Iljuschin Il-2

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Iljuschin Il-2 Schturmowik
Iljuschin Il-2 „Schturmowik“
Typ: Schlachtflugzeug
Entwurfsland: Sowjetunion 1923Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller: Iljuschin
Erstflug: 2. Oktober 1939
Indienststellung: März 1941
Produktionszeit: 1941 bis 1945
Stückzahl: 36.163

Die Iljuschin Il-2 „Schturmowik (russisch Ильюшин Ил-2 Штурмовик, Schlachtflugzeug) ist ein ein- oder zweisitziges, einmotoriges, stark gepanzertes Schlachtflugzeug, das im Zweiten Weltkrieg von den sowjetischen Luftstreitkräften eingesetzt wurde. Es ist eines der am meisten gebauten Flugzeuge der Welt. Die Hauptaufgabe dieses Flugzeugs war die Bekämpfung feindlicher gepanzerter Fahrzeuge, obwohl es auch gegen „weiche Ziele“ eingesetzt wurde. Die Sowjets selbst nannten es „Fliegender Panzer“ oder liebevoll „Iljuscha“.

Geschichte[Bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten]

Il-2M3 mit 37-mm-Maschinenkanonen (Moskau, März 1943)
Notgelandete Il-2, Ukraine im September 1942

Der Entwurf beruhte auf einem Aufruf Josef Stalins aus dem Jahre 1936 zur Entwicklung eines Mehrzweckflugzeuges für die sowjetischen Luftstreitkräfte. Es sollte die Bezeichnung „Iwanow“ erhalten. Obwohl sich Sergej Iljuschin an diesem Wettbewerb offiziell nicht beteiligte, begann er, Studien über ein solches Flugzeug durchzuführen. Kern dieser Überlegungen war es, eine optimale Kombination aus Masse, Panzerung, Feuerkraft und Geschwindigkeit zu erzielen. 1938 waren seine Überlegungen soweit gediehen, dass er in einem Brief an den Zentralrat der KPdSU vom 27. Januar 1938 darum bat, ihn mit der Konstruktion zu beauftragen. Sein Vorschlag wurde angenommen und am 5. Mai offiziell bewilligt.

Im Januar 1939 wurden die technischen Anforderungen an das Modell herausgegeben und der Bau des ersten Versuchsmusters begann. Die Arbeiten konnten noch im selben Jahr abgeschlossen werden, so dass Testpilot Wladimir Kokkinaki am 2. Oktober 1939 mit der ZKB-55 zum Erstflug startete (ZKB = Zentrales Konstruktionsbüro). Eine zweite ZKB-55 flog am 30. Dezember 1939. Als Antrieb der zweisitzigen Maschine diente ein V12-Motor Mikulin AM-35. Die Werkserprobung war am 26. März 1940 abgeschlossen und die ZKB-55 begann im NII (Forschungsinstitut der WWS) die staatliche Erprobung. Sie dauerte vom 1. bis zum 20. April und bescheinigte dem Typ die Eignung als Schlachtflugzeug. Allein 15 % des Gesamtgewichts entfielen auf die starke Panzerung, die Motor, Tank, Besatzung und Kühlsystem schützen sollte;[1] als militärische Bezeichnung wurde das Kürzel BSch-2 vergeben (russisch für gepanzertes Schlachtflugzeug).

Allerdings wurde von der Militärkommission die geringe Geschwindigkeit von 362 km/h aufgrund der geringen Leistungsfähigkeit des AM-35 in niedrigen Höhen bemängelt. Auf Bitte Iljuschins begann der Triebwerkskonstrukteur Mikulin deshalb in Eigeninitiative die Entwicklung des leistungsstärkeren AM-38, die noch im selben Jahr abgeschlossen wurde.

