Homosexualität im Iran

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Homosexualität im Iran ist gesellschaftlich tabuisiert und homosexuelle Handlungen sind strafbar. Seit der Islamischen Revolution von 1979 wurden im Iran über 4000 Homosexuelle öffentlich hingerichtet.

Rechtslage[Bearbeiten]

Im Iran befassen sich die Artikel 63 bis 164 des Strafgesetzes[1] mit der Zina: das sind Vergehen unerlaubten Geschlechtsverkehrs, die mit hadd-Strafen geahndet werden.

Art. 74: Der unerlaubte Geschlechtsverkehr wird durch vier rechtschaffene männliche Zeugen oder durch drei rechtschaffene männliche und zwei rechtschaffene weibliche Zeugen bewiesen.

Das 2.Kapitel befasst sich mit schwulem Geschlechtsverkehr:

Analverkehr:
Art. 108: Homosexueller Verkehr ist der geschlechtliche Verkehr eines Mannes mit einem Mann durch Eindringen des Gliedes oder beischlafähnliche Handlungen.

Art. 110: Die hadd-Strafe für Homosexualität in der Form des Verkehrs ist die Todesstrafe.
Verurteilte werden im Iran durch öffentliches Erhängen getötet. So geriet 2005 in die internationale Medien unter anderem die Hinrichtung der iranischen Jugendlichen Mahmoud Asgari und Ayaz Marhoni in Maschhad in den Mittelpunkt der internationalen Menschenrechtskritik am Iran.[2] Ebenso gelangte 2005 die Erhängung zweier weiterer iranischer Männer in Gorgan in die Medienberichterstattung von Menschenrechtsgruppen.[3]

Schwuler Sex ohne Analverkehr:
Art. 121: Die hadd-Strafe für beischlafähnliche oder vergleichbare Handlungen zwischen zwei Männern ohne Eindringen des Gliedes ist für jeden hundert Peitschenhiebe. (Falls der aktive Teil ein Nichtmuslim ist und der passive Teil ein Muslim, ist die hadd-Strafe für den aktiven Teil die Todesstrafe.)

Art. 122: Werden die beischlafähnlichen oder vergleichbaren Handlungen dreimal wiederholt […], so ist die hadd-Strafe beim vierten Mal die Todesstrafe.

Art. 123: Liegen zwei Männer, die nicht miteinander blutsverwandt sind, ohne Notwendigkeit nackt unter derselben Decke, so werden beide mit einer taczir-Strafe von bis zu neunundneunzig Peitschenhieben bestraft.

Art. 124: Wer einen anderen aus Wollust küsst, wird mit einer taczir-Strafe von bis zu sechzig Peitschenhieben bestraft.

Art. 126: Bereut eine Person, die homosexuellen Verkehr, beischlafähnliche oder vergleichbare Handlungen begangen hat, bevor die Zeugen ausgesagt haben, so entfällt die hadd-Strafe; bereut sie dagegen, nachdem die Zeugen ausgesagt haben, so entfällt die hadd-Strafe nicht.

Das 3. Kapitel befasst sich mit lesbischem Geschlechtsverkehr:

Art. 129: Die hadd-Strafe für lesbische Liebe ist für jeden hundert Peitschenhiebe.

Art. 131: Wurde die lesbische Liebe dreimal wiederholt und ist jedes Mal eine hadd-Strafe verhängt worden, so ist die hadd-Strafe beim vierten Mal die Todesstrafe.

Auffälligerweise steht Transsexualität im Iran aufgrund einer Fatwa von Ayatollah Chomeini nicht unter Strafe. Das heißt, ein schwules oder lesbisches Paar kann seine Sexualität leben und offiziell verheiratet lebenslang zusammenbleiben, wenn einer die Umwandlung des Körpergeschlechtes durchführen lässt, so dass nach außen wieder die Heterosexualität gewahrt ist. Eine weitere Besonderheit ist Art. 126, der von Sure 4 Vers 26 abgeleitet ist: Es heißt, dass homosexuelle Delinquenten (auch Frauen) ihrer Bestrafung entrinnen können, wenn sie bereuen und bevor Zeugen ausgesagt haben.[1]

Gesellschaftliche Situation[Bearbeiten]

Aufgrund der Illegalität bestehen keine LGBT-Gemeinschaften im Iran. Homosexuelle Menschen werden in den gesellschaftlichen Untergrund gedrängt.[4] Generell ist das gesellschaftliche Leben aufgrund der strengen Religionsvorschriften und der staatlichen Überwachung seitens Polizei und Geheimdienst stark eingeschränkt.[5][6] 2008 veröffentlichte die Filmregisseurin Tanaz Eshaghian den Dokumentarfilm Be Like Others, der den gesellschaftlichen Druck und die staatlichen Repressionen gegen iranische transsexuelle und homosexuelle Menschen thematisiert. In Kanada hat sich die LGBT-Organisation Iranian Railroad for Queer Refugees gegründet.[7]

Nicht zuletzt aufgrund der Repressalien ist es dem iranischen Präsidenten, Mahmud Ahmadinedschad, möglich gewesen, zu behaupten, in Iran gäbe es keine Homosexuellen.[8] Die Schutzaltersgrenze zur Ehefähigkeit – neben der Fatwa – liegt bei 14 Jahren bei Jungen und 9 Jahren bei Frauen.[9]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Strafgesetze der Islamischen Republik Iran (= Sammlung Außerdeutscher Strafgesetzbücher in deutscher Übersetzung, Bd. 106). Übersetzt und eingeleitet von Silvia Tellenbach. Hrsg. A. Eser, H.-H. Jescheck, G. Kaiser. Walter de Gruyter, Berlin/New York 1996, ISBN 3-11-014884-6 (auch veröffentlicht in: Der Prophet des Islam (www.derprophet.info), Arbeitskreis Religion und Menschenrechte).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Zitiert nach: Strafgesetze der Islamischen Republik Iran, Sammlung Außerdeutscher Strafgesetzbücher in deutscher Übersetzung, Bd. 106, Berlin 1995.
  2. Amnesty International: Iran continues to execute minors and juvenile offenders
  3. Human Rights Watch: Iran: Two More Executions for Homosexual Conduct (englisch)
  4. Queer:Iran: Homosexualität ist eine Krankheit
  5. Amnesty USA: Amnesty International Calls on Iran to Explain Arrests of 17 Men Who Were Reportedly Beaten and Held for “Homosexual Conduct”, Saying They May Have Been Tortured in Prison (englisch)
  6. Human Rights Watch: Iran Private Homes Raided for Immorality (englisch)
  7. Iranian Railroad for Queer Refugees
  8. Antonia Rados: Schwule? Gibt's hier nicht, in: Cicero, November 2007.
  9. Tahrirolvasyleh, 4. Auflage, Qom 1990.