Delitzsch
| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Sachsen | |
| Direktionsbezirk: | Leipzig | |
| Landkreis: | Nordsachsen | |
| Höhe: | 94 m ü. NN | |
| Fläche: | 83,57 km² | |
| Einwohner: |
26.344 (31. Dez. 2010)[1] |
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| Bevölkerungsdichte: | 315 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 04509 | |
| Vorwahl: | 034202 | |
| Kfz-Kennzeichen: | TDO | |
| Gemeindeschlüssel: | 14 7 30 070 | |
| Stadtgliederung: | Kernstadt und 15 Ortsteile | |
| Adresse der Stadtverwaltung: |
Markt 3 04509 Delitzsch |
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| Webpräsenz: | ||
| Oberbürgermeister: | Manfred Wilde (parteilos) | |
| Lage der Stadt Delitzsch im Landkreis Nordsachsen | ||
Delitzsch (ˈdeːlɪtʃ, slawisch: delč oder delčz für Hügel) ist eine Große Kreisstadt und ein Mittelzentrum im Freistaat Sachsen. Mit mehr als 26.300 Einwohnern ist sie die größte Stadt im Landkreis Nordsachsen. Sie gehört zum Ballungsraum Leipzig-Halle und ist ein Teil der Metropolregion Mitteldeutschland.
Archäologische Spuren auf dem späteren Stadtgebiet deuten auf eine Besiedlung schon in der Jungsteinzeit hin. In erhaltenen Urkunden wurde Delitzsch 1166 erstmals erwähnt und entwickelte sich zur kurfürstlichen Residenz im 17./18. Jahrhundert. Vom Reichtum der Stadt im Spätmittelalter zeugt vor allem die sehr gut erhaltene Altstadt, die mit ihren vielen Plätzen, Bürger- und Patrizierhäusern, Stadttürmen, dem Barockschloss und der Stadtbefestigung zu den am besten erhaltenen Sachsens gehört.
Durch die gute Verkehrsanbindung auf Straße und Schiene ist Delitzsch einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte im Landkreis Nordsachsen. Aufgrund der Nähe zu den Erholungs-, Naturschutz- und Seengebieten nördlich und südlich der Stadt ist Delitzsch ein beliebtes Sport- und Freizeitzentrum.
[Bearbeiten] Geographie
[Bearbeiten] Lage und Ausdehnung des Stadtgebiets
Delitzsch liegt nahe der sächsischen Nordgrenze zu Sachsen-Anhalt auf einer Höhe von 94 m ü. NN. Die Stadt bildet als Mittelzentrum im Verdichtungsraum den nördlichsten Rand des Landkreises Nordsachsen und der Leipziger Tieflandsbucht und grenzt dort an das Heide-, Seen- und Erholungsgebiet Goitzsche. Östlich von Delitzsch befindet sich die Dübener Heide im Elbe-Mulde-Tiefland. Weiter südlich grenzen die durch den Braunkohleabbau entstandenen Werbeliner und Schladitzer Seen an das Gebiet der Stadt Delitzsch, westlich der Stadt liegt der Saalekreis. Durch Delitzsch fließt aus südlicher Richtung der circa 30 Kilometer lange Lober, der mehrere städtische Gräben (beispielsweise den Wallgraben) speist und nördlich der Stadt in die Mulde mündet.
Das Stadtgebiet von Delitzsch misst in der größten Nord-Süd-Ausdehnung 11,1 Kilometer und in der Ost-West-Ausdehnung 12,4 Kilometer. Die Gesamtfläche der Stadt beträgt 83,57 Quadratkilometer und setzt sich aus 3550 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und 545 Hektar Wald zusammen. Gewässer bedecken 275 Hektar, öffentliche Verkehrsflächen 290 und die Erholungs- und Grünflächen 385 Hektar.[2]
[Bearbeiten] Geologie
Die größtenteils in der Leipziger Tieflandsbucht liegende Stadt entstand im Zeitalter des Tertiärs. Als sich das Erzgebirge und das Vogtland erhoben, bildete sich als Ausgleich eine flache Ebene, in der sich Verwitterungsmaterial der Gebirge ablagerte. Dadurch entstand auf dem heutigen Gebiet der westlichen Altstadt eine Bodenerhebung als eiszeitlicher Sandrücken inmitten der alten Loberaue.[3] Organisches Material wurde durch Moorbildung und Überflutungen überlagert und bildete in darauf folgender Zeit Sedimentschichten. Aus diesen Überlagerungen bildete sich Braunkohle, überdeckt von Parabraunerde aus Löss beziehungsweise Sandlöss.[4] Durch die Rekultivierung alter Braunkohleabbaustandorte entstanden und entstehen in der Region viele Seen-, Naturschutz- und Heidegebiete, die allmählich das Gesicht der Landschaft verändern.
