Gardelegen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gardelegen
Gardelegen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gardelegen hervorgehoben
52.52638888888911.392543Koordinaten: 52° 32′ N, 11° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Altmarkkreis Salzwedel
Höhe: 43 m ü. NHN
Fläche: 632,24 km²
Einwohner: 23.237 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 37 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 39638, 39649
Vorwahlen: 03907, 039004, 039006, 039056, 039085, 039087, 039088
Kfz-Kennzeichen: SAW, GA, KLZ
Gemeindeschlüssel: 15 0 81 135
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rudolf-Breitscheid-Str. 3
39638 Gardelegen
Webpräsenz: www.gardelegen.info
Bürgermeister: Konrad Fuchs (SPD)
Lage der Stadt Gardelegen im Altmarkkreis Salzwedel
Apenburg-Winterfeld Arendsee (Altmark) Beetzendorf Dähre Diesdorf Gardelegen Jübar Kalbe (Milde) Klötze Kuhfelde Rohrberg Salzwedel WallstaweKarte
Über dieses Bild

Die Hansestadt Gardelegen ist eine Mittelstadt im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt. Sie ist nach der Fläche die drittgrößte Stadt Deutschlands.

Geographie[Bearbeiten]

Gardelegen liegt in der südwestlichen Altmark zwischen Berlin und Hannover, nördlich von Magdeburg. Nachbargemeinden sind Klötze und Kalbe (Milde) im Altmarkkreis Salzwedel, Bismark (Altmark), Stendal und Tangerhütte im Landkreis Stendal sowie Burgstall, Westheide, Calvörde und Oebisfelde-Weferlingen im Landkreis Börde. Seit der Eingliederung von 18 ehemals selbstständigen Gemeinden zum 1. Januar 2011 ist Gardelegen, nach Berlin und Hamburg, mit seinen gut 630 km² der Fläche nach die drittgrößte Stadt Deutschlands. Darüber hinaus ist die Hansestadt Gardelegen Garnisonsstadt für den nahgelegenen Truppenübungsplatz Altmark. Markantes und weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt sind die drei Glockentürme von Nicolaikirche, Rathaus und Marienkirche.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

In der Stadt bestehen folgende Ortschaften:[2]

außerdem die Gebiete der ehemaligen Gemeinden, die keine Ortschaften gebildet haben:

Ortschaften von Gardelegen.svg Algenstedt Berge Breitenfeld Dannefeld Estedt Gardelegen Hemstedt Hottendorf Jeggau Jeseritz Kloster Neuendorf Köckte Letzlingen Lindstedt Mieste Miesterhorst Peckfitz Potzehne Roxförde Sachau Schenkenhorst Seethen Seethen Sichau Sichau Solpke Wannefeld Wiepke Zichtau Jävenitz Jerchel Jerchel Kassieck
Über dieses Bild

Als Ortsteile der Stadt sind ausgewiesen (Stand: 1. Januar 2011):[3] (in Klammern die Postleitzahl; der postalische Ort ist überall Gardelegen.)

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Gardelegen[4]
Die durchschnittliche Lufttemperatur in Gardelegen beträgt 8,5 °C, die jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 563 Millimetern.

Geschichte[Bearbeiten]

Gardelegen um 1650
Burg Gardelegen
Luftbild des Stadtkerns von Nordwesten

Die erste Erwähnung Gardelegens als Sitz des Heinricus comes de Gardelege ist auf das Jahr 1186 datiert. Graf Heinrich von Gardelegen, ein Bruder Markgraf Ottos II. von Brandenburg, erscheint in diesem Jahr als Zeuge einer Urkunde des Bischofs von Brandenburg, die im Brandenburger Domstiftsarchiv liegt.[5] In der Lehensauftragung brandenburgischer Güter an das Erzbistum Magdeburg wird auch Gardelegen 1196 als Burg (castrum) und Flecken (oppidum) (siehe auch Burg Gardelegen) erwähnt. Die Verleihung des Braurechtes erfolgte 1314. Seit damals wurde in Gardelegen das Garleybier gebraut. Garley ist damit der weltweit älteste durchgehend bis heute genutzte Markenname. 1316 erwarb die Stadt das Schulzenamt und damit die „Hohe Gerichtsbarkeit“. Gardelegen trat 1353 dem Altmärkischen Städtebund und 1358 der Hanse bei. Im Jahr 1488 kam es zu einem Bierziesestreit mit dem Kurfürsten. 1553 war der Bau der Stadtbefestigung mit Magdeburger, Stendaler und Salzwedeler Tor abgeschlossen.

