Weilheim in Oberbayern

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Weilheim in Oberbayern
Weilheim in Oberbayern
Deutschlandkarte, Position der Stadt Weilheim in Oberbayern hervorgehoben
47.83333333333311.133333333333563Koordinaten: 47° 50′ N, 11° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Weilheim-Schongau
Höhe: 563 m ü. NHN
Fläche: 55,44 km²
Einwohner: 21.534 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 388 Einwohner je km²
Postleitzahl: 82362
Vorwahl: 0881
Kfz-Kennzeichen: WM, SOG
Gemeindeschlüssel: 09 1 90 157
Stadtgliederung: 6 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Admiral-Hipper-Straße 20
82362 Weilheim i.OB
Webpräsenz: www.weilheim.de
Bürgermeister: Markus Loth (Bürger für Weilheim)
Lage der Stadt Weilheim in Oberbayern im Landkreis Weilheim-Schongau
Starnberger See Ammersee Landkreis Ostallgäu Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Landkreis Garmisch-Partenkirchen Landkreis Starnberg Landkreis Landsberg am Lech Wildsteig Wielenbach Wessobrunn Weilheim in Oberbayern Steingaden Sindelsdorf Seeshaupt Schwabsoien Schwabbruck Schongau Rottenbuch Raisting Prem Polling (bei Weilheim) Penzberg Peiting Peißenberg Pähl Obersöchering Oberhausen (bei Peißenberg) Ingenried Iffeldorf Huglfing Hohenpeißenberg Hohenfurch Habach Eglfing Eberfing Burggen Böbing Bernried am Starnberger See Bernbeuren Antdorf Altenstadt (Oberbayern)Karte
Über dieses Bild

Weilheim in Oberbayern (amtlich: Weilheim i.OB) ist die Kreisstadt des oberbayerischen Landkreises Weilheim-Schongau. Weilheim ist als Mittelzentrum einer der wichtigsten Orte des Pfaffenwinkels im bayerischen Oberland.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Weilheim liegt eingebettet in der bayerischen Voralpenlandschaft zwischen München im Norden und Garmisch-Partenkirchen im Süden. Durch die Stadt fließt die Ammer, ein linker Nebenlauf der Isar.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Weilheim gehören neben der Stadt Weilheim auch die Orte Marnbach, Deutenhausen, Tankenrain, Unterhausen, Hahnenbühel und Lichtenau.

Geschichte[Bearbeiten]

Stadtmauer bei der Vötterlgasse um 1900
St. Mariae Himmelfahrt
Die Fußgängerzone von Weilheim in Oberbayern
Stadtmuseum im Alten Rathaus vom Marienplatz

Älteste Spuren menschlicher Besiedlung stammen aus der Bronzezeit,[2] aus der Spätrömerzeit stammen Grabfunde.[3] Der Name Weilheim wird als Heim bei den römischen Villen (Landgüter) gedeutet. Es gibt aber mehrere weitere Theorien für den Ursprung des Ortsnamens.[4] Das jetzige oberbayrische Gebiet gelangte unter dem Feldherrn Drusus in römische Hand.[5] Die Römer bauten 200 nach Christus die „Via Raetia“, die über den Brennerpass und Seefelder Sattel nach Augsburg führte.[5][6] Diese Römerstraße verlief über Weilheimer Gebiet.[5] Um 476 zogen sich die Römer zurück nach Süden und die Bajuwaren kamen in die Gegend.[7]

