Marc Ouellet
Marc Kardinal Ouellet PSS (* 8. Juni 1944 in La Motte, Québec, Kanada) ist emeritierter Erzbischof von Québec und ein Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche.
Inhaltsverzeichnis |
Leben[Bearbeiten]
Marc Ouellet, Sohn einer Familie mit acht Kindern, besuchte das Berthier College (1958-1959) und studierte Philosophie an der École Normale of Amos (1959-1964) und Pädagogik an der Universität Laval (1964) sowie Katholische Theologie an dem Großen Priesterseminar von Montréal (1964/68) und der Universität Montreal. Am 25. Mai 1968 empfing er durch Gaston Hains das Sakrament der Priesterweihe. Anschließend wirkte er zwei Jahre lang in der Gemeindeseelsorge und war Kurat in der Pfarre Saint-Sauveur in Val-d'Or.[1]
Nach einer Sprachausbildung in Spanisch lehrte er von 1970 bis 1971 Philosophie am Großen Seminar von Bogotá, Kolumbien, das von der Priestergemeinschaft von Saint-Sulpice geleitet wurde. 1972 trat er den Sulpizianern bei. In Rom absolvierte er 1974 ein philosophisches Lizentiat an der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin und an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck.[1]
1974 wurde er Professor am Großen Seminar von Manizales in Kolumbien, ab 1976 am Grand Séminaire de Montréal. 1978 kehrte er nach Rom zurück und wurde 1983 im Fachbereich Dogmatik an der Päpstlichen Universität Gregoriana promoviert. Nach einer Sprachausbildung in Deutsch in Passau wurde er Professor am Großen Seminar von Cali in Kolumbien. Von 1984 bis 1989 war er Rektor des Priesterseminars von Manizales in Kolumbien. 1989 wurde er Rektor an der Grand Séminaire de Montréal, und dann im Jahre 1994 Rektor des St. Joseph Priesterseminars in Edmonton und lehrte 1996/97 am Newman Theological College in Edmonton.[1] Von 1992 bis 2002 war Marc Ouellet Großprior der Statthalterei Kanada-Quebec des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.
Von 1996 bis 2002 hatte er den Lehrstuhl für Dogmatische Theologie am Päpstlichen Institut „Johannes Paul II.“ für Studien zu Ehe und Familie der Lateranuniversität in Rom inne, an der er 1997 zum Titualarprofessor ernannt wurde. Von 1995 bis 2000 war er Konsultor der Kongregation für den Klerus und 1996 Konsultor des Generalkapitels der Sulpizianer.[1]
Am 3. März 2001 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Titularerzbischof von Acropolis sowie zum Sekretär des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen und spendete ihm am 3. März 2001 im Petersdom die Bischofsweihe; Mitkonsekratoren waren die Kurienkardinäle Angelo Sodano und Giovanni Battista Re. Sein bischöflicher Wahlspruch ist Ut unum sint.[1]
Ein Jahr später folgte durch Johannes Paul II. die Ernennung zum Erzbischof von Québec. Am 21. Oktober 2003 nahm ihn Papst Johannes Paul II. als Kardinalpriester mit der Titelkirche Santa Maria in Traspontina in das Kardinalskollegium auf.
Papst Benedikt XVI. berief ihn zudem für die XII. ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode, die vom 5. bis zum 26. Oktober 2008 in Rom tagte, zum Generalrelator. Am 30. Juni 2010 berief ihn Benedikt XVI. zum Kardinalpräfekten der Kongregation für die Bischöfe und zum Präsidenten der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika.[2]
Am 13. April 2012 leitete er als Sondergesandter des Papstes den Eröffnungsgottesdienst zur Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier.
Kardinal Ouellet galt vor dem Konklave 2013 als papabile, da er durch seine frühere Tätigkeit in Südamerika die Stimmen aller amerikanischen Kardinäle auf sich vereinen zu können schien.[3]
Wirken[Bearbeiten]
Marc Ouellet gilt als Intellektueller und Kosmopolit, aber auch als in theologischen Fragen konservativ. Er hat sich gegen Abtreibung und gegen Homo-Ehe ausgesprochen.[4] Im Missbrauchs-Skandal hat er als Aufklärer eine wichtige Rolle inne[5] .
