Österreich-Ungarns Südtiroloffensive 1916

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Die Südtiroloffensive (auch Maioffensive oder Frühjahrsoffensive) war eine Angriffsoperation der österreichisch-ungarischen Armee im Ersten Weltkrieg an der Front gegen Italien. Die Offensive mit der Hauptstoßrichtung über die Sieben Gemeinden begann am 15. Mai 1916. Zweck war der Versuch, in Richtung PaduaVenedig vorzustoßen, die italienischen Kräfte östlich des Piave einzukesseln und so die schwer bedrängte Isonzofront zu neutralisieren oder zumindest zu entlasten. Letzteres gelang, wenn auch nur vorübergehend.

Aufmarsch- und Angriffsgebiet der Frühjahrsoffensive

Ausgangslage[Bearbeiten]

Noch vor dem sich abzeichnenden Kriegseintritt Italiens am 23. Mai 1915 sah sich das österreichisch-ungarische Oberkommando aus Mangel an Abwehrkräften gezwungen, die Frontlinie nicht an der Reichsgrenze stehen zu lassen, sondern sie auf eine verkürzte Linie zurückzunehmen. Man gab im Bereich der Sieben Gemeinden das gesamte Vallarsa mit dem unfertigen Festungswerk Valmorbia, den Monte Pasubio, den Passo Pian delle Fugazza und fast das gesamte Terragnolatal mit dem Passo della Barcola auf und verlegte die Front hier auf die Linie südlich Rovereto, Monte Ghello, Nordrand des Terragonaltals, Finocchio, Werk Serrada und weiter entlang der Befestigungslinie bis zum Posten Vezzena, von dort in das Valsugana bei Novaledo absteigend.[1]

Am 24. Mai begannen erste massive italienische Angriffe mit Artillerie, später auch mit Infanterie gegen den Festungsriegel auf der Hochfläche von Folgaria/Lavarone. Insbesondere im Abschnitt Lavarone mit den drei Festungswerken Lusern, Verle und Vezzena wurden mehrere intensive Durchbruchsversuche unternommen, die von den hier eingesetzten k. u. k. Truppen des zweiten Aufgebots (Landsturm, Standschützen, Marschbataillone) nur unter größten Schwierigkeiten abgewiesen werden konnten.

Anstatt diesen Frontabschnitt zu verstärken und die Italiener unter sehr hohen Verlusten weiter dagegen anrennen zu lassen, glaubte man, diese Gefahr durch einen Gegenangriff bannen zu müssen. Gestärkt durch die Siege in Russisch-Polen, gegen Serbien und die Abwehrerfolge am Isonzo, sah die österreichisch-ungarische Militärführung den Zeitpunkt für einen entscheidenden Schlag gegen Italien als gegeben an.[2] Ein Erfolg dieser Operation hätte Italien, das zu diesem Zeitpunkt nicht mit alliierter Hilfe in nennenswertem Umfang rechnen konnte und das allein nicht in der Lage gewesen wäre, diese Verluste auszugleichen, neutralisiert und es wären österreichische Truppen für den Kampf an der Westfront freigesetzt worden – wie es das strategische Konzept der Verbündeten ursprünglich auch vorgesehen hatte. Ein solches Vorgehen gegen Italien konnte jedoch nur mit deutscher Unterstützung gelingen, weswegen der österreichisch-ungarische Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf im Winter 1915 seine Pläne der deutschen Obersten Heeresleitung vortrug und um Unterstützung nachsuchte. Der deutsche Generalstabschef Erich von Falkenhayn sah sich dazu jedoch nicht in der Lage, da er bereits mitten in den Vorbereitungen für den Angriff auf Verdun begriffen war und meinte, keine Truppen freistellen zu können. Die Animositäten zwischen den beiden Generalstabschefs führten zu offenen Verstimmungen und bei Conrad von Hötzendorf zu der Ansicht, dass man es dann eben allein durchziehen müsse (was auf der Ebene der Brigade- und Divisionskommandanten bereits verschiedentlich auf Ablehnung stieß, da man hier die Situation realistischer einschätzte). Einzig der Abzug einiger kampfstarker österreichisch-ungarischer Verbände aus der gemeinsamen Ost- und Südwestfront und deren Ersatz durch Truppen der zweiten Kategorie bzw. durch bulgarische Einheiten konnte beim deutschen Oberkommando erreicht werden. Man hoffte allerdings auf der höchsten Kommandoebene, Italien alleine schlagen zu können.