Als die Vorbereitungen zum Bau einer kleinen Vorserie fast abgeschlossen waren, erging plötzlich die Forderung, die BSch-2 zum Einsitzer umzurüsten, da ein nach hinten feuernder Bordschütze als überflüssig angesehen wurde. Iljuschin baute deshalb die erste ZKB-55 dementsprechend um und ersetzte gleichzeitig den AM-35 durch den AM-38. Die Erprobung erfolgte als ZKB-57 vom 12. bis zum 22. Oktober 1940. Das Flugzeug erreichte dabei dank des stärkeren Motors in Bodennähe 423 km/h. Die Militärs erkannten jedoch die Notwendigkeit eines solchen Flugzeuges nicht und so erfolgte kein Auftrag zur Serienproduktion. Erst nach einem Treffen von Iljuschin und Mikulin mit Stalin im Dezember 1940 wurde von diesem persönlich der Bau angeordnet.

Die Vorbereitungen zur Serienfertigung begannen nach einigen Änderungen im Januar 1941 im Flugzeugwerk 18 in Woronesch unter der Bezeichnung ZKB-55P. Noch im selben Monat erhielt das Flugzeug die offizielle Bezeichnung Il-2. Die staatliche Erprobung der ZKB-55P/Il-2 dauerte vom 28. Februar bis zum 20. März 1941 und wurde durch A. Dolgow durchgeführt. Parallel dazu begann im Februar die Serienfertigung. Der Erstflug der ersten Serien-Il-2 erfolgte am 10. März 1941. Bis zum Kriegsbeginn am 22. Juni 1941 wurden 249 Il-2 an die WWS geliefert (zwei im März, 14 im April, 74 im Mai, 159 im Juni). Kurz darauf erfolgte die Verlegung der Produktion nach Kuibyschew. Noch im Herbst desselben Jahres war die Evakuierung abgeschlossen und die Il-2 wurde von da an in stetig steigenden Zahlen den ganzen Krieg hindurch hergestellt und an die Fronteinheiten geliefert, bis die Produktion im Jahr 1945 auf das Nachfolgemodell Il-10 umgestellt wurde.

Konstruktion[Bearbeiten]

Die Il-2 war in Gemischtbauweise konstruiert, Stahl und Aluminium am Vorderrumpf und Tragflächen, der Hinterrumpf aus geklebten Holzschalen und stoffbespannten Rudern am Leitwerk.

Pilot und Bordschütze sowie wichtige Teile der Technik wie Motor, Kühlung und Treibstofftanks waren bei den frühen Versionen mit bis zu 7 mm, später mit bis zu 12 mm starkem Panzerstahl geschützt. Die Panzerwanne war integraler Bestandteil der Flugzeugkonstruktion und im Unterschied zu anderen zeitgleichen Entwicklungen nicht separat montiert. Durch diese Panzerung war das Flugzeug mit MG-Beschuss kaum zu bekämpfen. Auch größere Kaliber führten nicht unbedingt zum Erfolg, da die Geschosse je nach Aufprallwinkel häufig abprallten.

Von deutschen Jagdpiloten wurde die Il-2 auch „Betonflugzeug“ genannt, da sie sogar direkte Treffer einer 20-mm-Kanone überstehen konnte und mit MGs kaum abzuschießen war.

Einsatz[Bearbeiten]

Drei Il-2 über Berlin im April 1945
Il-2 bei der Schlacht um Kursk (Juli 1943)

Bei den ersten Kämpfen erlitten Il-2 größere Verluste, bedingt durch den fehlenden Jagdschutz und die mangelnde Verteidigungsfähigkeit nach hinten. Im Februar 1942 wurde darum beschlossen, die Il-2 entsprechend Iljuschins früheren Entwürfen wieder zum Zweisitzer umzubauen. Die Erprobung dieses als Il-2M bezeichneten Modells erfolgte im März desselben Jahres, gleichzeitig wurde der stärkere AM-38F-Motor eingebaut. Die WWS erhielten diese Il-2 ab September/Oktober 1942. Als Waffe für den Bordschützen diente ein Beresin-UBT-Maschinengewehr im Kaliber 12,7 mm.