In den Jahren 1658, 1667 und 1685 zerstörten Stadtbrände große Teile Gardelegens. 1715 erhielt Gardelegen eine brandenburgisch-preußische Garnison. Nach Bildung des Kreises Gardelegen mit 144 Dörfern wurde Gardelegen 1816 Kreisstadt.

In der Endphase des Zweiten Weltkrieges starben am 15. März 1945 52 Menschen bei einem Angriff der 8. US Air Force auf die Bahnanlagen von Gardelegen. Die Nicolaikirche und andere Gebäude wurden zerstört. Am 13. April 1945 fand ein grausamer Massenmord in der Nähe Gardelegens statt: in der Isenschnibber Feldscheune ermordete die SS auf Anweisung des NSDAP-Kreisleiters Gerhard Thiele und mit Unterstützung der Bürger der Stadt 1016 KZ-Häftlinge.[6] Einen Tag später wurde die Stadt kampflos der US-Armee übergeben. Im Sommer 1945 zogen die Amerikaner vereinbarungsgemäß aus dem von ihnen besetzten Teil der Sowjetischen Besatzungszone ab. Truppen der Roten Armee rückten in Gardelegen ein.

1952 wurde Gardelegen Kreisstadt im Bezirk Magdeburg. Am 10. März 1964 schoss die sowjetische Flugabwehr in der Nähe der Stadt ein US-Aufklärungsflugzeug des Typs RB-66 ab. Der Besatzung warf man Spionage vor.[7] Gardelegen verlor den Kreisstadtstatus am 1. Juli 1994 und ist seitdem kreisangehörige Stadt des Altmarkkreises Salzwedel. Seit dem 28. Mai 2008 trägt die Stadt den Namenszusatz Hansestadt. Die Stadt war vom 24. bis 26. Juni 2011 Ausrichter des 15. Sachsen-Anhalt-Tages, der unter dem Motto „Auf allen Wegen – ab nach Gardelegen“ stattfand und von rund 150.000 Gästen besucht wurde.

Eingemeindungen

Am 1. Juli 2009 wurden die Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Gardelegen Stadt nach Gardelegen eingemeindet und die Stadt somit Einheitsgemeinde. Am 1. Januar 2010 erfolgte die Eingemeindung von Jeseritz, Potzehne, Roxförde, Wannefeld, Wiepke und Zichtau. Zum 1. Januar 2011 wurden durch einen Beschluss des Landtags die Orte Breitenfeld, Dannefeld, Estedt, Hottendorf, Jävenitz, Jeggau, Jerchel, Kassieck, Köckte, Letzlingen, Lindstedt, Mieste, Miesterhorst, Peckfitz, Sachau, Seethen, Sichau und Solpke eingemeindet.[8]

Politik[Bearbeiten]

Rathaus von Gardelegen
Rathaus (Detail)

Stadtrat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 führte zu folgender Zusammensetzung des Gardelegener Stadtrats:

Fraktion Sitze
CDU 12
SPD 7
Die Linke 4
Freie Liste 2
Liste Feuerwehr 5
Gemischte Fraktion 6
Gesamt 36

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 5. Juli 2004 durch das Ministerium des Innern genehmigt.

Blasonierung: „Gespalten in Silber; vorn am Spalt ein golden bewehrter roter Adler, hinten auf grünem Boden wachsend drei an grünen Stangen emporrankende grüne Hopfenpflanzen mit Dolden und Blättern.“[2]

Die Farben der Stadt sind Rot-Weiß-Grün.