Planungen[Bearbeiten]

Kommandant der 11. Armee – Generaloberst von Dankl (hier noch als Feldmarschalleutnant)

Mitte Februar 1916 begannen die ersten Planungen und Vorbereitungen. Am Sitz des Armeeoberkommandos (AOK) in Teschen wurde ein Austauschplan für die Herauslösung der Kampftruppen aus dem Osten erarbeitet und umgesetzt. Betroffen hiervon waren die Heeresgruppen der Ostfront, außerdem die 5. (Isonzo-) Armee und die in Kärnten stehende 10. Armee. Die Leitung der Gesamtoperation oblag dem Kommando der Südwestfront in Marburg. Zur Führung des Hauptstoßes wurde eine 11. Armee unter dem Kommando des Landesverteidigungskommandanten von Tirol, Generaloberst Dankl neu errichtet. Die aus dem Angriffsbereich ausgegliederten Bereiche vom Ortler bis zum Gardasee, des Fassa- und Pustertals sowie der Dolomitenfront verblieben unter Befehl des Landesverteidigungskommandos, dessen Führung der ehemalige Kommandant des aufgelösten XIV. Korps, General der Infanterie Roth übernahm.

Als Reserve wurde die von Balkan heranzuführende 3. Armee (Generaloberst Kövess) bestimmt, die gegebenenfalls in den Angriffskeil nachstoßen und diesen erweitern sollte. Die erste Angriffswelle bestand aus folgenden Verbänden:

  • XVII. Korps (Kommandant General der Infanterie Křitek) mit der 18. und 48. Infanterie-Truppendivision, sowie der 181. Infanterie-Brigade (zusammen 26 Infanteriebataillone)

(Das XVII. Korps gehörte ursprünglich nicht zum 1. Treffen, sondern zur 3. Armee und somit zu den nachstoßenden Verbänden. Die 3. Armee griff erst am 20. Mai in die Kämpfe ein.) Allerdings wurde die 18. ITD (Infanterieregiment Nr. 73 und Landwehr-Infanterieregiment Nr. 3) bereits vorab im Valsugana eingesetzt und die 48. ITD in die Angriffsoperationen auf dem rechten Flügel eingebunden.)

Kommandant der 3. Armee Generaloberst Hermann Kövess von Kövesshaza (hier noch als General der Infanterie)

Aufgeboten wurden insgesamt (mit dem zweiten Treffen) 14 Infanterie-Truppendivisionen und 64 Artillerie-Batterien zum Teil schwersten Kalibers. (Durch das ständige Verschieben von einzelnen Einheiten wurde diese Schlachtordnung binnen kürzester Zeit aufgeweicht und entsprach bereits nach einigen Tagen nicht mehr der ursprünglichen Aufstellung.)

Die Operation erfolgte mit großer Präzision und unter (wie man meinte) größtmöglicher Geheimhaltung. Es gelang allerdings, die Details des beabsichtigten Angriffs bis zuletzt vor den feindlichen Nachrichtendiensten geheim zu halten, indem man auch in der eigenen Truppe bis zu den einzelnen Führungsstäben zunächst nichts verlauten ließ, da die Unterwanderung der militärischen Dienststellen mit Spionen der Gegenseite als sicher anzunehmen war. Das Kommando der Südwestfront wurde zu allergrößtem Stillschweigen verpflichtet, die Truppenverschiebungen mit einer neuen Offensive gegen Russland erklärt. Erst Ende März erfuhren die Armeekommandanten von den Absichten des Generalstabes, wobei das Kriegsministerium bezeichnenderweise als letztes unterrichtet wurde. Die schwere und schwerste Artillerie wurde unter dem Deckmantel der Neuarmierung der Festung Trient in die Einsatzbereiche transportiert und die Umsiedlung des Kommandostabes von Marburg nach Bozen als Verlegung nach Laibach getarnt.

Aufmarsch[Bearbeiten]

Die Einfahrt der Transportzüge mit Truppen und Versorgungsgütern in das Etschtal auf den ohnehin überlasteten Bahnstrecken geschah aus Tarnungsgründen auf abenteuerlichen Umwegen. Die Züge aus Russisch-Polen, Galizien, Südserbien und Montenegro fuhren bis Triest, dann den Isonzo hinauf, durch Krain, die Steiermark, Kärnten, um dann von Spittal an der Drau gegen Franzensfeste zu laufen. Andere Züge wurden durch die Slowakei, und Oberösterreich, über Schwarzach-St. Veit, Wörgl und Innsbruck über den Brennerpass geleitet. In Franzensfeste transportierte die Südbahn die von der Ostfront und der Südwestfront anrollenden Züge weiter nach Bozen und die weiter südlich gelegenen Entladebahnhöfe von Matarello, Calliano und Rovereto im Etschtal, sowie nach Pergine, Caldonazzo und Levico im Suganertal (Val Sugana). Hier musste die Truppe wegen der Enge des Geländes bis kurz vor dem Angriffstermin zunächst auf die höher liegenden Täler verteilt werden.[4]

