Heubach (Odenwald)

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49.8416666666678.9644444444444184Koordinaten: 49° 50′ 30″ N, 8° 57′ 52″ O

Heubach
Wappen von Heubach
Höhe: 184 m
Einwohner: 1765
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64823
Vorwahl: 06078
Karte

Lage von Heubach in Groß-Umstadt


Heubach ist ein Stadtteil der südhessischen Stadt Groß-Umstadt im Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Geografie[Bearbeiten]

Heubach liegt im nördlichen Teil des Naturparks Bergstraße/Odenwald, von der Bundesstraße 45 (Ferienstraße Alpen-Ostsee) aus 1500 Meter in Richtung Osten, eingebettet in ein romantisches Seitental des Odenwalds. Wie die anderen Gemeinden, die das mittelalterliche Städtchen Groß-Umstadt umrahmen und 1977 eingemeindet wurden, ist der historische Ort ruhig und idyllisch gelegen, und hat in den letzten Jahren neue Bewohner angezogen, die vorher in einer der großen Städte des Großraums Frankfurt gelebt haben. Der Name Heubach hat nichts mit dem Wort Heu zu tun, sondern mit dem heutigen Wort Hain (kleiner Wald) und bezeichnet also ein Wäldchen am Bach.

Geschichte[Bearbeiten]

Ortswappen aus dem frühen 19. Jahrhundert
Fachwerkhäuser am Marktplatz
Der Marktplatz mit dem Dorfbrunnen
Die kleine lutherische Kirche

Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung in der Region sind frühsteinzeitliche Ausgrabungen bei Groß-Umstadt. Aus der Jungsteinzeit stammen Funde der Schnurkeramiker in Grabhügeln im Bereich Groß-Umstadt, aber auch Hügelgräber aus der Nähe Heubachs. Auch Funde aus der Bronzezeit und Spuren der Kelten und Römer gibt es in der Gegend. Nach harten Kämpfen müssen die römischen Legionen um 260 n. Chr. den die Region zwischen Rhein und Main den Alemannen überlassen, die dem Odenwald nach ihrem höchsten Gott Odin seinen Namen geben. Sie werden im 5. Jahrhundert von den Franken besiegt, von denen Gräber in Groß-Umstadt zeugen. Unter ihrem Fürst Chlodwig, der zwischen 481 und 511 regiert, werden alle Einwohner des Frankenreichs und auch die Menschen in Heubach christlich. Der Karolingerfürst Pippin, Vater von Karl dem Großen, schenkt im Jahr 766 die Umstädter Mark und damit auch Heubach dem Kloster Fulda.

Zwischen 1100 und 1200 entsteht die erste Steinkirche in Heubach, Vorgängerin der heutigen evangelisch-reformierten Kirche am Marktplatz, und auch die Burgen Breuberg (8 Kilometer von Heubach entfernt) und Otzberg (in vier Kilometer Entfernung) werden gebaut. Im Jahr 1303 wird der Ort erstmals schriftlich erwähnt, in einem Grundstücks-Kaufvertrag zwischen einem Heubacher Bürger und dem Kloster Höchst im Odenwald. Bis 1399 ist die Gemeinde im Besitz der Herren von Bickenbach, danach bis 1803 kurpfälzischer Besitz, als es durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zugesprochen wird.[1] Mit dem Rest der Kurpfalz wird Heubach in der Mitte des 16. Jahrhunderts protestantisch, und leidet im Dreißigjährigen Krieg unter Zerstörung, Seuchen und Tod. Am Ende des Krieges im Jahr 1648 hat Heubach nur noch drei Einwohner. Nach dem verheerenden Krieg betrieb die Kurpfalz auf ihrem Gebiet eine durch religiöse Toleranz geprägte Wiederansiedlungspolitik. Doch die in der unruhigen Folgezeit ausbrechenden Kriege wie der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688–1697) und der Spanische Erbfolgekrieg (1701–1714) machte viele der Bemühungen wieder zunichte und Zehntausende Pfälzer emigrierten u.a. nach Nordamerika und Preußen.

Auch in religiöser Hinsicht war die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg von großer Unruhe geprägt. 1685 starb die reformierte Linie Pfalz-Simmern aus und die katholischen Vettern der Linie Pfalz-Neuburg traten mit Kurfürst Philipp Wilhelm die Regierung in der Kurpfalz an. Dieser ordnete die Gleichstellung des katholischen Glaubens, in der mehrheitlich evangelischen bevölkerten Pfalz, an. Schon während des Pfälzischen Erbfolgekriegs hatte Frankreich versucht in den eroberten Gebieten die Gegenreformation voran zu treiben, und etliche katholische Pfarreien gegründet. Der Krieg endete 1697 mit dem Frieden von Rijswijk, der die Stellung des zu diesem Zeitpunkt regierenden katholischen Kurfürsten Johann Wilhelm stärkte. Dies führte am 26. Oktober 1698 zum Erlass des Simultaneum. Danach waren die Katholiken berechtigt alle reformierten Einrichtungen wie Kirchen, Schulen und Friedhöfe mitzunutzen, während dies umgekehrt nicht erlaubt wurde. Weiterhin wurde die bis dahin selbständige reformierte Kirchenverwaltung dem Landesherren unterstellt. Erst auf betreiben Preußens kam es 1705 zur sogenannten Pfälzische Kirchenteilung in der das Simultanum rückgängig gemacht wurde und die Kirchen im Land wurden mitsamt Pfarrhäusern und Schulen zwischen den Reformierten und den Katholiken im Verhältnis fünf zu zwei aufgeteilt. Sonderregelungen gab es für die drei Hauptstädte Heidelberg, Mannheim und Frankenthal sowie die Oberamtsstädte Alzey, Kaiserslautern, Oppenheim, Bacharach und Weinheim. In den Städten mit zwei Kirchen sollte die eine den Protestanten und die andere den Katholiken zufallen; in den anderen, wo nur eine Kirche bestand, der Chor vom Langhaus durch eine Mauer geschieden, und jener den Katholiken, dieses den Protestanten eingeräumt werden. Den Lutheranern wurden nur jene Kirchen zugestanden, die sie im Jahr 1624 besaßen oder danach gebaut hatten.