Die erste urkundliche Erwähnung des damaligen Dorfes „Wilhain“ stammt aus einer Urkunde vom 16. April 1010 des Königs und späteren Kaiser Heinrich II. von Bamberg, der dem Kloster Polling im Jahr 1010 den Besitz eines Gutshofes in Weilheim zuspricht.[2][8] Ab etwa 1080 sind Edle zu Weilheim nachweisbar, sie waren Lehensmänner der Andechs-Meranier und starben um 1312 aus.[2][9] Ab 1236 gab es einen Palisadenzaun als Vorläufer der Stadtmauer.[9] Etwa im Jahr 1328 ermöglichte der Münchner Patrizier Ludwig Pütrich durch Stiftungen die Einrichtung des Heilig-Geist-Spitals außerhalb der Stadtmauern.[2][10] Nach ihm wurde ein Preis der Stadt benannt. Im Mittelalter wurde Weilheim von mehreren schweren Bränden heimgesucht. Als 1521 in München eine Pestepidemie ausbrach, hielten sich die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig provisorisch im Weilheimer Pflegeschloss auf.[2][11] Anfang des 17. Jahrhunderts Stand das Kunsthandwerk in Weilheim in Blüte, allen voran die Weilheimer Bildhauerschule.[12] Bekannte Vertreter aus dieser Zeit sind Georg Petel, Hans Krumpper und Johann Sebastian Degler. 1611 wurde ein Trifthof an der Ammer für die Holztrift eingerichtet,[2][13] dort wurden Baumstämme zu Flößen verbunden um sie auf dem Wasserweg weiter bis nach Dachau zu bringen.[2][14] 1639 wurde das Franziskanerkloster St. Joseph beim Schmiedtor wegen eines Priestermangels angesiedelt.[15] Im Rahmen der Säkularisation im Jahr 1802 wird das Franziskanerkloster in Weilheim aufgehoben.[2][16] Bei einer schweren Brandkatastrophe in der Oberen Stadt am 3. Mai 1810 verbrannten nach einem Blitzeinschlag 120 Häuser und zwei Personen kamen ums Leben.[17][18] Das ehemalige Franziskanerkloster brannte 1825 ab, daraufhin wurde 1826 dort ein gemeinsames Gebäude für das Heilig-Geist-Spital und ein Krankenhaus, an der heutigen Münchner Straße gebaut.[2][19] Am 1. Oktober 1869 erscheint die erste Tageszeitung vor Ort, das „Weilheimer Tagblatt“.[2][16] Zwischen 1872 bis 1874 wurden drei Stadttore abgebrochen, zunächst 1872 das Obere-Tor, 1873 das Schmied-Tor und zuletzt 1874 das Pöltner-Tor.[2][20] Durch einen Luftangriff im Zweiten Weltkrieg vom 19. April 1945 wurden 24 Personen getötet und der Bahnhof zerstört.[2][21]

Religionen[Bearbeiten]

Mit mehr als 11.000 Einwohnern ist über die Hälfte der Bevölkerung katholisch. Es gibt etwa 5.000 evangelische Einwohner, der Rest ist konfessionslos oder gehört einer anderen Glaubensgemeinschaft an.

Die Stadt liegt im Bistum Augsburg in der Diözesanregion Weilheim-Oberland, Dekanat Weilheim-Schongau. Die Stadtpfarrkirchen sind Mariae Himmelfahrt und Sankt Pölten für das südliche Stadtgebiet. Außerdem gibt es noch die Stiftskirche Heilig Geist und weitere kleinere Kirchen. Im Ortsteil Deutenhausen steht die Pfarrkirche Sankt Johannes der Täufer, in Marnbach die Pfarrkirche Sankt Michael und in Unterhausen die Pfarrkirche Mariä Heimsuchung. Alle fünf katholischen Kirchengemeinden sind als Pfarreiengemeinschaft Weilheim miteinander verbunden.

Die evangelisch-lutherische Kirche ist mit der Pfarrgemeinde Apostelkirche und dem Dekanat Weilheim vertreten. Es erstreckt sich vom Starnberger See bis zur Zugspitze. Die Apostelkirche ist in der Region für die neue Orgel bekannt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1978 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Deutenhausen und Unterhausen eingegliedert.[22]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1840 1871 1900 1910 1925 1939 1950 1961 1970 1987 2000 2005 2011
Einwohner[23] 2.599 3.732 4.901 5.249 6.754 7.934 12.313 13.360 15.545 17.294 20.863 21.536 21.865

