Odenwaldkreis

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Dieser Artikel behandelt den Odenwaldkreis in Hessen. Zum ehemaligen Odenwaldkreis in Baden-Württemberg siehe Neckar-Odenwald-Kreis.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Odenwaldkreises Deutschlandkarte, Position des Odenwaldkreises hervorgehoben49.6633536499238.994015455246Koordinaten: 49° 40′ N, 9° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Verwaltungssitz: Erbach
Fläche: 623,97 km²
Einwohner: 96.648 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 155 Einwohner je km²
Kfz-Kennzeichen: ERB
Kreisschlüssel: 06 4 37
Kreisgliederung: 15 Gemeinden
Adresse der
Kreisverwaltung:
Michelstädter Straße 12
64711 Erbach
Webpräsenz: www.odenwaldkreis.de
Landrat: Dietrich Kübler (ÜWG)
Lage des Odenwaldkreises in Hessen
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Über dieses Bild

Der Odenwaldkreis ist ein Landkreis im Regierungsbezirk Darmstadt in Hessen. Mit etwas weniger als 100.000 Einwohnern ist er der bevölkerungsärmste Landkreis Hessens.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Der Odenwaldkreis ist der einzige Landkreis, der mit dem gesamten Kreisgebiet im Odenwald liegt, somit dessen Kerngebiet umfasst. Zentraler Landschaftsteil des Odenwaldkreises ist das in Süd-Nord-Richtung verlaufende Mümlingtal und die dieses östlich und westlich begleitenden Höhenzüge. Entlang der Mümling sind die größten Städte des Kreises aufgereiht: Beerfelden, Erbach, Michelstadt, Bad König und Höchst. Im Nordwesten reicht das Kreisgebiet in einen Teil der Gersprenzniederung hinein und im Süden gibt es jenseits der Hauptwasserscheide von Main und Neckar einige Täler, die nach Süden dem Neckar zustreben: der Finkenbach, der Gammelsbach, der Sensbach und die Itter.

Die höchsten Erhebungen des Odenwaldkreises sind der Kohlwald (560,4 m ü. NN) nordwestlich von Bullau, die Sensbacher Höhe (558 m ü. NN) und der Krähberg (555 m ü. NN), beide in der Gemarkung Ober-Sensbach. Würzberg und Bullau sind mit 515 Meter die beiden höchstgelegenen Ortschaften des Kreises und die tiefstgelegene ist Hainstadt an der Mümling kurz vor der bayerischen Grenze mit 143 m.

Nachbarkreise[Bearbeiten]

Der Odenwaldkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Darmstadt-Dieburg (in Hessen), Miltenberg (in Bayern), Neckar-Odenwald-Kreis und Rhein-Neckar-Kreis (beide in Baden-Württemberg) sowie Bergstraße (wiederum in Hessen).

Geschichte[Bearbeiten]

Bis zur Mediatisierung 1806 war das Gebiet des Odenwaldkreises, in ähnlichen Grenzen wie seit der Kreisreform, ein reichsunmittelbares Territorium der Grafen von Erbach und kam dann zum Großherzogtum Hessen. Nach Verkündung der Verfassung des Großherzogtums am 17. Dezember 1820 folgte am 14. Juli 1821 eine umfassende Verwaltungsreform. Statt der Ämter wurden nun Landratsbezirke eingesetzt. Dies waren die Vorläufer der Kreise. In Erbach wurde 1822 für die Gräflich Erbachischen und Erbach-Fürstenauischen Ämter der Landrats- und Gerichtsbezirk Erbach gegründet. Ebenfalls 1822 entstand ein Landrats- und Gerichtsbezirk Breuberg mit Sitz in Neustadt (ab 1847) bzw. Höchst im Odenwald. Mit Gesetz vom 31. Juli 1848 wurden die Verwaltungseinheiten ein weiteres Mal vergrößert. An die Stelle der Kreise und Landratsbezirke traten nunmehr Regierungsbezirke, wobei die bisherigen Landratsbezirke Breuberg und Erbach zum Regierungsbezirk Erbach vereinigt wurden, hinzu kam der Landratsbezirk Wimpfen, eine Exklave in Baden. Bereits vier Jahre später kehrte man aber zur Einteilung in Kreise zurück, wodurch neben dem Kreis Erbach, der Kreis Neustadt und der Kreis Wimpfen gegründet wurden. Am 1. Juli 1874 wurden der Kreis Neustadt wieder aufgelöst und die Gemeinden wurden in den Kreis Erbach integriert. Ebenso wurde der Kreis Lindenfels aufgelöst und gab einige Gemeinden an den Kreis Erbach ab.

