Reinhard Marx

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Erzbischof Reinhard Marx (2009)
Erzbischof Reinhard Marx (2006)

Reinhard Marx (* 21. September 1953 in Geseke) ist Erzbischof von München und Freising.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Marx legte im Jahre 1972 am Gymnasium Antonianum in Geseke die Abiturprüfung ab und studierte anschließend an der Theologischen Fakultät Paderborn und in Paris katholische Theologie. 1975 wurde er Mitglied im wissenschaftlichen katholischen Studentenverein Unitas-Frisia Münster. 1979 empfing er das Sakrament der Priesterweihe durch Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt. Nach einer zweijährigen Tätigkeit als Vikar in Arolsen schloss sich von 1981 bis 1989 ein Zweitstudium an der Ruhr-Universität Bochum und der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster an. 1988 wurde Marx an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum bei dem Fundamentaltheologen Hermann Pottmeyer mit der Arbeit „Ist Kirche anders? − Möglichkeiten und Grenzen einer soziologischen Betrachtungsweise“ zum Dr. theol. promoviert.

1989 wurde er Direktor der Kommende in Dortmund-Brackel, des Sozialinstituts des Erzbistums Paderborn. Während seiner Tätigkeit in der Kommende war Reinhard Marx Subsidiar in der St.-Ewaldi-Gemeinde in Aplerbeck (Dortmund). Am 21. Juni 1993 verlieh ihm Papst Johannes Paul II. den Titel Kaplan Seiner Heiligkeit. 1996 erfolgte die Berufung zum außerordentlichen Professor für Christliche Gesellschaftslehre an die Theologische Fakultät Paderborn.

Nur wenige Monate später, am 23. Juli 1996, ernannte ihn Johannes Paul II. zum Titularbischof von Petina und zum Weihbischof im Erzbistum Paderborn. Die Bischofsweihe spendete ihm Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt am 21. September desselben Jahres. Mitkonsekratoren waren die beiden Paderborner Weihbischöfe Hans Leo Drewes und Paul Consbruch. Am 20. Dezember 2001 berief ihn Papst Johannes Paul II. als Nachfolger Hermann Josef Spitals zum 102. Bischof von Trier. Er wurde am 1. April 2002 in sein Amt eingeführt.

Marx ist seit 1999 Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax („Gerechtigkeit und Frieden“), die von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken getragen wird. In diesem Amt wurde er 2004 für weitere fünf Jahre bestätigt. Die Deutsche Bischofskonferenz wählte ihn auf der Herbst-Vollversammlung 2004 zum Vorsitzenden ihrer Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen. Seit März 2006 ist er zudem der Delegierte der Deutschen Bischofskonferenz in der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE). Am 20. März 2009 wurde er zum Vizepräsidenten der COMECE gewählt.

In Nachfolge von Anton Schlembach wurde Marx 2006 Großprior der Deutschen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

Papst Benedikt XVI. ernannte ihn am 30. November 2007 zum Erzbischof von München und Freising. Am 30. Januar 2008 wurde der neuernannte Erzbischof nach alter Tradition im Erzbistum festlich eingeholt. Stationen dieser festlichen Einholung waren: Benediktinerabtei Scheyern, Pfarrei St. Peter und Paul in München-Feldmoching, der Marienplatz in München und anschließend ein Festzug durch die Innenstadt. Am 2. Februar 2008 wurde Marx feierlich in sein Amt als 73. Nachfolger des Heiligen Korbinian eingeführt. Er ist kraft dieses Amts zugleich Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz.

Am 29. Juni 2008 empfing Marx als Metropolit der Kirchenprovinz München und Freising im Petersdom zu Rom das Pallium.

[Bearbeiten] Standpunkte

Eine zentrale Größe im Denken Marx’ ist der Begriff „Freiheit[1], der sich auch in seinem Wappen wiederfindet. Marx versteht die Freiheit des Menschen von der christlichen Anthropologie her. Der Mensch als Ebenbild Gottes sei Selbststand in Relation. Dabei ist für Marx Selbststand nichts anderes als die unantastbare Würde des Menschen, über die kein anderer verfügen darf. Von Relation spricht er, weil er – dem christlichen Menschenbild folgend – Ich und Du und Wir für grundsätzlich aufeinander bezogen und für anders nicht denkbar hält. Der Mensch sei frei, weil Gott als der Schöpfer ihn anspreche und sage: Du sollst leben. Marx räumt ein, dass in der „Frühphase ihrer Artikulation (...) die Menschenrechte durch die Kirche aggressiv abgelehnt“ und als „zügellose Freiheitslehren“ zurückgewiesen wurden. Er verweist aber auch auf die Enzyklika Pacem in terris von 1963, „mit der sich die kirchliche Würdigung der Menschenrechte Bann brach.“ Den modernen Freiheitsbegriff betreffend formuliert Marx drei Positionen: 1) er wolle kein Zurück in eine alte Welt; 2) die Aufklärung beantworte nicht, was Inhalt der Freiheit sein solle. Marx fordert das Projekt einer Dialektik der Aufklärung, einer aufgeklärten Aufklärung; 3) Im Zentrum diesen Projektes müsse der Mensch und seine Würde stehen, die auch in der Welt der Wirtschaft immer wieder in Gefahr sei.