Der Marsch in die Bereitstellungsräume erfolgte vom Etschtal aus für Truppen und Train über das Werk Serrada, über Folgaria und Vattaro auf die Hochfläche von Lavarone, während für die Verbände aus dem Val Sugana lediglich die Straße zum Monte Rover und ein Steig durch das Valle Pisciavacca zur Verfügung standen. Das alles wurde in der Hoffnung durchgeführt, die Aufmerksamkeit des Gegners nicht zu wecken. Inwieweit das gelungen ist, muss dahingestellt bleiben; insbesondere mehrere österreichische Überläufer (General Capello erwähnt in seinem 1927 erschienenen Erinnerungen Noti di Guerra mindestens vier, darunter einen Bauwerkmeister, der sich als Ingenieur ausgegeben habe) brachten diesbezügliche Informationen auf die gegnerische Seite. Nach dort auftauchenden Gerüchten setzten sich groteskerweise sofort eine nicht näher zu bestimmende Anzahl von italienischen Soldaten zu den Österreichern ab. Es handelte sich hierbei um Angehörige des 63., 64., 79. und 80. Infanterie-Regiments sowie der Alpini-Bataillone Val Leogra und Vicenza des 6. Alpini-Regiments.

Italienische Maßnahmen[Bearbeiten]

Zerstörtes Forte Monte Verena

Nachdem das Commando Supremo jedoch die Gesamtlage mit der Bedrohung im Rücken seiner Isonzo-Streitkräfte erkannt hatte, wurde bereits am 28. Januar 1916 eine Studie für den Fall einer österreichisch-ungarischen Großoffensive im Frühjahr aus dem Norden heraus erstellt.[5] Die beiden Führer der italienischen Armeen an der Südtiroler Front begannen daraufhin unverzüglich mehrmals bei Generalstabschef Cadorna in Udine Verstärkungen anzufordern. Dieser lehnte jedoch jegliche Art von Truppenverschiebungen ab, da er die Maßnahmen des k. u. k. Armeeoberkommandos lediglich als Täuschungsmanöver ansah. Nichtsdestoweniger ordnete er den weiteren Ausbau der Verteidigungslinien an und erteilte die Erlaubnis, die Front zu begradigen. Stark exponierte Stellungen wurden aufgegeben und zurückgenommen.

Das im Angriffsabschnitt vorhandene italienische Stellungssystem wurde durch die dreifach Staffelung und seine Tiefe von den Italienern als nahezu undurchdringlich angesehen. Dazu kamen noch die flankierenden Festungswerke und Werksgruppen Forte Monte Verena, Forte Campolongo und (das allerdings noch unfertige) Forte Campomolon in der ersten Linie, die Forte Monte Enna, Forte Monte Maso und Forte Casa Ratti in der zweiten und dritten Linie. Seit Mitte März wurde versucht, durch lokale Operationen die österreichischen Angriffsvorbereitungen zu stören. Größere Aktivitäten wurden jedoch bisher durch den ausgesprochen schneereichen Winter verhindert. Der Generalplan sah eine Angriffsoperation des V.(it) Korps im Etschtal vor, dessen Stoßrichtung über Rovereto und Vattaro auf den Caldonazzosee zielte, während sich das III.(it.) Korps beidseitig des Gardasees vorkämpfen, Riva einnehmen und nach Judikarien vordringen sollte. Diese, am 7. und 8. April gestarteten Operationen brachen noch am gleichen Tag zusammen. Gleichzeitig liefen auch noch die Vorbereitungen zur Sprengung des Col di Lana an. Als sich dann ab März die Anzeichen immer mehr verdichteten, entschloss sich die italienische Heeresleitung ab dem 22. März zu umfassenden operativen Maßnahmen. Der Tiroler Front wurden umfangreiche Verstärkungen zugewiesen und dem V.(it) Korps für den Bereich des Val Sugana detaillierte Angriffsbefehle erteilt. Hier begann seit Anfang April die 15.(it) Infanteriedivision mit Angriffen auf die österreichisch-ungarischen Stellungen im Bereich St. Osvaldo – Monte Broi. Um diese Angriffe abzuwehren, musste die k. u. k. Heeresleitung die zur 3. Armee gehörende 18. Infanterie-Truppendivision einsetzen, obwohl dies ursprünglich vermieden werden sollte. Durch die Heftigkeit der Kämpfe in diesem Abschnitt sah sich General Cadorna zu einem persönlichen Besuch dieses Frontabschnittes veranlasst und ließ verlauten, dass der Hauptstoß des österreichisch-ungarischen Angriffs wohl hier zu erwarten sein würde.

