Jack Hodgins

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Jack Hodgins (OC) (* 3. Oktober 1938 in Comox, British Columbia, Kanada) ist ein kanadischer Schriftsteller und Hochschullehrer, der nicht nur von der nordamerikanischen Literaturkritik allgemein gefeiert wird[1] und der für den Roman The Resurrection of Joseph Bourne 1979 den Governor General’s Award for Fiction sowie seinen historischen Roman Broken Ground, der kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges spielt, 1999 den zu den BC Book Prizes gehörenden Ethel Wilson Fiction Prize gewinnen konnte. Jack Hodgins gilt als einer der Hauptvertreter des kanadischen „magischen Realismus“ im Rahmen des postkolonialen Diskurses.[2][3][4]

Leben[Bearbeiten]

John Stanley Hodgins wurde 1938 im Comox Valley, British Columbia, als Sohn der irischstämmigen Siedler Stanley und Reta Hodgkins geboren und wuchs in der Kleinstadt [[Merville (Comox Valley)|Merville]] auf. Danach verließ er seine Heimatstadt und zog nach Vancouver, wo er ab 1957 – ermutigt durch Earle Birney – an der University of British Columbia Englisch und Pädagogik studierte und 1960 seinen Bachelor of Arts in Erziehungswissenschaften machte. In diesem Jahr heiratete er auch. Hodgins verbrachte die nächsten 18 Jahre seiner Karriere als Englischlehrer an der High School in Nanaimo auf Vancouver Island.

1968 wurde sein erstes literarisches Werk zur Veröffentlichung akzeptiert. Mit der Publikation seiner ersten Kurzgeschichtensammlung Spit Delaney’s Island (1976) und seinem ersten Roman The Invention of the World (1977) war Hodgin auf dem besten Weg, als Autor von der Literaturwelt Kanadas wahrgenommen zu werden. The Resurrection of Joseph Bourne markierte schließlich einen Wendepunkt in seinem Werk. Er nahm für ein Jahr ein Sabbatical von seinem Lehrerberuf und zog mit seiner Familie nach Ottawa, wo er an der University of Ottawa als Writer-in-residence arbeitete.[5] Nachdem der Roman den Governor General’s Literary Award for English Language Fiction 1979 gewann, begann Hodgins, die Möglichkeiten seines schriftstellerischen Schaffens auszuloten.

Von nun an nahm er kurzzeitig befristete Lehraufträge an diversen kanadischen Universitäten an, darunter auch an der Simon Fraser University.[6] Seine Leidenschaft zum Unterrichten führte ihn rund um die Welt, er wirkte unter anderem in Australien, Deutschland, Finnland, Japan und Spanien als Dozent. 1983 nahm er eine Professur für Kreatives Schreiben an der University of Victoria an. Seine Familie und er ließen sich daraufhin in Victoria nieder, um auch nach seiner Pensionierung aus dem Hochschuldienst 2002 dort zu bleiben.

Gelegentlich gibt Jack Hodgins auch weiterhin Lektionen in Kreativem Schreiben und leitet einen jährlichen Workshop in Mallorca.

Hodgin erfuhr viel Wertschätzung in seinem Heimatland und erhielt diverse Auszeichnungen, darunter den Eaton's BC Book Award für Spit Delaney’s Island, den Lieutenant Governor's Award for Literary Excellence 2006 und den Terasen Lifetime Achievement Award.

2001 wurden verschiedene Kurzgeschichten aus seinem Buch The Barclay Family Theatre für die Theaterbühne adaptiert. Das so entstandene Stück wurde seinerseits von dem Komponisten Christopher Donnison als Oper bearbeitet und auf der Bühne in Victoria uraufgeführt. Sein Lebenswerk wurde durch eine Filmproduktion des National Film Boards mit dem Titel Jack Hodgins' Island geehrt.

