Johannes Mario Simmel

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Johannes Mario Simmel (* 7. April 1924 in Wien; † 1. Jänner 2009 in Luzern[1]) war ein österreichischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Simmels Eltern stammten aus Hamburg. Sein jüdischer Vater Walter Simmel war Chemiker, seine Mutter Lisa, geb. Schneider, Lektorin bei der Filmgesellschaft Wien-Film. Sein Vater floh vor den Nationalsozialisten nach London, während fast alle Verwandten väterlicherseits von den Nazis ermordet wurden. Simmel wuchs in Österreich und England auf und machte an der höheren Bundeslehr- und Versuchsanstalt für chemische Industrie die Matura als Chemieingenieur.[2] Während des Zweiten Weltkrieges wurde er in der elektrochemischen Forschungsabteilung des Elektrokonzerns Kapsch eingesetzt.

Nach dem Krieg arbeitete er zunächst als Journalist, Übersetzer und Dolmetscher für die US-Militärregierung. 1947 veröffentlichte er seine erste Novellensammlung unter dem Titel Begegnung im Nebel. Bei der Wiener Tageszeitung Welt am Abend verfasste er ab 1948 als Kulturredakteur Filmkritiken und Feuilletons. 1950 übersiedelte er nach München und war dort für die Illustrierte Quick tätig. In ihrem Auftrag unternahm er Reporterreisen durch Europa und nach Übersee.

Simmel schrieb unter verschiedenen Pseudonymen Tatsachenberichte und Serienromane. Zwischen 1950 und 1962 verfasste er allein oder gemeinsam mit anderen Autoren insgesamt 22 Drehbücher, u.a. für Filme wie Es geschehen noch Wunder (1951) mit Hildegard Knef, Tagebuch einer Verliebten (1953) mit Maria Schell, Hotel Adlon (1955) oder Robinson soll nicht sterben (1957) mit Romy Schneider und Horst Buchholz.

Nach seinem ersten großen Erfolg mit der „Quick“-Serie Es muß nicht immer Kaviar sein (1960) widmete er sich vor allem dem Schreiben von Unterhaltungsromanen, die sich aber jeweils mit aktuellen gesellschaftspolitisch relevanten Themen auseinandersetzten, wie etwa Gewalt gegen Ausländer, Drogenhandel oder Genmanipulation. Dabei waren journalistische Recherchen an den Schauplätzen und im Milieu, in dem seine Romane spielten, die Grundlage.

Leitmotive in vielen seiner Werke sind die Relativierung von Gut und Böse und ein leidenschaftlicher Pazifismus. Seit Jahrzehnten gehört er zu den meistgelesenen Autoren im deutschsprachigen Raum. Er veröffentlichte 35 Romane, die eine Gesamtauflage von etwa 73 Millionen verkaufter Exemplare erreichten. Werke von ihm wurden in 30 Sprachen übersetzt.[3] Zahlreiche Werke wurden von Regisseuren wie Alfred Vohrer und Roland Klick verfilmt.

Simmel wurde von den Literaturkritikern lange Zeit als Trivialautor, „Bestseller-Mechaniker“ oder Fließbandschreiber geschmäht. Erst mit dem Roman Doch mit den Clowns kamen die Tränen (1987) fand er allgemeine Anerkennung. Dreimal verheiratet, lebte er zuletzt in der schweizerischen Stadt Zug; er starb am 1. Jänner 2009 in Luzern, einen Roman hatte er nach seinen Angaben noch in Arbeit.

Ein Autor, der Simmel in Stil und Aufmachung seiner Werke zu kopieren suchte, war Michael Burk. Simmel versuchte vergeblich, dessen Tun gerichtlich zu unterbinden.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Romane[Bearbeiten]

  • Mich wundert, daß ich so fröhlich bin. Zsolnay, Wien 1949
  • Das geheime Brot. Zsolnay, Wien 1950.
    • als Rororo-Taschenbuch: Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1966, ISBN 3-499-10852-6.
  • Der Mörder trinkt keine Milch. Ein Kriminalroman. Demokratische Druck- und Verlags-Gesellschaft (Bären-Bücher 19), Linz 1950
  • Man lebt nur zweimal. Demokratische Druck- und Verlags-Gesellschaft (Bären-Bücher 21), Linz 1950
  • Ich gestehe alles. Zsolnay, Wien 1953
  • Der Hochstapler. Immer, wenn er Kuchen aß … (mit Hans Hartmann). Südverlag, München/Konstanz 1954
  • Gott schützt die Liebenden. Zsolnay, Wien 1957
  • Affäre Nina B. Zsolnay, Wien 1958
  • Es muß nicht immer Kaviar sein. Schweizer Druck- und Verlagshaus, Zürich 1960
  • Bis zur bitteren Neige. Knaur, München 1962
  • Liebe ist nur ein Wort. Knaur, München 1963
  • Lieb Vaterland magst ruhig sein. Knaur, München 1965
  • Alle Menschen werden Brüder. Knaur, München 1967
  • Und Jimmy ging zum Regenbogen. Knaur, München 1970
  • Der Stoff, aus dem die Träume sind. Knaur, München 1971
  • Die Antwort kennt nur der Wind. Knaur, München 1973
  • Niemand ist eine Insel. Knaur, München 1975
  • Hurra, wir leben noch. Knaur, München 1978
  • Wir heißen euch hoffen. Knaur, München 1980
  • Bitte, laßt die Blumen leben. Knaur, München 1983
  • Die im Dunkeln sieht man nicht. Knaur, München 1985
  • Doch mit den Clowns kamen die Tränen. Knaur, München 1987
  • Im Frühling singt zum letztenmal die Lerche. Knaur, München 1990
  • Auch wenn ich lache, muß ich weinen. Knaur, München 1993
  • Träum den unmöglichen Traum. Knaur, München 1996
  • Der Mann, der die Mandelbäumchen malte. Knaur, München 1998
  • Liebe ist die letzte Brücke. Knaur, München 1999

Erzählungen[Bearbeiten]

  • Begegnung im Nebel. (7) Erzählungen. Zsolnay, Wien 1947
  • Niemand ist eine Insel. (2) Erzählungen mit Zeichnungen von Eugen Ledebur. Wien 1948
  • Zweiundzwanzig Zentimeter Zärtlichkeit und andere Geschichten aus dreiunddreißig Jahren. Knaur, München 1979
  • Die Erde bleibt noch lange jung und andere Geschichten aus fünfunddreißig Jahren. Knaur, München 1981

Dramen[Bearbeiten]

Reden und Aufsätze[Bearbeiten]

  • Die Bienen sind verrückt geworden. Beck, München 2000

Kinder- und Jugendbücher[Bearbeiten]

  • Von Drachen, Königskindern und guten Geistern. Für die Jugend zusammengestellt von Johannes Simmel. Leuen (Sagen unserer Heimat), Wien 1950
  • Weinen ist streng verboten! Eine Geschichte für kleine und große Mädchen. Leuen, Wien 1950
    • Neuausgabe als: Weinen streng verboten. Droemer Knaur, München 1977
  • Ein Autobus, groß wie die Welt. Ein Reiseerlebnis voll Spannung für Buben und Mädel. Jungbrunnen, Wien 1951
  • Meine Mutter darf es nie erfahren. Ein aufregendes Abenteuer rund um ein schlechtes Zeugnis. Jungbrunnen, Wien 1952
  • Wenn das nur gut geht, Paul. Ein aufregendes Abenteuer. Weiß, München/Berlin 1953

Trivia[Bearbeiten]

Johannes Mario Simmel starb am 99. Geburtstag seiner Romanfigur Thomas Lieven, als dessen Geburtstag der 1. Jänner 1910 genannt wurde.

Filmografie[Bearbeiten]

Drehbücher[Bearbeiten]

Filme nach Werken von Johannes Mario Simmel[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Albrecht: Ein Bestsellerroman in den Medien. Literatursoziologische Fallstudie zur Verbreitung des Romanbestsellers „Die Antwort kennt nur der Wind“ (1973); in: „Sociologia Internationalis“, 23 (1985) 1, S. 49–77, ISSN 0038-0164
  • Wlodzimierz Bialik: Johannes Mario Simmel oder der unvermeidliche Erfolg. Erzähl- und Verkaufsstrategien des Unterhaltungsromans in der Bundesrepublik Deutschland. Wydawnictwo Naukowe Uniwersytetu im. Adama Mickiewicza w Poznaniu. Poznan 1987, ISBN 83-232-0020-3
  • Friedbert Aspetsberger (Hrsg.): Johannes Mario Simmel lächelt. Studien Verlag, Wien 1999, ISBN 3-7065-1314-5
  • Gerhard Teuscher: Perry Rhodan, Jerry Cotton und Johannes Mario Simmel. Eine Darstellung zu Theorie, Geschichte und Vertretern der Trivialliteratur. Ibidem, Stuttgart 1999, ISBN 3-932602-76-5
  • Jacek Rzeszotnik: Literarische Kommunikationsstrategien. Zum Bestsellerroman und dessen Autoren in der zweiten Hälfte des 19. und 20. Jahrhunderts am Beispiel von Karl May und Johannes Mario Simmel. Corian, Meitingen 2000, ISBN 3-89048-318-6
  • Christian Heger: Der Stoff aus dem die Träume sind. Zum Journalistenbild bei Johannes Mario Simmel. In: Ders.: Im Schattenreich der Fiktionen: Studien zur phantastischen Motivgeschichte und zur unwirtlichen (Medien-)Moderne. AVM, München 2010, ISBN 978-3-86306-636-9, S. 204-226.

Film[Bearbeiten]

  • 1973: Johannes Mario Simmel. Eine Produktion des Südwestfunks/Fernsehen/Baden-Baden (12 Minuten). Buch und Regie: Klaus Peter Dencker

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spiegel Online, 2. Jänner 2009
  2. Johannes Mario Simmel über den Wahnsinn unserer Welt (Version vom 19. April 2005 im Internet Archive) Johannes Mario Simmel interviewt von Ernst Grabovszki. Wiener Zeitung. 1. Juni 2001
  3. Johannes Mario Simmel ist tot Faz.net vom 3. Jänner 2009.
  4. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  5. Daten nach rororo-Taschenbuchausgabe Mai 1964