Isonzoschlachten

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Unter Isonzoschlachten versteht man zwölf blutige Auseinandersetzungen im Ersten Weltkrieg zwischen Italien und Österreich-Ungarn. Benannt wurden sie nach dem Fluss Isonzo (slowenisch Soča), um dessen Tal sich die Fronten zogen. Das Gebiet liegt größtenteils im heutigen Slowenien. Sie waren Teil des Gebirgskrieges 1915–1918.

Die Schlachten[Bearbeiten]

Frontverläufe zwischen 1915 und 1917

Am 23. Mai 1915 erklärte das bislang neutrale Italien Österreich den Krieg, obwohl es dem geheimen Defensivbündnis Dreibund (1879 zwischen Deutschland und Österreich geschlossen; 1882 trat Italien bei) angehörte. Der greise Kaiser Franz Joseph äußerte sich empört („Ein Treubruch, dessengleichen die Geschichte nicht kennt“). Die Österreichisch-Ungarische Armee war auf diesen Fall nicht vorbereitet, insbesondere da man an der Grenze zu Italien tunlichst keine größeren Abwehrmaßnahmen ergriffen hatte, um den potentiellen Gegner „nicht zu reizen“ (so die Lesart des k.u.k Oberkommandos).[1] Der Triple-Entente war sehr am Aufbau einer zusätzlichen Front gegen die Mittelmächte gelegen; darum nahmen sie fast alle territorialen Forderungen Italiens in einen Geheimvertrag auf, der am 26. April 1915 in London unterzeichnet wurde.

Noch vor der Isonzoschlacht lief die gesamte k. u. k. Kriegsmarine aus, um die italienische Ostküste zwischen Venedig und Barletta zu beschießen. Hierbei konnte die italienische Flotte bei Venedig überrascht werden, so dass sie kaum Gegenwehr leistete und die k. u. k. Marine ihre Angriffe ohne Verluste beenden konnte.

Erste Isonzoschlacht, 23. Juni bis 7. Juli 1915 [Bearbeiten]

Hauptartikel: Erste Isonzoschlacht

Zweite Isonzoschlacht, 17. Juli bis 3. August 1915 [Bearbeiten]

Hauptartikel: Zweite Isonzoschlacht

Dritte Isonzoschlacht, 18. Oktober bis 4. November 1915 [Bearbeiten]

Hauptartikel: Dritte Isonzoschlacht

Vierte Isonzoschlacht, 10. November bis 14. Dezember 1915 [Bearbeiten]

Hauptartikel: Vierte Isonzoschlacht

Fünfte Isonzoschlacht, 11.–16. März 1916 [Bearbeiten]

Eine der kürzesten Isonzoschlachten, die überhaupt nur auf Verlangen der Entente durchgeführt wurde. Frankreich und Großbritannien wollten so eine Entlastung ihrer Soldaten in der Schlacht um Verdun erreichen. General Cadorna überließ in dieser Schlacht das Vorgehen völlig den Befehlshabern der italienischen 2. und 3. Armee.

Truppenstärke: Italien: 286 Bataillone und 1.360 Geschütze, plus 90 Bataillone Reserve, Österreich-Ungarn: 100 Bataillone und 470 Geschütze, plus 30 Bataillone in Reserve (Kräfteverhältnis erneut 3:1). Ziel war erneut die Eroberung des Hochplateaus von Doberdò sowie der Stadt Görz. Die Offensive wurde ohne Geländegewinn abgebrochen.

Verluste: durch die Kürze der Schlacht sowie das eher halbherzige Vorgehen Italiens eher klein, beide Seiten: ca. 2.000 Mann.

Sechste Isonzoschlacht, 4.–15. August 1916 [Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Sechste Isonzoschlacht

Siebente Isonzoschlacht, 14.–18. September 1916 [Bearbeiten]

Hauptartikel: Siebte Isonzoschlacht

Achte Isonzoschlacht, 9.–12. Oktober 1916 [Bearbeiten]

Truppenstärke: Italien: 220 Bataillone, 24 Schwadronen und 1.200 Geschütze, Österreich-Ungarn: 100 Bataillone und 450 Geschütze.