1702 kann die katholische Pfarrei Heubachs wieder errichtet werden, und bis 1759 erbauen die evangelisch-reformierte und auch die lutherische Gemeinde jeweils eine neue Kirche und Schule. 1806 entsteht unter Druck von Napoléon Bonaparte das Großherzogtum Hessen, zu dem damit auch Heubach gehört und in dem es als das „ärmste Dorf des Großherzogs“ bekannt wird. Seit 1817 wird in der Nähe Heubachs Sandstein abgebaut und einige Einwohner erzielen ein neues Einkommen. Trotzdem wandern zu Anfang des 19. Jahrhunderts besonders viele Hessen und auch Heubacher nach Amerika aus. 1871 wird die Eisenbahnlinie zwischen Wiebelsbach-Heubach, Reinheim und Darmstadt gebaut, 1896 kommt eine Linie zwischen Reinheim, Dieburg und Offenbach hinzu.

Ab 1884 wird an der neuen Schule am Wingertsberg unterrichtet, nicht mehr an den drei kleinen Konfessionsschulen, und 1912 wird der Bau eines neuen Rathauses beendet. Nach zwei Weltkriegen mit vielen Toten und dem Zuzug etlicher Deutscher aus den Ostgebieten vereinigen sich 1969 die zwei protestantischen Kirchengemeinden und im Jahr 1977 verliert Heubach mit der Eingemeindung nach Groß-Umstadt die bisherige Unabhängigkeit.

1955 war Heubach Schauplatz der dramatischen Entführung des geflohenen Stasi-Offiziers Sylvester Murau, der mithilfe seiner eigenen Tochter Brigitte Cullmann von Stasi-Agenten in eine Falle gelockt wurde und anschließend in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet wurde. Der Autor Jürgen Schreiber stellte bei den Recherchen für sein Buch "Die Stasi lebt" fest, dass Brigitte Cullmann sich der tödlichen Folgen für ihren Vater voll bewusst war, der sich zu diesem Zeitpunkt in dem Gasthof "Goldene Krone" versteckt hielt. 1979 heiratete sie - nun Brigitte Schubert (alias IM Honett) - den für die Planung der Aktion verantwortlichen Stasi-Major Albert Schubert. Die heute in Berlin-Hellersdorf lebende Schubert wurde im Gegensatz zu den beiden Mittätern nie verurteilt. Wegen des dörflichen Umfeldes fand dieser Fall jedoch nie die gleiche Beachtung wie der ähnliche Fall des in West-Berlin entführten und anschließend in Moskau hingerichteten Walter Linse.

Historische Ortsnamen und Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

In den historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt[1]:

  • Heipach (1303)
  • Haypach (1322)
  • Heippach (1376)
  • Heupach an der Wiesen (1398-1400)
  • Heuppach (1454)
  • Haupach (1495)
  • Hawbach (1524)
  • Haybach (1570)
  • Haubach (16. Jahrhundert)

Dokumentierte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1633: 125 Einwohner
  • 1829: 916 Einwohner
  • 1939: 1030 Einwohner
  • 1961: 1398 Einwohner
  • 1970: 1512 Einwohner
Heubach: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
1.018
1840
  
1.118
1846
  
1.116
1852
  
1.103
1858
  
1.001
1864
  
1.071
1871
  
1.133
1875
  
1.144
1885
  
1.100
1895
  
1.254
1905
  
1.217
1910
  
1.139
1925
  
1.146
1939
  
1.030
1946
  
1.300
1950
  
1.318
1956
  
1.297
1961
  
1.398
1967
  
1.506
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Verwaltungseinheiten[Bearbeiten]

Im Lauf der Geschichte gehörte der Ort zu den folgenden dokumentierten Verwaltungseinheit[1]:

Verkehr[Bearbeiten]

Durch die Entfernung von nur 1,5 km zur B 45, von der die Straße nach Heubach den einzigen Zufahrtsweg in das kleine Tal darstellt, hat der Ort eine gute Verkehrsanbindung an die regionalen Zentren, liegt aber ohne jeden Durchgangsverkehr doch sehr ruhig. Die Kernstadt von Groß-Umstadt im Norden ist weniger als vier Kilometer entfernt, und die Nachbargemeinde Höchst im Odenwald (jenseits der Kreisgrenze zum Odenwaldkreis) im Süden zehn Kilometer. Für den Weg nach Darmstadt braucht man mit dem Auto knapp 30 Minuten, bis nach Frankfurt am Main sind es etwa 50 Minuten. Der Bahnhof Groß-Umstadt Wiebelsbach ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen Eberbach und Erbach im Süden sowie Darmstadt und Frankfurt im Nordwesten, und auch in Richtung Babenhausen und Hanau im Norden. Dazu ist das Tal durch den Silberwald vor dem Lärm der B45 zusätzlich geschützt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heubach (Odenwald) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHeubach, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 23. Juli 2012, abgerufen am 1. September 2012.