Ouellet steht der katholischen Zeitschrift COMMUNIO (Internationale Katholische Zeitschrift Communio; erscheint in etwa 17 Sprachen) nahe und bevorzugt die Theologie von Hans Urs von Balthasar (1905-1988).[6]
Ouellet spricht neben Französisch und Englisch auch fließend Italienisch, Deutsch, Portugiesisch, Spanisch und versteht Latein und Hebräisch.[7]
Mitgliedschaften[Bearbeiten]
Marc Kardinal Ouellet ist Mitglied folgender Institutionen der römischen Kurie:
- Sektion für die Beziehungen mit den Staaten im Vatikanischen Staatssekretariat (seit 2011)[8]
- Kongregation für die Glaubenslehre (seit 2010)[9]
- Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung (seit 2003)[10]
- Kongregation für das Katholische Bildungswesen (seit 2007)[11]
- Kongregation für den Klerus (seit 2008)[12]
- Päpstlicher Rat für die Kultur
- Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung (seit 2011)[13]
- Päpstlicher Rat für die Gesetzestexte (seit 2011)[14]
- Päpstliche Kommission für Lateinamerika (seit 2009)[15]
- Päpstliche Akademie für Theologie
Schriften[Bearbeiten]
- L'existence comme mission. L'anthropologie théologique de Hans Urs von Balthasar. Rom, Pontificia Universitas Gregoriana, Diss. 1983.
- Divina somiglianza: antropologia trinitaria della famiglia. Rom, Pontificia Università Lateranense, 2004. ISBN 9788846504500
- Charismen. Eine Herausforderung. Jahannes, Einsiedeln 2011. ISBN 9783894114145
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ a b c d e Biography of Cardinal Marc Ouellet PSS, abgerufen am 21. Februar 2013 (englisch)
- ↑ Rinuncia del Prefetto della Congregazione per i Vescovi e di Presidente della Pontificia Commissione per l’America Latina e nomina del successore, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 30. Juni 2010.
- ↑ DER SPIEGEL, Ausgabe 8/2013, S.86: Wahlberechtigte Kardinäle und papabili
- ↑ „Möglicher Papst-Nachfolger: Hardliner Marc Ouellet“, Salzburger Nachrichten, 13. Februar 2013
- ↑ Daniel Baird: „Can Quebec cardinal Marc Ouellet save the Catholic Church?“, The Star, 15. Februar 2013 (englisch)
- ↑ John L. Allen Jr.: Who Will Be the Next Pope? „Marc Ouellet, 60, Canada“, National Catholic Reporter, abgerufen am 21. Februar 2013 (englisch)
- ↑ John L. Allen Jr.: „Papabile of the Day: The Men Who Could Be Pope“, National Catholic Reporter, 20. Februar 2013 (englisch)
- ↑ Nomina di Membri del Consiglio di Cardinali e Vescovi della Sezione per i Rapporti con gli Stati della Segreteria di Stato, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 29. Januar 2011.
- ↑ Nomina di Membri della Congregazione per la Dottrina della Fede, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 16. Oktober 2010.
- ↑ Nomina di Membri dei Dicasteri della Curia Romana, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 24. November 2003.
- ↑ Nomina di membro della Congregazione per l’Educazione Cattolica, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 24. Mai 2007.
- ↑ Nomina di Membri della Congregazione per il Clero, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 6. Mai 2008.
- ↑ Nomina di Membri del Pontificio Consiglio per la Promozione della Nuova Evangelizzazione, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 5. Januar 2011.
- ↑ Nomina di Membro del Pontificio Consiglio per Testi Legislativi, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 6. April 2011.
- ↑ Nomine nella Pontificia Commissione per l’America Latina, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 8. Oktober 2009.
Weblinks[Bearbeiten]
- Eintrag zu Marc Ouellet auf catholic-hierarchy.org, gesehen am 21. Februar 2013 (englisch)
- Biografie von Marc Ouellet (Vatikan) (englisch)
- Webseite von Marc Ouellet (CCCB) englisch)
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
| Giovanni Battista Kardinal Re | Präfekt der Kongregation für die Bischöfe seit 2010 |
… |
| Maurice Couture | Erzbischof von Québec 2002–2010 |
Gérald Cyprien Lacroix ISPX |
| Louis-Albert Vachon | 1992-2002 |
Maurice Couture |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ouellet, Marc |
| ALTERNATIVNAMEN | Ouellet PSS, Marc; Ouellet PSS, Marc Kardinal (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | kanadischer Ordensgeistlicher, Erzbischof von Québec, Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche |
| GEBURTSDATUM | 8. Juni 1944 |
| GEBURTSORT | La Motte, Kanada |
- Kardinal (21. Jahrhundert)
- Römisch-katholischer Bischof (21. Jahrhundert)
- Römisch-katholischer Theologe (20. Jahrhundert)
- Römisch-katholischer Theologe (21. Jahrhundert)
- Großprior (Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem)
- Hochschullehrer (Montreal)
- Mitglied der Päpstlichen Akademie für Theologie
- Sulpizianer
- Kanadier
- Geboren 1944
- Mann