José Mujica

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
José Mujica (2009)

José Alberto Mujica Cordano, genannt El Pepe (* 20. Mai 1935 in Montevideo) ist ein uruguayischer Politiker und seit dem 1. März 2010 amtierender Präsident seines Landes.[1][2] Von Beruf ist Mujica Blumenzüchter.

Leben[Bearbeiten]

Mujica wurde am 20. Mai 1935 im montevideanischen Barrio Paso de la Arena als Sohn von Demetrio Mujica und Lucy Cordano geboren. Sein Vater, ein später verarmter kleiner Estanciero, war baskischer Herkunft. Mujicas Eltern bekamen zudem 1940 eine Tochter, Mujicas jüngere Schwester María Eudosia Mujica Cordano. Diese starb am 8. August 2012 mit 71 Jahren.[3]

Der Familienvater starb bereits früh, José Mujica befand sich im dritten Schuljahr. Ein Urgroßvater aus armer italienischer Familie[a 1] gehörte dem herreristischen Blanco-Flügel an und war mehrfach Edil (ein politischer Mandatsträger im südamerikanischen Raum) in Colonia. Mujicas in Carmelo geborene Mutter war ebenfalls Abkömmling italienischer Einwanderer, Weinbauern aus dem Piemont, die fünf Hektar in Colonia Estrella in der Calera de las Huérfanas erwarben.

Mujica besuchte in seinem Geburtsviertel ab dem sechsten Lebensjahr die Grundschule „Escuela Nº 150“ und ging später auf das „Liceo“ (gymnasiale Bildungsstufe). Nach Abschluss des Liceos besuchte er vorbereitende Kurse am rechtswissenschaftlichen Zweig des Instituto Alfredo Vázquez Acevedo (IAVA), setzte diesen Ausbildungsweg jedoch nicht fort.

Zwischen seinem 13. und dem 17. Lebensjahr betrieb er Radsport und nahm an mehreren Rennen teil.

Wegen seiner Tätigkeit in der Guerillabewegung Movimiento de Liberación Nacional – Tupamaros verbrachte er 14 Jahre im Gefängnis, überwiegend in Einzelhaft. Zweimal konnte er fliehen.

Seit 2005 ist Mujica mit der MPP-Senatorin Lucía Topolansky verheiratet, mit der er bereits seit der Zeit seiner im Zuge der Amnestie vom 8. März 1985 erfolgten Entlassung aus dem Gefängnis liiert ist. Mit ihr lebt er auch als Präsident weiterhin auf seinem kleinen Bauernhof („Chacra“) in Rincón del Cerro in der Nähe von Montevideo.[4] Privat fährt immer noch einen alten VW Käfer.[5] Für offizielle Fahrten nutzt er einen Opel Corsa.

Von den 12.500 US-$ Präsidentengehalt behält er lediglich 10 %, weshalb er als „weltweit ärmster Präsident“ beschrieben wird.[5] Den Rest spendet er an kleine Unternehmen und NGOs. Das sei genug Gehalt, so sagt er, schließlich lebten viele Bürger mit noch weniger. Auch seine Frau spendet einen großen Teil ihrer Einkünfte.[6]

Mujica bekennt sich zum Atheismus.[7]

Politische Karriere[Bearbeiten]

In seiner Jugend war Mujica politisch in einer Gruppierung der Partido Nacional im Umfeld des seinerzeitigen Arbeits- und Industrieministers Enrique Erro aktiv. Gemeinsam mit Raúl Sendic und anderen Weggefährten gründete er sodann Mitte der 1960er Jahre die Movimiento de Liberación Nacional -MLN- Tupamaros. Innerhalb dieser Bewegung gehörte er der als Los rehenes bezeichneten Gruppierung um den Gründer und Anführer Raúl Sendic und Eleuterio Fernández Huidobro an. Aufgrund dieser Tätigkeit landete er im Gefängnis. Nachdem die Demokratie in Uruguay 1985 wiederhergestellt worden war, wurde José Mujica zusammen mit anderen Tupamaros aus dem Gefängnis entlassen.[8] Die Tupamaros gründeten 1989 die Partei Movimiento de Participación Popular (MPP).

1994 wurde er als Abgeordneter für das Departamento Montevideo in die Cámara de Representantes und 1999 als Senator gewählt. Vom 15. Februar 1995 bis 14. Februar 2000 war er somit Abgeordneter der Frente Amplio im uruguayischen Repräsentantenhaus, anschließend ab dem 15. Februar 2000 bis zunächst 14. Februar 2005 für das Parteienbündnis Partido Encuentro Progesista/Frente Amplio Mitglied des uruguayischen Senats. 2004 hatte er dabei das Amt des Dritten Vizepräsidenten des Senats inne. Nach seiner Wiederwahl schloss sich eine weitere Amtszeit als Senator als Repräsentant des Encuentro Progresista/Frente Amplio/Nueva Mayoría-Bündnisses an.[9][10] Seit seiner Ernennung durch Tabaré Vázquez am 1. März 2005 bis zum 3. März 2008 hatte er das Amt des Ministers für Viehzucht, Landwirtschaft und Fischerei inne. Bis zu seinem Rücktritt am 24. Mai 2009 war Mujica Führer des Movimiento de Participación Popular (MPP), des mehrheitlichen Sektors der linken Partei Frente Amplio.[11]

