet sich im Historischen Museum der Pfalz zu Speyer, eine Nachbildung ist in eine Begrenzungsmauer ein Stück links vom Kircheneingang eingelassen.

Alte Burg

Die Alte Burg auf dem Höhenrücken am Ostrand des früheren Ortskerns stammt aus der Salierzeit und wurde um das Jahr 1100 erbaut. Die bescheidenen Fundament- und Mauerreste lassen nur noch die Grundzüge der Anlage mit Turm und Palas erahnen.

König-Ludwig-Pavillon

Auf dem Neuberg, einer Anhöhe im Nordwesten Gimmeldingens zu Königsbach hin, belegt ein großer Sandstein mit der Inschrift „Der Garten Deutschlands – die blühende Pfalz! Ludwig I. 1856“ die häufigen Besuche von König Ludwig I. von Bayern, der hier von einem achteckigen Gartenhäuschen aus gerne die Aussicht über die Rheinebene genoss. Das Gartenhäuschen heißt heute König-Ludwig-Pavillon.

Hildenbrandseck

Im Kloster Hildenbrandseck, auf Gimmeldinger Gemarkung am südöstlichen Ortsrand von Königsbach gelegen, befand sich von 1956 bis 2004 das Mutterhaus der katholischen Hildegardis-Schwestern. Weil der Nachwuchs an Novizinnen ausblieb, wurde das Anwesen an das Betreiberunternehmen einer Klinik für Plastische Chirurgie verkauft, um als Schönheitsfarm zu dienen.

Loblocher Schlössel

Das Weingut Estelmann, vorm. Hick (Kurpfalzstr. 76) wurde, vermutlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts, in Form eines kleinen Schlosses errichtet, dem mittlerweile der (nicht historische) Name Loblocher Schlössel beigegeben wurde. Sein gedrungener, mit Schiefer rundgedeckter Viereckturm wächst seitlich aus dem Hauptgebäude empor, das zusätzlich noch über einen recht großen Dachreiter verfügt. In den ehemaligen Stallungen wird eine gleichnamige Weinstube betrieben, der große gepflasterte Innenhof des Weinguts ist von Grün umgeben und wird ebenfalls gastronomisch genutzt.

Weißes Haus

Schräg gegenüber ist man schon im Ortsteil Mußbach. Dort (Kurpfalzstr. 77) liegt das ebenfalls sehenswerte Weiße Haus.

Feste[Bearbeiten]

Wegen der engen Verflechtung mit Mußbach werden viele Veranstaltungen gemeinsam mit dem Nachbarort begangen. Feste mit Ursprung in Gimmeldingen sind:

Gimmeldinger Mandelblütenfest
Blühender Mandelbaum

Ab März taucht die frühe Mandelblüte Gimmeldingen in ein zartrosa Blütenmeer. Das Mandelblütenfest, bei dem eine Mandelblütenkönigin gewählt wird, zieht alljährlich viele Menschen an, die das Erwachen der Natur nach dem Winter feiern wollen. Als eine der frühesten Veranstaltungen im Jahr gehört das Mandelblütenfest mittlerweile zu den großen Weinfesten der Region. Der genaue Termin (März/Anfang April) ist vom Eintritt der Mandelblüte abhängig und kann sich daher von Jahr zu Jahr verschieben.

Weitere Feste

Jedes Jahr zu Pfingsten wird der Loblocher Weinzehnt gefeiert. Der Termin für die Weinkerwe ist das dritte Augustwochenende. Im Oktober findet der Gimmeldinger Herbst statt.

Sport[Bearbeiten]

Westlich des Ortes, wo der Mußbach das Gebirge verlässt, befinden sich der Fußballplatz und die alte Sporthalle des TV Gimmeldingen. Gemeinsam mit dem Nachbarort Königsbach wird das nördlich von Gimmeldingen liegende Sportzentrum am Hildenbrandseck genutzt.

