Deutsche Weinkönigin

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Deutsche Weinkönigin 2013/14: Nadine Poss

Die Deutsche Weinkönigin ist die auf ein Jahr gewählte Repräsentantin (Produktkönigin) des deutschen Weines, deren Wahl in der Regel in der pfälzischen Stadt Neustadt an der Weinstraße erfolgt.[1][2] Um das Amt bewerben sich die Gebietsweinköniginnen der mittlerweile dreizehn deutschen Anbaugebiete für Qualitätswein.

Die 66. Deutsche Weinkönigin ist Janina Huhn aus der Pfalz; sie wurde am 26. September 2014 für die Amtszeit 2014/15 gewählt.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten]

1931 kürte erstmals ein deutsches Weinbaugebiet, die Pfalz, eine Weinkönigin. Die Idee zu dieser Pfälzischen Weinkönigin stammte von dem Verleger Daniel Meininger. Auf seinen Vorschlag wurde Ruth Bachrodt, später Theysohn, gewählt, die aus Pirmasens in der Westpfalz kam, wo gar kein Wein angebaut wird.[3] Ihre Nachfolgerin Cilly Seitz wurde dann 1932 nach regulärer Ausschreibung gewählt. Bereits 1933 ging das Ritual an die nationalsozialistischen Machthaber über. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges suchte im Auftrag des in der Pfalz sehr populären damaligen Gauleiters Josef Bürckel der offizielle „Gau-Fotograf“ alljährlich nach der „hübschesten dem Wein verbundenen jungen Frau“.

Weil die Pfälzische Weinkönigin deutschlandweit die einzige Weinkönigin war, repräsentierte sie bis 1939 und dann wieder von 1947 bis 1949 ohne zusätzliche Wahl in Personalunion neben dem pfälzischen auch allgemein den deutschen Wein. Auch 1949 gab es nur eine Wahlhandlung, aber im Anschluss an die Wahl wurde Elisabeth Kuhn, später Gies, aus Diedesfeld auch offiziell zur Deutschen Weinkönigin bestimmt, die damit einzige Pfälzische und Deutsche Weinkönigin in ein und demselben Jahr war.

Kriterien für die Kandidatur[Bearbeiten]

Seit 1950 wird die Deutsche Weinkönigin in einer eigenen Wahl ermittelt: Jedes deutsche Anbaugebiet wählt alljährlich seine regionale Weinkönigin; aus der Mitte der Gebietsweinköniginnen wird im Folgejahr die Deutsche Weinkönigin gewählt. Bis 1999 galt die Bedingung, dass die Kandidatinnen ledig sein mussten – also weder verheiratet noch geschieden sein durften – und aus einer Winzerfamilie zu stammen hatten. Seit dem Jahr 2000 verlangen die Richtlinien von den Bewerberinnen lediglich noch eine „eindeutige und starke Verbundenheit mit deutschen Weinen“, nachzuweisen durch „eine entsprechende weinbezogene Berufsausbildung und/oder eine familiäre Bindung mit dem heimischen Weinbau und/oder die Qualifikation als Gebietsweinkönigin“. Außerdem müssen die Bewerberinnen am Tag der Wahl mindestens 18 Jahre alt sein.

Wandel der Anforderungen[Bearbeiten]

Über 30 Jahre lang entsprachen die Weinköniginnen dem traditionellen Bild des hübschen, braven Mädchens in Tracht; nur das ursprüngliche Zepter wich 1966 einem Weinglas. So beschrieb 1950 die Süddeutsche Zeitung die Kandidatinnen als „echte Töchter der Weinberge, von kräftiger Statur, kerngesund und apfelbäckig“. Die Prüfungen bestanden damals unter anderem darin, einen Walzer zu tanzen und eine Rede zu halten.[4] Bis Ende der 1950er Jahre beschränkten sich die Repräsentationspflichten der deutschen Weinkönigin im Wesentlichen auf die inländischen Absatzmärkte. Es gab Auftritte bei Weinfesten, bei der Grünen Woche und bei gesellschaftlichen Ereignissen wie der Verleihung des Deutschen Weinkulturpreises. Auslandsreisen wie nach Belgien (Irmgard Mohler) oder Spanien (Wilma Seyer, später Scholl) blieben die Ausnahme. Der damalige Außenminister Heinrich von Brentano erkannte allerdings das diplomatische Potenzial für das Image der jungen Bundesrepublik, als er Wilma Seyer bei den von ihm angeregten Diplomatenweinwochen im Kloster Eberbach präsentierte. Bereits im darauffolgenden Jahr reiste in Person der damals noch Pfälzischen und späteren Deutschen Weinkönigin Christel Koch erstmals eine Weinkönigin aus Deutschland in die USA.

