Heidi Kabel

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Heidi Kabel (1984)
Straßenschild Heidi Kabel Platz

Heidi Bertha Auguste Kabel, verheiratete Mahler (* 27. August 1914 in Hamburg; † 15. Juni 2010 ebenda), war eine deutsche Volksschauspielerin und Sängerin.

Leben[Bearbeiten]

Heidi Kabel wurde im Haus Große Bleichen Nr. 30 in Hamburg, direkt gegenüber dem ehemaligen Sitz des späteren Ohnsorg-Theaters geboren. Ihr Vater war Druckereibesitzer und zeitweilig Vorsitzender des Vereins geborener Hamburger e. V. Sein Betrieb „Kabel Druck“ existiert bis heute, sein Kabel-Verlag ebenfalls. Ihre Mutter war Hausfrau. Eigentlich sollte Kabel Konzertpianistin werden, hatte aber nicht genug Talent. 1932 begleitete sie eine Freundin zum Vorsprechen in der „Niederdeutschen Bühne Hamburg“, dem heutigen Ohnsorg-Theater, einem Theater, das Stücke in plattdeutscher Sprache aufführt. Dabei wurde sie entdeckt und erhielt von Theatergründer Richard Ohnsorg ihr erstes Engagement in dem Stück „Ralves Carstens“. Sie nahm Schauspielunterricht und blieb über 66 Jahre auf der Bühne. Ihre Schauspielkarriere umfasst insgesamt 75 Jahre.

Grabstein von Hans Mahler und Heidi Kabel auf dem Nienstedtener Friedhof

1937 heiratete sie ihren Kollegen Hans Mahler. Der Ehe entstammen drei Kinder; Tochter Heidi Mahler wurde ebenfalls Schauspielerin am Ohnsorg-Theater. 1949 wurde Hans Mahler als Nachfolger von Rudolf Beiswanger Leiter des Ohnsorg-Theaters und hatte großen Einfluss auf die Rollen Heidi Kabels. Heidi Kabel erreichte seit 1954 durch die Fernsehübertragungen der für das Fernsehen meist missingschen Theateraufführungen aus dem Hamburger Ohnsorg-Theater große Bekanntheit im deutschsprachigen Raum.

Am Silvesterabend 1998 nahm die mittlerweile 84-jährige Schauspielerin mit einer Aufführung des Stückes „Mein ehrlicher Tag“ im Hamburger Kongresszentrum CCH Abschied von der Bühne. 2003 verschlechterte sich ihr gesundheitlicher Zustand. Sie zog in eine Seniorenresidenz in Hamburg-Othmarschen.

Obwohl Kabel sich seit 2002 zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, übernahm sie 2007 im Alter von 92 Jahren in Detlev Bucks Verfilmung von Hände weg von Mississippi eine kleine Rolle an der Seite ihrer Tochter Heidi Mahler. Heidi Kabel ist auch als Sängerin bekannt geworden. Sie nahm einige Schallplatten mit meist Hamburger Liedern auf. Die bekanntesten sind Hammonia – Mein Hamburg, ich liebe dich, In Hamburg sagt man Tschüß, An de Eck steiht’n Jung mit’n Trudelband, Hamburg ist ein schönes Städtchen, Tratschen, das tu ich nich, Der Junge von St. Pauli, Kleine Möwe flieg nach Helgoland und Ich bin die Oma aus dem Internet, wobei Letzteres nur als Werbeslogan bekannt wurde. Auch in den 1990er Jahren trat sie noch gelegentlich als Sängerin und Entertainerin auf, wie zum Beispiel im Theater Madame Lothár in Bremen, wo sie zudem im Juni 2002 bei einer Galashow anlässlich des siebzigjährigen Theaterjubiläums einen ihrer letzten öffentlichen Auftritte hatte.

Bronzestatue Heidi Kabel vor dem Ohnsorg-Theater

Heidi Kabel war ebenfalls für ihr besonderes soziales Engagement bekannt. Sie sammelte 1992 im Hamburger Hafen Geld für die Aktion Sorgenkind und wandte sich 1994 mit einer Petition an den Hamburger Senat, um auf das Schicksal einer von Abschiebung bedrohten jugoslawischen Familie von Kriegsflüchtlingen aufmerksam zu machen. Sie unterstützte unter anderem Hamburger Obdachlosenprojekte, das Kinderheim von St. Pauli und den Verein der Freunde des Tierparks Hagenbeck.[1]

Sie starb im Alter von 95 Jahren an Altersschwäche.[2] Die Trauerfeier in der St. Michaelis-Kirche in Hamburg wurde im NDR übertragen.[3] Heidi Kabel wurde auf dem Nienstedtener Friedhof in Hamburg neben ihrem Ehemann beigesetzt. Der Grabstein trägt die plattdeutsche Inschrift „To’t Leben hört de Dood“ (deutsch „Zum Leben gehört der Tod“).[4] Am 4. September 2011 wurde auf dem Hachmannplatz das Heidi-Kabel-Denkmal, eine von der Künstlerin Inka Uzoma geschaffene lebensgroße Bronzefigur, mit einem Festakt eingeweiht. Gleichzeitig wurde ein Teil des Platzes vor der neuen Spielstätte des Ohnsorg-Theaters in Heidi-Kabel-Platz umbenannt, womit das Ohnsorg-Theater nun die Adresse Heidi-Kabel-Platz 1 hat.[5]