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Sitzverteilung im Stadtrat
Partei / Liste Wahl 2014[24][25] Wahl 2008[26] Wahl 2002[27]
Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze
B.f.W – Bürger für Weilheim 32,60 % 10 42,9 % 13 26,1 % 8
CSU 27,91 % 8 31,3 % 9 45,0 % 14
SPD 12,96 % 4 11,1 % 4 17,2 % 5
Freie Wähler/FW Weilheim 12,40 % 4 - - - -
Bündnis 90/Die Grünen 11,20 % 3 8,3 % 2 5,7 % 2
FDP 2,92 % 1 3,2 % 1 2,4 % -
UWV/BP - - 3,2 % 1 3,6 % 1
Gesamt 100 % 30 100 % 30 100 % 30
Wahlbeteiligung 56,6 % 63,4 % 66,1 %

Bürgermeister[Bearbeiten]

Erster Bürgermeister ist Markus Loth (B.f.W. – Bürger für Weilheim), zweiter Bürgermeister ist Ingo Remesch (SPD).

Wappen[Bearbeiten]

Auf dem Wappen der Stadt Weilheim ist ein offenes Stadttor mit drei Türmen zu sehen. Es wurde der Stadt um 1320 von Kaiser Ludwig dem Bayer verliehen. Aus der Zeit davor ist noch ein Wappen bekannt, das einen Viertelmond mit drei Sternen zeigt. Es ist auf der Nordseite des Rathauses zu sehen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Weilheim hat mit der französischen Stadt Narbonne eine Städtepartnerschaft. Diese entstand aus einer Begebenheit im Jahr 1965, als französische Pfadfinder aus Narbonne nahe Weilheim zelteten und dabei vom Hochwasser überrascht wurden. Weilheimer Bürger halfen und daraus entstanden freundschaftliche Kontakte in die französische Stadt, die mit dem Unterzeichnen einer Partnerschaftsurkunde 1971 in Narbonne und 1974 in Weilheim gefestigt wurden. Diese Partnerschaft wird auf Initiative und Organisation durch den Gewerbeverband Weilheim seit 1988 mit der „Französischen Woche“ an jedem ersten Juliwochenende des Jahres auf dem Weilheimer Marienplatz gefeiert. Alle zwei Jahre findet die Bayerische Woche in der Partnerstadt in Narbonne statt. Die jeweiligen Feste werden durch entsprechende hochrangige Delegationen der jeweiligen Partnerstadt begleitet.

Ferner hat die Stadt Weilheim seit langem eine Partnerschaft mit einem Minenjagdboot der deutschen Marine (Frankenthal-Klasse 332), das auf den Namen „Weilheim“ getauft wurde. Das am 4. Februar 1958 getaufte und inzwischen außer Dienst gestellte Vorgängerboot gleichen Namens kann im Marinemuseum in Wilhelmshaven besichtigt werden. Den Vorschlag für eine Schiffspatenschaft kam auf Anregung des damaligen Verteidigungsministers Franz Josef Strauß zustande und fand bei der Stadt Weilheim großen Anklang. Einer der beiden Anker dieses Schiffes befindet sich in der Nähe der alten Stadtmauer und kann dort betrachtet werden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Weilheim hat durch einige Stammsitze mittlerer Unternehmen eine geringe Arbeitslosigkeit. Darunter befinden sich die Bremicker Verkehrstechnik, einer der bedeutendsten Hersteller für Verkehrszeichen. Ferner sitzt hier die WTW Wissenschaftlich-Technische Werkstätten GmbH. Das Unternehmen wurde 1945 von Dr. habil. Karl E. Slevogt gegründet und ist heute ein weltweit tätiger Hersteller von Produkten für die Wasseranalytik. Die Zarges wurde 1933 in Stuttgart als erstes Leichtmetallbau-Unternehmen in Europa gegründet und zog vor Kriegsbeginn nach Weilheim um. K & L Ruppert ist ein bedeutendes Unternehmen für Textilhandel in Süddeutschland. Im Südwesten liegt das Gewerbe- und Industriegebiet Trifthof mit zahlreichen Geschäften und Großhändlern. Nördlich befinden sich Industrieansiedlungen im Gewerbegebiet Öferl und Paradeis.

