Marc Ouellet

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Marc Kardinal Ouellet PSS
Wappen von Kardinal Ouellet: damit sie eins seien, Joh 17,22

Marc Kardinal Ouellet PSS (* 8. Juni 1944 in La Motte, Québec, Kanada als Joseph Armand Marc Ouellet) ist ein Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche. Seit 2010 ist er Kardinalpräfekt der Bischofskongregation.

Leben[Bearbeiten]

Marc Ouellet, Sohn einer Familie mit acht Kindern, besuchte das Berthier College (1958-1959) und studierte Philosophie an der École Normale of Amos (1959-1964) und Pädagogik an der Universität Laval (1964) sowie Katholische Theologie an dem Großen Priesterseminar von Montréal (1964/68) und der Universität Montreal. Am 25. Mai 1968 empfing er durch Gaston Hains das Sakrament der Priesterweihe. Anschließend wirkte er zwei Jahre lang in der Gemeindeseelsorge und war Kurat in der Pfarre Saint-Sauveur in Val-d’Or.[1]

Nach einer Sprachausbildung in Spanisch lehrte er von 1970 bis 1971 Philosophie am Großen Seminar von Bogotá, Kolumbien, das von der Priestergemeinschaft von Saint-Sulpice geleitet wurde. 1972 trat er den Sulpizianern bei. In Rom absolvierte er 1974 ein philosophisches Lizentiat an der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin und an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck.[1]

1974 wurde er Professor am Großen Seminar von Manizales in Kolumbien, ab 1976 am Grand Séminaire de Montréal. 1978 kehrte er nach Rom zurück und wurde 1983 im Fachbereich Dogmatik an der Päpstlichen Universität Gregoriana promoviert. Nach einer Sprachausbildung in Deutsch in Passau wurde er Professor am Großen Seminar von Cali in Kolumbien. Von 1984 bis 1989 war er Rektor des Priesterseminars von Manizales in Kolumbien. 1989 wurde er Rektor an der Grand Séminaire de Montréal, und dann im Jahre 1994 Rektor des St. Joseph Priesterseminars in Edmonton und lehrte 1996/97 am Newman Theological College in Edmonton.[1] Von 1992 bis 2002 war Marc Ouellet Großprior der Statthalterei Kanada-Quebec des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

Von 1996 bis 2002 hatte er den Lehrstuhl für Dogmatische Theologie am Päpstlichen Institut „Johannes Paul II.“ für Studien zu Ehe und Familie der Lateranuniversität in Rom inne, an der er 1997 zum Titularprofessor ernannt wurde. Von 1995 bis 2000 war er Konsultor der Kongregation für den Klerus und 1996 Konsultor des Generalkapitels der Sulpizianer.[1]

Am 3. März 2001 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Titularerzbischof von Acropolis sowie zum Sekretär des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen und spendete ihm am 3. März 2001 im Petersdom die Bischofsweihe; Mitkonsekratoren waren die Kurienkardinäle Angelo Sodano und Giovanni Battista Re. Sein bischöflicher Wahlspruch ist Ut unum sint.[1]

Ein Jahr später folgte durch Johannes Paul II. die Ernennung zum Erzbischof von Québec. Am 21. Oktober 2003 nahm ihn Papst Johannes Paul II. als Kardinalpriester mit der Titelkirche Santa Maria in Traspontina in das Kardinalskollegium auf.

Papst Benedikt XVI. berief ihn zudem für die XII. ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode, die vom 5. bis zum 26. Oktober 2008 in Rom tagte, zum Generalrelator. Am 30. Juni 2010 berief ihn Benedikt XVI. zum Kardinalpräfekten der Kongregation für die Bischöfe und zum Präsidenten der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika.[2] Papst Franziskus bestätigte Ouellet im Zuge einer ersten Neuordnung der Kurie nach seiner Wahl zum Papst am 16. Dezember 2013 als Kardinalpräfekt der Bischofskogregation.[3]

Am 13. April 2012 leitete er als Sondergesandter des Papstes den Eröffnungsgottesdienst zur Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier.