Gruppierungen der k. u. k. Verbände[Bearbeiten]

Nach den ursprünglichen Planungen waren die Bereitstellungsräume und Angriffsziele der 11. Armee wie folgt verteilt worden:

Jäger in Wintermarschadjustierung

Rechter Flügel:

  • VIII. Korps aus dem Bereitstellungsraum Rovereto – Moietto – Monte Finochio mit Angriffsrichtung Vallarsa (Brandtal) auf Monte Zugna (1772 m), Col Santo (2112 m), Borcola-Pass (Passo della Borcola 1207 m) und Passo Pian delle Fugazze. Dem erweiterte Auftrag des Vorstoßes mit einer nach links führenden Zangenbewegung bis nach Thiene wurde durch eine zusätzliche Division (die 48. ITD vom XVII. Korps) Rechnung getragen.

Zentrum:

  • XX. Korps im Zentrum aus dem Bereich Lavarone (Chiesa – Lusern) mit Hauptangriffsrichtung über die Hochfläche der Sieben Gemeinden und durch das Val d’Astico auf Arsiero und Thiene.
  • III. Korps links davon aus dem Bereich Lusern – Passo di Vezzena – Pizzo di Levico mit Hauptangriffsrichtung am Monte Kempel und der Monte Cima de Portule vorbei durch das Val d’Assa in Richtung Asiago.

Linker Flügel:

  • XVII. Korps mit 18. ITD von Borgo (Valsugana) – Castelnuoveo und Scurelle durch das Valsugana südwärts Richtung Passo Grigno und Primolano.

Nachdem die österreichisch-ungarische Führung neue Erkenntnisse in Bezug auf die Dislozierung der italienischen Verbände gewonnen hatte, glaubte man zu erkennen, dass im Vallarsa mit dem geringsten Widerstand zu rechnen sei.[6] Aus diesem Grunde verstärkte man das hier eingesetzte VIII. Korps auf 41 Bataillone Infanterie, das daneben operierende XX. Korps verfügte letztlich über 32 Bataillone Infanterie. Das III. Korps sollte zunächst in seiner Ausgangsposition stehen bleiben und erst nach Erreichen des Monte Toraro (1817 m) und des Spitz Tonezza (1496 m) durch das XX. Korps ergänzend eingreifen und von der Höhe des Passo Vezzena den Höhenrücken der Cima Mandriolo (2049 m) mit seinen Artilleriemassierungen aufrollen und dann durch das Val d’ Assa weiter nach Süden vorstoßen. Je nach Entwicklung der Lage sollte die im Val Sugana bereits eingesetzte 18. ITD der 3. Armee dort weiterhin angreifen oder aber auf die Höhe nachgezogen werden.

Die italienischen Verteidigungsanlagen[Bearbeiten]

Die im Angriffsgebiet vorhandenen permanenten Abwehrstellungen waren als Pendant zu den österreichisch-ungarischen Forts bereits im Frieden errichtet worden und trugen während der Neutralitätsphase vom August 1914 bis zum Mai 1915 die Bezeichnung Fortezza Agno-Assa. Ab dem 24. Mai 1915 wurde das System in Sbarramento Agno-Assa umbenannt und in drei Sektoren gegliedert:

I.Sektor Schio: von Forte Monte Maso über Forte Enna, Batterie Monte Rione und Batterie Aralta zum Paso Coletto Grande.

II. Sektor Arsiereo: Von Cornolò und Batterie San Rocco zu den Batterien um den Monte Toraro und Forte Campomolon.

III. Sektor Asiago: Von Forte Casa Ratti mit allen Stellungen linksseitig des Astico bis zum Valsugana.[7]

Tagliata Val d'Assa – Kasemattblock der Frontseite mit angeschnittenem Graben und Gewehrgalerien

Nachdem auch nach Kriegsbeginn weiterhin an der Verstärkung der Anlagen gebaut wurde, (naturgemäß wurden nur noch Feldstellungen errichtet) konnte das k. u. k. Evidenzbureau für den geplanten Beginn der Offensive die folgenden Stellungsriegel nachweisen:

  1. Linie Monte Civillina – Forte Monte Enna – Monte Rione – Priaforarücken – Südteil des Tonezzaplateaus – Forte Casa Ratti – Forte Punta Corbin – am Südrand des Val d’Assa entlang bis zur Caserma Interrotto und der Tagliata Val d' Assa – nordwärts bis zum Monte Kempel mit dem anschließenden Steilabfall in das Valsugana
  2. Linie Passo Pian delle Fugazze – Forte Monte Maso und der Tagliata Bariola
  3. Linie Monte Toraro – Monte Campomolon mit dem unfertigen Panzerfort – bis zum Ostrand des Tonezzaplateaus
  4. Linie Forte Campolongo – Forte Monte Verena mit dazugehörigen Batteriestellungen Verenetta und Rossapoan