Seine Bücher basieren inhaltlich auf seiner engen Beziehung zu seiner Lebensumgebung und seinen persönlichen Erfahrungen mit den gemäßigten Regenwäldern und den Küsten British Columbias. Orte wie Comox Valley, Nanaimo und Victora, oder die seiner Reisen, beeinflussten seine Schriftstellerei und die Zusammenhänge seiner Bücher. Seine Charaktere in Innocent Cities basieren ebenso auf tatsächlichen Personen, die in Victoria um 1900 lebten, wie auch auf Persönlichkeiten, die er auf seinen Reisen in Australien kennenlernte. The Invention of the World basiert auf dem legendären Sektenführer Brother Twelve und seinen Jüngern von außerhalb Nanaimos.[7] The Macken Charm, dessen Handlung um 1956 spielt, stellt das Comox Valley und seine Bewohner dar, die von tatsächlich lebenden Persönlichkeiten aus dem Umfeld des Autors inspiriert wurden. Die verschiedenen Schauplätze von Spit Delaney's Island basieren alle auf Orten, an denen er lebte oder die er auf seinen Reisen schätzen lernte.

In Bezug auf seinen ersten Roman, The Invention of the World, urteilte Heinzjörg Gehring: „Hodgins’ Abkehr von der realistischen Erzähltradtion Kanadas, die ihm mit Robert Kroetsch (...) verbindet, ist jedoch nicht radikal. Sein Buch lebt auch von den ironischen Anspielungen auf konkrete kanadische Empfindsamkeiten: Toleranz in einem Vielvölkerstaat, naives Bedürfnis nach einer "usable past", die Behandlung der Ureinwohner, überhaupt die leidige Suche nach einer kanadischen Identität.“[8]

2009 wurde Jack Hodgin zum Member of the Order of Canada ernannt.

Gegenwärtig arbeitet er zusammen mit seiner Schülerin Gail Anderson-Dargatz an einem gemeinsamen Roman, The Edge, über einen Unglücksfall an einer fiktiven kanadischen Universität.[9][10][11]

Der mit ihm befreundete Drehbuchautor Hart Hanson schuf mit der Figur des Entomologen Dr. Jack Hodgins in der Fox Network-Fernsehserie Bones – Die Knochenjägerin, die auf der Leinwand von T. J. Thyne verkörpert wird, eine lediglich äußere Würdigung, da beide Persönlichkeiten nichts gemein haben.[12]

Werk[Bearbeiten]

Romane
  • The Invention of the World. 1977.[13][14][15][16][17][18][19]
  • The Resurrection of Joseph Bourne. Macmillan of Canada, Toronto 1979.
  • The Honorary Patron. McClelland & Stewart, Toronto 1987.[20]
  • Innocent Cities. McClelland & Stewart, Toronto 1990.
  • The Macken Charm. McClelland & Stewart, Toronto 1995.
  • Broken Ground. McClelland & Stewart, Toronto 1998.
  • Distance. McClelland & Stewart, Toronto 2003.
  • The Master of Happy Endings. McClelland & Stewart, Toronto 2010. (Shortlist beim Ethel Wilson Fiction Prize)
Kurzgeschichten[21][22][23]
  • Spit Delaney's Island. 1976.
  • "By The River"
  • The Barclay Family Theatre. 1981.[24]
  • Damage Done by the Storm. McClelland & Stewart, Toronto 2005.
Kinderbücher
  • Left Behind in Squabble Bay. McClelland and Stewart, Toronto 1988.
Sachbücher
  • Voice and Vision. McClelland and Stewart, Toronto 1972.
  • als Hrsg.: The Frontier Experience. Macmillan of Canada, Toronto 1975.
  • als Hrsg.: The West Coast Experience. Macmillan of Canada, Toronto 1976.
  • Over Forty in Broken Hill. Unusual Encounters in the Australian Outback. McClelland & Stewart, Toronto 1992. (Reisebericht über Australien)
  • A Passion for Narrative: A Guide for Writing Fiction. McClelland & Stewart, Toronto 1994.
Anthologien
  • Teaching Short Fiction. Herausgegeben zusammen mit Bruce Nesbitt, ComCept Publishing.
  • Voice and Vision. Herausgegeben zusammen mit W.H. New, McClelland and Stewart.
  • The Frontier Experience. Macmillan of Canada, 1975.
  • The West Coast Experience. Macmillan of Canada, 1976.
  • BEGINNINGS: samplings from a long apprenticeship: novels which were imagined, written, re-written, rejected, abandoned, and supplanted.