Die ältesten bekannten Siegel stammen aus den Jahren 1309 und 1327 und zeigen bereits neben dem halben brandenburgischen Adler fünf Gerten, die offensichtlich schon Hopfenstangen darstellen sollten, da das Gewerbe der Bierbrauer schon zu Beginn des 14.Jahrhunderts in Gardelegen verbreitet war. Alle späteren Siegel und Wappen zeigen deutlich Hopfenstangen mit Blättern und Blüten, wobei es bald vier, bald drei Stangen sind. Heute sind es drei, was auch der Darstellung des am Stendaler Tor angebrachten, in Stein gehauenen Wappens von 1553 entspricht.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge der Stadt ist Rot - Weiß - Grün (1:1:1) gestreift (Querformat Streifen waagerecht, Längsform Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Stadtwappen belegt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Gardelegen unterhält Partnerschaften zu folgenden Städten:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Roland in Gardelegen
  • die Wallanlage – sie umgibt fast die gesamte Innenstadt und ist Teil des Netzwerks Gartenträume Sachsen-Anhalt
  • das Rathaus mit seinem hohen Turm auf einem dreieckigen Platz im Stadtzentrum mit der Roland-Statue von 2002
  • alte Fachwerkhäuser in der Innenstadt
  • das Otto-Reutter-Denkmal, eine Bronzefigur in der Fußgängerzone
  • Salzwedeler Tor mit „Torwächter“, einer aus einem Baumstamm geschnitzten Figur
  • Stendaler Tor
  • Reste der Stadtmauer
  • Schloss Isenschnibbe (in Sanierung, Stand 2014)

Kirchen[Bearbeiten]

Nikolaikirche
  • Die Marienkirche, benannt nach Maria (Mutter Jesu), befindet sich an der Philipp-Müller-Straße. Das Kirchengebäude wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach baulich verändert, es gehört heute zum evangelisch-lutherischen Pfarrbereich Gardelegen im Kirchenkreis Salzwedel.
  • Die Nikolaikirche, benannt nach Nikolaus von Myra, befindet sich am Holzmarkt. Sie wurde ebenfalls im Laufe der Jahrhunderte mehrfach baulich verändert. Am 15. März 1945 wurde sie infolge des Zweiten Weltkriegs durch einen Bombenangriff zerstört, seither besteht sie als Ruine. 1977 wurde sie von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde entwidmet; zuletzt wurde sie für kulturelle Veranstaltungen genutzt.
  • Die katholische Kirche St. Michael, benannt nach dem Erzengel Michael, befindet sich an der Philipp-Müller-Straße. Sie wurde 1898 im Baustil der Neogotik errichtet, und 2002 um einen kleinen freistehenden Glockenturm bereichert. Ihre Pfarrei, die den Namen St. Hildegard trägt, gehört zum Dekanat Stendal.
  • Die Kapelle St. Georg befindet sich an der Straße „Vor dem Salzwedeler Tor“, sie wird heute als Galerie genutzt.
  • Eine neuapostolische Kirche befindet sich am Holzweg, ihre Gemeinde gehört zum Kirchenbezirk Stendal.

Mahn- und Gedenkstätten[Bearbeiten]

Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibber Feldscheune
Mordopfer an der Isenschnibber Feldscheune

Am 13. April 1945 wurden in der etwas außerhalb der Stadt gelegenen Isenschnibber Feldscheune 1016 KZ-Häftlinge ermordet. An der Bewachung und Ermordung waren KZ-Wachmannschaften, Luftwaffensoldaten und Angehörige des Reichsarbeitsdienstes beteiligt. Der Hauptverantwortliche für den Massenmord war der NSDAP-Kreisleiter Gerhard Thiele, der zwar 1946 in der SBZ in Abwesenheit verurteilt wurde, aber in der späteren Bundesrepublik untertauchen konnte und 1994 als „unbescholtener Bürger“ unter dem Namen „Gerhard Lindemann“ in der Nähe von Bochum starb.