Mit dem Dachsbräu Weilheim bietet Weilheim die letzte selbständige Brauerei im Landkreis. In Lichtenau, 3,5 km südwestlich der Erdfunkstelle Raisting, liegt die Satelliten-Bodenstation Weilheim des DLR.

Übersichtsplan von Weilheim

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Weilheim (Oberbay) bildet einen Eisenbahnknotenpunkt mit fünf Bahnsteigen. Er liegt an der elektrifizierten Bahnstrecke von München über Garmisch-Partenkirchen nach Mittenwald und Innsbruck. Weilheim ist ferner Ausgangspunkt für die Pfaffenwinkelbahn (Schwaben-Allgäu-Bahn) nach Schongau sowie die Ammerseebahn über Geltendorf nach Mering und Augsburg. Der Regelbetrieb wird im Stundentakt gefahren. Der Bahnhof wurde am 1. Februar 1866 in Betrieb genommen.[2][16]

Die Bundesstraße 2 führt über Starnberg nach München. Nach Süden geht sie über Murnau nach Garmisch-Partenkirchen. Die Bundesstraße 472 führt nur wenige Kilometer südlich der Stadt von Schongau kommend Richtung Bad Tölz. Die nächste Autobahnanschlussstelle ist Seeshaupt an der A 95, etwa 20 Kilometer östlich.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Als Eisenbahnknotenpunkt hat Weilheim zahlreiche Schulen mit vielen Fahrschülern. Es befinden sich zwei Grundschulen (Ammerschule und Hardtschule) in der Stadt, eine Mittelschule (Wilhelm-Conrad-Röntgen-Hauptschule), eine Wirtschaftsschule (Wirtschaftsschule Oberbayern), eine Realschule sowie ein Gymnasium und eine Berufsschule. Der zweite Bildungsweg ist mit einer Fachober- und Berufsoberschule vertreten. Ferner hat Weilheim eine Landwirtschaftsschule, eine Förderschule, eine Volkshochschule, sowie das Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer München.

Die Ämter von Weilheim sind Stadtmuseum, Rathaus, Kreisjugendring, Landratsamt, Volkshochschule, Bibliothek, Musikschule, Stadttheater, Staatliches Bauamt, Wasserwirtschaftsamt, Polizeiinspektion, Amtsgericht, Finanzamt und Vermessungsamt. Das Gefängnis wurde in den 1980er-Jahren aufgelöst und in die Musikschule umgewandelt.

Die Innenstadt von Weilheim
  1. Stadtmuseum
  2. Rathaus
  3. Kreisjugendring
  4. Landratsamt
  5. Volkshochschule
  6. Bibliothek
  7. Musikschule
  8. Stadttheater
  9. Finanzamt
  10. Vermessungsamt

Sport[Bearbeiten]

Das Sportleben in Weilheim wird überwiegend von den Vereinen bestritten, darunter der TSV 1847 Weilheim mit gut 3500 Mitgliedern und seiner langen traditionsreichen Geschichte in einer führenden Position. In über 20 Abteilungen kann man die verschiedensten Sportarten ausüben, angefangen von Freizeit- bis hin zu Leistungssportarten. Die Fußballmannschaft des Vereins spielt in der Kreisklasse. Daneben finden sich noch kleinere Vereine wie den POST SV Weilheim, den ESV Weilheim, den Svl Weilheim oder die Sportvereine der einzelnen Ortsteile. Ferner bieten Alpenverein und Naturfreunde ebenfalls Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung an. Daneben befindet sich auch die größte Kletterhalle des bayerischen Oberlands mit ca. 800 m² Kletterfläche in der Kreisstadt. In Weilheim gibt es einen Tennisclub und drei kommerzielle Anbieter von Tennis, Squash und Badminton. Ebenfalls in den kommerziellen Bereich fallen die zwei Tanz- und Ballettstudios von Suse Ryck (klassisches Ballett) und Christine Reiner (Klassik und Modern). Außerdem gibt es noch viele verschiedene Spiel- und Bolzplätze im ganzen Stadtgebiet verteilt. Auch ein kleines Fußballstadion, einen Platz für Pétanque und eine BMX-Bahn finden sich in der Stadt. Ein Naturfreibad am Dietlhofer See und ein Hallenbad in der Jahnstraße laden zum Baden ein, zahlreiche Wander- und Radwege sowie Inlineskatetouren runden das breite Angebot ab. Seit 2004 verfügt die Stadt auch über einen Wohnmobilstellplatz an der Ammerschule.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