Wanderziele[Bearbeiten]

Als nahegelegene Wanderziele auf der Haardt bzw. im Pfälzerwald empfehlen sich z. B.:

  • das Weinbiet (553 m) als Aussichtspunkt, auf dem sich eine Gaststätte, eine Wetterstation, ein gemauerter Panoramaturm sowie ein 133 m hoher Sendeturm des Südwestrundfunks befinden
  • das nur unmerklich ansteigende Tal des Mußbachs mit Talmühle und Looganlage
  • ebenfalls ohne größere Steigungen das Benjental, das Silbertal und die Rotsteig, wo drei gleichnamige Forsthäuser zu Einkehr und Rast einladen

Bei der Rotsteig liegt der Freizeit- und Hochwildschutzpark Kurpfalz-Park.

Vereine[Bearbeiten]

  • Gesangverein 1845 Gimmeldingen
  • Landjugend Mußbach-Gimmeldingen
  • Pfälzerwald-Verein, Ortsgruppe Gimmeldingen
  • Trachtengruppe Gimmeldingen
  • TV 1883 Gimmeldingen (Aerobic, Badminton, Fußball, Gymnastik, Kinder- und Seniorenturnen, Koronarsport, Kraftsport, Kinder stark machen, Leichtathletik, Nordic-Walking, Tennis)
  • Verkehrs- und Verschönerungsverein Gimmeldingen

Klettergarten an der Heidenburg[Bearbeiten]

Im ehemaligen Gemeindesteinbruch Gimmeldingens befindet sich eine nordostexponierte Wand (180 m breit, 20 m hoch). Sie weist zahlreiche Längs- und Querklüfte auf und wurde 2007 in einem Gemeinschaftsprojekt der Stadt, des Naturschutzes und regionaler Kletterer-Organisationen zum Klettergarten ausgebaut. Mit etwa 60 Kletterrouten (Wand-, Platten-, Riss- und Verschneidungskletterei vom 2. bis 9. Grad) ist sie der größte Klettersteinbruch im Pfälzerwald. Dort befinden sich auch Infotafeln zur Geologie. Wie überall am Ostrand des Pfälzerwaldes handelt es sich um ursprünglich roten Sandstein, der gelblich ausblich. Der Steinbruch war spätestens seit 1830 in Betrieb und wurde um 1960 endgültig aufgegeben.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Hauptzweig der Landwirtschaft ist der Weinbau, da die günstigen klimatischen Verhältnisse die Produktion hochwertiger Weine ermöglichen. Bekannteste Lage ist die Gimmeldinger Meerspinne, die mittlerweile zur Großlage umgestuft wurde. Obwohl von Marketingleuten eine Kreuzspinne als Symbol eingeführt wurde, hat der Name nichts mit dem Gliedertier zu tun. Vielmehr bedeutet er, im örtlichen Dialekt „Määrspänn“ ausgesprochen, Mehrspänne und leitet sich von mehrspännig ab; denn die Hangneigung des Hügels, an dem die Weinberge der ursprünglichen Einzellage liegen, machte früher bei beladenem Wagen ein zweites Zugpferd notwendig. Weitere namhafte Gimmeldinger Weinlagen sind z. B. Mandelgarten und Biengarten. Außer Weintrauben reifen im Freiland auch Mandeln, Esskastanien, Feigen und Zitrusfrüchte, Spargel wird ebenfalls angebaut.

Fremdenverkehr[Bearbeiten]

Neben der Landwirtschaft ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden. Vor allem Winzerbetriebe bieten auch Zimmer an, die Gastronomie wirbt mit – teilweise gehobener – Pfälzer Küche.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Gimmeldingen gewinnt immer mehr Bedeutung als Wohnvorort von Neustadt. Zur Zeit der Eingemeindung 1969 hatte es knapp 2000 Einwohner, aufgrund der Ausweitung der Wohnbebauung vor allem in die süd- und nordwestlichen Hanglagen liegt die Zahl mittlerweile bei 2600. Im Juni 2011 hatte Gimmeldingen 2643[6], im Januar 2012 2426[7] Einwohner.