Die Rolle der Kirche dürfe dabei nicht die des Moralproduzenten sein. Sie müsse vielmehr das Evangelium verkünden, das den Menschen einen Zugang zu Gott eröffnen wolle und eine Wirklichkeit verkünde, die größer als der Mensch sei und sich trotzdem um diesen kümmere. In nahezu allen Äußerungen zu wirtschaftspolitischen oder sozialethischen Themen kommt bei Marx zum Vorschein, dass die Freiheit eines Menschen von Gott her rühre und daher unverhandelbar sei. Auch in der Wirtschaftspolitik müsse gelten: Die Ökonomie ist für den Menschen da, nicht umgekehrt.

Reinhard Marx war Mitautor des Gemeinsamen Sozialworts der Kirchen, das 1997 herauskam. Das Papier betont den Vorrang der Arbeit vor dem Kapital; auch wenn es die Eigenverantwortung des Einzelnen hervorhebt, wurde es damals als Kritik, so die Süddeutsche Zeitung, an der Sozialpolitik der Regierung Kohl gesehen.[2]

Marx gilt als strikter Verfechter des in der römisch-katholischen Kirche geltenden Verbotes der Interzelebration, der gemeinsamen Leitung von eucharistischen Gottesdiensten durch katholische und nichtkatholische Geistliche. So suspendierte er im Jahre 2003 nach dem ökumenischen Kirchentag in Berlin den emeritierten Theologieprofessor Gotthold Hasenhüttl vom Priesteramt, weil dieser während des ökumenischen Kirchentages in einem ökumenischen Abendmahlsgottesdienst gegen ein unmittelbar zuvor wiederholtes päpstliches Verbot gemeinsam mit evangelischen Geistlichen Brot und Wein konsekriert hatte. Die Suspension wurde im Jahre 2004 vom Vatikan bestätigt. In demselben Jahr verweigerte er der Tübinger Moraltheologin Regina Ammicht-Quinn die Lehrerlaubnis für die Universität Saarbrücken.[3]

Wappen von Erzbischof Reinhard Marx

[Bearbeiten] Wahlspruch und Wappen

Als Bischof wählte Reinhard Marx den Wahlspruch ubi spiritus domini ibi libertas („Wo der Geist des Herrn (wirkt/herrscht), dort [ist] Freiheit“) aus dem 2. Brief des Paulus an die Korinther (2 Kor 3,17 EU). Er selbst schreibt dazu: „Mit diesem Wort (...) wollte ich deutlich machen, dass Freiheit das wesentliche Thema unseres Glaubens ist. (...) In der modernen Welt wurde dem Glaube ja unterstellt, dass er mit einem Freiheitsverlust einhergeht. Aber das Gegenteil ist der Fall. Freiheit ist die Voraussetzung für Verantwortung und Liebe. (...)“ )[4]

Blasonierung des Schildes: Geviert, 1 und 3 in Gold ein rotlippiger Mohrenkopf mit roter Krone, Spitzenkragen und Ohrring, 2 und 4 in Rot ein hersehender geflügelter goldener Löwe mit vollbärtigem Menschenkopf, eine aufgeschlagene Bibel, darin die griechischen Buchstaben Alpha und Omega, in der Vordertatze haltend.

Das Wappen zeigt den Freisinger Mohr (traditionell im Wappen der Münchner Erzbischöfe) sowie eine Variante des Symbols des Hl. Markus (Flügellöwe und aufgeschlagener Bibel), das auf die ursprüngliche Bedeutung des Namens Marx ('Marks' oder 'Marx' aus 'Markus' kontrahiert, siehe Marksburg = Markusburg) hindeutet.

[Bearbeiten] Mitgliedschaften

[Bearbeiten] Ehrungen

[Bearbeiten] Werke

  • Ist Kirche anders? Abhandlungen zur Sozialethik. Paderborn 1990.
  • Ihr seid der Brief Christi. Priestersein im Zeugnis von Therese von Lisieux, Johannes XXIII. und Romano Guardini.. Paderborn 1999 (Gemeinsam mit Peter Schallenberg).
  • Christliche Sozialethik : Konturen - Prinzipien - Handlungsfelder. Paderborn 2002 (Gemeinsam mit Helge Wulsdorf).
  • Wir haben Christi Sinn. Heilige als Vorbilder priesterlicher Spiritualität. Paderborn 2002 (Gemeinsam mit Peter Schallenberg).
  • Gerechtigkeit ist möglich. Zwischenrufe zur Lage des Sozialstaats. Freiburg 2004 (Gemeinsam mit Bernhard Nacke).
  • Gerechtigkeit vor Gottes Angesicht. Worte, die weiterführen. Freiburg 2006.
  • Das Kapital. Eine Streitschrift. Unter Mitarbeit von Arnd Küppers. München 2008.

[Bearbeiten] Literatur

  • Bruno Sonnen, Eugen Reiter (Hrsg.): Reinhard Marx - Bischof von Trier. Paulinus Verlag, Trier 2003, ISBN 3790219533.
  • Armin Wouters (Hrsg.): Wir gehören zusammen. Der neue Erzbischof Reinhard Marx und das Erzbistum München und Freising. Verlag Sankt Michaelsbund, München 2008, ISBN 978-3-939905-17-2.
  • Joachim Starbatty: Marx auf menschliche Weise. Ein Erzbischof liefert einen Gesellschaftsentwurf. In: FAZ Nr. 86, 14. April 2009, S. 10.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Reinhard Marx, Das Kapital, S. 33ff
  2. Süddeutsche Zeitung: „Ein Bischof mit viel Kapital“ (Stand: 30. November 2007)
  3. Universität Saarbrücken: Die Kirche und die Freiheit der Wissenschaft - Bischof Marx verweigert die Berufung zum Professor Dezember 2003
  4. vgl. Wahlspruch von Erzbischof Reinhard Marx

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Reinhard Marx – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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