Die Gegend in und um Weilheim ist die Geburtsstätte vieler Bands der Indie-Szene. Als Beispiele seien hier The Notwist, 13&God, Tied & Tickled Trio, Console, Technical Yawn oder Lali Puna genannt. Der international renommierte Jazzmusiker Johannes Enders kommt ebenfalls aus Weilheim. Das politisch-satirische Kabarett „Zeit-Lupe“, das deutschlandweit auftritt und von Harald Gandt 1998 gegründet wurde, ist in Weilheim beheimatet. Die alte Weilheimer Vollzugsanstalt wurde um- und ausgebaut in die jetzige Musikschule.

Als Klassiker wirkte der komponierende Mozartzeitgenosse Anton Koppaur (1745–1804), ein Weilheimer mit Hauptberuf Stadtschreiber. Das Kammerorchester Weilheim ist mit klassischer Musik seit über 30 Jahren mit einem Frühjahrs- und Herbstkonzert präsent.

Das Gymnasium Weilheim erlangt mit seiner Big Band überregionale Bekanntheit und gibt jährlich mehrere begehrte Konzerte.

Im Mai 2012 war Weilheim Austragungsort des 11. Bayerischen Landesmusikfestes.

Bauwerke[Bearbeiten]

Marienplatz in Weilheim

Die Stadtmauer und der heute als Park zugängliche Stadtgraben ist zu Teilen erhalten. Kriegszerstörungen gab es mit Ausnahme der Bombardierung des Bahnhofes nicht. Das Stadtmuseum, auch Museum des Pfaffenwinkels genannt, befindet sich im alten Rathaus der Stadt am Marienplatz. Ein Museum gab es schon seit 1882, der Umzug in die jetzigen Gebäude erfolgte 1966. Ausstellungsstücke sind im Wesentlichen Skulpturen, Möbel und Handwerk, Malerei, Vor- und Frühgeschichte der Region und Exponate aus dem Brauchtum. Auch eine Jahreskrippe und zwei original eingerichtete bäuerliche Schlafzimmer finden sich hier. Im Foyer des Museums finden Ausstellungen mit wechselnden Künstlern statt.

Eines der Schmuckstücke der Stadt ist die im Stil des Manierismus, das bedeutet, im Stil des Überganges von der Renaissance zum Barock, erbaute Stadtpfarrkirche von H. Krumpper (1624–28), mit Stuck der Wessobrunner Schule und schönen Fresken von Elias Greither d. Ä., welche als Inkunabel barocker Deckenmalerei in Süddeutschland gelten. Die Kirche – im Jahr 2004 umfassend renoviert – beherbergt auch Deutschlands größte Barockmonstranz, die „Wurzel-Jesse-Monstranz“ von Joseph Anton Kipfinger. Eine Marienfigur steht direkt am Marienplatz, dem zentralen Punkt der Stadt, auf der Mariensäule, welche von I. Degler errichtet wurde. Außerdem gibt es noch die Friedhofskirchen St. Salvator und St. Sebastian mit Fresken aus dem Jahre 1441. Die Spitalkirche „Heilige Dreifaltigkeit“ mit dem Bürgerheim wurde 1826 bzw. 1827 im klassizistischen Stil nach Plänen des Architekten Leonhard Schmidtner errichtet. Das Geläute der Stadtpfarrkirche besteht aus 6 Glocken, Bronze, gegossen im Jahr 2004 in der Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck.