In den 1980er Jahren begann sich das Bild der Weinkönigin in der Öffentlichkeit grundlegend zu wandeln, vor allem aufgrund des Auftretens von Persönlichkeiten wie Karin Molitor (1982/83) und Petra Mayer (1988/89). Im Jahr 1981 wurde das bis dahin für Fototermine obligatorische Dirndl abgeschafft. Ab den 1990er Jahren wurde das Amt für junge Winzerinnen und am Weinbau interessierte Frauen immer mehr zum Karrieresprungbrett in der Politik (Julia Klöckner), im Marketing (Katja Schweder, Evelyn Schmidt), in der Gastronomie (Carina Dostert) oder im eigenen Betrieb (Sandra Hake, Sylvia Benzinger). Gutes Aussehen und Tanzbegabung der Kandidatinnen sind heute keine ausschlaggebenden Gründe mehr, eine Kandidatin zu wählen, vielmehr werden neben fundierten Fachkenntnissen in Önologie und Kellertechnik auch Schlagfertigkeit und Beredsamkeit sowie Fremdsprachenbeherrschung und Exportwissen verlangt. Deshalb wurde 2009 in Neustadt an der Weinstraße ein Vorbereitungsseminar für die Kandidatinnen eingeführt.[1]

Wahl[Bearbeiten]

Orte[Bearbeiten]

Inschrift am Neustadter Saalbau: Krönungsstätte der Deutschen Weinkönigin
Postnebenstempel von Neustadt an der Weinstraße: Krönungsstadt der Deutschen Weinkönigin

Die Wahl wird vom Deutschen Weininstitut (DWI) mit Sitz in Mainz veranstaltet.[5] Sie findet traditionell im Neustadter Saalbau anlässlich des Deutschen Weinlesefestes am Freitag des zweiten Festwochenendes im Oktober statt. Vom üblichen Wahlort kann aus wichtigen Anlässen abgewichen werden; die Wahlorte neben Neustadt an der Weinstraße waren:

  1. 1952 Freiburg im Breisgau
  2. 1954 Heilbronn
  3. 1957 Würzburg
  4. 1960 Bad Dürkheim
  5. 1963 Mainz
  6. 1966 Stuttgart
  7. 1969 Offenburg
  8. 1972 Stuttgart
  9. 1975 Stuttgart
  10. 1984 Trier
  11. 1988 Berlin
  12. 1993 Bad Neuenahr-Ahrweiler
  13. 1998 Freyburg (Unstrut)
  14. 2006 Dresden (800-jähriges Stadtjubiläum des bedeutendsten Ortes im Sächsischen Weinbaugebiet)
  15. 2009 Heilbronn
    Im Mai 2009 unterzeichneten das DWI und der Oberbürgermeister von Neustadt an der Weinstraße einen Vertrag, der Neustadt als Krönungsstätte bis zum Jahr 2020 festschreibt. Von dieser Regel darf höchstens dreimal pro Dekade abgewichen werden, „um auch anderen deutschen Weinbauregionen die Möglichkeit zu geben, mit der Krönung auf Sonderveranstaltungen und Jubiläen zu reagieren.“[1][2]
  16. 2013 Offenburg, Oberrheinhalle

Wahlmodalitäten[Bearbeiten]

Alle 13 Gebietsweinköniginnen stellen sich zunächst einer öffentlichen Fachbefragung, die von etwa 70 Jurymitgliedern durchgeführt und von den Veranstaltungsgästen mitverfolgt wird. Von den 13 Kandidatinnen werden sechs nominiert, die im zweiten Durchgang während der feierlichen Galaveranstaltung Spontaneität, Charme und Witz beweisen müssen. Das SWR-Fernsehen überträgt die Befragungsrunde einen Tag später als Aufzeichnung, die Gala wird live gesendet.

Aus den sechs verbliebenen Kandidatinnen werden eine Königin und meist zwei, in seltenen Fällen auch drei Prinzessinnen gekürt. Während ihrer einjährigen Amtszeit bewerben Königin und Prinzessinnen den deutschen Wein auf Messen, Weinfesten und anderen Veranstaltungen, auch im Ausland.

