Griffelkunst-Vereinigung Hamburg

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Die Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V. ist eine als gemeinnützig anerkannte kulturelle Vereinigung mit Sitz in Hamburg-St. Pauli.

Das Grab von Johannes Böse auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Griffelkunst-Vereinigung wurde 1925 von dem Hamburger Volksschullehrer Johannes Böse (* 27. August 1879; † 13. Dezember 1955) gegründet. Böse kam aus der kunstpädagogisch stark engagierten Hamburger Lehrerschaft, auf die das Wirken von Alfred Lichtwark zu Beginn der 1900er Jahre an der Hamburger Kunsthalle großen Einfluss ausgeübt hatte. Lichtwark wollte die Kunst dem Bürger näher bringen und versuchte über die von ihm ins Leben gerufene Gesellschaft für Hamburgische Kunstfreunde eine Edition preiswerter graphischer Blätter zu realisieren. Dies verstand er gleichzeitig als Kunstbildung und Kunstförderung. Diese Konzeption nahm Böse auf und gründete die Griffelkunst-Vereinigung Langenhorn, die in der Volksschule Hamburg-Langenhorn domizilierte. Er leitete die Kunstvereinigung bis zu seinem Tode im Jahre 1955 ehrenamtlich und alleinverantwortlich. Seine Tochter Gerda Böse (1910–1970) führte die Vereinigung bis zu ihrem Ausscheiden im Jahr 1964 weiter. Für das Grab von Johannes Böse auf dem Ohlsdorfer Friedhof schuf Hans Martin Ruwoldt den Grabstein, der einen Vogel darstellt (Grablage S 11-127 - nahe Kapelle 1).

Heute ist die Griffelkunst-Vereinigung ein demokratisch geführter Verein mit Vorstand, Beirat und einem Geschäftsführer. Das Graphikangebot wird von einer bestellten Jury ausgewählt. Laut Satzung will sie das breite Interesse an der bildenden Kunst fördern und zugleich Künstler zu druckgraphischen Arbeiten anregen. Vor allem soll die Freude am Sammeln von Kunstwerken geweckt werden.

Dazu editiert die Griffelkunst-Vereinigung regelmäßig originalgraphische Blätter, die halbjährlich erscheinen. Hier stehen historische Blätter von alten Druckplatten (in der Regel aus dem Nachlass der betreffenden Künstler) neben neuen und jüngsten Arbeiten aktueller Künstler. Inzwischen werden auch fotografische Arbeiten und Multiple angeboten. Die Mitglieder wählen aus 35 bis 40 Graphiken aus. Die einzelnen Blätter sind sehr preiswert, was die Wahl deutlich erleichtert, zumal ein Grundprinzip der Auswahl darin besteht, die Mitglieder mit den neuesten Tendenzen der Kunstentwicklung und zum Teil spröden Werken bekannt zu machen. Hier wird der kunstpädagogische Ansatz aus der Gründungszeit der Kunstvereinigung betont und fortgeführt.

Der Griffelkunst-Vereinigung gehören zurzeit (2009) ca. 4.400 Mitglieder an. Neue Mitglieder werden nach frei werdenden Plätzen aufgenommen, die Wartezeit beträgt momentan mehr als fünf Jahre. Die Graphikwahlen im Mai und November jeden Jahres finden in Hamburg und in 84 anderen Orten in Deutschland statt. Beim Eintritt in die Kunstvereinigung gibt jedes Mitglied eine Ehrenerklärung ab, nicht mit den erworbenen Kunstwerken zu handeln. Der Vorstand kann bei Missachtung dieser Verpflichtung das Mitglied ausschließen.

Vor einigen Jahren ist die Griffelkunst-Vereinigung von Langenhorn in das neue Domizil in der Seilerstraße (Hamburg-St. Pauli) umgezogen und hat die Namensänderung in Griffelkunst-Vereinigung Hamburg vollzogen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Schumacher, Ein Musterbeispiel praktischer Kunstpflege in: Fritz Schumacher. Selbstgespräche. Erinnerungen und Betrachtungen (1949) Seite 276 - 282
  • Griffelkunst 1976-2000. Verzeichnis der Editionen. Bd. 1. 1976-1988, hrsg. von Harald Rüggeberg, Hamburg 2002 ISBN 3980439763

Weblinks[Bearbeiten]