Dazu kamen als Schlüsselstellungen die schwer befestigten Monte Zugna auf dem Höhenrücken zwischen dem Vallarsa und dem Etschtal, der Monte Corno (heute Monte Corno Battisti) nördlich des Valle di Foxi, der Col Santo nordöstlich davon, sowie als Eckpfeiler des ganzen Frontabschnitts der Corno di Pasubio (auch Monte Pasubio genannt). Erwähnt werden muss noch das unfertige Panzerwerk Valmorbia im Vallarsa, das von den Österreichern bei der Rücknahme der Front 1915 aufgegeben und von den Italiener besetzt worden war. Es trug jetzt den Namen Forte Pozzacchio, hatte jedoch keinen Fernkampfwert und kam nur für infanteristische Nahverteidigung in Frage.

Wetterlage[Bearbeiten]

Der außergewöhnlich schneereiche Winter[8]verhinderte die Einhaltung der ursprünglichen Angriffstermine, die immer wieder verschoben werden mussten. Versuche, über die Schneedecke hinwegzukommen, erwiesen sich infolge des einsetzenden Föhnwetters bald als aussichtslos.[9] Die mit voller Ausrüstung angetretenen Männer sanken bis zu den Hüften ein und kamen nur im Schneckentempo vorwärts, ein Angriff gegen ausgebaute Stellungen war völlig ausgeschlossen. Es wurde zwar täglich neue Versuche unternommen, die Höhe des Schnees wurde gemessen und jegliche Veränderung verzeichnet, eine Änderung trat jedoch nicht ein. Bis Mitte Mai waren Senken mit bis zu vier Metern Schneehöhe keine Seltenheit.

Angriffsbeginn[Bearbeiten]

38-cm-Haubitze beschießt Forte Casa Ratti

Bedingt durch die ungünstigen Witterungseinflüsse waren die Angriffstruppen im großen Rahmen zur Untätigkeit verdammt. Man nutzte diese Zeit für eine umfangreiche Feindaufklärung. Fliegeraufnahmen, Überläufer und die Einbringung von Gefangenen durch Schipatrouillen erlaubten eine genaue Einschätzung der gegnerischen Stellungen. Anzeichen von italienischen Angriffsvorbereitungen im Val Sugana veranlassten den Kommandierenden General von Dankl, den Angriffsbeginn auf den 17. Mai 1916 festzulegen. Als dieser Termin beim Armeeoberkommando in Teschen bekannt wurde, setzte man von Dankl in Kenntnis, dass der Angriffsbefehl unter Umständen vorverlegt werden müsse und die Truppen vier Tage nach Eingang der Weisung bereit zu sein hätten.

Inzwischen hatte der deutsche General August von Cramon als Beauftragter der Obersten Deutschen Heeresleitung deren schwere Bedenken gegen die geplante Offensive bei den Österreichern vorgetragen. Falkenhayn hätte es lieber gesehen, wenn die österreichisch-ungarischen Verbände in Frankreich eingesetzt worden wären, da seiner Meinung nach diese Offensive wenig Aussicht auf Erfolg habe. Erwartungsgemäß lehnt Conrad von Hötzendorf dieses Ansinnen ab, da die Vorbereitungen bereits so weit fortgeschritten wären, dass ein Abbruch nicht mehr möglich sei.

Am 13. Mai 1916 erfolgen die Angriffsbefehle für den 15. Mai 1916 06:00 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt begann das Trommelfeuer aus 369 Geschützen, darunter 120 vom Kaliber 24–42 cm. Die italienischen Festungswerke Forte Monte Verena, das Nachbarwerk Forte Campoluongo und das noch unfertige Forte Campomolon (in letzterem waren vier 28-cm-Haubitzen in offener Stellung postiert gewesen) waren zwar bereits im Juni 1915 artilleristisch intensiv bekämpft worden und waren nur zur infanteristischen Verteidigung in der Lage. Dennoch lagen sie nochmals unter schwerstem Feuer und wurden diesmal gänzlich zerstört. Wie vorherbestimmt, feuerte die Artillerie des III. Korps nicht in den eigenen Angriffsabschnitt, sondern in den des XX. Korps. Betroffen war die etwa sechs Kilometer breite Front der italienischen 35. Infanteriedivision und hier besonders der Stellungsbereich der Brigade Ancona. Um 09:00 Uhr folgte das sogenannte Vernichtungsschießen und um 10:00 Uhr der Befehl zum Angriff der Infanterie. Als erste österreichisch-ungarische Verbände drangen kurz darauf die Kaiserjäger des I./III unter Hauptmann Oreste Caldini in die italienischen Gräben an der Malga Pioverna ein.[10] Generell kann gesagt werden, dass, obwohl das Überraschungsmoment vertan worden war, die italienischen Gräben fast überall im ersten Ansturm überrannt werden konnten. Nach anfänglichen Geländegewinnen versteifte sich jedoch der Widerstand, schnell zusammengezogene Reserven machten ein Vorankommen immer schwieriger. Als dann Eingreifverbände von der Isonzofront abgezogen und in die bedrängten Abschnitte verlegt wurden (die italienische Führung hatte inzwischen erkannt, dass es keine Unterstützung aus Deutschland geben würde und man daher die Front am Isonzo vorübergehend ausdünnen konnte) und die viel zu gering veranschlagte Bevorratung an Munition welche die österreichische Artillerie zu einer Reduzierung des Beschusses der italienischen Front zwang, sowie allgemeine Versorgungsschwierigkeiten eintraten, kam die Offensive schließlich am 15. Juni zum Stillstand.