Die Höhenlage Delitzschs variiert im Stadtgebiet um etwa 22 Meter, wobei die höheren Teile im Süden und die tieferen im Norden der Stadt liegen. Sie reicht von 80 Meter über Normalnull am tiefsten Punkt dem Neuhäuser See bei Petersroda bis zu 102 Meter an der Lober bei Brodau, der höchsten natürlichen Lage im Stadtgebiet.
[Bearbeiten] Nachbarstädte und -gemeinden
An das Stadtgebiet von Delitzsch grenzen die Städte Sandersdorf-Brehna und Bitterfeld-Wolfen im zu Sachsen-Anhalt gehörenden Landkreis Anhalt-Bitterfeld im Norden sowie die zum Landkreis Nordsachsen gehörenden Gemeinden Löbnitz im Nordosten, Schönwölkau im Osten, Rackwitz im Süden und Neukyhna im Westen.
Nachbarstädte sind Leipzig, etwa 20 Kilometer südlich, Halle, etwa 30 Kilometer westlich, Bitterfeld-Wolfen, etwa 15 Kilometer nördlich, Bad Düben, etwa 20 Kilometer nordöstlich und Eilenburg, etwa 25 Kilometer südöstlich.
[Bearbeiten] Stadtgliederung
Delitzsch ist in die Kernstadt und fünfzehn Ortsteile gegliedert.[5] Die Ortsteile sind historisch gewachsen, wurden als vorher selbstständige Gemeinden oder Gemarkungen eingegliedert oder sind bei der jüngsten Gemeindereform in den 1990er Jahren der Stadt zugeschlagen worden. Fünf der fünfzehn Ortsteile verfügen über je einen von der Bevölkerung gewählten Ortschaftsrat, der nach der Einwohnerzahl zwischen fünf und sieben Mitglieder haben kann.[6]
Zur Kernstadt gehört neben der historischen Altstadt auch die Neustadt, welche den historischen Stadtkern voll umschließt, jedoch seine größte Ausdehnung östlich der Altstadt hat. Zu den Ortsteilen zählen Beerendorf, Benndorf, Brodau, Döbernitz, Gertitz, Kertitz, Laue, Poßdorf, Rödgen, Schenkenberg, Selben, Spröda, Storkwitz, Werben und Zschepen. Dicht bebaut sind neben der Kernstadt die Ortsteile Döbernitz, Beerendorf, Schenkenberg und Selben. Die weiteren Ortsteile sind dünner besiedelt und teils deutlich von der Landwirtschaft geprägt.
[Bearbeiten] Klima
Die Stadt Delitzsch liegt in der gemäßigten Klimazone, im Übergangsbereich vom Seeklima aus Westeuropa zum Kontinentalklima aus Osteuropa. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,4 Grad Celsius, die jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 516 mm. Die wärmsten Monate sind Juli mit 18 und August mit 17 Grad Celsius, die kältesten Dezember bis Februar mit Temperaturen zwischen −1 und 1 Grad Celsius Durchschnittstemperatur. Der meiste Niederschlag fällt in den Sommermonaten Juni bis August mit einem Spitzenwert von 72 mm im Juli. Im Februar fällt der geringste Niederschlag mit 27 mm, in den anderen Wintermonaten liegt er etwa bei durchschnittlich 30 mm. Die Zahl der durchschnittlichen Sonnenstunden pro Tag schwankt zwischen einer (November/Dezember/Januar) und sieben Stunden (Juni/Juli). Im Jahr 2010 war Delitzsch mit insgesamt 1768 Sonnenstunden der sonnigste Ort im gesamten Freistaat Sachsen.[7]
Der Regenschatten des Harzes erreicht im Delitzscher Stadtgebiet seine südöstliche Grenze. Nach Süden schließen sich die Regenstaulagen des Erzgebirges an. Dies äußert sich in einem bedeutenden Niederschlagsgradienten in der Umgebung der Stadt, aber auch innerhalb des Stadtgebietes. Die tiefste bisher gemessene Temperatur war −26,3 Grad Celsius am 7. Januar 2009, die höchste 38,2 Grad Celsius während der Hitzewelle 2003. Die nächstgelegene Wetterstation befindet sich im südlich benachbarten Leipzig und registriert ähnliche Wetterverhältnisse.[8]
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Klimadaten von Delitzsch
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[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Frühgeschichte und erste Besiedlung
Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung im Raum Delitzsch reichen bis in die Steinzeit zurück. Der älteste Überrest aus dieser Zeit ist ein Fragment eines Idols aus der Zeit von vor 5100 v. Chr., das einer frühbäuerlichen Kultur entstammt und im August 2003 bei Ausgrabungen am Ortsausgang von Zschernitz gefunden wurde.[9] Die Funde in der Delitzscher Gemarkung beginnen mit der Jungsteinzeit, einer Periode, in der sich mit dem Übergang zur Sesshaftigkeit dorfähnliche Siedlungen gebildet haben.
