Körner (Thüringen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Körner
Körner (Thüringen)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Körner hervorgehoben
51.23111111111110.5875208Koordinaten: 51° 14′ N, 10° 35′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Unstrut-Hainich-Kreis
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Schlotheim
Höhe: 208 m ü. NHN
Fläche: 30,64 km²
Einwohner: 1743 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 57 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99998
Vorwahl: 036025
Kfz-Kennzeichen: UH, LSZ, MHL
Gemeindeschlüssel: 16 0 64 037
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bahnhofstr. 7b
99998 Körner
Webpräsenz: www.vg-schlotheim.de
Bürgermeister: Matthias Niebuhr (geb. Mucke) (parteilos)
Lage der Gemeinde Körner im Unstrut-Hainich-Kreis
Altengottern Anrode Bad Langensalza Bad Langensalza Bad Tennstedt Ballhausen Blankenburg Bothenheilingen Bruchstedt Dünwald Flarchheim Großengottern Großvargula Haussömmern Herbsleben Heroldishausen Hornsömmern Issersheilingen Kammerforst Kammerforst Kirchheilingen Kleinwelsbach Klettstedt Körner Kutzleben Vogtei Marolterode Menteroda Mittelsömmern Mühlhausen Mülverstedt Neunheilingen Vogtei Vogtei Vogtei Obermehler Oppershausen Oppershausen Rodeberg Schlotheim Schönstedt Schönstedt Südeichsfeld Sundhausen Tottleben Unstruttal Urleben Weberstedt WeinbergenKarte
Über dieses Bild

Körner ist eine ländliche Gemeinde im Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen in Deutschland. Sie gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Schlotheim.

Geografie[Bearbeiten]

Natürliche Gegebenheiten[Bearbeiten]

Körner im Nottertal von Norden gesehen
An der Notter in der Ortslage Körner

Körner liegt ungefähr zwölf Kilometer östlich von Mühlhausen im Übergangsbereich zwischen den Nordwestthüringischen Muschelkalk-Randplatten im Norden und dem Thüringer Becken, einem Keuper-Hügelland im Süden. Die Gemeinde ist eingebettet in die intensiv landwirtschaftlich genutzte offene Ackerlandschaft und von der Notter durchflossen, einem Nebenbach der Unstrut. Im Norden grenzt als einzige große Waldfläche der Volkenroder Wald an.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Körner besteht aus den drei Ortsteilen Körner, Volkenroda und Österkörner.

Geschichte[Bearbeiten]

Als urkundliche Ersterwähnung wird ein Diplom des Kaisers Karl vom 15. September 802 gewertet, in dem der Ort „Corneri“ genannt wurde. Die um 900 im Ort ansässigen Adeligen von Körner waren Erbauer einer kleinen Burganlage mit starkem Turm. Der Belagerung der Reichsburg Volkenroda folgte deren Zerstörung nach den Bedingungen des ausgehandelten Friedensvertrages. Zuvor tobten mehrere Monate heftige Kämpfe zwischen König Heinrich IV. und den aufständischen Thüringern und Sachsen, die auch auf das Gebiet von Körner übergriffen. Das Kloster Hasungen erhielt 1081 Besitzrechte im Ort Körner überschrieben. Die Kirche von Körner wurde in der urkundlichen Überlieferung belegt. Ab 1131 entstand in der Nachbarschaft des Dorfes in dem Gelände der zerstörten Reichsburg das Zisterzienserkloster Volkenroda. 1150 wurde die dortige Klosterkirche durch den Mainzer Erzbischof geweiht. Ein Teil der Orte in der Nähe des Klosters Volkenroda wurde durch die Umwandlung in Wirtschaftshöfe (Grangien) aufgelöst, der bereits weitgehend entvölkerte Nachbarort Österkörner wurde ebenfalls dem Volkenrodaer Kloster übertragen. Noch in Privatbesitz liegende Grundstücke des Vogtes von Körner mit einer Kapelle wurden von dessen Erben an das Kloster Volkenroda übergeben. Dagegen gab es Einsprüche weiterer erbberechtigter Verwandte des Toten. Aus diesem Grund gelangt der Fall bis vor das landgräfliche Gericht. Der an der Notter entstandenene Mühlenkomplex aus Bergmühle und Ziegelmühle wurde 1285 erstmals erwähnt. Die Herren von Körner waren 1315 bei den Landgrafen von Thüringen in Ungnade gefallen und wurden ihrer Rechte und restlichen Besitzungen entzogen. Der Ort wurde mit den beiden Kirchen und der Burg Körner an das Kloster Volkenroda verkauft. Die Unterkirche wurde 1318 umgebaut und repariert, sie erhielt bei der Einweihung den Namen „Beatae Maria Virginis“ (Kirche der Heiligen Jungfrau Maria).

Oberkirche „St. Wigberti“ (Zeichnung von 1915)

Eines der ältesten Gebäude des Ortes wurde 1483 als Gemeindeschenke errichtet und dient noch heute als Gasthaus „Nottertal“ diesem ursprünglichen Zweck. 1525 belagerten und verwüsteten aufständische Bauern das Kloster Volkenroda. Beim Abzug der Bauern wurden viele Gebäude in Brand gesteckt. Der zunächst begonnene Wiederaufbau des Klosters wurde bald aufgegeben. Nur die wichtigsten Wirtschaftsgebäude wurden repariert oder teilweise erneuert. 1540 wurde die Auflösung des Klosters Volkenroda beschlossen.