  • Glocke 1: St. Maria (2850 kg)
  • Glocke 2: Herz-Jesu (1850 kg)
  • Glocke 3: Auferstehungsglocke (1400 kg)
  • Glocke 4: Franziskusglocke (550 kg)
  • Glocke 5: Pater Rupert Mayer (380 kg)
  • Glocke 6: St. Benno (33 kg)

Schloss Hirschberg am Haarsee, im gleichnamigen Weilheimer Stadtteil gelegen, wurde 1909 im Jugendstilbarock fertig gestellt. Nach wechselvoller Nutzung, unter anderem als Gästehaus des Reichsaußenministeriums im Zweiten Weltkrieg sowie danach für Dienststellen der Bundesrepublik Deutschland, befindet sich das Schloss nunmehr im Privateigentum.

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Weilheim in Oberbayern

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Wichtige Veranstaltungen sind die vom Gewerbeverband Weilheim seit 1988 jährlich veranstaltete französische Woche am ersten Juliwochenende, das Weilheimer Volksfest von Christi Himmelfahrt bis Pfingstmontag, die vom Verein Vita e Cultura Italiana Weilheim e. V. seit 2007 am ersten Septemberwochenende veranstaltete „italienische Woche“ und die Oberland-Ausstellung im Zwei-Jahres-Rhythmus Anfang Oktober. Weiter gibt es fünf große Märkte über das Jahr verteilt. Diese sind der Gallimarkt (zweiter Sonntag im Oktober), der Andreasmarkt (letzter Sonntag im November), der Weihnachtsmarkt (in der ersten Adventswoche), der Palmmarkt (am Sonntag vor dem Palmsonntag) und der Johannimarkt (letzter Junisonntag).

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Früher besaß Weilheim mit dem Bräuwastl eine Brauerei mit überregionaler Bedeutung. Darüber hinaus wurde in der Oberen Stadt beim Oberbräu Bier hergestellt. Heutzutage konnte sich der Dachsbräu als einzige Brauerei durchsetzen. Besonders sein obergäriges Weizenbier ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Laut Gemeindesatzung kann die Stadt Weilheim an besonders verdiente Persönlichkeiten eine Bürgermedaille, den Goldenen Ehrenring der Stadt oder das Ehrenbürgerrecht verleihen. Voraussetzungen für die Verleihung der Bürgermedaille ist ein verdienstvolles Wirken für das Wohl oder Ansehen der Stadt und der Bürgerschaft. Für besondere Leistungen auf den Gebieten der Kunst und Wissenschaft, der Wirtschaft, des Sozialwesens oder des öffentlichen Lebens verleiht die Stadt den Goldenen Ehrenring, wenn sie dadurch das Wohl oder das Ansehen der Stadt gemehrt haben. Außerdem wird hier ein Kulturpreis, ein Literaturpreis durch das Gymnasium, ein Ludwig-Pütrich-Preis für großherzige Zuwendungen an die Stadt, ein Sozialpreis und ein Umweltpreis verliehen.

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Die größte Auszeichnung der Stadt ist das Ehrenbürgerrecht, das für außerordentliche Verdienste um die Stadt und ihre Bürger sowie für hervorragende Leistungen auf den Gebieten der Kunst und Wissenschaft, der Wirtschaft, des Sozialwesens oder des öffentlichen Lebens verliehen wird. Die Stadt achtet außerdem darauf, dass es nie mehr als 25 der so geehrten Persönlichkeiten zur gleichen Zeit gibt.

Liste der Ehrenbürger:[2]
Person verliehen
im Jahr
Sonstiges
Carl August Böhaimb 1882 Stadtpfarrer, Weilheimer Chronist
Andreas Schmidtner 1888
Joseph May 1891
Prof. Dr. Wilhelm Conrad Röntgen 1909 Entdecker der nach ihm benannten Strahlen. Er vererbte sein Vermögen der Stadt und hatte hier eine Villa.
Franz Ritter von Hipper 1916 (* 13. September 1863 in Weilheim, † 25. Mai 1932 in Hamburg-Othmarschen), der letzte Oberbefehlshaber der Hochseeflotte der Kaiserlichen Marine im Ersten Weltkrieg. Nach ihm ist auch eine Straße in der Innenstadt benannt.
Eusebius Weber 1921 Altbürgermeister
Max Boegler 1925
Johann Miller 1929 Feuerwehrkommandant
Dr. Johann Rid 1946 Er lebte von 1876 bis 1966, war Lehrer, Stadtarchivar und Weilheimer Chronist.[28]
Dr. Johann Bauer 1988 Altbürgermeister, im Amt von 1958 bis 1988
Klaus Rawe 2002 Altbürgermeister