Grand Union Press, Toronto 1983.

Periodika
  • Northwest Review
  • Antigonish Review
  • Wascana Review
  • Descant (Texas)
  • Capilano Review
  • Prism: international
  • Paris Intercontinental
  • Saturday Night
  • Vancouver
  • Westerly
  • Story
  • Toronto Life
  • North American Review
  • Event
  • Canadian Fiction Magazine
  • Sound Heritage
  • Alphabet
  • Viva
  • Journal of Canadian Fiction
  • The Canadian Forum
  • Forum (Houston)
  • Island No.2
  • Meanjin
  • The Literary Half-yearly
  • Overland

Auszeichnungen, Nominierungen und Ehrungen[Bearbeiten]

  • 1973: "After the Season": the President's Medal, University of Western Ontario
  • 1977: Spit Delaney's Island: Shortlist for the Governor General's Award
  • 1977: Spit Delaney's Island: the Eaton's B.C. Book Award
  • 1978: The Invention of the World: Shortlist für Books in Canada First Novel Award
  • 1978: The Invention of the World: the Gibson's First Novel Award
  • 1979: The Resurrection of Joseph Bourne: The Governor General’s Award for Fiction
  • 1986: The Canada-Australia prize
  • 1988: The Honorary Patron: the Commonwealth Literature Prize (Canada-Caribbean region)
  • 1988: The Honorary Patron: Shortlist für den Stephen Leacock Award for Humour
  • 1995: Honorary D.Litt, University of British Columbia
  • 1996: "Finding Merville": (Comox Valley Record) 1. Platz beim Neville Shanks Memorial Award for Historical Writing.
  • 1998: Honorary D.Litt, Malaspina University-College
  • 1999: Broken Ground: The Drummer General Award (Different Drummer Bookstore)
  • 1999: Broken Ground: jury choice as "best novel of the year" in Quill & Quire
  • 1999: Broken Ground: in The Globe and Mail "top ten"
  • 1999: gewählt in die Royal Society of Canada
  • 2000: Broken Ground: Torgi Talking Book of the Year
  • 1999: Broken Ground: Ethel Wilson Fiction Prize
  • 2000: Broken Ground: Longlist für den IMPAC/Dublin Award
  • 2004: Honorary D.Litt, University of Victoria
  • 2004: Distance: Shortlist für the inaugural City of Victoria book award
  • 2004: Distance: long-listed für den IMPAC/Dublin Award
  • 2006: Lieutenant Governor’s Award for Literary Excellence
  • 2006: Terasen Lifetime Achievement Award "for an outstanding literary career in British Columbia"
  • 2009: Member of the Order of Canada

Literatur[Bearbeiten]