Verkehr[Bearbeiten]

Die überregionale Verkehrsanbindung Gimmeldingens erfolgt (durch Mußbach hindurch) über die Autobahn 65, Anschlussstelle 12 Neustadt-Nord, in die Richtungen Ludwigshafen am Rhein und Karlsruhe. Kleinräumige Verbindungsstraßen gibt es nach Neustadt sowie zu den benachbarten weiteren Ortsteilen Haardt und Königsbach.

Ein Anschluss an die Pfälzische Nordbahn Neustadt–Bad DürkheimMonsheim besteht in Mußbach nahe der Grenze zu Gimmeldingen.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

  • Johannes von Geissel (1796–1864): In der Gimmeldinger Adnexe Lobloch geboren wurde der katholische Erzbischof von Köln (Amtszeit 1845–1864), Kardinal Johannes Baptist Jacob von Geissel. Gimmeldingen hat ihn mit einer Straßenwidmung im Loblocher Neubaugebiet geehrt, und in der Kurpfalzstraße (Nr. 182) oberhalb der Nikolauskirche steht noch sein Geburtshaus mit einer Hinweistafel.
  • Erich Stolleis (1906–1986): Der Jurist, in Gimmeldingen geboren, führte in Mußbach das Weingut Carl-Theodor-Hof und war in der Zeit des Nationalsozialismus zunächst Oberbürgermeister von Landau, dann von Ludwigshafen. Sein Sohn ist der Rechtshistoriker Michael Stolleis (* 1941).
  • Fritz Wiedemann (1920–1987): Aus Gimmeldingen stammt der expressionistische Maler und Bildhauer Fritz Wiedemann, der 1967 in Mußbach in einem alten Winzerhäuschen die Weinstube Eselsburg eröffnete.
  • Steffen Christmann (* 1965): Aus Gimmeldingen stammt Steffen Christmann, seit 2007 Präsident des Verbandes der Deutschen Prädikatsweingüter (VDP). Er betreibt in seinem Geburtsort das Familienweingut A. Christmann, das zu den Spitzenweingütern Deutschlands zählt.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Alfred Sitzmann: Führer durch Gimmeldingen: ein Wegweiser zu den Sehenswürdigkeiten zwischen Meerspinne und Weinbiet mit Bildern aus alter und neuer Zeit. Verkehrs- und Verschönerungsverein Gimmeldingen, Neustadt an der Weinstraße 1993.
  •  Reinhold Schneider, Alfred Sitzmann: Gimmeldingen, Chronik eines Weindorfes. 1997.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gimmeldingen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. NSZ Rheinfront, Ludwigshafen: Deutsche Weinstraße, 21. Oktober 1935
  2. Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Seite 189 (PDF; 2,6 MB)
  3. Beiblatt Glühweinwanderung. (PDF; 451 kB), S. 3.
  4. Wilhelm Volkert, Richard Bauer: Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799-1980. München 1983, S. 539; siehe auch Stadt und Landkreis Neustadt a. d. Haardt. auf: verwaltungsgeschichte.de, Nr. 15; zur Kürzung 1952: Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland 1953 (Bevölkerungs- und Gebietsstand 31. Dezember 1953, Köln 1954 (Statistik der Bundesrepublik Deutschland, hrsg. v. Statistischen Bundesamt, Wiesbaden, Bd. 108), Verzeichnis der Gebietsänderungen)
  5. Franz Xaver Glasschröder: Urkunden zur Pfälzischen Kirchengeschichte im Mittelalter, München, 1903, Seiten 114 u. 115, Urkundenregest Nr. 275
  6. Polizei RLP:: Allg. Daten zum Dienstbezirk Neustadt an der Weinstraße. Abgerufen am 16. April 2012.
  7. Homepage der Stadt Neustadt