Johannisberg (Geisenheim)

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507.9777777777778182Koordinaten: 50° 0′ 0″ N, 7° 58′ 40″ O

Johannisberg
Wappen von Johannisberg
Höhe: 110–250 m
Einwohner: 2882 (2004)
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 65366
Vorwahl: 06722
Johannisberg (Hessen)
Johannisberg

Lage von Johannisberg in Hessen

Ortsmitte von Westen her gesehen
Willkommens-Schild am Ortseingang

Johannisberg ist ein Stadtteil der Stadt Geisenheim im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen. Der Ort ist bekannt für seine Riesling-Weine und für die „Erfindung“ der Spätlese im Jahre 1775.

Geographie[Bearbeiten]

Der 50.Breitengrad, mitten im Weinberg „Johannisberg“

Johannisberg liegt auf einer Höhe von etwa 110 bis 250 m ü. NN inmitten von Weinbergen am Elsterbach zwischen Geisenheim und Oestrich-Winkel im Rheingau. Durch die Weinbergslage „Schloss Johannisberg“ unterhalb des Johannisberger Schlosses läuft der 50. nördliche Breitengrad.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis 1971 war Johannisberg eine selbstständige Gemeinde mit den Ortsteilen Grund, Berg (auch „Rosengasse“) und Schloßheide. Anlässlich der Gebietsreform in Hessen schloss sich Johannisberg aufgrund finanzieller Engpässe am 31. Dezember 1971 freiwillig mit der Stadt Geisenheim zusammen[1] und ist seither ein Stadtteil der „Lindenstadt“ im Rheingau. Durch Funde lässt sich zwar belegen, dass eine erste Besiedlung des Ortes bereits zu Zeiten der Römer, Kelten und Franken stattgefunden haben muss, erstmals erwähnt wird Johannisberg jedoch mit der Gründung des Klosters im Jahre 1106 durch den Mainzer Erzbischof Ruthardt auf dem „Bischofsberg“. Ursprünglich sollte das Kloster zu Ehren des heiligen Nikolaus errichtet werden, wurde dann aber Johannes dem Täufer geweiht, woher der Ort auch seinen Namen erhielt. Heute steht an dieser Stelle das Schloss Johannisberg.

Vor der Klostergründung trug Johannisberg den Namen Rheingrafenhausen, nach den Rheingrafen, die bei Johannisberg die Burg Johannisberg unterhielten. Wahrscheinlich steht die Umbenennung im Zusammenhang mit der Übernahme des Gebietes durch den Erzstift Mainz.

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Noch bis 1973 führte Johannisberg ein eigenes Wappen, bevor dieses in das der Stadt Geisenheim integriert wurde – ebenso wie 1977 das Wappen des Geisenheimer Ortsteiles Stephanshausen. Aber noch heute wird das Johannisberger Wappen als Zeichen der Ortsverbundenheit verwendet.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge wurde am 5. September 1969 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

„Von Rot und Weiß schräglinks gespalten, oben das Gemeindewappen.“[2]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Johannisberg ist die „Stadt“ des Weines. Das ganze Jahr über kann man in den unzähligen Weingütern und Straußwirtschaften entweder an Weinproben, -Wanderungen oder –Festen teilnehmen. Großer Andrang herrscht alljährlich im Sommer beim Rheingau Musikfestival im Schloss Johannisberg und Schloss Hansenberg.

Bildung und Sport[Bearbeiten]

Johannes-de-Laspée-Grundschule

Obwohl der Ort nicht einmal 3000 Einwohner hat, bietet er eine Menge an:

Darüber hinaus verfügt Johannisberg mit

  • der Turngesellschaft 1884 e.V.
  • dem SV 1919 Johannisberg e.V.
  • und dem Motorsport-Club-Johannisberg e.V.

über drei Sportvereine.

Bauwerke[Bearbeiten]

Schloss Johannisberg
Schloss Hansenberg
Burg Schwarzenstein
neues Kloster Johannisberg; links: Ortsteil Berg, oben im Hintergrund: Schloss Johannisberg auf dem Johannisberg, rechts: Ortsteil Grund

Schloss Johannisberg[Bearbeiten]

Das Wahrzeichen des Ortes ist das imposante und sehr gut restaurierte Schloss Johannisberg, von wo aus man nach Südwesten einen Blick bis weit ins Nahetal, ins Rheinhessische Tiefland und nach Osten bis Mainz und Frankfurt hat. Das auf dem Johannisberg gelegene Schloss ist das alte Kloster Johannisberg. In ihm befindet sich heute das „Weingut Schloss Johannisberg“, welches die gleichnamige Weinbergslage unterhalb des Wahrzeichens bewirtschaftet.