Theaterrollen[Bearbeiten]

Heidi Kabel hat in mehr als 250 plattdeutschen Stücken mitgespielt. Hier eine Auswahl der Stücke, die auch fürs Fernsehen aufgezeichnet wurden:

  • 1954: Seine Majestät Gustav Krause (mit Walter Scherau und Otto Lüthje – 1. Fernsehübertragung aus dem Ohnsorg-Theater)
  • 1955: Das Herrschaftskind
  • 1961: Ein Mann mit Charakter
  • 1962: Tratsch im Treppenhaus (mit Henry Vahl)
  • 1962: Der Bürgermeisterstuhl
  • 1963: Vater Philipp
  • 1964: Die Kartenlegerin
  • 1966: Kein Auskommen mit dem Einkommen
  • 1968: Die Kartenlegerin
  • 1968: Verteufelte Zeiten (mit Henry Vahl)
  • 1969: Schneider Nörig (mit Henry Vahl)
  • 1969: Ein Mann mit Charakter
  • 1969: Der Bürgermeisterstuhl (mit Henry Vahl)
  • 1970: Trautes Heim
  • 1971: Mein Mann, der fährt zur See (mit Henry Vahl)
  • 1971: Der möblierte Herr (mit Henry Vahl)
  • 1972: Das Herrschaftskind
  • 1972: Zwei Engel
  • 1973: Brand-Stiftung
  • 1973: Rund um Kap Hoorn (Eine lustige Küstenfahrt)
  • 1974: Der schönste Mann von der Reeperbahn (Musical)
  • 1974: Tratsch im Treppenhaus
  • 1974: Für die Katz
  • 1975: Frau Pieper lebt gefährlich
  • 1975: Der Weiberhof
  • 1975: Mutter Griepsch mischt mit
  • 1976: Frauen an Bord
  • 1976: Die Chefin
  • 1976: Wenn der Hahn kräht
  • 1977: Die Venus von Müggensack
  • 1977: Mudder Mews
  • 1978: Willems Vermächtnis
  • 1979: Ein Mann mit Charakter
  • 1980: Lotte spielt Lotto
  • 1981: Kollege Generaldirektor
  • 1981: Das Kuckucksei
  • 1981: Mutter ist die Beste
  • 1982: Die Kartenlegerin
  • 1982: Verteufelte Zeiten
  • 1983: Der Lorbeerkranz
  • 1983: Gute Nacht, Frau Engel
  • 1986: Der Trauschein
  • 1988: Wenn du Geld hast
  • 1989: Ein Mann ist kein Mann
  • 1989: Der Bürgermeisterstuhl
  • 1993: Manda Voss wird 106
  • 1995: Die Brandstiftung
  • 1997: Mein ehrlicher Tag
  • 1997: Frau Sperlings Raritätenladen

Eine Auswahl der Stücke, die nicht fürs Fernsehen aufgezeichnet wurden:

  • Ralves Carstens (1932)
  • Die Königin von Honolulu
  • Keine Leiche ohne Lilly
  • Oh diese Eltern
  • Rummelplatzgeschichten

Filmografie[Bearbeiten]

Videoclips[Bearbeiten]

  • Das Lied des Nordens, Norddeutscher Rundfunk Hamburg (2001)

Heidi Kabel war oft in kleinen Werbefilmchen für die ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne – Mit 5 Mark sind Sie dabei“ zu sehen, beispielsweise 1966 an der Seite des Ohnsorg-Kollegen Otto Lüthje oder 1969/70 mit Henry Vahl.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

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Einen ihr angetragenen Bundesverdienstorden lehnte sie entsprechend hanseatischer Tradition ab (siehe auch: Hanseaten und Auszeichnungen).

Literatur[Bearbeiten]

  • Jan H. Mahler, Carsten Wittmaack: Heidi Kabel. Sag ja zum Leben. 1. Auflage, Militzke, 2004, ISBN 978-3-86189-704-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heidi Kabel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jan Hinnerk Mahler/Carsten Wittmaack: Sag ja zum Leben. insbesondere Seiten 233–243. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2006, ISBN 978-3-404-61585-8.
  2. Heidi Kabel ist tot auf T-Online.de (abgerufen am 15. Juni 2010)
  3. NDR Fernsehen überträgt Trauerfeier und widmet der Schauspielerin Themenabend finanznachrichten.de vom 25. Juni 2010
  4. knerger.de: Das Grab von Heidi Kabel und Hans Mahler
  5. ndr.de: Hamburg setzt Heidi Kabel ein Denkmal, 4. September 2011, Zugriff am 8. April 2012