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Luftbild des Ortsteils Marnbach

Weilheim ist die Geburtsstätte der Fernwähltechnik. Am 16. Mai 1923 wurde hier die erste Netzgruppe mit Selbstwählferndienst eingerichtet und somit der erste Schritt hin zu einem ortsnetzübergreifenden Telefonnetz ohne menschliche Vermittlungsdienste getan.[31]

Ebenso stand in Weilheim die erste nicht-klösterliche Apotheke Bayerns, die 1561 eröffnet wurde. An ihrer Stelle steht heute die Stadtapotheke. Außerdem wurde die Apfelsorte Roter Weilheimer nach der Stadt benannt, sie ist eine Kreuzung der beiden Sorten Roter Berlepsch und Roter Eiser.[32]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Wöll (Stadtarchiv Weilheim i. OB): Jubiläums-Chronik der Stadt Weilheim, anlässlich der 1000-jährigen erstmaligen urkundlichen Erwähnung im Jahr 1010 von Weilheim und Polling. Herausgeber: Stadt Weilheim i. OB 2010
  • Christian Buck (Hrsg.), Hans Rid: Aus Weilheims Vergangenheit. Entwicklungsgeschichte der Stadt Weilheim vom Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, Stöppel Verlag Weilheim, 1. Auflage 1984
  • Theobald Wirth: Weilheimer Heimatbuch. Geschichte – Kunst und Wissenswertes aus der Stadt an der Ammer. Selbstverlag 1977
  • Christian Buck: Rund um die Mariensäule – Weilheimer Glossen aus 20 Jahren. Stöppel, Weilheim 1983
  • Peter Frank: Weilheim – Die Stadt, das Land, der Fluss. Edition Ecorna, Ottersberg 2001, ISBN 3-9806835-2-4
  • Reinhardt Helm: 750 Jahre Stadt Weilheim in Oberbayern. Stöppel, Weilheim 1987, ISBN 3-924012-19-9
  • Carl August Böhaimb: Chronik der Stadt Weilheim vom Ursprunge der Stadt bis auf die neueste Zeit. Verlag/Druck: Martin Warth, Weilheim 1865[33]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weilheim in Oberbayern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b c d e f g h i j k l m n Bernhard Wöll (Stadtarchiv Weilheim i. OB): Jubiläums-Chronik der Stadt Weilheim, anlässlich der 1000-jährigen erstmaligen urkundlichen Erwähnung im Jahr 1010 von Weilheim und Polling, Herausgeber: Stadt Weilheim i. OB 2010
  3. Karl Schmotz: Bemerkungen zur frühen Geschichte Weilheims. In: Lech-Isar-Land 1980, Seite 138
  4. vgl. Bernhard Wöll (Stadtarchiv Weilheim i. OB): Jubiläums-Chronik der Stadt Weilheim, anlässlich der 1000-jährigen erstmaligen urkundlichen Erwähnung im Jahr 1010 von Weilheim und Polling, Herausgeber: Stadt Weilheim i. OB 2010, in der Einleitung
  5. a b c Sonderbeilage des Weilheimer Tagblattes anlässlich der 1000-jährigen erstmaligen urkundlichen Erwähnung der Orte Polling und Weilheim vom 16. April 2010, Seite 4
  6. Via Raetia, Websitebetreiber: Karl Ludwig Wilhelm, abgerufen am 2. Oktober 2010
  7. Geschichte. In: Der Landkreis Weilheim-Schongau. Herausgeber: Landratsamt Weilheim-Schongau 2010, Texte: Max Biller (Kreisarchivpfleger), Helmut Schmidbauer (Kreisheimatpfleger), Seite 8 f
  8. Theobald Wirth: Weilheimer Heimatbuch. Geschichte – Kunst und Wissenswertes aus der Stadt an der Ammer. Selbstverlag 1977, Seite 18 f, mit deutscher Übersetzung des Textes dieser Urkunde aus dem Lateinischen.