Angriffserfolge[Bearbeiten]

Rechter Angriffsabschnitt[Bearbeiten]

k. u. k. Infanterie in Bereitschaft

Das VIII. Korps eroberte auf seinem rechten Flügel den Höhenrücken mit der Zugna Torta (1.257 m), dem Monte Zugna (1.864 m), dem Coni (1.772 m) und der Cima Mezzana sowie das Vallarsa. Dieser Flügel stieß rechts am Monte Pasubio vorbei. Das Zentrum eroberte den Col Santo (2.112 m)[11], den Monte Corno (heute Monte Corno Battisti genannt) und blieb zum Schluss auf dem Corno di Pasubio (auch Monte Pasubio genannt) stecken. Der linke Flügel konnte links am Monte Pasubio vorbeistossen und die Linie Posina, Monte Priafora und Monte Aralta erreichen. Zur Flankensicherung gingen im Etschtal Verbände der Standschützen und der 11. Infanterie Brigade über Mori flussabwärts vor.

Mittlerer Angriffsabschnitt[Bearbeiten]

Der mittlere Angriffsabschnitt stieß mit dem XX. und dem III. Korps über die Hochfläche der Sieben Gemeinden über die, bereits von der Artillerie zerstörten, italienischen Befestigungswerke Forte Monte Verena und Forte Campolongo vor, (am 16. Mai abends erreicht das 1. Regiment der Tiroler Kaiserjäger in der Nähe des Pinovernarückens die Reichsgrenze) eroberte den Monte Cimone (Infanterie Regiment Nr. 14)[12] und die Kleinstädte Asiago (Becken von Asiago)[13] und Arsiero, konnte jedoch nur bis auf eine Linie bis kurz vor den beiden Ortschaften vorankommen. Kampflos eingenommen werden konnten in diesem Abschnitt die Befestigungswerke Caserma Interrotto und Forte Casa Ratti. Bei letzterem entbrannte ein Streit zwischen dem Sappeurbataillon 14 und dem Infanterie Regiment Nr. 50, wer als erster in dem Fort gewesen sei. Das AOK entschied dann zugunsten der Sappeure. Am 1. Juni wurde der Monte Cengio erstürmt, die Truppen und standen damit am Rande der venetianischen Ebene, deren Zugang nur noch durch das Massiv des Monte Paù versperrt wurde.

Dieses 35-cm-Schiffsgeschütz beschoss Asiago und Arsiero

Linker Angriffsabschnitt[Bearbeiten]

Hier stießen die österreichisch-ungarischen Truppen mit Teilen des III. Korps und des XVII. Korps durch das Valsugana und die angrenzenden Höhen nach Osten und Südosten vor, erobern den Monte Kempel (2.295 m), den Monte Colambaretta di Portule (2.046 m) und den gesamten Gebirgsrücken bis zum Monte Meletta, um dann im Valsugana etwa vier Kilometer vor Grigno anhalten zu müssen.