Die achte Isonzoschlacht war eine Fortsetzung der siebenten. Das Angriffsziel (Triest) war dasselbe. Zusätzlich wurde ein Ablenkungsangriff zwischen der Wippach und St. Peter bei Görz unternommen. Die Italiener schafften es, östlich von Görz einige Schützengräben zu erobern, sowie einen minimalen Geländegewinn bei Hudi log und Kostanjevica zu erzielen.

Verluste: Italien: 24.000 Mann, Österreich-Ungarn: 25.000 Mann

Neunte Isonzoschlacht, 31. Oktober bis 4. November 1916 [Bearbeiten]

Truppenstärke: Italien: 225 Bataillone und 1.400 Geschütze, Österreich-Ungarn: 150 Bataillone und 800 Geschütze.

Ziel der italienischen Angriffe war erneut der Durchbruch Richtung Triest, wobei sie im Raum Görz Ablenkungsangriffe durchführten. Nach einem Artilleriebeschuss von 5 Tagen ging die italienische Armee zum Angriff über. Diesmal versuchte man mit enormer Truppenkonzentration (8 Divisionen auf nur 8,5 km Frontbreite), den Durchbruch zu erzwingen. Den Italienern gelang der Durchbruch beim Berg Volkovnjak (Kote 284) und die vorübergehende Eroberung der Anhöhe Fajti hrib sowie der Vorstoß bis Kostanjevica und die Einkesselung des Dorfes Hudi log. Boroević' Armee stand kurz vor dem Zusammenbruch, doch wieder setzte die italienische Armee nicht energisch genug nach und zögerte nach den bereits errungenen Erfolgen zu lange. So konnte Boroević die 5. k. u. k. Armee sammeln, das Dorf Hudi log zurückerobern und die Italiener wieder über die Anhöhe Fajti hrib zurückschlagen. Die Frontlinie nach dieser Schlacht verlief von Fajti hrib über Kostanjevica und Korita bis zum Fluss Timavo.

Verluste: Italien: ca. 16.000 Mann, Österreich-Ungarn: 11.000 Mann.

Zehnte Isonzoschlacht, 12. Mai bis 5. Juni 1917 [Bearbeiten]

Truppenstärke: Italien: 430 Bataillone und 3.800 Geschütze, Österreich-Ungarn: 210 Bataillone und 1.400 Geschütze.

Ziel der italienischen Offensive war der Durchbruch nach Triest. Nach einem 2½-tägigen Trommelfeuer auf dem ganzen Frontabschnitt von Tolmein bis zur Adria und einem Ablenkungsangriff bei Görz erfolgte der Hauptangriff südlich von Görz. Den Italienern gelang vorübergehend die Eroberung des Dorfes Jamiano, sie wurden jedoch nach einem österreichischen Gegenangriff von der Höhe Hermada herab wieder zurückgeworfen. Zwischen dem Monte Santo und Zagora, nördlich von Görz, gelang ihnen der Übergang über den Isonzo, die Bildung eines Brückenkopfes und auch dessen Verteidigung.

Verluste: Italien: 160.000 Mann (ca. 36.000 Tote), Österreich-Ungarn: 125.000 Mann (17.000 Tote). Die italienische Armee konnte 23.000 österreichische Soldaten gefangen nehmen, die österreichische Armee machte 27.000 italienische Gefangene, was die schwache Kampfmoral zu diesem Zeitpunkt verdeutlicht.

Elfte Isonzoschlacht, 17. August bis 12. September 1917 [Bearbeiten]

Truppenstärke: Italien: 600 Bataillone und 5.200 Geschütze, Österreich-Ungarn: 250 Bataillone und 2.200 Geschütze.

Trotz der zu diesem Zeitpunkt durch die Niederlage Rumäniens und dem faktischen Ausscheiden Russlands für die Entente ungünstigen Lage konnte Italien dennoch die bisher größte Streitmacht aufstellen. Ziel dieser Offensive war die österreichischen Nachschubverbindungen zu durchschneiden und Triest zu erobern. Die italienische Armee konnte zwar Erfolge verbuchen, scheiterte jedoch an den gesteckten Zielen, wie schon in den Schlachten zuvor.