Sport[Bearbeiten]

Die Stadt war einer der Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 der Menschen mit Behinderung. Des Weiteren bieten die Vereine der Stadt verschiedene Sportmöglichkeiten, zum Beispiel Basketball, Tennis, Fußball, Reitsport, Rhythmische Sportgymnastik, Radball, Leichtathletik, Tischtennis, Volleyball und Schach. Der örtliche Fliegerklub Gardelegen betreibt Segel- und Motorflug sowie die dazugehörige Ausbildung.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Hansefest
  • Tag des offenen Denkmals
  • Metal Frenzy Open Air Festival, eine Metal-Veranstaltung, die erstmals im August 2014 im Gewerbegebiet Ost am Erlebnisbad der Hansestadt Gardelegen stattfand

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Zu den größten Firmen in Gardelegen zählen die Eldisy GmbH, Wipag Nord GmbH & Co. KG, AKT Altmärker Kunststofftechnik GmbH sowie die NTN Antriebstechnik GmbH. Ikea ließ bereits zu DDR-Zeiten durch ihre Tochter Swedwood in Gardelegen Billy-Regale produzieren. Im September 2009 wurde mitgeteilt, dass die Produktion mit 250 Beschäftigten wegen Absatzproblemen eingestellt und an einen anderen Standort verlegt wird.[9]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Die Garley-Brauerei existiert seit 1314. Im 19. Jahrhundert gehörten Gardelegen und die Altmark zu den bedeutendsten Hopfenanbaugebieten Deutschlands. Seit 2013 wird kein Bier mehr gebraut.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

In Gardelegen kreuzen sich die B 71 Magdeburg – SalzwedelUelzen und die B 188 WolfsburgStendalRathenow.

Außerdem führen die Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin und die parallel verlaufende Berlin-Lehrter Eisenbahn durch den Ort. An letzterer befinden sich die insgesamt fünf Bahnhöfe der Stadt; neben einem Bahnhof in der Kernstadt Gardelegen befinden sich Bahnhöfe in den Ortsteilen Miesterhorst, Mieste, Solpke und Jävenitz. Vom Bahnhof Gardelegen zweigte bis 1951 die Bahnstrecke nach Haldensleben ab. Heute wird über diese Strecke nur noch eine Bundeswehr-Kaserne in Letzlingen bedient. Auf der Relation Braunschweig – Wolfsburg – Oebisfelde – Gardelegen – Stendal verkehren stündlich Regionalbahnen. Unter anderem sind durch die Landesbusse 100 und 400 Salzwedel, Beetzendorf, Haldensleben und Magdeburg direkt erreichbar.

Ein Flugplatz mit Status „Sonderlandeplatz“ liegt westlich der Stadt und wird vom Fliegerklub Gardelegen betrieben (EDOC, N52°31,66'/E11°21,25', Info: 122,850 MHz, RWY: 550m Gras 08/26, PPR: 03907-739691).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Becker: Gardelegen – Tausend Jahr einer Stadt. Sutton, Erfurt 2011, ISBN 978-3-86680-840-9.
  • Helmut Friedrich (Hrsg.): Gardelegen – Im Strom der Zeit. Stadtspiegel Gardelegen.
  • Helmut Friedrich (Hrsg.): Die alte Hansestadt Gardelegen. Stadtspiegel Gardelegen, Gardelegen 2011.
  • Diana Gring: Die Todesmärsche und das Massaker von Gardelegen. NS-Verbrechen in der Endphase des Zweiten Weltkrieges. Stadtmuseum Gardelegen, Gardelegen 1993 (Schriftenreihe des Stadtmuseums Gardelegen, Heft 1).
  • Peter Flick: Gardelegen in alten Ansichten. Europäische Bibliothek, Zaltbommel 1997, ISBN 90-288-5293-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gardelegen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Gardelegen – Reiseführer

Quellen[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2012 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b Hauptsatzung der Hansestadt Gardelegen (PDF; 39 kB)
  3. Altmarkkreis Salzwedel: Verzeichnis der Gemeinden und deren Ortsteile im Altmarkkreises Salzwedel (Stand: 1. Januar 2011)
  4. Deutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961-1990
  5. Hermann Krabbo: Regesten der Markgrafen von Brandenburg ... Nr. 457
  6. Daniel Blatman: Die Todesmärsche 1944/45.
  7. Dokumentation: Michael Marten Krieg in den Wolken - Luftspionage über der DDR. D, 2007.
  8. Gemeindeneugliederungsgesetzes für den Altmarkkreis Salzwedel
  9. Meldung in www.tagesschau.de (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung abgerufen am 26. September 2009