Ab dem späten 6. Jahrhundert siedelten sich zunächst entlang der Elbe, im Verlauf des 7./8. Jahrhunderts auch entlang des westlichen Muldegebiets, slawische Bevölkerungsgruppen an. Delitzsch lag damals im Zentrum eines natürlich begrenzten, etwa 270 Quadratkilometer großen Siedlungsgebietes an der mittleren Mulde, zu dem etwa 100 kleinere weilerartige Siedlungen gehörten. Dessen Bewohner bezeichneten sich vermutlich als Siusli. Die Slawen zwischen Saale und Mulde schlossen spätestens Ende des 8. Jahrhunderts zu dem Stammesverband der Sorben (lat. sorabi sclavi) zusammen. Günstige Geländebedingungen auf einem vom Lober umflossenen Höhensporn und eine von West nach Ost verlaufende Fernhandelsstraße, führten im 9. Jahrhundert zur Gründung einer slawischen Burganlage auf dem Gelände des heutigen Schlossgartens.
[Bearbeiten] Urkundliche Erwähnung und Entwicklung im Mittelalter
Mit der Eingliederung der Gebiete zwischen Saale und Elbe unter den Königen Heinrich I. und Otto I. in das Ostfrankenreich wurde die hölzerne Slawenburg Mitte des 10. Jahrhunderts auf Befehl deutscher Ministerialen durch einen steinernen Burgward ersetzt.[3] Im Schutz dieser erweiterten Burg kam es um 1140/50 zur Gründung einer planmäßig angelegten frühstädtischen Slawensiedlung, die sich über das Gelände der heutigen Ritter-, Halleschen-, Schloss- und Mühlstraße sowie über einen Teilabschnitt der Mauergasse erstreckte.[10] Erstmals urkundlich erwähnt wurde Delitzsch am 20. August 1166 in einer Urkunde Friedrichs I..[11] Um 1200 entwickelte sich der Burgward zum Sitz eines unteren Gerichtsbezirks. Für die Jahre 1207, 1222 und 1224 sind drei Gerichts-, Landding- und Lehntage der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen urkundlich nachgewiesen.[12][13] Zudem diente er als Verwaltungs-, Vogtei- und Gerichtssitz sowie als Reiseresidenz der Wettiner. Begünstigt durch diese Voraussetzungen, bildete die Stadt für die ländliche Bevölkerung der engeren und weiteren Umgebung einen zentral gelegenen Marktort, dem um 1200 das Markt- und Stadtrecht von den wettinischen Landesherren verliehen wurde.[3] In der Folgezeit erlangte der Ort aufgrund seiner großen Anzahl von Hausstellen und der wachsenden Bevölkerung erweiterte Rechte und Qualitäten, zu denen beispielsweise das Mauerrecht, das Abdeckerei- und Braurecht sowie das Recht auf ein eigenes Scheffelmaß gehörte. Im Jahr 1376 kam zunächst pachtweise, ab 1423 endgültig die hohe Gerichtsbarkeit und das Geleitrecht hinzu.[14]
Zum Schutz vor Plünderungen und Brandschatzungen kam es Ende des 14. Jahrhunderts und Anfang des 15. Jahrhunderts zur Errichtung einer massiven Wehranlage, bestehend aus Stadtmauer, Stadttürmen, Zwinger, Wassergaben und Wall. Delitzsch lag in der Markgrafschaft Meißen, die 1439 im Kurfürstentum Sachsen aufging. Das Kurfürstentum wurde bereits 1485 durch die beiden Brüder Albrecht der Beherzte und Ernst mit der Leipziger Teilung aufgeteilt.[15] Delitzsch gehörte danach zum Herzogtum Sachsen, zu dessen Hauptstadt Dresden bestimmt wurde.
[Bearbeiten] Reformation und Herzogtum Sachsen-Merseburg
Durch die sächsischen Kurfürsten unterstützt, wurde die Reformation 1539 durch Herzog Heinrich auch in Delitzsch eingeführt. Delitzsch war auch vom Schmalkaldischen Krieg 1546 und 1547 betroffen, in dem es für Delitzsch und Sachsen vorrangig um die Gleichstellung der protestantischen Konfession ging. In Folge der Neuordnung des albertinischen Territoriums durch Kurfürst Moritz kam die Stadt zum Leipziger Kreis des Kurfürstentums Sachsen.