Die italienische 2. Armee schaffte es an mehreren Stellen den Isonzo zu überqueren und das Hochplateau Bainsizza zu erobern, während die Angriffe der italienischen 3. Armee auf die Anhöhe Hermada trotz Geländegewinns scheiterten. Wieder setzten die italienischen Truppen nicht konsequent nach, so dass der österreichische Oberbefehlshaber Boroević seine Truppen in der zweiten Verteidigungslinie sammeln und eingraben lassen konnte. Die neue Frontlinie verlief im Gebiet der italienischen 2. Armee nach der Schlacht auf der Linie: Monte Santo (Kote 682) – Vodice (Kote 652) – Kobilek (Kote 627) – Jelenik (Kote 788) – Levpa. Und im Abschnitt der 3. italienischen Armee auf der Linie: Log – Hoje – Zagorje – San Gabriele.

Verluste: Italien: ca. 150.000 Mann (die Angaben schwanken stark, davon ca. 30.000 Tote), Österreich-Ungarn: 100.000 Mann (die Angaben schwanken ebenfalls stark, davon ca. 20.000 Tote). Zusätzlich wurden beide Armeen durch grassierende Krankheiten (Ruhr, Typhus) geschwächt, so dass auf beiden Seiten bis zu 500.000 Mann durch Krankheit ausfielen. Diese Ausfälle sind jedoch nicht in den Verlustzahlen enthalten.

Zwölfte Isonzoschlacht, 24.–27. Oktober 1917 [Bearbeiten]

Hauptartikel: Zwölfte Isonzoschlacht
Vorgehende Truppen der Mittelmächte
Ausgangslage der 12. Isonzoschlacht und Lageentwicklung bis zum 12. November 1917
Deutsche und Österreichische Truppen rasten, im Hintergrund Santa Lucia, Oktober 1917

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Schlachten am Isonzo unterschieden sich kaum, abgesehen von der zwölften und letzten. Tagelange Artillerievorbereitung auf engstem Raum, Angriffe der Infanterie, teilweise erbitterte Kämpfe bis auf Nahkampfentfernung, Gegenangriffe. Größere Geländegewinne gelangen in den ersten elf Schlachten keiner Seite. Auch im Hochgebirge wurde der Kampf trotz des ungeeigneten Geländes nicht minder heftig ausgetragen. So kam es mehrfach vor, dass Pioniereinheiten Stollen unter einen Gipfel gruben, der von feindlichen Soldaten besetzt war; die Stollen wurden dann mit Sprengstoff gefüllt und der ganze Berggipfel mitsamt der feindlichen Besatzung gesprengt (z. B. der Col di Lana bei Corvara). Die Natur tat ein übriges. Im Kriegswinter 1916/17 starben mehr Soldaten durch Lawinen als durch direkte feindliche Waffeneinwirkung. Allerdings halfen beide Seiten nach, indem sie durch Artilleriebeschuss gezielt Lawinen über den feindlichen Stellungen auslösten.

Noch heute kann man den Wahnsinn dieses Kriegsschauplatzes nachempfinden. So sind zahlreiche von den Soldaten in den Fels gesprengte Kavernen, Bunker und Versorgungsschächte erhalten geblieben. Einige der damaligen Verteidigungsanlagen wurden als Anschauungsobjekte restauriert, so sind vor allem die Anlagen am kleinen Pal und am Cellon sehenswert. Am Cellon konnte auch der österreichische Nachschubweg von den Italienern eingesehen und mit Artillerie angegriffen werden, deshalb bauten hier österreichische Pioniereinheiten einen fast senkrecht emporsteigenden und mit Holztreppen versehenen Nachschubschacht im Berg, den sogenannten Cellonstollen. Manche heutigen Klettersteige, Wanderwege oder Straßen wurden damals während der Kriegszeit u. a. auch von russischen Kriegsgefangenen erbaut. Im karstigen Kampfgebiet gibt es Stellen, wo man auch heute noch Knochen, verrostete Gürtelschnallen, Bajonette, Stacheldraht u. Ä. finden kann. Unter anderem ist auch der Berg Krn heute um ein paar Meter niedriger als noch vor dem Ersten Weltkrieg, da ihm durch die Artillerie- und Pionierattacken schlicht der Gipfel weggeschossen und -gesprengt wurde.

