José Mujica
José Alberto Mujica Cordano, genannt El Pepe (* 20. Mai 1935 in Montevideo), ist ein uruguayischer Politiker und seit dem 1. März 2010 amtierender Präsident seines Landes.[1][2] Von Beruf ist Mujica Blumenzüchter.
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Leben [Bearbeiten]
Geboren wurde Mujica am 20. Mai 1935 im montevideanischen Barrio Paso de la Arena als Sohn des Demetrio Mujica und der Lucy Cordano. Sein Vater, ein später verarmter kleiner Estanciero, war baskischer Herkunft. Mujicas Eltern bekamen zudem 1940 eine Tochter, Mujicas jüngere Schwester María Eudosia Mujica Cordano. Diese starb am 8. August 2012 mit 71 Jahren.[3]
Der Familienvater starb bereits früh. José Mujica befand sich zu jenem Zeitpunkt im dritten Schuljahr. Der Großvater seines Vaters aus der mütterlichen Linie gehörte dem herreristischen Blanco-Flügel an und war mehrfach Edil in Colonia. Diese Verwandtschaftslinie stammte aus einer armen Familie italienischer Herkunft. José Mujicas in Carmelo geborene Mutter war Abkömmling italienischer Einwanderer aus dem Piemont. Diese waren als Weinbauern tätig und erwarben fünf Hektar in Colonia Estrella in der Calera de las Huérfanas.
In seinem Geburtsviertel besuchte José Mujica ab einem Alter von sechs Jahren die Escuela Nº 150. Später setzte er seinen Schulbesuch am Liceo fort. Zwischen seinem 13. und dem 17. Lebensjahr betrieb er zudem Radsport und nahm an mehreren Rennen teil. Nach Abschluss der gymnasialen Bildungsstufe, besuchte er vorbereitende Kurse am rechtswissenschaftlichen Zweig des Instituto Alfredo Vázquez Acevedo (IAVA), setzte diesen Ausbildungsweg jedoch nicht fort.
Wegen seiner Tätigkeit in der Guerillabewegung kam er ins Gefängnis und verbrachte dort insgesamt 14 Jahre seines Lebens, überwiegend in Einzelhaft. Zweimal konnte er fliehen.
Seit 2005 ist Mujica mit der MPP-Senatorin Lucía Topolansky verheiratet, mit der er bereits seit der Zeit seiner im Zuge der Amnestie vom 8. März 1985 erfolgten Entlassung aus dem Gefängnis liiert ist und auf seiner kleinen Chacra in Rincón del Cerro lebt.[4] Er bekennt sich zum Atheismus.[5] Mujica lebt immer noch auf seiner kleinen Estancia in der Nähe von Montevideo und fährt seinen alten VW-Käfer. Für offizielle Fahrten nutzt er einen Opel Corsa. Von den 12.500 US-$ Präsidentengehalt behält er lediglich 10 %, den Rest spendet er an kleine Unternehmen und NGOs. Das sei genug Gehalt, so sagt er, schließlich lebten viele Bürger mit noch weniger. Auch seine Frau spendet einen großen Teil ihrer Einkünfte.[6]
Politische Karriere [Bearbeiten]
In seiner Jugend war Mujica politisch in einer Gruppierung der Partido Nacional im Umfeld des seinerzeitigen Arbeits- und Industrieministers Enrique Erro aktiv. Gemeinsam mit Raúl Sendic und anderen Weggefährten gründete er sodann Mitte der 1960er Jahre die Movimiento de Liberación Nacional -MLN- Tupamaros. Innerhalb dieser gehörte er der als Los rehenes bezeichneten Gruppierung um den Gründer und Anführer Raúl Sendic und Eleuterio Fernández Huidobro an. Aufgrund dieser Tätigkeit landete er im Gefängnis. Nachdem die Demokratie in Uruguay 1985 wiederhergestellt worden war, wurde José Mujica zusammen mit anderen Tupamaros aus dem Gefängnis entlassen.[7] Die Tupamaros gründeten 1989 die Partei Movimiento de Participación Popular (MPP).