Im Juni 2009 wurde Mujica, der den brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva als sein Vorbild bezeichnet,[12] zum Kandidaten des Linksbündnisses Frente Amplio für die Präsidentschaftswahl gewählt. Im ersten Durchgang am 25. Oktober 2009 verfehlte er die absolute Mehrheit mit 48 Prozent der Stimmen knapp. In der Stichwahl am 29. November 2009 erreichte er circa 53 Prozent der Stimmen und setzte sich damit gegen seinen konservativen Konkurrenten Luis Alberto Lacalle durch.[13]

Im Oktober 2011 unternahm Mujica erstmals in seiner Funktion als Staatspräsident eine zehntägige offizielle Europa-Reise, bei der er Schweden, Norwegen, Belgien und Deutschland besuchte.[14]

Im September 2013 hielt Mujica auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen einen längeren Vortrag über Menschheit und Globalisierung.[15]

Politische Positionen[Bearbeiten]

Im Laufe der Jahre entwickelte sich Mujica zu einem Pragmatiker. In jüngster Zeit hat er den Wunsch nach einem flexibleren politischen Handeln zum Ausdruck gebracht, gibt sich aber weiterhin sehr volksnah.[16]

Mujica unterstützte die Politik von Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. Er wendet sich gegen eine internationale Isolation des Iran.[17] In seine Amtszeit fiel auch die in Uruguay äußerst umstrittene Verabschiedung eines Gesetzes, das einen begrenzten Handel mit Cannabis legalisiert. Somit ist Uruguay momentan das weltweit erste Land, in dem der Verkauf von begrenzten Mengen Cannabis in Apotheken an registrierte Konsumenten legal ist und ein Anbau unter staatlicher Kontrolle erfolgen soll.[18] Dies führte sogar zur Nominierung Mujicas für den Friedensnobelpreis.[19]

Sonstiges[Bearbeiten]

1997 produzierten Rainer Hoffmann und Heidi Specogna den Dokumentarfilm Tupamaros, in dem José Mujica und frühere Mitstreiter die Geschichte ihrer Bewegung erzählen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: José Mujica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Der Vater seiner Großmutter väterlicherseits.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uruguay elects Jose Mujica as president, polls show BBC Online, 30. November 2009.
  2. Breite Front für Ex-Guerillero José Mujica als Präsident Stern, 30. November 2009.
  3. Falleció hermana de Mujica – Luto presidencial (spanisch) auf www.montevideo.com.uy vom 8. August 2012, abgerufen am 9. August 2012.
  4. Ex-Guerillero an der Staatsspitze in Neues Deutschland, 8. Oktober 2012.
  5. a b Jose Mujica: The world's 'poorest' president
  6. Presidente mais pobre do mundo ainda anda de fusca e doa 90 % do salário. Pragmatisimo. 5. Juni 2012. Abgerufen am 8. März 2014.
  7. Präsident von Uruguay outet sich als Atheist wissenrockt.de vom 19. Mai 2012, abgerufen am 7. Juni 2012.
  8. Ex-guerrilla who sought to overthrow state is now set to run it Irish Times, 12. Oktober 2009.
  9. Liste der uruguayischen Parlamentarier von 1830 bis 2005 auf www.parlamento.gub.uy (PDF; 7,8 MB)
  10. Presidente José Mujica Cordano – Curriculum auf der Internetpräsent der uruguayischen Präsidentschaftskanzlei, abgerufen am 8. Oktober 2012.
  11. Mujica de la chacra a la Presidencia (spanisch) in La República vom 30. September 2009.
  12. Ex-Guerillero an der Staatsspitze Neues Deutschland, 1. Dezember 2009.
  13. 75-jähriger Ex-Guerillero wird neuer Präsident Handelsblatt, 30. November 2009.
  14. Uruguay: Pressestatements von Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Mujica, Agencia Latina Press vom 19. Oktober 2011, abgerufen am 11. Dezember 2011.
  15. Mujica in der UN-Generalversammlung. El Observador. 25. September 2013. Abgerufen am 29. September 2013.
  16. http://www.guardian.co.uk/world/2009/oct/25/jose-mujica-favourite-uruguay-election
  17. http://en.mercopress.com/2009/11/27/mujica-supports-lula-da-silva-government-style-and-his-iran-policy
  18. Cannabis in Uruguay nun legal auf www.fr-online.de vom 11. Dezember 2013, abgerufen am 24. Juni 2014
  19. Uruguay’s president nominated for Nobel Peace Prize for legalizing marijuana (englisch) vom 6. Februar 2014, abgerufen am 24. Juni 2014
Vorgänger Amt Nachfolger
Martín Aguirrezabala Landwirtschaftsminister Uruguays
1. März 2005 bis 3. März 2008
Ernesto Agazzi
Tabaré Vázquez Präsident von Uruguay
seit 1. März 2010
amtierend