Karl Jarres

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Karl Jarres
Karl Jarres (links) mit Friedrich Wilhelm von Loebell
Jarres hält seine erste Wahlrede am 18. März 1925 in der Berliner Philharmonie, hinter ihm (x) Gustav Stresemann

Karl Jarres (* 21. September 1874 in Remscheid; † 20. Oktober 1951 in Duisburg) war ein deutscher Politiker (DVP) in der Weimarer Republik.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Abitur am Gymnasium in Elberfeld studierte Jarres Rechtswissenschaften in Bonn, Berlin, London und Paris. Er war seit 1894 Mitglied der Burschenschaft Alemannia Bonn[1][2] und seit 1919 Mitglied der Burschenschaft Alemannia Münster.[3] 1897 wurde Jarres in Erlangen zum Dr. jur. promoviert. Er schlug eine Verwaltungslaufbahn ein und wurde 1901 Stadtassessor bei der Stadt Düren. 1903 wählte man ihn dort zum Beigeordneten. 1906 wechselte er zur Verwaltung der Stadt Köln und war von 1910 bis 1914 Bürgermeister von Remscheid, ab 1911 Oberbürgermeister. Anschließend war er von 1914 bis 1933 Oberbürgermeister von Duisburg. Mit der Wahl zum Oberbürgermeister erwarb er die gleichzeitige Mitgliedschaft für die Stadt Duisburg im Preußischen Herrenhaus.

1918 trat der vormalige Nationalliberale der rechtsliberalen DVP bei. Er wurde dem rechten Flügel der Partei zugerechnet. Beim Kapp-Putsch stand er auf Seiten der rechtmäßigen Regierung Bauer. Zu Beginn der Ruhrbesetzung 1923 wurde er ausgewiesen und, da er sich weigerte, Folge zu leisten, vor ein belgisches Kriegsgericht gestellt und zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Nach seiner Entlassung galt er auf Grund seines Eintretens für die Politik des passiven Widerstand gegen die alliierten Besatzungsmächte, der sogenannten „Versackungspolitik“, als „Held der Nation". Für die Reichsregierung und die preußische Regierung war er ein Gewährsmann für die Reichseinheit und Verfechter antiseparatistischer Positionen.

Nachdem die Politik des passiven Widerstands gescheitert war, wurde er von Stresemann als Minister in das Reichskabinett berufen. So bekleidete er zusätzlich zum Oberbürgermeistersposten von 1923 bis 1924 das Amt des Reichsminister des Innern und des Vizekanzlers in den Kabinetten Stresemann II, Marx I und Marx II. Bei der Reichspräsidentenwahl 1925 erhielt Jarres im ersten Wahlgang die meisten Stimmen (10.416.658 = 38,8 %), zog jedoch im zweiten Wahlgang seine Kandidatur zugunsten von Hindenburg zurück. Politisch stand er damals Gustav Stresemann nahe.

Als Oberbürgermeister der Stadt Duisburg bemühte er sich vergebens um die Eingemeindung der linksrheinischen Orte Homberg und Rheinhausen, die erst 1975 zu Duisburg kamen. In einer Studie schlug er auch die Bildung einer Ruhrmündungsstadt vor. Er erreichte nur die Eingemeindung Hamborns 1929, so dass die Stadt kurzzeitig bis 1935 Duisburg-Hamborn hieß.

Den Nationalsozialisten stand Jarres kritisch gegenüber: Er sollte das Wedaustadion für eine Kundgebung der NSDAP zugänglich machen und verweigerte die Öffnung. Daraufhin soll es zu folgendem Wortwechsel mit einem Nationalsozialisten gekommen sein: „Es kommen aber unheimlich viele Leute! [Jarres erwidert] Sie meinen wohl: viele unheimliche Leute.“[4]

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlor er alle politischen Ämter und betätigte sich in der Wirtschaft. Er war bis zu seinem Tod Aufsichtsratsvorsitzender in mehrerer Unternehmen im Ruhrgebiet. Er war auch Vorsitzender im Aufsichtsrat der Klöckner Werke AG, mit dessen Eigentümer, dem Großindustriellen Peter Klöckner, er eng befreundet war. Des Weiteren war er Vorstandsmitglied verschiedener Industrieunternehmen wie beispielsweise der Demag AG und Vorsteher des Wasserverbandes Schwammenauel, die dort die Rurtalsperre baute.

Im Juli 1945 richtete er eine Denkschrift an den britischen Field Security Service. Anders etwa als Ernst Poensgen und vor allem Walter Rohland in ihren Schriften desselben Jahres räumte er darin offen die Verführung der deutschen Bevölkerung durch nationalsozialistische Gedanken ein. Er gilt neben seinem Konkurrenten Adenauer als einer der „großen rheinischen Oberbürgermeister“.

Karl Jarres wurde zunächst in der Familiengrabstätte in Remscheid beigesetzt. 1966 wurde er auf den Duisburger Waldfriedhof umgebettet.[5]

Familie[Bearbeiten]

Eine Tochter war mit dem deutschen Kunsthistoriker Herbert von Einem verheiratet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul-Heinz Dünnebacke: Karl Jarres im Kaiserreich und in den ersten Jahren der Weimarer Republik, Münster, phil. Diss., 1975.
  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I Politiker, Teilband 3: I–L. Heidelberg 1999, S. 17–18.
  • Jürgen D. Kruse-Jarres: Karl Jarres. Ein bewegtes Politikerleben - vom Kaiserreich zur Bundesrepublik, Olzog Verlag, München 2006.
  • Karl Jarres: Memorandum an den Field Secret Service v. 12. Juli 1945, 5 S., Haniel-Archiv, 400 101
  • Otto Oppermann: Die Burschenschaft Alemannia zu Bonn und ihre Vorläufer; Geschichte einer deutschen Burschenschaft am Rhein. Bonn 1925

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karl Jarres – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vortrag von Jürgen D. Kruse-Jarres - Karl Jarres (1874 - 1951) - vom Kaiserreich zur Bundesrepublik auf der Webpage der Burschenschaft Alemannia Bonn, abgerufen am 25. April 2011.
  2. Detmar Philippi: Alemannenalbum 1969 Zum 125 Stiftungsfest der Burschenschaft Alemannia zu Bonn, 1969, S. 48
  3. Ernst Elsheimer (Hrsg.): Verzeichnis der Alten Burschenschafter nach dem Stande vom Wintersemester 1927/28. Frankfurt am Main 1928, S. 230.
  4. Frank Vollmer: Revolution und Besetzung, aus der Serie - Geschichte im Rheinland der Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 10. Juni 2008, abgerufen am 25. April 2011.
  5. Jarres ließ Hindenburg den Vortritt, Rheinische Post online (29.Juli 2008), abgerufen am 25. April 2011.