  • David Jeffrey: Jack Hodgins and his Works. ECW Press, Toronto 1980.
  • Annika Hannan (Hrsg.): Jack Hodgins: Essays on His Works. 2007.
  • Allan Pritchard: Jack Hodgins' Island: A Big Enough Country. In: University of Toronto Quarterly 55.1 (September 1985), S. 21–44.
  • J.R. Struthers (Hrsg.): On Coasts of Eternity: Jack Hodgins' Fictional Universe. 1996.
  • Waldemar Zacharasiewicz: The Invention of a Region: The Art of Fiction in Jack Hodgins' Stories. In: Gaining Ground: European Critics on Canadian Literature. Herausgegeben von Robert Kroetsch und Reingard M. Nischik. NeWest, Edmonton 1985. S. 186–191.
  • Waldemar Zacharasiewicz: Recording Voices from the Past: The Reconstruction of History on the Pacific Rim in Jack Hodgins' Fiction. In: Historiographic Metafiction in Modern American and Canadian Literature. Herausgegeben von Bernd Engler und Kurt Muller, Ferdinand Schöningh, Paderborn 1994, S. 465–476.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ludwig Deringer: Regionalism and Universality in American and Canadian Literature: The Pacific Northwest as Model. In: Anglistentag 1993 Eichstatt. Herausgegeben von Gunther Blaicher and Brigitte Glaser. Niemeyer, Tübingen 1994. S. 350–360.
  2. Stephen Slemon: Magic Realism as Postcolonial Discourse. In: Magical Realism: Theory, History, Community. Herausgegeben von Lois Parkinson Zamora und Wendy B. Faris. Duke University Press, Durham, NC 1995, S. 407–426.
  3. John Thieme: Acknowledging Myths: The Image of Europe in Margaret Laurence's The Diviners and Jack Hodgins's The Invention of the World. In: Commonwealth Essays and Studies 10.1 (14/1987) S. 15–21.
  4. Cecelia Coulas Fink: If Words Won't Do, and Symbols Fail: Hodgins's Magic Reality. In: Journal of Canadian Studies/Revue d'Etudes Canadiennes 20.2 (Juni 1985) S. 118–131.
  5. http://www.nwpassages.com/bios/hodgins.asp
  6. http://www.nwpassages.com/bios/hodgins.asp
  7. G. Lernout: Creation Science and Jack Hodgins's The Invention of the World. In: Revue Belge de Philologie et d'Histoire/Belgisch Tijdschrift voor Filologie en Geschiedenis 64.3 (1986) S. 532–538.
  8. Hauptwerke der englischen Literatur. Bd. 2. Das 20. Jahrhundert und neuen Literaturen außerhalb Englands. Einzeldarstellungen und Interpretationen. Kindlers Neues Literaturlexikon, zusammengestellt von Henning Thies, Kindler München 1995, S. 519.
  9. http://www.jackhodgins.ca/jackhodgins-bio.htm
  10. http://www.bcwriters.ca/writing-links/get-published/awards-and-contests/2011-january-june-2/
  11. http://unlimitededitions.ca/
  12. http://www.jackhodgins.ca/jackhodgins-bio.htm
  13. Susan Beckmann: Canadian Burlesque: Jack Hodgins' The Invention of the World. In: Essays on Canadian Writing Nr. 20 (Dezember 1980), S. 106–125.
  14. Jan C. Horner: Irish & Biblical Myth in Jack Hodgins' The Invention of the World. In: Canadian Literature Nr. 99 (Dezember 1983): S. 6–18.
  15. Carol Langhelle: The Counterfeit and the Real in Jack Hodgins' The Invention of the World. Lund: Nordic Association for Canadian Studies/L'Association Nordique d'Études Canadiennes 1992.
  16. Robert Lecker: Haunted by a Glut of Ghosts: Jack Hodgins' The Invention of the World. In: Essays on Canadian Writing Nr. 20 (Dezember 1980) S. 86–105.
  17. Joann McCaig, : Brother XII and The Invention of the World. In: Essays on Canadian Writing Nr. 28 (März 1984): S. 128–140.
  18. Laurence Steven: Jack Hodgins' The Invention of the World & Robert Browning’s 'Abt Vogler'. In: Canadian Literature Nr. 99 (Dezember 1983) S. 21–30.
  19. John Thieme: Acknowledging Myths: The Image of Europe in Margaret Laurence's The Diviners and Jack Hodgins's The Invention of the World. In: Commonwealth Essays and Studies 10.1 (14/1987) S. 15–21.
  20. Jo Ann McCaig: Lines and Circles: Structure in 'The Honorary Patron'. In: Canadian Literature Nr. 128 (März 1991) S. 65–75.
  21. Jeanne Delbaere Garant: Isolation and Community in Jack Hodgins's Short Stories. In: Recherches Anglaises et Américaines Nr. 16 (1983): S. 31–44.
  22. Jeanne Delbaere Garant: Magic Realism in Jack Hodgins's Short Stories. In: Recherches Anglaises et Nord Américaines Nr. 20 (1987) S. 41–49.
  23. Walter Zacharasiewicz: The Development of Jack Hodgins' Narrative Art in His Short Fiction. In: Encounters and Explorations: Canadian Writers and European Critics. Herausgegeben von Franz K. Stanzel und Waldemar Zacharasiewicz, Königshausen & Neumann, Würzburg 1986, S. 94–109.
  24. Simone Vauthier: Reader's Squint: An Approach to Jack Hodgins' The Barclay Family Theatre. In: Modes of Narrative: Approaches to American, Canadian and British Fiction. Herausgegeben von. Reingard M. Nischik und Barbara Korte. Königshausen & Neumann, Würzburg 1990, S. 153–165.