Jelabuga

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Alabuga ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum Fluss in Kirgisistan siehe Alabuga (Naryn).
Stadt
Jelabuga
Елабуга
Wappen
Wappen
Föderationskreis Wolga
Republik Tatarstan
Rajon Jelabuga
Erste Erwähnung 16. Jahrhundert
Stadt seit 1780
Fläche 41 km²
Bevölkerung 70.728 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 1725 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 70 m
Zeitzone UTC+4
Telefonvorwahl (+7) 85557
Postleitzahl 42360x
Kfz-Kennzeichen 16, 116
OKATO 92 415
Website www.elabugae.ru
Geographische Lage
Koordinaten 55° 46′ N, 52° 2′ O55.76666666666752.03333333333370Koordinaten: 55° 46′ 0″ N, 52° 2′ 0″ O
Jelabuga (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Jelabuga (Tatarstan)
Red pog.svg
Lage in Tatarstan
Liste der Städte in Russland

Jelabuga (russisch Елабуга, tatarisch Alabuğa/Алабуга) ist eine Stadt in der russischen Teilrepublik Tatarstan, gelegen am rechten Ufer des Flusses Kama. Sie liegt auf einer Fläche von 18,4 Quadratkilometern und ist das Zentrum des gleichnamigen Rajons. Die Einwohnerzahl beträgt 70.728 (Stand 14. Oktober 2010).[1] Die Bevölkerung setzt sich aus 58,7 % Russen, 34,3 % Tataren und 1,7 % Tschuwaschen zusammen (Stand 1989).

Geschichte[Bearbeiten]

Turm der Teufelsburg aus der Zeit der Wolgabulgaren mit Blick auf Jelabuga
Spasskaja- (Erlöser-) Straße in Jelabuga
Haupteingang des Klosterlagers 97B

Die Ursprünge Jelabugas liegen im 11. Jahrhundert, als Wolgabulgaren hier eine Grenzfestung errichteten; die Überreste der „Teufelsburg“ (tatarisch: Şaytan qalası, russisch Чёртово городище) genannten Bauten sind bis heute erhalten. Im 16. Jahrhundert wurde auf dem heutigen Stadtgebiet ein russisches Dorf gegründet.

Seit 1780 hat Jelabuga Stadtrechte.

In Jelabuga existierte bereits vor dem Ende der Schlacht um Stalingrad das sowjetische Kriegsgefangenenlager 97 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[2] Hier wurde die erste antifaschistische Offiziersgruppe unter Hauptmann Ernst Hadermann gebildet. Ab Februar 1943 wurden hauptsächlich deutsche Offiziere nach Jelabuga verbracht, zunächst die in Stalingrad in Gefangenschaft geratenen, später auch aus anderen Operationen der Roten Armee. Außer deutschen Kriegsgefangenen waren in Jelabuga auch Angehörige der Armeen mit Deutschland verbündeter Nationen interniert, so u. a. Rumänen, Italiener, Ungarn und Japaner. Es gab zwei NKWD-Hauptlager in der Stadt, Nr. 97A (Kamalager) und Nr. 97B (Klosterlager), sowie mehrere Nebenlager in den umliegenden Wäldern.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1897 9.764
1939 14.963
1959 21.992
1970 31.728
1979 35.574
1989 53.537
2002 68.663
2010 70.728

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Im Jahre 1892 wirkte in Jelabuga der österreichische Chemiker Carl Josef Bayer auf der Suche nach Bauxit und ließ hier eine Aluminium-Fabrik errichten.

Jelabuga ist der Geburtsort des russischen Malers Iwan Schischkin sowie des Diplomaten Gennadi Gerassimow. Die russische Lyrikerin Marina Zwetajewa verbrachte 1941 hier zusammen mit ihrem Sohn die letzten Tage ihres Lebens, bevor sie Suizid beging. In der Stadt gibt es ein Museum über das Leben der Schriftstellerin.

Im Januar 1944 verstarb in einem Gefangenenlager bei Jelabuga der durch seine Stalingradmadonna bekannt gewordene deutsche Arzt Kurt Reuber, der hier – kurz vor seinem Tode – für die Gefangenen-Zeitung eine Zweitfassung seiner Madonna, die sogenannte „Gefangenen-Madonna“ zeichnete.

Eine ganze Reihe der ab 1943 in Jelabuga kriegsgefangenen Offiziere haben nach ihrer Rückkehr publizistisch gewirkt und dabei auch ihre Erinnerungen aus Tatarstan und Stalingrad verarbeitet, darunter der deutsche Schriftsteller Otfried Preußler (Buch Krabat), der als italienischer Militärgeistlicher in sowjetische Gefangenschaft geratene Jesuit und Missionar Pietro Alagiani, Udo Giulini (später Mitglied des Deutschen Bundestages und IHK-Präsident), Wigand Wüster (Aquarelle zu Jelabuga und Stalingrad), Fritz Wöss (Buch Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken) und Klaus Sasse („Der Königsberger“, nahm heimlich mit einer Miniaturkamera Fotos im Lager auf).

Arbeiten von Otfried Preußler und Wigand Wüster befinden sich im Museum der Stadt Jelabuga.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Berger, Gefangen in fremdem Land: So erlebte ich den Zweiten Weltkrieg und die russische Kriegsgefangenschaft, 2005
  • Otto Rühle, Genesung in Jelabuga, 1967
  • Klaus Sasse, Bilder aus russischer Kriegsgefangenschaft: Erinnerungen und Fotos aus Jelabuga und anderen sowjetischen Lagern 1945-1949, 2007

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jelabuga – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien