Stuttgart-West

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Stuttgart-West
Stadtbezirk der Landeshauptstadt Stuttgart
Stadtwappen Stadtkarte
Wappen von Stuttgart
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Über dieses Bild
Liste der Stadtteile Stuttgarts
Höhe: 260–511 m ü. NHN
Bevölkerungsdichte 2.662 Einw./km²
Postleitzahl: 70176, 70178, 70193, 70197
Vorwahl: 0711
Adresse des
Bürgerbüros:
Bebelstraße 22
70193 Stuttgart
Website: www.stuttgart.de
Bezirksvorsteher: Reinhard Möhrle (Grüne)
Stadtbezirk Einwohner
(Stand 2011)
Fläche
Nr. Stadtteil
Stuttgart-West 49.625 1864 ha
181 Kräherwald 6.207 1567,2 ha
182 Hölderlinplatz 4.714 45,3 ha
183 Rosenberg 8.870 53,6 ha
184 Feuersee 5.955 52,4 ha
185 Rotebühl 10.514 50,4 ha
186 Vogelsang 8.810 41,7 ha
187 Hasenberg 4.555 53,8 ha
191 Wildpark - -dep1
192 Solitude - -dep1
191 Wildpark und 192 Solitude sind in 181 Kräherwald enthalten
Quelle: Datenkompass Stuttgart

48.781089.14234Koordinaten: 48° 47′ N, 9° 9′ O

Stuttgart-West ist einer der fünf inneren Stadtbezirke Stuttgarts und liegt im westlichen Teil des Stuttgarter Talkessels, der eine Art Bucht bildet. Zum Bezirk gehören auch die umfangreichen Waldgebiete Rotwildpark und Solitude sowie in kleinen Teilen der Kräherwald. Er ist im Süden eingegrenzt durch den Bergrücken des Hasenberges und dessen Verlängerung, die Karlshöhe, sowie im Norden durch den Kamm des Kräherwaldes.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Bezirk ist nicht durch Eingemeindung, sondern durch organisches, aber stürmisches Wachstum der Stadt entstanden. Die flachen Teile des Tales wurden von 1850 bis 1900 zugebaut, ab 1920 wurden auch die Hänge erschlossen und ebenfalls bebaut.

Als eigenständiger Stadtbezirk wurde er erst 1956 bei der Einteilung des Stadtgebiets in Stadtbezirke gebildet. Neben Stuttgart-West umfasste er zunächst die beiden Stadtteile Solitude und Rot- und Schwarzwildpark. Bei der Neugliederung der Stadtteile zum 1. Januar 2001 wurde der Stadtteil Stuttgart-West in die Stadtteile Kräherwald, Hölderlinplatz, Rosenberg, Feuersee, Rotebühl, Vogelsang und Hasenberg aufgeteilt. Der Stadtteil Rot- und Schwarzwildpark wurde in Wildpark umbenannt. Der Stadtbezirk Stuttgart-West besteht seither aus insgesamt neun Stadtteilen.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
 %
40
30
20
10
0
22,6
31,1
13,7
3,7
5,5
7,0
3,1
5,1
8,3
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+3,2
-4,7
-1,6
-2,3
-5,4
+1,2
+3,1
+0,4
+6,2

Die Ergebnisse der Gemeinderatswahlen in den Stadtbezirken sind maßgebend für die Anzahl der Sitze der Parteien in den Bezirksbeiräten. Die letzte Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 ergab die in der nebenstehenden Grafik abgebildeten Stimmenanteile und die folgende Verteilung der 20 Sitze des Bezirksbeirats:

Topografie[Bearbeiten]

Stuttgart-West vom Hasenberg Richtung Kräherwald

Das Straßennetz im Talboden ist sehr regelmäßig, fast schachbrettartig angelegt, abgesehen von wenigen diagonal verlaufenden Straßen, die auf alte Flurwege zurückzuführen sind. Die Straßenplanung an den später bebauten Hängen fügt sich dagegen besser an das Gelände an und verläuft vielfach gewunden.

Die großen Baublöcke wurden allerdings anders als etwa in Berlin in recht kleine Grundstücke aufgeteilt, so dass keine Mietskasernen mit zusammenstoßenden Gebäuden entstanden. In Stuttgart baute man einzeln stehende Häuser mit einem durch die Bauvorschrift erzwungenen Bauabstand von drei Metern, gelegentlich Doppelhäuser und einige größere Einheiten. Die meist vier- bis fünfgeschossigen Häuser grenzen direkt an den Straßenrand, man spricht dabei von einer Blockrandbebauung. Die inneren Flächen der Blöcke wurden mit Gewerbeimmobilien und einfacheren Hinterhäusern bebaut. Einige Blöcke waren fast vollständig mit Industrieanlagen bebaut. Auch die Fassaden der Industriegebäude mussten ansprechend gestaltet sein, so dass man heute kaum erkennt, dass es Industriebauten waren. Auf den überwiegend in den 1920er und 1930er Jahren bebauten Hängen stehen kleinere Mehrfamilienhäuser mit Gärten.

Stuttgart-West ist eines der am dichtesten besiedelten Wohngebiete und eines der größten zusammenhängenden Altbaugebiete in Deutschland. Der Bezirk ist im Zweiten Weltkrieg von großflächiger Zerstörung verschont geblieben.

Bewohner und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die großen Waldflächen, die verwaltungstechnisch zum Bezirk gehören, relativieren rechnerisch die hohe Bevölkerungsdichte und den Grünflächenmangel in der Innenstadtlage. Die Bevölkerung besteht zu 58 % aus Single-Haushalten, in nur 14 % der Haushalte leben Kinder unter 18 Jahren. Entsprechend hoch ist die Fluktuation mit circa 15 % jährlich.

Der Ausländeranteil liegt mit 22 % im Stuttgarter Durchschnitt. Der Einzelhandel ist geprägt von vielen kleinen Geschäften mit unterschiedlichen Angeboten, Handwerksbetrieben und zahlreichen Lokalen an vielen Straßenecken. Große Kaufhäuser sind nicht zu finden. Im öffentlichen Nahverkehr ist der Bezirk unter anderem mit allen S-Bahn-Linien sowie den Stadtbahnlinien U2, U4 und U9 angebunden. Auch wegen der guten Erreichbarkeit des Stadtzentrums für Fußgänger, seiner guten Infrastruktur und zahlreicher kultureller Einrichtungen zählt der Stuttgarter Westen für Singles zu den beliebten Wohngebieten.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Johanneskirche im Feuersee[Bearbeiten]

Johanneskirche im Feuersee
Johanneskirche um 1900

Die evangelische Johanneskirche, im neugotischen Stil von 1864 bis 1876 von Oberbaurat Christian Friedrich von Leins erbaut, ist besonders markant durch ihre städtebaulich hervorgehobene Lage. Sie liegt mit dem Chor auf einer Halbinsel im Feuersee (Löschwasserteich), während die Einturmfassade den Beginn der ehemaligen Prachtallee Johannesstraße markiert.

Nach Kriegszerstörung wurde die Kirche äußerlich bis auf den Turmhelm wiederaufgebaut, die zerstörten gotischen Gewölbe wurden allerdings durch moderne ersetzt. Die „Kirche ohne Spitze“ gilt heute als Mahnmal gegen den Krieg.

Elisabethenkirche[Bearbeiten]

Die katholische Elisabethenkirche am Bismarckplatz wurde zwischen 1899 und 1901 von Joseph Cades im Stil der Neuromanik erbaut, wobei aus Kostengründen Ziegelstein verwendet wurde. Architektonisch hervorgehobene Teile sind als Sichtmauerwerk ausgeführt, die Mauerflächen dagegen teilweise verputzt und weiß getüncht – diese Gestaltungsweise ist der norddeutschen Backsteingotik entlehnt. Der Grundriss entspricht eher Konzepten der Gotik.

Bürgerhäuser[Bearbeiten]

In Stuttgart-West gibt es zahlreiche Bürgerhäuser des Historismus mit Stilelementen der Neuromanik, Neugotik, Neorenaissance und des Neobarock. Ab etwa 1900 kamen Elemente des Jugendstils hinzu. Die Häuser sind meist nur an der Straßenseite durchgestaltet, die anderen Seiten sind fast immer schmucklos, meist einfaches Ziegelmauerwerk. Die typische Ausführung der Fassade besteht aus Sandstein bis zum Erdgeschoss, darüber eine Mischung aus Ziegelstein für die Mauerflächen und Details aus Werkstein für beispielsweise Fensterlaibungen, Gesimse oder Zierelemente. Fassaden, die komplett aus Sandstein bestehen, oder verputzte Häuser sind seltener anzutreffen.

Schwabtunnel[Bearbeiten]

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Der Schwabtunnel im Jahr 1972

Der 125 Meter lange Schwabtunnel, offiziell Schwabstraßentunnel genannt, wurde in den Jahren 1894 bis 1896 unter Stadtbaurat Carl Kölle erbaut. Der 10,50 Meter breite und 6,50 bis 8,50 Meter hohe Straßentunnel unterquert die Hasenbergsteige (seinerzeit die Hauptverkehrsachse in Richtung Birkenkopf) und verbindet die Schwabstraße im Stuttgarter Westen mit der Schickhardtstraße im Stuttgarter Süden. Der Schwabtunnel war bei seiner Eröffnung am 29. Juni 1896 der breiteste Tunnel Europas und nach dem Salzburger Sigmundstor der zweite innerstädtische Tunnel in Europa. Außerdem ist er der weltweit erste Tunnel, durch welchen jemals ein Automobil gefahren ist. Durch den Tunnel führen zwei Fahrstreifen (eine je Richtung), sowie rechts und links der beiden Fahrbahnen jeweils ein durch Betonplatten abgetrennter Gehweg.

In der Zeit vom 4. Dezember 1902 bis zum 9. Mai 1972 wurde der Schwabtunnel außerdem auch von wechselnden Straßenbahnlinien durchfahren (zunächst von der „Ringlinie“, welche im Sommer 1910 in Linie 6 umbezeichnet wurde, zum Schluss von der Linie 8). 1972 wurde der Straßenbahnbetrieb durch den Schwabtunnel eingestellt, die Linie 8 wurde seinerzeit von der Buslinie 42 abgelöst (welche bis heute durch den Tunnel verkehrt). Damit war der Stuttgarter Schwabtunnel auch einer der ersten Straßenbahntunnel (älter ist zum Beispiel der Spreetunnel Stralau–Treptow von 1899 in Berlin) der Welt. An den Tunnelwänden erinnern bis heute die Aufhängungshaken der Straßenbahnoberleitung an diese Epoche.

Der Schwabtunnel und die Schwabstraße sind nach dem berühmten Stuttgarter Pfarrer, Dichter, Publizisten und Herausgeber Gustav Schwab (1792–1850) benannt.[1]

Birkenkopf[Bearbeiten]

Der Birkenkopf, auch „Monte Scherbelino“ genannt, ist der höchste Punkt des Kesselrandes und durch Aufhäufung von 15 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt aus dem Zweiten Weltkrieg um 40 m gewachsen. Er liegt jetzt 511 m ü. NN und ist ein idealer Aussichtspunkt über den Stuttgarter Talkessel. Auf dem Gipfel sind zahlreiche Architekturdetails von zerstörten Bürgerhäusern zu sehen.

Schloss Solitude[Bearbeiten]

Nachdem das Gebiet des Schlosses Solitude mit seinem gesamten Wohnplatz bis 1942 zu Gerlingen gehörte, wurde es am 1. April 1942 nach Stuttgart eingegliedert und dem Stadtteil Botnang zugeordnet, doch wurde das zum Wohnplatz Solitude gehörige Gebiet des Sanatoriums auf der Schillerhöhe 1951 wieder an die Gemeinde Gerlingen zurückgegeben.

Bei der Einteilung der Stadt Stuttgart in Stadtbezirke im Jahre 1956 wurde der Wohnplatz Solitude dem neu gegründeten Stadtbezirk Stuttgart-West zugeordnet und zum eigenständigen Stadtteil erklärt, der auch bei der Neugliederung der Stuttgarter Stadtteile zum 1. Januar 2001 nicht verändert wurde. Der Stadtteil Solitude hat jedoch keine Einwohner, zumindest keine Bewohner mit Hauptwohnsitz.

Auf der Stuttgarter Seite der zum Schloss führenden Schlossallee wurde Ende der 1960er Jahre ein Bungalow mit Nebengebäuden errichtet, der dem amtierenden Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg und seiner Familie als Wohnsitz dient.

Graevenitz-Museum[Bearbeiten]

In einem Kavaliershaus am Schloss Solitude befindet sich seit 1971 das Graevenitz-Museum

Pfaffensee im Rotwildpark

Parkseen und Wildpark[Bearbeiten]

Die Parkseen liegen im Naturschutzgebiet Rot- und Schwarzwildpark mit dem Bärenschlössle sowie dem Katzenbacher Hof. Sie bestehen aus der Kette des Bärensees, des Neuen Sees und des Pfaffensees sowie aus den in Büsnau liegenden Seen Katzenbachsee und Steinbachsee, die aus dem Katzenbach, dem Steinbach, dem Bernhardsbach und der Glems mit Wasser gespeist werden. Diese Seen dienten in den letzten Jahrhunderten der Trinkwasserversorgung Stuttgarts (Wasseraufbereitung aus den Parkseen wurde im April 1998 eingestellt).

Literatur[Bearbeiten]

  • Uwe Bogen (Text); Thomas Wagner (Fotos): Stuttgart. Eine Stadt verändert ihr Gesicht. Erfurt 2012, ISBN 978-3-95400-098-2, Seite 66-67 (Feuersee).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. stuttgart.de: Schwabtunnel