Der Dreißigjährige Krieg hinterließ auch in Delitzsch seine Spuren. Blieb die Stadt zunächst von Kampfhandlungen verschont, musste man dennoch die katastrophalen wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges hinnehmen. Ab dem Jahr 1636 wurde die Stadt direkt in den Krieg einbezogen und zum Ziel von schwedischen Söldnerverbänden. Zwar blieb die Altstadt von Plünderungen und Bränden weitgehend verschont, die Neustadt wurde jedoch fast völlig zerstört. Zudem schleppten durchziehende und einquartierte Truppen todbringende Krankheiten in die durch Flüchtlinge übervölkerte Stadt. Allein im Jahr 1637 starben rund 881 Menschen, davon 300 an Hunger.[16] Einer Sage nach wurde die Stadt Delitzsch im Jahr 1637 von der damaligen Türmerstochter gerettet, die durch das Trompetenblasen der so genannten Schwedensignale die Bevölkerung vor der nahenden Gefahr durch die Schweden gewarnt haben soll.[17]
Als 1656 der sächsische Kurfürst Johann Georg I. starb, wurde nach seinem Testament von 1652 eine faktische Landesteilung Sachsens durchgeführt. So gab es neben dem weiter bestehenden Restkurfürstentum noch drei sogenannte Sekundogenituren, zu denen auch das Herzogtum Sachsen-Merseburg mit dem Gebiet um Delitzsch gehörte. Dieses Herzogtum kam unter die Herrschaft von Herzog Christian I., der das alte Bischofsschloss in Merseburg zu seiner Residenz und das Delitzscher Schloss zum künftigen Witwensitz seiner Gemahlin ausbauen ließ. Der Umbau vom Renaissance- zum Barockschloss begann am 24. Juni 1689 und war am 13. Mai 1696 abgeschlossen.[18] Jedoch zog die bereits verwitwete Herzogin Christiana von Sachsen-Merseburg mit ihrem Hofstaat von 28 Personen bereits am 31. Mai 1692 in das Schloss ein und ließ noch im selben Jahr den Schlossgarten nach französischen Vorbildern vom Hofgärtner Andreas Gotthard Carl südwestlich des Schlosses anlegen. Zur größten Feuersbrunst in der Geschichte von Delitzsch kam es im Jahr 1661. Dabei fiel der gesamte Westteil der Neustadt den Flammen zum Opfer. Knapp 120 Menschen verloren dabei ihr Leben und rund 75 Häuser wurden zerstört.
Nach dem Tod der Herzogin Christiana im Jahr 1701 nutzte das Merseburger Herzoghaus das Schloss nur noch ab und zu als Reiseresidenz. Erst von 1731 bis 1734 wurde mit dem Einzug der Herzogin Herzogin Henriette Charlotte, Witwe des Herzogs Moritz Wilhelm von Sachsen-Merseburg, das Barockschloss wieder regelmäßig als Residenz genutzt. Nach dem Tod des Herzogs im Jahr 1731 und der Herzogin im Jahr 1734 fiel das Sekundogenitur Sachsen-Merseburg 1738 wieder an das Kurfürstentum Sachsen zurück, da das Ehepaar keine Nachkommen hatte.
Von 1728 bis 1810 gehörte auch Delitzsch zu den sächsischen Garnisonsstädten. Während des Siebenjährigen Krieges wurde Delitzsch von 1756 bis 1763 mehrfach abwechselnd von den Österreichern und Preußen besetzt.
[Bearbeiten] Delitzsch als preußische Provinzstadt
Im Jahre 1813 fand die Völkerschlacht bei Leipzig im Zuge der sogenannten Befreiungskriege statt. Die verbündeten Heere der Österreicher, Preußen, Russen und Schweden brachten in dieser Schlacht Napoleons Truppen und deren Verbündeten, darunter das Königreich Sachsen, die entscheidende Niederlage bei, die schließlich zur Verbannung Napoleons auf die Insel Elba führte. Nach der Niederlage Napoleons gehörte Delitzsch zu dem Gebiet, das Sachsen nach den Bestimmungen des Wiener Kongresses 1816 an Preußen abtreten musste. Nach den Gebietsänderungen infolge des Wiener Kongresses wurde Delitzsch zur Kreisstadt des neugebildeten gleichnamigen Kreises erhoben.
Bestimmend für die Wirtschaft blieb nach wie vor das städtische Innungshandwerk. Die städtischen Unternehmen begannen sich aus der individuellen Produktion im Familienbetrieb in die neu entstandenen Manufakturen zu etablieren. In dieser neuen Produktionsform mit freien Lohnarbeitern kam es zur Gründung neuer Unternehmen. Dazu zählten neben der Tabakherstellung auch die Chemie-, Textil- und Lebensmittelindustrie. Jedoch verloren auch viele kleine Handwerker und Gewerbetreibende ihre Existenzgrundlage, weil sie mit der fortschreitenden Industrialisierung nicht mithalten konnten. In diesem Sinne rief der Delitzscher Hermann Schulze ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine Hilfsaktion ins Leben, die den in Not geratenen Handwerkern zugutekommen sollte. Nach den Grundsätzen der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung gründete er am 8. August 1849 mit anderen Initiatoren die erste Krankenkasse, die erst 1899 aufgelöst wurde, als eine staatliche Sozialkasse entstand. Sie wirkte mit ihren Nachfolgegründungen beispielgebend für die Bismarck’sche Sozialpolitik.[19] 1848/49 gründete Schulze die erste Rohstoffassoziation für Tischler und Schuhmacher und am 10. Mai 1850 den ersten Vorschussverein − den Vorläufer der heutigen Volksbanken.[20]
Begünstigt von einem dichten Städte-, Straßen- und Wassernetz, den Rohstoffvorkommen an Kohle, Ton, Salz und Erz sowie der relativ großen Bevölkerungsdichte, bot die Region um Delitzsch für Investitionen gute Ausgangsbedingungen. Nach gescheiterten Braunkohleabbauversuchen im Jahr 1855 in der westlichen Gemarkung von Delitzsch kam es Mitte des 19. Jahrhunderts zur Entstehung eines dichten Eisenbahnnetzes im mitteldeutschen Raum. Durch die Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Berlin – Magdeburg – Leipzig mit dem Haltepunkt Unterer Bahnhof im Jahr 1858 und der Eisenbahnstrecke Halle – Eilenburg – Sorau mit dem Haltepunkt Oberer Bahnhof im Jahr 1872 hatte Delitzsch nun Anschluss an das überregionale Eisenbahnnetz Sachsens.[21] Mit dem Anschluss an das Gleisnetz und dem damit verbundenen Zugang zu den Braunkohlerevieren nahe Bitterfeld beschleunigte sich nicht nur die Mobilität der Bürger, sondern auch die Konzentration von Gewerbe und Industrie im städtischen Raum.
[Bearbeiten] Erster Weltkrieg und Nationalsozialismus
Der Erste Weltkrieg ließ auch in Delitzsch weitere wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen stagnieren. Der größte Teil der wehrfähigen Männer von Delitzsch wurde zum kaiserlichen Heer eingezogen. Von ihnen verloren rund 560 auf den Schlachtfeldern Europas ihr Leben.[22] Nach dem Krieg wurde Delitzsch ab November 1918 nochmals für kurze Zeit Garnisonsstandort. Ab 1928 verhandelte die Stadt Delitzsch mit der Regierung in Merseburg über den Ankauf des Schlosses und des umliegenden Areals. Der Kaufvertrag wurde zwar 1929 abgeschlossen, nur verhinderte im gleichen Jahr die Weltwirtschaftskrise alle weiteren Maßnahmen.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde wie überall im Deutschen Reich die jüdische Bevölkerung systematisch entrechtet. Auch in Delitzsch kam es am Folgetag der Reichskristallnacht zu Übergriffen gegen jüdische Geschäfte und Einrichtungen und zur Zerstörung der Begräbniskapelle auf dem jüdischen Friedhof in der Hainstraße. Die beginnende Aufrüstung im Dritten Reich machte sich nicht nur durch die Einführung der Wehrpflicht im Jahr 1935 bemerkbar, sondern zeigte auch Auswirkungen im Ausbau militärischer Anlagen und Zulieferbetriebe für die Rüstungsindustrie. In diesem Zusammenhang kam es 1939/40 zum Bau eines Militärflugplatzes bei Spröda.[23] Des Weiteren wurde 1939 auch ein Blankstahlwerk gebaut, welches auch zur Herstellung von Montageteilen für Kampfflugzeuge genutzt wurde.
Abgesehen von der Zerstörung des Unteren Bahnhofes und des Militärflugplatzes blieb die Stadt im Zweiten Weltkrieg verschont.[23] Noch bevor das Dritte Reich unter der militärischen Überlegenheit der alliierten Truppen im Mai 1945 kapitulierte, wurde Delitzsch am 20. April von amerikanischen Truppen besetzt.[23] Sie hatten sich, aus Richtung Halle kommend, der Stadt genähert, die ihnen dann weitestgehend kampflos und für beide Seiten ohne Verluste übergeben wurde. Die US Army wurde am 1./2. Juli 1945 von der Roten Armee abgelöst, die bis Mitte der Fünfziger in Delitzsch stationiert blieb.