Einstellung der Offensive und Zurücknahme der Front[Bearbeiten]

Trotz aller weiteren Versuche war ein Vorrücken über die bereits erreichten Stellungen hinaus nicht mehr möglich, da die Versorgung mit Material und Verpflegung eine Schwierigkeit erreicht hatte, die fast nicht mehr zu bewältigen war. Die schlechten Wetterbedingungen (Nässe und Kälte) taten ein Übriges.
Ein nochmaliger, begrenzter Angriffsversuch am 16. Juni scheiterte. Am 18. Juni wurde der Befehl zum Rückzug erlassen.[14] Grund dafür ist die von Russland am 4. Juni begonnene Brussilow-Offensive, deren katastrophale Auswirkungen auf die österreichisch-ungarische Ostfront nur mit Truppen aus dem südtiroler Raum aufgefangen werden konnten. Man verlegte daher die Front ab der Nacht vom 24. Juni zum 25. Juni auf besser zu verteidigende Stellungen um einen Streifen von etwa drei bis vier Kilometer zurück. (Linie Mattasone – Valmorbia – Pasubio – Borcolapass – Monte Cimone – Casteletto – Roana – Monte Interrotto – Cima Dieci – Civaron – Salubio – Setole.)[15] Lediglich der Monte Pasubio und der Monte Cimone wurden nicht aufgegeben und saßen von da an wie ein Stachel in der italienischen Front. Die am 26. Juni einsetzende und bis zum 8. Juli andauernde italienische Gegenoffensive brachte keine messbaren Geländegewinne.

Italian Front 1915-1917.jpg

Schlussbetrachtung[Bearbeiten]

Wie viele andere Aktionen der österreichisch-ungarischen Streitkräfte war auch diese geprägt von drei Faktoren: zu wenig – zu unentschlossen – zu kraftlos. Wie üblich, gab es taktische und strategische Fehler beim AOK und der Heeresgruppe, Querelen zwischen den beiden Stellen einerseits, den Armeen und Korps andererseits, was letztendlich dazu führte, dass man sich nach dem Scheitern der Offensive gegenseitig die Schuld zuschob. Einer der Kritikpunkte war das fünftägige Zurückhalten des III. Korps, um dessen Artillerie zur Unterstützung des XX. Korps einzusetzen und so dem Korpskommandanten, dem Erzherzog Karl, einen glänzenden Sieg zuzuschanzen.[16] Auch, dass die beiden Armeen (11. und 3.) nicht wie operativ geplant hintereinander vorrückten, sondern die 3. Armee sich plötzlich neben der 11. Armee entwickelte und nahezu gleichzeitig angriff. Nicht genügend bedacht hatte man außerdem den Bedarf an Artilleriemunition, deren Mangel mit zum Scheitern der Offensive beitrug, sowie die Transportprobleme des Nachschubs. Sie wurden wegen Geländeschwierigkeiten immer größer, je weiter man nach Süden vorrückte. Es wurde nahezu unmöglich, den in Kälte und Nässe ausharrenden Soldaten warme oder überhaupt ausreichende Verpflegung zu zuzuführen, was zu einem unverhältnismäßig hohen Ausfall durch Magen- und Darmerkrankungen führte (am Monte Spini dauert der Transport der Verpflegungsbehälter in die vordersten Gräben fünf bis sechs Stunden – dazu lagen die Anmarschwege unter Artilleriefeuer). Als Hauptursache der von vorneherein bereits zum Scheitern verurteilten Aktion gilt der gravierende Fehler der Leitung, die Operation wider besseres Wissen ohne deutsche Unterstützung durchführen zu wollen. Man handelte hier (nicht zum ersten Mal) sprichwörtlich nach dem Motto: irgendwie wird es schon gutgehen. Dazu kommt die Weigerung der deutschen obersten Heeresleitung, für dieses Vorhaben Truppen zur Verfügung zu stellen, da man ebendiese Truppen zur Schlacht um Verdun vorgesehen hatte und glaubte dieser Aktion den Vorrang geben zu müssen.

Es mag sein, dass es ohne den Abzug der Truppen zur Abwehr der Brussilow-Offensive gelungen wäre, in die venetianische Tiefebene vorzudringen. Ob man jedoch gegen die sich dort mit allen Mitteln wehrenden Italiener ohne deutsche Unterstützung bis Venedig hätte vordringen können, bleibt fraglich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Artl: Die österreichisch-ungarische Südtiroloffensive 1916. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1983, ISBN 3-215-05238-5.
  • Fritz Weber: Alpenkrieg. Artur Kollitsch Verlag, Klagenfurt 1939.
  • Robert Mimra: Batterie 4. Bergland Buchverlag, Graz 1930.
  • Rest-Ortner-Ilmig: Des Kaisers Rock im 1. Weltkrieg. Uniformierung und Ausrüstung der Österreichisch-Ungarischen Armee von 1914 bis 1918. Verlag Militaria, Wien 2002, ISBN 3-9501642-0-0.
  • Adolf Paulus: Der 1. Weltkrieg im Bild. R. Löwit Verlag, Wiesbaden 1979.
  • Walter Schaumann: Dall' Ortles all' Adriaco Immagini del fronte italo-austriaco 1915–1918. Wien 1993.
  • Hans Magenschab: Der Krieg der Großväter 1914–1918. Verlag der österreichischen Staatsdruckerei, Wien 1988, ISBN 3-7046-0115-2 .
  • Wachtler-Giacomel-Obwegs: Dolomiten. 2 Bände, Athesia Verlag Bozen 2003/2004, ISBN 88-87272-44-1.
  • Robert Striffler: Der Minenkrieg auf dem Monte Cimone. Verlag Buchdienst Südtirol, Nürnberg 2001, ISBN 3-923995-21-0.
  • Viktor Schemfil: Die Pasubio Kämpfe 1916–1918. Verlag Buchdienst Südtirol, Nürnberg 1994 (Nachdruck von 1936), ISBN 3-923995-03-2.
  • Fritz Weber: Das Ende einer Armee. Verlag Franz Eher Nachfolger München 1940.
  • Erwin A. Grestenberger: K. u. K. Befestigungen in Tirol und Kärnten 1860–1918. Mittler & Sohn, Wien 2000, ISBN 3-8132-0747-1.
  • Heinz von Liechem: Krieg in den Alpen. Athesia Verlag, Bozen; Weltbild, Augsburg 1992, ISBN 3-89350-545-8.
  • Anton Graf Bossi-Fedrigotti: Kaiserjäger – Ruhm und Ende. Leopold Stocker Verlag, Graz 1977, ISBN 3-7020-0263-4.
  • L'esercito italiano nella grande guerra LEINGG (1915–1918) Volume I – IV /Ministerio della Guerra – Ufficio Storico, Roma 1929–1974.
  • Guerra Italo-Austriaca 1915–1918. Le medaglie d'Oro Ministero della Guerra Stato Maggiore centrale – Ufficio Storico. Volume secondo – 1916, Roma 1923.
  • Österreichisches Bundesministerium und Kriegsarchiv (Hrsg.): Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914–1918. Verlag der Militärwissenschaftlichen Mitteilungen, Wien 1931/1933.
  • Louis Trenker: Sperrfort Rocca Alta. Verlag Bertelsmann, München 1977.
  • Maximilian Lauer: Unsere Rainer im Weltkrieg 1914/18. Salzburg 1919.
  • Helmut Golowitsch: Und kommt der Feind ins Land herein.... Buchdienst Südtirol, Nürnberg 1985, ISBN 3-923995-05-9.
  • Robert Striffler: Von Fort Maso bis Porta Manazzo: Bau- und Kriegsgeschichte der italienischen Forts und Batterien 1883–1916. Buchdienst Südtirol, Nürnberg 2004, ISBN 3-923995-24-5.
  • Kompass Carta Touristica Trento-Lévico-Lavarone Nr. 75
  • Kompass Carta Touristica Rovereto-Monte Pasubio Nr. 101
  • Hans Dieter Hübner: Unterwegs auf historischen Spuren: Wanderungen und Exkursionen zu den Schwerpunkten der österreichisch-ungarischen Südtiroloffensive 1916 – Band I: Rund um den Pasubio. Books on Demand GmbH, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-8391-5723-7.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Viktor von Schemfil: Die Pasubio-Kämpfe, S. 10
  2. Österreich-Ungarns letzter Krieg. Band IV, S. 198
  3. ab 1917: Landesschützendivision
  4. E. Wißhaupt: Die Tiroler Kaiserjäger im Weltkrieg 1914–1918. Band II, S. 152 ff.
  5. Österreich-Ungarns letzter Krieg Band IV S. 198
  6. Österreich-Ungarns letzter Krieg Band IV S. 227
  7. LEINGG Band II Anlage 36
  8. man sprach vom scheereichsten Winter seit Menschengedenken
  9. Österreich-Ungarns letzter Krieg Band IV S. 194 ff.
  10. Anton Graf Bossi Fedrigotti: Kaiserjäger – Ruhm und Ende. Graz 1977, S. 270
  11. Schiarini: L'Armata del Trentino 1915–1919. S. 103–104
  12. Robert Striffler: Der Minenkrieg auf dem Monte Cimone. Schriftenreihe zur Zeitgeschichte Tirols. Band II, S. 38
  13. Fritz Weber: Das Ende einer Armee München 1940, S. 63 ff.
  14. Anton Graf Bossi-Fedrigotti: Kaiserjäger – Ruhm und Ende. Graz 1977, S. 321
  15. Viktor Schemfil: Die Pasubio-Kämpfe Schriftenreihe zur Zeitgeschichte Tirols Band 4 Nürnberg o.J., S. 26
  16. Robert Striffler: Der Minenkrieg auf dem Monte Cimone. Schriftenreihe zur Zeitgeschichte Tirols Band 12, Nürnberg 2001, S. 13