  9. a b Georg Paula, Stefanie Berg-Hobohm: Landkreis Weilheim-Schongau: Denkmäler in Bayern. Karl M Lipp, München 2003, Band 2, Seite 528
  10. Christian Buck (Hrsg.), Hans Rid: Aus Weilheims Vergangenheit. Entwicklungsgeschichte der Stadt Weilheim vom Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. 1. Auflage. Stöppel, Weilheim 1984, Seite 29
  11. Christian Buck (Hrsg.), Hans Rid: Aus Weilheims Vergangenheit. Entwicklungsgeschichte der Stadt Weilheim vom Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. 1. Auflage. Stöppel, Weilheim 1984, Seite 47 f
  12. vgl. Heinz-Jürgen Sauermost: Die Weilheimer – Große Künstler aus dem Zentrum des Pfaffenwinkels. Süddeutscher Verlag, München 1988
  13. Weilheim Chronik: Frühe Neuzeit, abgerufen am 29. Oktober 2009
  14. Flößerei und Holztrift. In: Georg Paula, Stefanie Berg-Hobohm: Landkreis Weilheim-Schongau: Denkmäler in Bayern. Karl M Lipp, München 2003, Band 1, Seite XXIII
  15. Dr. Joachim Heberlein: Weil Priester fehlten, kamen Mönche. In: Weilheimer Tagblatt, 23./24. Oktober 2010, Seite 3 Lokales
  16. a b c Weilheim Chronik: Jüngere Geschichte, abgerufen am 29. Oktober 2009
  17. Joachim Heberlein: Feuer vernichtet 120 Häuser. In: Weilheimer Tagblatt, 12./13. Mai 2010, Seite 4 Lokales
  18. Theobald Wirth: Weilheimer Heimatbuch. Geschichte – Kunst und Wissenswertes aus der Stadt an der Ammer. 2. Auflage. Selbstverlag, 1978, Seite 59
  19. Christian Buck (Hrsg.), Hans Rid: Aus Weilheims Vergangenheit. Entwicklungsgeschichte der Stadt Weilheim vom Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. 1. Auflage. Stöppel, Weilheim 1984, Seite 133
  20. Christian Buck (Hrsg.), Hans Rid: Aus Weilheims Vergangenheit. Entwicklungsgeschichte der Stadt Weilheim vom Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. 1. Auflage. Stöppel, Weilheim 1984, Seite 211 ff
  21. Joachim Heberlein: Weilheims schwarzer Donnerstag kurz vor Kriegsende. In: Weilheimer Tagblatt, 19. April 2010, Seite 3 Lokales
  22.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens- Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 595.
  23. Kommunalstatistik von Weilheim, abgerufen am 23. Oktober 2010
  24. Ergebnis der Kommunalwahlen 2014, abgerufen am 18. März 2014
  25. Weilheimer Tagblatt vom 18. März 2014, Lokalteil S. 3
  26. Ergebnis der Kommunalwahl 2008, abgerufen am 23. Mai 2011
  27. Ergebnis der Kommunalwahl 2002, abgerufen am 23. Mai 2011
  28. Weilheimer Geschichte(n) neu aufgelegt. In: Weilheimer Tagblatt, 13. September 2010, Lokales, Seite 3
  29. Klaus Gast: Georg Petel – Der deutsche Michelangelo. In: Lech-Isar-Land 2007, Seite 5 bis 26
  30. Der deutsche Michelangelo. In: Weilheimer Tagblatt, Wochenendausgabe vom 21./22. November 2009, Lokales, Seite 8
  31. vgl. Joachim Heberlein: Weilheim als Weltstadt der Telekommunikation. In: Weilheimer Tagblatt, Wochenendausgabe vom 17./18. Mai 2008, Lokales Seite 9
  32. Kreisbote Weilheim-Schongau vom 7. April 2010, Titelseite
  33. Digitalisierte Stadtchronik von Böhaimb, Websitebetreiber: Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 24. Juli 2011