Kardinal Ouellet galt vor dem Konklave 2013 als papabile, da er durch seine nordamerikanische Herkunft und die frühere Tätigkeit in Südamerika die Stimmen der amerikanischen Kardinäle auf sich hätte ziehen können.[4]

Wirken[Bearbeiten]

Marc Ouellet gilt als Intellektueller und Kosmopolit, aber auch als in theologischen Fragen konservativ. Er hat sich gegen Abtreibung und gegen Homo-Ehe ausgesprochen.[5] Im Missbrauchs-Skandal hat er als Aufklärer eine wichtige Rolle inne.[6]

Ouellet steht der katholischen Zeitschrift COMMUNIO (Internationale Katholische Zeitschrift Communio; erscheint in etwa 17 Sprachen) nahe und bevorzugt die Theologie von Hans Urs von Balthasar (1905-1988).[7]

Ouellet spricht neben Französisch und Englisch auch fließend Italienisch, Deutsch, Portugiesisch, Spanisch und versteht Latein und Hebräisch.[8]

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Marc Kardinal Ouellet ist Mitglied folgender Institutionen der römischen Kurie:

Schriften[Bearbeiten]

  • L'existence comme mission. L'anthropologie théologique de Hans Urs von Balthasar. Rom, Pontificia Universitas Gregoriana, Diss. 1983.
  • Divina somiglianza: antropologia trinitaria della famiglia. Rom, Pontificia Università Lateranense, 2004. ISBN 9788846504500
  • Charismen. Eine Herausforderung. Johannes, Einsiedeln 2011. ISBN 9783894114145

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Biography of Cardinal Marc Ouellet PSS, abgerufen am 21. Februar 2013 (englisch)
  2. Rinuncia del Prefetto della Congregazione per i Vescovi e di Presidente della Pontificia Commissione per l’America Latina e nomina del successore, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 30. Juni 2010.
  3. Bestätigungsmeldung, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 16. Dezember 2013
  4. DER SPIEGEL, Ausgabe 8/2013, S.86: Wahlberechtigte Kardinäle und papabili
  5. „Möglicher Papst-Nachfolger: Hardliner Marc Ouellet“, Salzburger Nachrichten, 13. Februar 2013
  6. Daniel Baird: „Can Quebec cardinal Marc Ouellet save the Catholic Church?“, The Star, 15. Februar 2013 (englisch)
  7. John L. Allen Jr.: Who Will Be the Next Pope? „Marc Ouellet, 60, Canada“, National Catholic Reporter, abgerufen am 21. Februar 2013 (englisch)
  8. John L. Allen Jr.: „Papabile of the Day: The Men Who Could Be Pope“, National Catholic Reporter, 20. Februar 2013 (englisch)
  9. Nomina di Membri del Consiglio di Cardinali e Vescovi della Sezione per i Rapporti con gli Stati della Segreteria di Stato, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 29. Januar 2011.
  10. Nomina di Membri della Congregazione per la Dottrina della Fede, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 16. Oktober 2010.
  11. Nomina di Membri dei Dicasteri della Curia Romana, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 24. November 2003.
  12. Nomina di membro della Congregazione per l’Educazione Cattolica, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 24. Mai 2007.
  13. Nomina di Membri della Congregazione per il Clero, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 6. Mai 2008.
  14. Nomina di Membri e conferme nella Congregazione per il Clero. In: Bolletino. Sala Stampa della Santa Sede, 9. Juni 2014, abgerufen am 10. Juni 2014 (italienisch).
  15. Conferma del Prefetto della Congregazione per gli Istituti di vita consacrata e le Società di vita apostolica e Nomine e Conferme dei Membri nel medesimo Dicastero, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 29. März 2014.
  16. Nomina di Membri del Pontificio Consiglio per la Promozione della Nuova Evangelizzazione, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 5. Januar 2011.
  17. Nomina di Membro del Pontificio Consiglio per Testi Legislativi, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 6. April 2011.
  18. Nomine nella Pontificia Commissione per l’America Latina, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 8. Oktober 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marc Ouellet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Giovanni Battista Kardinal Re Präfekt der Kongregation für die Bischöfe
seit 2010
Maurice Couture Erzbischof von Québec
2002–2010
Gérald Cyprien Kardinal Lacroix ISPX
Louis-Albert Vachon Croix de l Ordre du Saint-Sepulcre.svg Großprior der Statthalterei Kanada-Quebec des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem
1992-2002
Maurice Couture