Ab Frühjahr 1943 erschien mit der Il-2M-3 die leistungsfähigste Version. Sie besaß verbesserte Flugeigenschaften und war an den gepfeilten Außenflügeln erkennbar. Sie war die am meisten produzierte Il-2. Eine kleine Anzahl dieser Maschinen erhielt je zwei Unterflügelstationen mit 37-mm-Kanonen NS-37.

Erfolgreiche Il-2-Piloten des Zweiten Weltkrieges waren unter anderem die zweifachen Helden der Sowjetunion Talgat Begeldinow (über 300 Einsätze), Iwan Pawlow (250), Grigori Siwkow (243), Michail Bondarenko (230), Anatoli Brandis (228), Nikolai Semjeiko (227), Alexander Jefimow (222) und Leonid Beda (213).

Die Il-2 war sehr effektiv in der Bekämpfung von Panzern und anderen Bodenzielen, beispielsweise während der Schlacht um Kursk.

Die Produktionsangaben aller gebauten Il-2 schwanken von etwa 31.000 bis zu 36.163[2] Exemplaren.

Varianten[Bearbeiten]

  • Il-2U

Aus der einsitzigen Version entwickelte zweisitzige Schulausführung (Utschebny samoljot) von 1942, auch als UIl-2 bezeichnet. Bewaffnet war sie mit zwei 23-mm-Kanonen WJa in den Tragflächen, zwei RS-82-Raketen oder 600 kg Bomben.

  • Il-2T

1943 entwickelter Torpedobomber (Torpedonosjez), ausgerüstet mit einem 533-mm-Torpedo unter dem Rumpf statt der üblichen Bewaffnung. Zum Einsatz kam er gegen Schiffe im Schwarzen Meer.

  • Il-2ASch-82 (M-82)

Eine testweise mit einem Doppelsternmotor ASch-82FN ausgerüstete Il-2M-3. Sie wurde im Winter 1943 getestet, erbrachte aber keine wesentlich besseren Leistungen. Eine Serienfertigung unterblieb deshalb.

  • Il-2I

Eine Ausführung als schwerer Jagdbomber/Jäger (Istrebitel) von 1942. Sie bildete das Basismodell für die Weiterentwicklung der Il-2, die einsitzige Il-1, aus der die ebenfalls in großen Stückzahlen gebaute Il-10 entstand.

Eine Weiterentwicklung der Il-2M-3 mit Mikulin-AM-42-Triebwerk mit 2000 PS und Vierblatt-Propeller. Das Hauptfahrwerk fuhr um 90° geschwenkt in die Tragflächen ein. Bewaffnet war sie mit zwei 23-mm-Kanonen WJa, zwei 20-mm-Kanonen SchWAK sowie einem 12,7-mm-MG UBK für den Bordschützen. Zusätzlich konnten 1000 kg Bomben oder wahlweise acht RS-82-/RS-32-Raketen mitgeführt werden. Die Erprobung fand im Frühjahr 1944 statt. Zugunsten der parallel entwickelten Il-10 wurde auf eine Serienproduktion verzichtet.[3]

Bewaffnung[Bearbeiten]

Die Bewaffnung bestand aus Maschinengewehren, Bordkanonen des Kalibers 20 mm, 23 mm oder 37 mm sowie Bomben oder ungelenkten Luft-Boden-Raketen RS-82 und RS-132 (Kaliber 82 mm oder 132 mm). Ab 1943 kam die sehr wirksame Hohlladungsbombe PTAB zur Panzerbekämpfung hinzu. Ein DAG-10 oder DAG-5 Granatwerfer im Heck, schoß 2 Kg schwere Granaten an einem Fallschirm in die Flugbahn eines von hinten angreifenden Gegners.