1994 wurde er als Abgeordneter für das Departamento Montevideo in die Cámara de Representantes und 1999 als Senator gewählt. Vom 15. Februar 1995 bis 14. Februar 2000 war er somit Abgeordneter der Frente Amplio im uruguayischen Repräsentantenhaus, anschließend ab dem 15. Februar 2000 bis zunächst 14. Februar 2005 für das Parteienbündnis Partido Encuentro Progesista/Frente Amplio Mitglied des uruguayischen Senats. 2004 hatte er dabei das Amt des Dritten Vizepräsidenten des Senats inne. Nach seiner Wiederwahl schloss sich eine weitere Amtszeit als Senator als Repräsentant des Encuentro Progresista/Frente Amplio/Nueva Mayoría-Bündnisses an.[8][9] Seit seiner Ernennung durch Tabaré Vázquez am 1. März 2005 bis zum 3. März 2008 hatte er das Amt des Ministers für Viehzucht, Landwirtschaft und Fischerei inne. Bis zu seinem Rücktritt am 24. Mai 2009 war Mujica Führer der Movimiento de Participación Popular (MPP), der Mehrheitliche Sektor der linken Partei Frente Amplio.[10]
Im Juni 2009 wurde Mujica, der den brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva als sein Vorbild bezeichnet,[11] zum Kandidaten des Linksbündnisses Frente Amplio für die Präsidentschaftswahl gewählt. Im ersten Durchgang am 25. Oktober 2009 verfehlte er die absolute Mehrheit mit 48 Prozent der Stimmen knapp. In der Stichwahl am 29. November 2009 erreichte er circa 53 Prozent der Stimmen und setzte sich damit gegen seinen konservativen Konkurrenten Luis Alberto Lacalle durch.[12]
Im Oktober 2011 unternahm Mujica erstmals in seiner Funktion als Staatspräsident eine zehntägige offizielle Europa-Reise, bei der er Schweden, Norwegen, Belgien und Deutschland besuchte.[13]
Politische Positionen [Bearbeiten]
Im Laufe der Jahre entwickelte sich Mujica zu einem Pragmatiker. In jüngster Zeit hat er den Wunsch nach einem flexibleren politischen Handeln zum Ausdruck gebracht, gibt sich aber weiterhin sehr volksnah.[14]
Mujica unterstützte die Politik von Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und wendet sich gegen eine internationale Isolation des Iran.[15]
Seine Einladung an ausländische Investoren zum Aufbau von Industrieprojekten im Land, von denen er sich einen wirtschaftlichen Aufschwung erhofft, wurde – hauptsächlich von Umweltschützern – mehrfach kritisiert.
Sonstiges [Bearbeiten]
1997 produzierten Rainer Hoffmann und Heidi Specogna den Dokumentarfilm Tupamaros, in dem José Mujica und frühere Mitstreiter die Geschichte ihrer Bewegung erzählen.
Weblinks [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Uruguay elects Jose Mujica as president, polls show BBC Online, 30. November 2009.
- ↑ Breite Front für Ex-Guerillero José Mujica als Präsident Stern, 30. November 2009.
- ↑ Falleció hermana de Mujica - Luto presidencial (spanisch) auf www.montevideo.com.uy vom 8. August 2012, abgerufen am 9. August 2012.
- ↑ Ex-Guerillero an der Staatsspitze in Neues Deutschland, 8. Oktober 2012.
- ↑ Präsident von Uruguay outet sich als Atheist wissenrockt.de vom 19. Mai 2012, abgerufen am 7. Juni 2012.
- ↑ [1]
- ↑ Ex-guerrilla who sought to overthrow state is now set to run it Irish Times, 12. Oktober 2009.
- ↑ Liste der uruguayischen Parlamentarier von 1830 bis 2005 auf www.parlamento.gub.uy (PDF; 7,8 MB)
- ↑ Presidente José Mujica Cordano - Curriculum auf der Internetpräsent der uruguayischen Präsidentschaftskanzlei, abgerufen am 8. Oktober 2012.
- ↑ Mujica de la chacra a la Presidencia (spanisch) in La República vom 30. September 2009.
- ↑ Ex-Guerillero an der Staatsspitze Neues Deutschland, 1. Dezember 2009.
- ↑ 75-jähriger Ex-Guerillero wird neuer Präsident Handelsblatt, 30. November 2009.
- ↑ Uruguay: Pressestatements von Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Mujica, Agencia Latina Press vom 19. Oktober 2011, abgerufen am 11. Dezember 2011.
- ↑ http://www.guardian.co.uk/world/2009/oct/25/jose-mujica-favourite-uruguay-election
- ↑ http://en.mercopress.com/2009/11/27/mujica-supports-lula-da-silva-government-style-and-his-iran-policy
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
| Martín Aguirrezabala | Landwirtschaftsminister Uruguays 1. März 2005–3. März 2008 |
Ernesto Agazzi |
| Tabaré Vázquez | Präsident von Uruguay seit 1. März 2010 |
amtierend |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mujica, José |
| ALTERNATIVNAMEN | Mujica Cordano, José Alberto; El Pepe |
| KURZBESCHREIBUNG | uruguayischer Politiker |
| GEBURTSDATUM | 20. Mai 1935 |
| GEBURTSORT | Montevideo |