Karl Ottomar Treibmann

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Karl Ottomar Treibmann (* 14. Januar 1936 in Raun im Vogtland) ist ein deutscher Komponist und war von 1981 bis zu seiner Emeritierung 2001 Professor für Musiklehre und Tonsatz an der Universität Leipzig. Er lebt seit seiner Studienzeit in Leipzig und gehört zu den Vertretern der Moderne in der DDR, deren große Hauptwerke in den Bereichen Oper, Sinfonie und Kammermusik zu finden sind.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Karl Ottomar Treibmann gehört zu jener Komponistengeneration, die den Ausgang des Zweiten Weltkrieges als Kind erlebten. Er ging in Oelsnitz/Vogtl. zur Schule und erhielt wichtige Impulse vom dortigen Kantor und Straube-Schüler Paul Leo.

Von 1954 bis 1959 studierte er Musikpädagogik bei Richard Petzold und Hellmuth Christian Wolff und Germanistik bei Theodor Frings, Hermann August Korff und Hans Mayer an der Universität Leipzig. Von 1967 bis 1970 absolvierte er bei Fritz Geißler und Carlernst Ortwein (Instrumentation) an der Hochschule für Musik Leipzig zusätzlich ein Kompositionsstudium. In dieser Zeit hatte Treibmann erkannt, dass seine wahre Berufung im Komponieren bestehen sollte. Sein kompositorischer Werdegang führte ihn von 1974 bis 1975 zu Paul Dessau nach Berlin, bei dem er an der Akademie der Künste der DDR ein Meisterschülerstudium von Leipzig aus antrat.

Seine Promotion zum Dr. phil. verfasste Treibmann 1966, neben dem laufenden Lehrbetrieb, über den Komponisten Helmut Bräutigam. Parallel arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Seit 1959 war Treibmann als Musikpädagoge in Zschortau und Delitzsch tätig, 1976 wurde er Dozent für Musiklehre und Tonsatz und 1981 Professor am Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig. Im Jahr 2001 emeritierte er.

Von 1985 bis 1989 war er Bezirksvorsitzender des Verbandes der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR und ab 1990 Regionalvorsitzender des Verbands Deutscher Komponisten.

Bis in die Gegenwart hinein ist Treibmann aktiv kompositorisch tätig. Zu seinen Werken gehören die Opern „Der Idiot“ (Dostojewski/Gerlach), „Der Preis“ (Gerlach) sowie „Scherz, Satire, Ironie“ (Grabbe/Gerlach). Als Ergebnis seiner langjährigen Arbeit mit Studenten im Tonsatzunterricht und seiner Tätigkeit als Künstler entstand für jene sowie weiterführend für angehende Komponisten sein inzwischen neu aufgelegtes Buch „Strukturen in neuer Musik. Anregungen zum zeitgenössischen Tonsatz“. Zu seinen neueren kompositorischen Experimenten zählt Hölderlin, Briefe und Dichtungen für Bariton, Flöte und Klavier, Uraufführung 1992, erschienen im Verlag K.-J. Kamprad, Altenburg, eingespielt bei querstand als CD. Sein allsommerlicher Wechsel zwischen Stadt und Land, zwischen Leipzig und seiner Heimat im Vogtland blieb bis heute Inspirationsquelle, Ruhepol und Aktivator für Treibmanns Kompositionen, deren Klänge und Formen nicht zuletzt dort verankert sind.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Kompositionen (Auswahl)[Bearbeiten]

Opern[Bearbeiten]

  • 1978: Der Preis (Text: Harald Gerlach), Oper in 1 Akt, UA Städtische Bühnen, 1980 Erfurt
  • 1986: Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung (Text: Harald Gerlach/Christian Dietrich Grabbe), Komische Oper, UA Städtische Bühnen, 1987 Erfurt
  • 1987: Der Idiot (Text: Harald Gerlach/Fëdor Dostoevskij), Oper in 7 Bildern, UA Gewandhausorchester (Leitung: Kurt Masur), Opernhaus, 1988 Leipzig

Sinfonien[Bearbeiten]

Orchestermusik[Bearbeiten]

  • 1971: Capriccio für Orchester, UA Hallesche Philharmonie, 1974 Halle
  • 1973: Konzert für Violine und Orchester, UA György Garay und Rundfunk-Sinfonieorchester Leipzig (Leitung: Horst Neumann), 1974 Leipzig
  • 1982: Hymnus, UA MDR Sinfonieorchester (Leitung: Fabio Luisi), 2002 Köln

Kammermusik[Bearbeiten]

Chormusik[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Helmut Bräutigam. Ein Komponist und Musikerzieher in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit umfassendem Werkverzeichnis. Dissertation, Leipzig 1966.
  • Strukturen in neuer Musik. Anregungen zum zeitgenössischen Tonsatz. Deutsche Verlag für Musik, Leipzig 1981, ISBN 978-3-370-00001-6.

Literatur[Bearbeiten]

  • Treibmann, Prof. Dr. Karl Ottomar. In: Wilfried W. Bruchhäuser: Komponisten der Gegenwart im Deutschen Komponisten-Interessenverband. Ein Handbuch. 4. Auflage, Deutscher Komponisten-Interessenverband, Berlin 1995, ISBN 3-55561-410-X, S. 1305.
  • Treibmann, Karl Ottomar. In: Paul Frank, Wilhelm Altmann: Kurzgefaßtes Tonkünstlerlexikon. Zweiter Teil: Ergänzungen und Erweiterungen seit 1937. Band 2, Heinrichshofen, 15. Auflage, Wilhelmshaven 1978, ISBN 3-7959-0087-5, S. 370.
  • Treibmann, Karl Ottomar. In: Peter Hollfelder: Klaviermusik. Internationales chronologisches Lexikon. Geschichte. Komponisten. Werke. Supplement, Noetzel, Wilhelmshaven 2005, ISBN 3-7959-0855-8, S. 222.
  • Udo Klement: Karl Ottomar Treibmanns Chorsinfonie „Der Frieden“. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Karl-Marx-Universitat Leipzig 35 (1986) 3, S. 1–7 (Beilage). (Digitalisiert; PDF; 3,9 MB)
  • Ulrike Liedtke: Treibmann, Karl Ottomar. In: Stanley John Sadie (Hrsg.): The New Grove Dictionary of Music and Musicians. Band 25, Macmillan, London [u.a.] 2001, ISBN 0-333-60800-3, S. 713.
  • Ulrike Liedtke: Karl Ottomar Treibmann. Klangwanderungen. Verlag Klaus-Jürgen Kamprad, Altenburg 2004, ISBN 3-930550-32-6 (erste ausführliche Monographie über Karl Ottomar Treibmann)
  • Ulrike Liedtke: Karl Ottomar Treibmann. In: Komponisten der Gegenwart (KDG). Edition Text & Kritik, München 1996, ISBN 978-3-86916-164-8.
  • Ulrike Liedtke: Treibmann, Karl Ottomar. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG). Band 16, Bärenreiter, Kassel [u.a.] 2006, S. 1023–1025.
  • Karl Ottomar Treibmann. In: Sigrid Neef, Hermann Neef: Deutsche Oper im 20. Jahrhundert. DDR 1949–1989. Lang, Berlin 1992, S. 468ff., ISBN 3-86032-011-4.
  • Gerd Rienäcker: „Der Preis“, Oper von Karl-Ottomar Treibmann. In: Musik und Gesellschaft 30 (1980), S. 651–657.

Weblinks[Bearbeiten]