Schloss Hansenberg[Bearbeiten]

Ebenfalls weithin sichtbar ist das einige hundert Meter höher, oberhalb der Weinbergslage Hansenberg gelegene Schloss Hansenberg, welches 1823 durch den Johannisberger Pädagogen Johannes de Laspée erbaut wurde. Ursprünglich als naturnahe Schule und Erziehungsanstalt für Waisenkinder gedacht, wurde das Schloss durch den frühen Tod Laspées, ein Jahr nach Baubeginn, nie in dessen Sinn genutzt. Heute ist das Schloss Teil eines staatlichen Hochbegabten-Internates.

Burg Schwarzenstein[Bearbeiten]

Auf gleicher Höhe gelegen, ca. 500 m östlich, befindet sich die 1873 als künstliche Ruine errichtete Burg Schwarzenstein. Heute befindet sich sie Ruine mit einem Nobelrestaurant in einem edel angelegten kleinen Park oberhalb der Weinbergslage Schwarzenstein.

Kloster Johannisberg[Bearbeiten]

Das vierte große Bauwerk ist das neue Kloster Johannisberg zwischen den Ortsteilen Grund und Berg. 1928 wurde die Klosterkirche und 1956 das benediktinische Kloster selber errichtet. Aus Mangel an Nachwuchs wurde das Kloster 1991 von den in strenger Klausur lebenden Benediktinerinnen auf- und an Missionsschwestern des Steyler-Ordens übergeben. Aber auch dieser Orden hielt sich nur wenige Jahre im Kloster. Seit Anfang 2006 ist das Kloster samt Klosterkirche nun Tagungshotel mit großer Gartenanlage und Restaurant.

Sonstiges[Bearbeiten]

„Unser Dorf soll schöner werden“-Sieger im Land und Bund

Im Jahre 1988 wurde Johannisberg Landessieger im Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden, und 1991 wurde der Ort sogar Bundessieger.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Seit dem 31. März 1966 besteht zu der französischen Rotweingemeinde Puligny-Montrachet im Burgund eine Verschwisterung, die zunächst durch Jugend- und Schüleraustausch Bestand hatte. Heute pflegt der „Freundeskreis Puligny-Montrachet–Johannisberg“ den Kontakt der Gemeinden und ermöglicht Familien und Bürgern einen Kontakt untereinander.

Karneval[Bearbeiten]

In einem ansonsten wenig karnevalistischen Hessen nimmt der Rheingau als ehemals kurmainzisches Territorium und so auch Johannisberg eine Sonderstellung ein. 1913 wurde der Kerwe- und Karnevalverein „Lustige Brüder“ gegründet, der im Jahre 1960 in Johannisberger Carneval Verein 1913 (JCV) umbenannt wurde.

Weinbergslagen[Bearbeiten]

Weinbergslagen in Johannisberg

Von Nord-West nach Süd-Ost:

  • Hansenberg (westl. von Goldatzel)
  • Goldatzel
  • Schwarzenstein (nördlich von Vogelsang)
  • Hölle
  • Mittelhölle (südlich von Hölle)
  • Vogelsang
  • Erntebringer
  • Klaus
  • Schloss Johannisberg

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

  • Sebastian Engert (1774-1830), nassauischer Beamter und Amtmann
  • Joseph Faust (1856–1919), katholischer Pfarrer und Autor zahlreicher Lustspiele, Schwänke und Dramen
  • Alexander Czéh (1876–1955), deutscher Verwaltungsbeamter und Landrat der Kreise Geilenkirchen und Geilenkirchen-Heinsberg
  • Jakob Christmann (1554-1613), Orientalist und Astronom, Professor an der Universität Heidelberg (sowie zeitweise deren Rektor)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 375.
  2. Staatsanzeiger für das Land Hessen 1969 Amtsblatt Nr. 38 Seite 1619