Ein Großbrand von 1596 zerstörte große Teile des Ortes Körner. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde Körner 1645 mit dem Amt Volkenroda vom Herzogtum Sachsen-Gotha übernommen. Körner war 1662 von Hexenverfolgung betroffen. Zwei Frauen gerieten in Hexenprozesse. Barbara, Witwe von Lorenz Nötling, wurde stranguliert, dann verbrannt, die andere wahrscheinlich hingerichtet.[2] Der Scheiterhaufen befand sich am Richtplatz „Am Graß“. Zwei weitere Großbrände zerstörte 1733 und 1836 Teile des Ortes. 1845 beschloss die Einwohnerschaft die Gründung einer eigenen Feuerwehr. Als Folge der Unruhen des Jahres 1848 wurde auch eine Bürgerwehr gegründet, der Ort stellte 160 Mann unter Waffen.

1869 wurden als Folge der Gebietsreform im Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha Ämter und Verwaltungen neu strukturiert. Der noch aus wenigen Häusern bestehende Ort Volkenroda wurde nach Körner eingemeindet. Als Vorläufer einer Fabrik wurde 1870 die erste Dampfsägemühle in Körner errichtet. Der Bau einer Eisenbahnlinie von Ebeleben nach Mühlhausen führt durch das Nottertal und verschafft den Orten Körner und Österkörner einen Bahnanschluss, 1896 wurde der Bahnbetrieb eröffnet. Als zweiter Industriebetrieb wurde 1907 eine Dampfziegelei eröffnet. Die bereits vorhandene Gleisanlage verringerte die Transportkosten und den Bezug von Kohle für die Feuerung.

Der Erste Weltkrieg hatte den Tod von 48 Soldaten aus Körner zur Folge, im Zweiten Weltkrieg fielen sogar 122 Einwohner. Die im Umland von Körner gelegenen Gehöfte und Staatsgüter wurden während des Zweiten Weltkrieges mit Evakuierten und Flüchtlingen belegt, ein Teil dieser Gruppe und weitere Heimatvertriebene blieben nach dem Kriegsende in der Gegend und wurden bei der Bodenreform mit Ackerland und Vieh ausgestattet. Die Gründung der LPGs in den 1950er Jahren erfolgte in allen Ortsteilen (Körner, Volkenroda, Österkörner und Peißel) separat. Viele Kleinbauern wechselten in dieser Zeit zum Kalibergbau, da der VEB Kalibergwerk Volkenroda ihnen bessere Löhne und Vergünstigungen garantierte.

Auf Beschluss der Staatsregierung der DDR wurde 1952 bei einer Kommunal- und Gebietsreform der Ort Körner mit seinen Ortsteilen dem neu geschaffenen Bezirk Erfurt und dem Landkreis Mühlhausen zugeteilt. Die bisherigen Landwirtschaftsbetriebe in Körner wurden 1959 zur LPG „Rotes Banner“ vereint. Der kleinste Ortsteil von Körner - das abgelegene Gehöft Peißel - wurde 1965 abgesiedelt. Für die Schulkinder des Ortes Körner wurden mit dem Bau von Schulen und einer Turnhalle in den 1970er Jahren die Lernbedingungen verbessert. 1984 erhielt der Ort Körner ein Einkaufszentrum für Waren des täglichen Bedarfs. Der Ort wurde in den späten 1980er Jahren durch den Bau von fast 90 Wohnungen am Lindenweg (Ortsrand) weiterentwickelt. Nach der Wende wurde das Pfarrhaus saniert und eine Interessengemeinschaft zur Rettung der Klosterruine Volkenroda als Kulturdenkmal gegründet.

Im Jahr 1996 wurde der Betrieb der unrentablen Bahnstrecke eingestellt. Körner wurde 1999 Teil der Verwaltungsgemeinschaft Schlotheim. Die EXPO in Hannover zeigte als thüringer Beitrag zwei Projekte zur Dorfentwicklung im ländlichen Raum, die mit Beteiligung der Einwohner von Körner realisiert wurden. Nach dem Abschluss der EXPO wurde der Ausstellungspavillon für das Kloster Volkenroda zur Verfügung gestellt und vor Ort neu errichtet. Mit einer Festwoche beging Körner im Sommer 2002 die 1200-Jahr-Feier der Ersterwähnung des Ortes.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Traditionen[Bearbeiten]

Die Dorfgemeinschaft pflegt ländliche Traditionen. Die wichtigste Veranstaltung stellt hierbei die Kirmes (Kirchweihfest) dar. Weitere jährlich stattfindende Traditionsveranstaltungen sind das Osterfeuer sowie das Setzen der Pfingstmaien (junge Birken) für die Konfirmanden vor Kirche und Dorfschenke, außerdem als Dank für die Sponsoren der Kirmes.

Kuriosa[Bearbeiten]

Mit 99998 hat Körner zusammen mit Weinbergen die höchste Postleitzahl der Bundesrepublik Deutschland; die Leitzahl 99999 ist nicht vergeben. Am 9. September 1999 nutzte die Deutsche Post AG den Ort werbewirksam und setzte an diesem Tag die letztgenannte Postleitzahl in einem Sonderstempel ein, um allen Liebhabern origineller Stempel eine Freude zu bereiten.

Sport[Bearbeiten]

  • Fußball: SV Fortuna 49 Körner e. V., Spielklasse: Aufsteiger in die Landesklasse Staffel Nord

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Freybote: Orts-Chronik Volkenroda - Gemeinde Körner. Mühlhausen 1994.
  • Rainer Gruneberg: 802-2002 1200 Jahre Körner. Bad Langensalza und Körner 2002.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Körner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 247.