Wahlergebnisse[Bearbeiten]

Alle Deutschen Weinköniginnen seit 1949[Bearbeiten]

# Jahr Weinkönigin Lebensdaten Alter bei
Amtsantritt
Weinbaugebiet Herkunftsort
1. 1949/1950 Elisabeth Kuhn, später Gies 1930–2012 19 Pfalz Diedesfeld
2. 1950/1951 Marie-Elisabeth Pütz, später Steffen 1925 25 Mosel-Saar-Ruwer (seit 2006 Mosel) Saarburg
3. 1951/1952 Gisela Koch Mittelrhein St. Goarshausen
4. 1952/1953 Elisabeth Huber Baden Neuweier
5. 1953/1954 Mathilde Machwirth Nahe Guldental
6. 1954/1955 Erika Hofmann Rheinhessen St. Johann
7. 1955/1956 Irmgard Mohler 1937–1981 18 Pfalz Bad Bergzabern
8. 1956/1957 Margret Hoffranzen, später Wilmes  ?–2002 Mosel-Saar-Ruwer Mehring (Mosel)
9. 1957/1958 Karoline Hartmann 18 Franken Rödelsee
10. 1958/1959 Rosemarie Schreck 24 Franken Klingenberg
11. 1959/1960 Wilma Seyer, später Scholl 1939 20 Rheingau Kiedrich
12. 1960/1961 Christel Koch 18 Pfalz Ungstein
13. 1961/1962 Marlies Kaiser 22 Rheinhessen Dintesheim
14. 1962/1963 Marita Heinzen, später Schmitz 19 Ahr Ahrweiler
15. 1963/1964 Inge Schwaab, später Heidenreich Mosel-Saar-Ruwer Zeltingen
16. 1964/1965 Marita Bäuerlein 20 Franken Volkach
17. 1965/1966 Waltraud Hey 19 Pfalz Oberotterbach
18. 1966/1967 Ilse Theobald 22 Nahe Hochstätten
19. 1967/1968 Ruth Collet, später Kutz Mosel-Saar-Ruwer Reil
20. 1968/1969 Brigitte Wolf 21 Franken Veitshöchheim
21. 1969/1970 Marika Gebhardt 19 Rheingau Martinsthal
22. 1970/1971 Erika Sinß 18 Nahe Windesheim
23. 1971/1972 Ruth Kröther 20 Pfalz Freinsheim
24. 1972/1973 Ulrike Seyffardt, später Neradt 1951 Rheingau Martinsthal
25. 1973/1974 Ingrid Kurth 21 Ahr Bad Neuenahr-Ahrweiler
26. 1974/1975 Doris Emmerich 1954 20 Nahe Waldböckelheim
27. 1975/1976 Edelgard Bauer 1955 20 Nahe Kirschroth
28. 1976/1977 Friedlinde Gurr, später Gurr-Hirsch 1954 22 Württemberg Untergruppenbach
29. 1977/1978 Gisela Faber Baden Freiburg im Breisgau
30. 1978/1979 Heike Schmitt 19 Rheinhessen Nierstein
31. 1979/1980 Rita Moog, später Moog-Fischer Mosel-Saar-Ruwer Valwig
32. 1980/1981 Regine Usinger, später Usinger-Frank 1958 22 Rheinhessen Nackenheim
33. 1981/1982 Hildegard Weber Pfalz Gönnheim
34. 1982/1983 Karin Molitor, später Molitor-Hartmann 1962 20 Franken Sommerach
35. 1983/1984 Carola Geiger, später Geiger-Kaiser 1962 21 Württemberg Weinsberg-Grantschen
36. 1984/1985 Ursula Maur Ahr Mayschoß
37. 1985/1986 Mechthild Meyer, später Weis 1962 23 Mosel-Saar-Ruwer Waldrach
38. 1986/1987 Helga Drauz, später Drauz-Oertel 1967 19 Württemberg Heilbronn
39. 1987/1988 Jutta Fassian, später Fassian-Emmrich Mosel-Saar-Ruwer Mehring (Mosel)
40. 1988/1989 Petra Mayer 1966 22 Baden Schliengen
41. 1989/1990 Renate Schäfer 1968 21 Franken Astheim (Volkach)
42. 1990/1991 Birgit Schehl, später Rebholz-Schehl 1969 21 Pfalz Hainfeld (Pfalz)
43. 1991/1992 Lydia Bollig, später Bollig-Strohm 1970 21 Mosel-Saar-Ruwer Trittenheim
44. 1992/1993 Astrid Bechtel 1972 20 Rheinhessen Worms-Heppenheim
45. 1993/1994 Sandra Hake, später Frölich 1970 23 Saale-Unstrut Freyburg (Unstrut)
46. 1994/1995 Ulrike Neymeyer 1968 26 Baden Endingen am Kaiserstuhl
47. 1995/1996 Julia Klöckner 1972 23 Nahe Guldental
48. 1996/1997 Ines Hoffmann 1972 24 Sachsen Dresden
49. 1997/1998 Natascha Thoma, später Thoma-Widmann 1971 26 Baden Ebringen
50. 1998/1999 Susanne Völker, später Nett 1974 24 Rheinhessen Oppenheim
51. 1999/2000 Simone Renth, später Renth-Queins 1973 26 Rheinhessen Schwabenheim an der Selz
52. 2000/2001 Carina Dostert, später Curman 1979 21 Mosel-Saar-Ruwer Nittel
53. 2001/2002 Petra Gärtner 1980 21 Hessische Bergstraße Zwingenberg (Bergstraße)
54. 2002/2003 Judith Honrath 1980 22 Nahe Langenlonsheim
55. 2003/2004 Nicole Then 1980 23 Franken Sommerach
56. 2004/2005 Petra Zimmermann 1984 20 Mosel-Saar-Ruwer Temmels
57. 2005/2006 Sylvia Benzinger, später Benzinger-Kugler 1978 27 Pfalz Kirchheim an der Weinstraße
58. 2006/2007 Katja Schweder 1980 26 Pfalz Hochstadt (Pfalz)
59. 2007/2008 Evelyn Schmidt 1983 24 Sachsen Radebeul
60. 2008/2009 Marlies Dumbsky 1985 23 Franken Volkach
61. 2009/2010 Sonja Christ, später Christ-Brendemühl 1984 25 Mosel Oberfell
62. 2010/2011 Mandy Großgarten 1987 22 Ahr Dernau
63. 2011/2012 Annika Strebel 1987 23 Rheinhessen Wintersheim
64. 2012/2013 Julia Bertram 1989 22 Ahr Dernau
65. 2013/2014 Nadine Poss 1991 22 Nahe Windesheim
66. 2014/2015 Janina Huhn 1989 24 Pfalz Bad Dürkheim