Im Zuge der 1874 im Großherzogtum Hessen nach preußischem Vorbild vorgenommenen Reform der Kreisverfassung kam es auch zu einer neuen Kreiseinteilung. Die damals geschaffene Gliederung des Großherzogtum in sieben die Provinz Starkenburg bildende Kreise (Bensheim, Darmstadt, Dieburg, Erbach, Groß-Gerau, Heppenheim, Offenbach) hatte mehr als sechs Jahrzehnte Bestand. Nach der 1936 erfolgten Auflösung der Provinzial- und Kreistage im nunmehrigen Volksstaat Hessen (ab 1918) und der 1937 durchgeführten Aufhebung der drei Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen brachte das Jahr 1938 eine Überprüfung der Kreisgrenzen. Am 1. November 1938 wurde in Hessen eine einschneidende Gebietsreform durchgeführt. In jeder der drei hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen wurde jeweils ein Kreis aufgelöst. In Starkenburg war davon der Kreis Bensheim betroffen. Dieser wurde zum größten Teil dem Kreis Heppenheim zugeschlagen, der auch zum Rechtsnachfolger des Kreises Bensheim wurde. Die neue Verwaltungseinheit wurde in Landkreis Bergstraße umbenannt.

Einige Monate später wurden jedoch die Städte Darmstadt, Gießen, Mainz, Offenbach und Worms als Stadtkreise verselbständigt. Diese so geschaffene Kreiseinteilung des Volksstaates hatte zunächst bis zum Kriegsende 1945 Bestand.

Im Vorfeld der Gebietsreform in Hessen kam am 1. Juli 1971 die Gemeinde Laudenau aus dem Kreis Bergstraße nach einer Bürgerbefragung zum Landkreis Erbach, als sie sich der Gemeinde Reichelsheim (Odenwald) anschloss. Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Neugliederung des Landkreises Erbach vergrößerte sich das Kreisgebiet am 1. August 1972 um die Gemeinden Fränkisch-Crumbach und Brensbach (mit Wersau) aus dem Landkreis Dieburg.[2] Zugleich erhielt der Kreis den Namen Odenwaldkreis.

Politik[Bearbeiten]

Kreistag[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[3]

Kommunalwahl im Odenwaldkreis 2011
 %
40
30
20
10
0
34,1 %
25,4 %
17,5 %
14,6 %
3,1 %
2,9 %
2,4 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-9,5 %p
-3,9 %p
+6,9 %p
+8,3 %p
-0,7 %p
-0,2 %p
-0,9 %p
Sitzverteilung im Kreistag
2
17
7
9
2
13
1
17 13 
Von 51 Sitzen entfallen auf:
Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 34,1 17 43,6 22 45,8 23
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 25,4 13 29,3 15 28,7 15
ÜWG Überparteiliche Wählergemeinschaft für den Odenwaldkreis 17,5 9 10,6 5 12,0 6
Grüne Bündnis 90/Die Grünen 14,6 7 6,3 3 7,0 4
FDP Freie Demokratische Partei 3,1 2 3,8 2 2,9 1
Linke Die Linke 2,9 2 3,1 2
REP Die Republikaner 2,4 1 3,3 2 3,5 2
Gesamt 100,0 51 100,0 51 100,0 51
Wahlbeteiligung in % 51,3 52,6 59,8