[Bearbeiten] Nachkriegszeit und DDR
Zwischen 1948 und 1972 wurden mehrere städtische Unternehmen, wie das Ziehwerk oder die Firma Delicia, enteignet und in sogenanntes Volkseigentum der DDR umgewandelt. Durch die Verwaltungsreform von 1952 in der DDR wurde die seit 1946 zur Provinz Sachsen-Anhalt gehörende Stadt Delitzsch Sitz des neu gebildeten Kreises Delitzsch im Bezirk Leipzig. Der Kreis ging am 25. Juli 1952 durch Teilung aus dem Landkreis Delitzsch hervor.[24]
Parallel dazu gab es auch tiefgreifende städtebauliche Veränderungen. Ab 1958 schuf die Delitzscher Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft nach einem eigenen Bauprogramm das Neubaugebiet Delitzsch-Ost mit etwa 2000 Ein- und Mehrfamilienhäusern in einfacher Bauweise.[25] Ab 1974 folgten Ersatzwohnungen für die Einwohner aus den durch Erweiterung und Neuaufschluss von Braunkohle-Großtagebauen abgebrochenen Dörfern des Kreisgebietes. In diesem Zusammenhang wurden auch mehrere Kaufhallen, medizinische Einrichtungen, Schulen und Kindereinrichtungen geschaffen.
Ab 1986 entstand das letzte Neubaugebiet Delitzsch-West, während die Bausubstanz der Alt- und Innenstadt verfiel. Dies führte dazu, dass außer für Reparaturen kaum noch Investitionen vorgenommen wurden und schließlich aus diesem Grund die Einwohnerzahl besonders in der Altstadt stark zurückging. So kam es ab 1970 zu ersten flächendeckenden Abrissen am Markt und ab 1984 auch in der Holzstraße. Weitere großflächige Abrisse waren geplant, konnten aber durch die politische Wende von 1989 verhindert werden.[26]
Ab November 1989 zeigte sich auch in Delitzsch die Umbruchstimmung durch Friedensgebete in der Stadtkirche und anschließende friedliche Demonstrationen, an denen mehrere Tausend Personen teilnahmen. Es bildete sich ein Runder Tisch, an dem vor allem über regionale Aspekte diskutiert wurde.
[Bearbeiten] Wiedervereinigung und 21. Jahrhundert
Im wieder gegründeten Freistaat Sachsen wurde am 1. August 1994 im Zuge der Kreisreform aus dem Kreis Delitzsch und dem Kreis Eilenburg der neue Landkreis Delitzsch im Regierungsbezirk Leipzig. Dabei behielt die Stadt die Funktion als Kreissitz. Im Jahr 1995 wurden zur Erschließung des Stadtgebiets zwei Gewerbe- und Industriegebiete mit einer Fläche von etwa 1.057.000 Quadratmetern geschaffen, die seitdem zum Kauf und zur Verpachtung angeboten werden.[27]
Am 1. Januar 1997 erhielt Delitzsch den kommunalrechtlichen Status Große Kreisstadt. Im Jahr 2004 wurden große Teile des innerstädtischen Sanierungsprogramms im Rahmen des Denkmalschutzes mit der Rekonstruktion von Bürgerhäusern, öffentlichen Gebäuden und der städtischen Infrastruktur erfolgreich abgeschlossen. Hierzu zählte auch die Wiederherstellung des Barockgartens im Jahr 2000 und die Wiedereröffnung des Wahrzeichens der Stadt, des Barockschlosses, im Jahr 2005.
Im Verlauf der sächsischen Kreisgebietsreform von 2008 fusionierten der Landkreis Delitzsch und der Landkreis Torgau-Oschatz am 1. August 2008 zum jetzigen neuen Landkreis Nordsachsen mit Sitz in Torgau. Seitdem ist Delitzsch einer von vier Kreisverwaltungsstandorten Nordsachsens.