Häufigkeit der Wahl nach Weinbaugebieten[Bearbeiten]

Königin aus dem Weinbaugebiet Wahljahr Anzahl
Ahr 1962, 1973, 1984, 2010, 2012 5
Baden 1952, 1977, 1988, 1994, 1997 5
Franken 1957, 1958, 1964, 1968, 1982, 1989, 2003, 2008 8
Hessische Bergstraße 2001 1
Mittelrhein 1951 1
Mosel (bis 2005 Mosel-Saar-Ruwer) 1950, 1956, 1963, 1967, 1979, 1985, 1987, 1991, 2000, 2004, 2009 11
Nahe 1953, 1966, 1970, 1974, 1975, 1995, 2002, 2013 8
Pfalz 1949, 1955, 1960, 1965, 1971, 1981, 1990, 2005, 2006, 2014 10
Rheingau 1959, 1969, 1972 3
Rheinhessen 1954, 1961, 1978, 1980, 1992, 1998, 1999, 2011 8
Saale-Unstrut (Teilnahme seit 1990) 1993 1
Sachsen (Teilnahme seit 1990) 1996, 2007 2
Württemberg 1976, 1983, 1986 3

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wolfgang Diehl: Bacchuszug und Herbstschmüerel. Über Herbstbräuche in der Pfalz und einigen Nachbarregionen (= Schriften zur Weingeschichte. Nr. 151). Gesellschaft für Geschichte des Weines, Wiesbaden 2005, DNB 977245330.
  •  Wolfgang Junglas u. a.: Wein & Krone. 50 Jahre Deutsche Weinkönigin 1949–1998. projekt büro, Ingelheim 1998, ISBN 3-9805502-1-4.
  •  Martina Weber: Die Weinköniginnen. In: Brauchforschung regional (= Mainzer Studien zur Sprach- und Volksforschung. Nr. 14). Steiner Verlag, Wiesbaden/ Stuttgart 1989, ISBN 3-515-05368-9, S. 217–224.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutsche Weinkönigin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Neustadt bleibt weiter Krönungsstätte. In: Die Rheinpfalz. Ludwigshafen, 19. Mai 2009.
  2. a b  Einwurf: Werbewirksam. In: Die Rheinpfalz. Ludwigshafen, 19. Mai 2009.
  3. pfaelzische-weinkoenigin.de: Historisches. Abgerufen am 13. September 2012.
  4.  Gisela Kirschstein: Wein und Wissen. In: Die Welt. Berlin, 12. Oktober 2008. Abgerufen am 25. September 2012.
  5. Deutsches Weininstitut: Veranstaltungskalender. Abgerufen am 25. September 2012.