Vier ungelenkte Raketen unter den Flügeln einer Il-2

Trivia[Bearbeiten]

  • Die Il-2 hatte die niedrigste Verlustrate aller sowjetischen Flugzeugtypen im Zweiten Weltkrieg.
  • Die Il-2 war wegen ihrer Feuerkraft bei den deutschen Truppen berüchtigt, die ihr die Namen „Eiserner Gustav“, „Schlächter“ oder „Schwarzer Tod“ gaben. Bei den russischen Truppen wurde sie auch als „Fliegender Panzer“ (Летающий танк) oder „Bucklige“ (Горбатый) bezeichnet.
  • Von deutschen Truppen wurden über 100 Il-2 erbeutet. Sie wurden jedoch nur getestet und nicht eingesetzt, da das Flugzeug von der Luftwaffe als für den Piloten gefährlich eingestuft wurde, weil es keinen technischen Normen entsprach. Finnland erhielt bis 1944 bevorzugt sowjetische Beuteflugzeuge, verwendete die Il-2 aber auch nicht.

Erhaltene Exemplare[Bearbeiten]

Obwohl die IL-2 in sehr großer Zahl gebaut worden ist, sind heute nur noch wenige Exemplare, meist flugunfähig, erhalten geblieben. So verfügen die Luftfahrtmuseen in Monino (Russland), Warschau (Polen) und Belgrad (Serbien) über je eine IL-2.

Die einzige noch fliegende IL-2 wurde in den 2000ern als Wrack aus einem Sumpf bei Pekow geborgen und in sechsjähriger Arbeit in Nowosibirsk restauriert. Sie flog erstmals am 24. September 2011 und ist anstelle des AM-38-Originalmotors mit einem V-1710-Triebwerk ausgerüstet. Stationiert ist sie auf dem Flughafen Everett und wird im Rahmen von Paul Allens Flying Heritage Collection vorgeflogen.[4]

Technische Daten[Bearbeiten]

Bugansicht
Dreiseitenansicht der Il-2M3
Iljuschin Il-2/3m (Ильюшин Ил-2/3м)
Kenngröße Daten
Spannweite    14,60 m
Länge    11,65 m
Höhe    4,17 m
Flügelfläche    38,50 m²
Leermasse    4525 kg
maximale Startmasse    6360 kg
Triebwerk    ein Mikulin AM-38F (1282 kW/1720 PS)
Höchstgeschwindigkeit    410 km/h in 1500 m Höhe
Reichweite    765 km
Dienstgipfelhöhe    4525 m
Bewaffnung    zwei 23-mm-MK WJa
zwei 7,62-mm-MG SchKAS
ein Bordschützen-MG UBT Kaliber 12,7 x 108 mm; DAG-5/DAG-10 Granatwerfer im Heck.
Waffenlast    bis zu 600 kg Bomben (6 × 50 kg, 6 × 100 kg oder 2 × 250 kg);
acht RS-82-Raketen oder vier RS-132-Raketen; 4 Bombenkassetten zu je 48 PTABs
Besatzung    1–2

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Olaf Groehler: Geschichte des Luftkriegs 1910 bis 1980. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1981, S. 330f.
  • Ulrich Unger: Über die Entstehung der Iljuschin IL-2. In: Horst Schädel (Hrsg.): Fliegerkalender der DDR 1990. Militärverlag der DDR, Berlin 1989, S. 47–57.
  • Fliegerrevue 12/76 S. 502–507.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Olaf Groehler: Geschichte des Luftkriegs 1910 bis 1980. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1981, S. 330.
  2. stern.de: Das meistgebaute Flugzeug ist den meisten unbekannt, abgefragt am 11. Oktober 2010, Olaf Groehler: Geschichte des Luftkriegs 1910 bis 1980. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1981, S. 331. nennt 36.136 gelieferte Exemplare
  3. Iljuschin Il-2/Il-10 in Flieger Revue Nr. 8/71, S. 358
  4. Michael O'Leary: Einzige fliegende Iljuschin IL-2 „Sturmowik“. Paul Allens Paukenschlag. In: Klassiker der Luftfahrt, Nr. 01/2012, S. 37