Seit 2005 nimmt Delitzsch erfolgreich an Projekten bezüglich Energieeffizienz und Klimaschutz teil. Bereits 2006 war Delitzsch Träger des European Energy Awards in Silber und blieb auch dieser im Jahr 2010. Des Weiteren gewann die Stadt im September 2010, in Kooperation mit dem Institut für Infrastruktur und Ressourcenmanagement der Universität Leipzig, den Wettbewerb Energieeffiziente Stadt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).[28] Seit 2011 ist Delitzsch zudem Drittplatzierter bei der BioEnergie-BundesLiga und auf Rang 1 der Solarbundesliga, in der Länderwertung Sachsen.[29][30]
[Bearbeiten] Eingemeindungen
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Stadtgebiet um die heutigen Stadtteile und ehemals selbstständigen Dörfer Gertitz, Kertitz und Werben im Jahr 1950 erweitert. Von Sachsen-Anhalt kam zum 1. Januar 1976 die Gemeinde Paupitzsch hinzu, die infolge des Braunkohleabbaus wenige Jahre später verschwand, deren Fläche aber noch zu Delitzsch gehört. Dieses Schicksal hatten auch andere Ortschaften im Kreis Delitzsch; von 1974 bis 1992 wurden sieben Dörfer devastiert und nach Delitzsch umgesiedelt (siehe Liste abgebaggerter Ortschaften).[31] Im Zuge der Sächsischen Gebietsreform kam es 1994 und 1996 zu einer wesentlichen Erweiterung des Stadtgebietes. So kamen am 1. März 1994 Benndorf und Laue[32], ab dem 1. Januar 1996 die Dörfer und Ortsteile Poßdorf, Rödgen, Schenkenberg, Spröda und Storkwitz hinzu.[33] Die jüngste Erweiterung des Stadtgebietes ist die Aufnahme der Gemeinde Döbernitz (mit den am 1. Januar 1994 eingegliederten Orten Beerendorf, Brodau und Selben, letzterer mit dem am 1. Juli 1950 eingemeindeten Ort Zschepen) am 1. März 2004 auf Beschluss des Stadt- und Gemeinderats von Delitzsch und Döbernitz.[34]
[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung
Im Spätmittelalter war Delitzsch nur eine kleine Gemeinde mit etwa 1.300 Einwohnern. Ab der frühen Neuzeit stieg die Bevölkerungszahl jedoch kontinuierlich an, sodass zu Beginn der Industriellen Revolution um 1850 bereits rund 5.500 Menschen in Delitzsch lebten. In den darauffolgenden Jahrzehnten stieg die Bevölkerungszahl jedoch nur langsam an, da die Industrialisierung in Delitzsch nicht so stark einsetzte wie vergleichsweise in anderen sächsischen Städten. Erst in der Zeit zwischen 1890 und 1930 kam es zu einem stärkeren Bevölkerungswachstum, als insbesondere die Eisenbahn- und Lebensmittelindustrie für einen hohen Industrialisierungsgrad sorgten. Auch die Verbesserung der technischen Infrastruktur, durch den Bau eines Wasser- und Gaswerks sowie eines Krankenhauses, führten zum Anstieg der Einwohnerzahl. Bis kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Einwohnerzahl nochmals um knapp 8.600 Einwohner, von rund 16.500 Einwohnern im Jahr 1933, auf rund 25.100 im Jahr 1946. Gründe dafür waren neben immigrierten osteuropäischen Flüchtlingen auch die Vermeidung von Verteidigungsschlachten gegen die Besetzung der Stadt von amerikanischen Truppen im April 1945. Nach einem Rückgang der Bevölkerung in den fünfziger und sechziger Jahren stieg die Einwohnerzahl in den siebziger Jahren wieder auf etwa 24.500 Einwohner. Dieser Trend setzte sich auch in den achtziger Jahren fort, sodass am 31. Dezember 1988 mit fast 28.400 Einwohnern der historische Höchststand erreicht wurde. Somit gewann Delitzsch zu DDR-Zeiten rund 3.300 Einwohner. Nach der Deutschen Wiedervereinigung setzte zunächst ein kurzer Rückgang der Bevölkerung ein, der aber schon Mitte der 1990er Jahre durch Ansiedlung neuer Unternehmen und die Erschließung von Gewerbegebieten gebremst werden konnte. Bis zur Jahrhundertwende blieb die Einwohnerzahl recht stabil. Das Elbhochwasser von 2002, bei dem auch die nahe gelegene Mulde betroffen war, führte in den Jahren 2002 und 2003 dazu, dass geschädigte Einwohner des Delitzscher und Eilenburger Umlands in die Stadt zogen. Durch diesen Umstand gewann Delitzsch 2003 gegenüber 2001 nochmals rund 2.400 Einwohner und knackte damit im Jahr 2003 nochmals die 28.000 Einwohnermarke. Seitdem schrumpft die Einwohnerzahl von Delitzsch wieder langsam, was zum einen in der Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen und zum anderen durch eine evidente Diskrepanz zwischen Zu- und Wegzügen begründet ist.