Landrat[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Wappen von Odenwaldkreis
Blasonierung:

„Auf goldenem Grund eine schwarze, bewurzelte Eiche, begleitet von drei sechsstrahligen roten Sternen“

Beschreibung:

Die Eiche steht für die Wälder der Region, die dem Kreis auch ihren Namen gegeben haben. Die drei Sterne wurden dem Wappen der Grafen von Erbach entnommen, die diese Region bis 1806 beherrscht haben. Das Wappen wurde am 20. November 1956 verliehen.

Landratsamt[Bearbeiten]

Landratsamt in Erbach

Das Gebäude des Landratsamtes wurde 1902–1904 vom Wormser Stadtbaumeister und späterem Professor der Technischen Hochschule Darmstadt, Karl Christian Hofmann (1856–1933), im Renaissancestil entworfen und vom Bauunternehmer und Steinmetz Adam Hild aus Hetzbach errichtet. Erweiterungsbauten wurden 1960 und 1989 notwendig.

An dieser Stelle befand sich ehemals die Gerichtsstätte der Erbacher Zent und danach eine Ziegelhütte.

Kultur[Bearbeiten]

  • Das Deutsche Elfenbeinmuseum Erbach präsentiert der Öffentlichkeit an diesem bedeutenden europäischen Standort der Elfenbeinschnitzerei eine einzigartig umfangreiche Sammlung von mehr als 2000 Exponaten unterschiedlichster Herkunft und Entstehungszeit.
  • Breuberger Bildhauerinnen, der Kunstverein Breuberg und die Bürgerstiftung laden seit 2002 jedes Jahr Bildhauer zu einem Treffen ein, um Kunstwerke für das Skulpturenfeld auf der Breuberger Aue zu schaffen. 2010 standen 18 Skulpturen auf dem Feld.[4]

Städte und Gemeinden[Bearbeiten]

Breuberg Höchst im Odenwald Lützelbach Bad König Brensbach Brombachtal Fränkisch-Crumbach Reichelsheim (Odenwald) Mossautal Michelstadt Erbach (Odenwald) Hesseneck Beerfelden Sensbachtal Rothenberg Landkreis Darmstadt-Dieburg Bayern Baden-Württemberg Baden-Württemberg Kreis Bergstraße Kreis Bergstraße Kreis BergstraßeMunicipalities in ERB.svg
Über dieses Bild

(Einwohner am 31. Dezember 2012[5])

Städte

  1. Bad König (9398)
  2. Beerfelden (6423)
  3. Breuberg (7407)
  4. Erbach (13.485)
  5. Michelstadt (16.389)

Gemeinden

  1. Brensbach (5064)
  2. Brombachtal (3510)
  3. Fränkisch-Crumbach (3205)
  4. Hesseneck (644)
  5. Höchst i. Odw. (9974)
  6. Lützelbach (6873)
  7. Mossautal (2485)
  8. Reichelsheim (Odenwald) (8532)
  9. Rothenberg (2302)
  10. Sensbachtal (957)

Kfz-Kennzeichen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1956 wurde dem Vorgänger des Odenwaldkreises, dem Landkreis Erbach, das Unterscheidungszeichen ERB zugewiesen. Dieses wurde auch nach der am 1. August 1972 erfolgten Umbenennung in Odenwaldkreis weiter benutzt und wird durchgängig bis heute ausgegeben.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Erbach vom 11. Juli 1972, GVBl. I S. 224
  3. Hessisches Statistisches Landesamt: Endgültiges Ergebnis der Kreiswahl
  4. Breuberg-Neustadt Skulpturenpark auf der Aue
  5. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Odenwaldkreis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Portal: Odenwald – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Odenwald