Die Grausamkeit der Kampfhandlungen veranschaulichen auch die Spitznamen, die unter den damaligen Soldaten verwendet wurden. So wurden einige Gebiete von österreichisch-ungarischen Soldaten Todeskuppe oder Todesberg genannt. Während bei den Italienern beispielsweise der Monte Santo Santo Maledetto (verdammter Heiliger) genannt wurde, oder Lieder gesungen wurden, mit Texten wie „O Monte Nero … Verräter meiner Jugend“.

Allein in den ersten vier Isonzoschlachten des Jahres 1915 verloren die Italiener etwa 175.000 Mann. Die österreichischen Verluste betrugen rund 123.000 Soldaten. Bis 1917 fanden insgesamt zwölf dieser Materialschlachten statt. In der 12. und letzten Isonzoschlacht gelang der von der 14. deutschen Armee unterstützten Armee der k.u.k.-Monarchie erstmals der jahrelang ersehnte Durchbruch. Aber an dem Hochwasser führenden Piave fraß sich die Offensive dann doch fest. Die italienische Armee konnte sich gerade noch stabilisieren; dazu trug auch die langsam anlaufende Unterstützung durch England, Frankreich und die USA bei.

Kriegsentscheidend für Italien waren die Isonzoschlachten nicht. Als entscheidender italienischer Sieg gilt vielmehr (jedenfalls aus italienischer Sicht) die Schlacht von Vittorio Veneto, die dritte und letzte der auf die Isonzoschlachten folgenden Piaveschlachten kurz vor Kriegsende, die zum Waffenstillstand von Villa Giusti führte. Diese Schlacht sowie das Fronterlebnis und die riesigen Verluste nährten in der Nachkriegszeit den italienischen Mythos vom „verlorenen Sieg“. Die Unzufriedenheit breiter Schichten entzündete sich vor allem daran, dass dem Königreich Italien in den Pariser Vorortverträgen nach dem Ersten Weltkrieg nicht alle erhofften Gebiete in Dalmatien zugesprochen wurden. Ein Umstand, der neben dem Scheitern des italienischen Generalstreiks 1922 (von Mussolini in Anspielung auf die Schlacht von Karfreit auch „Caporetto des italienischen Sozialismus“ genannt) dem Sieg des Faschismus und der Machtübernahme durch Benito Mussolini mit den Weg bereitete.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Vasja Klavora: Blaukreuz, Die Isonzofront Flitsch/Bovec 1915–1917, Hermagoras/Mohorjeva, Klagenfurt 1993, ISBN 3-85013-287-0.
  • Miro Šimčić: Die Schlachten am Isonzo (888 Tage Krieg im Karst in Fotos, Karten und Berichten), Leopold Stocker Verlag, Graz 2003, ISBN 3-7020-0947-7.
  • Ingomar Pust: Die steinerne Front, Auf den Spuren des Gebirgskrieges in den Julischen Alpen – vom Isonzo zur Piave, Leopold Stocker Verlag, Graz 2005, ISBN 3-7020-1095-5
  • Ernest Hemingway: In einem andern Land. Übersetzung aus dem Amerikanischen (Originaltitel: A farewell to arms) von Annemarie Horschitz-Horst. Rowohlt Taschenbuch (6. Aufl. 1999). 384 Seiten, ISBN 978-3-499-22602-1.
  • Maté Zalka: Doberdò. Ins Deutsche übertragen von Horst Wolf, Dietz Verlag, Berlin 1950.
  • Emilio Lussu: Ein Jahr auf der Hochebene, Folio Verlag, Wien 2006, ISBN 978-3-85256-331-2.
  • Alexis Mehtidis: Italian and Austro-Hungarian Military Aviation On the Italian Front In World War I. General Data LLC, 2., erw. Aufl. 2008, ISBN 978-0977607242 (1. Aufl. 2004)

Verfilmung[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Isonzoschlachten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ingomar Pust: Die steinerne Front, Auf den Spuren des Gebirgskrieges in den Julischen Alpen – vom Isonzo zur Piave, Leopold Stocker Verlag, Graz 2005, S. 12 f.