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Datenquelle ab 1998: Statistisches Landesamt Sachsen
1 29. Oktober
2 31. August
3 1. Januar
[Bearbeiten] Religionen
Die Bevölkerung der Stadt Delitzsch gehörte bis zur Reformation zum Bistum Merseburg. Im 15. und 16. Jahrhundert entstanden in Delitzsch die St. Peter und Paul-Kirche, die Marienkirche und die Hospitalkirche.
Erste lutherische Predigten wurden bereits 1523 abgehalten. 1539 wurde die Reformation durch Herzog Heinrich auch in Delitzsch eingeführt. Gegenwärtig gehören alle lutherischen Kirchengemeinden der Stadt zum Kirchenbezirk Torgau-Delitzsch der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, zur altkonfessionellen Evangelisch-Lutherischen Freikirche oder zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Ab 1697 gab es in Delitzsch auch wieder katholische Gottesdienste. Innerhalb der Katholischen Kirche gehört Delitzsch zum Dekanat Torgau im Bistum Magdeburg. Katholische Hauptkirche der Stadt ist St. Marien in der Lindenstraße. Seit 1700 besteht in Delitzsch auch eine evangelisch-reformierte Gemeinde, die zur Synode evangelisch-reformierter Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland gehört. Die Anfänge der Delitzscher Baptistengemeinde (heute: Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde) reichen bis in die 40er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. Die Gemeinde konstituierte sich um 1920.[35] Sie ist ein Zweig der Baptistengemeinde Bitterfeld und gehört zum Evangelisch-Freikirchlichen Landesverband Niedersachsen-Ostwestfalen-Sachsen-Anhalt (NOSA).
Erste jüdische Einwohner gab es in Delitzsch bereits im späten Mittelalter. Sie siedelten sich damals in der Juden- oder auch Jüdengasse an, welche diese Bezeichnung bis zum 16. Jahrhundert behielt und dann in Holzstraße umbenannt wurde.[36] Im Jahr 1859 baten jüdische Einwohner von Delitzsch den Stadtrat um Erlaubnis, eine jüdische Begräbnisstätte anlegen zu dürfen. 1861 erwarb die Gemeinde dann als Begräbnisplatz ein Gelände mit einer Größe von 460 Quadratmetern, das später auf 1.100 Quadratmeter ausgebaut wurde.[36] Im Februar des gleichen Jahres bildete sich zudem erstmals eine Jüdische Gemeinde aus den Bereichen Delitzsch, Bitterfeld, Brehna und Eilenburg. Nach 1933 begann die Ausgrenzung und Verfolgung der Juden, die hier aber erst ab Ende der Dreißiger Jahre völlig verbannt wurden. Am Folgetag der Reichspogromnacht kam es auch in Delitzsch zu Übergriffen, bei denen der jüdische Friedhof verwüstet und die angrenzende Begräbniskapelle völlig zerstört wurde.[36] Die wenigen noch in der Stadt lebenden jüdischen Familien verzogen darauf, unmittelbar nach Bitterfeld oder konnten nach Bolivien auswandern.[37] An die jüdischen Einwohner der Stadt wird heute mit einer Gedenktafel und einem Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof erinnert.
[Bearbeiten] Politik
[Bearbeiten] Stadtrat
Der Stadtrat Delitzschs besteht aus dem Oberbürgermeister und der von der Gemeindeordnung vorgeschriebenen Anzahl von 30 Stadtratsmitgliedern. Alle fünf Jahre wird der Stadtrat neu gewählt, die nächste Wahl ist im Jahr 2014. Die konstituierende Sitzung des neugewählten Stadtrats findet immer im Konferenzsaal des Rathauses statt. Die Sitzverteilung des Stadtrats stellt sich seit der letzten Kommunalwahl am 7. Juni 2009, mit einer Wahlbeteiligung von 50,47 %, wie folgt dar:[38][39]
| Partei | Stimmenanteil 2009 | Sitze | Stimmenanteil 2004 | Sitze |
|---|---|---|---|---|
| CDU | 34,9 Prozent | 11 | 43,2 Prozent | 14 |
| SPD | 20,5 Prozent | 7 | 19,0 Prozent | 6 |
| FWG | 14,6 Prozent | 4 | 9,2 Prozent | 2 |
| FDP | 4,6 Prozent | 1 | 4,7 Prozent | 1 |
| Die Linke (PDS) |
18,9 Prozent | 6 | 23,9 Prozent | 7 |
| NPD | 3,8 Prozent | 1 | - | - |
[Bearbeiten] Bürgermeister und Oberbürgermeister
Da bei den letzten Bürgermeisterwahlen kein Kandidat im ersten Wahlgang (8. Juni 2008) die absolute Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen konnte, bedurfte es des zweiten Wahlgangs (22. Juni 2008), in dem bereits die einfache Mehrheit ausreicht. Im ersten Wahlgang kandidierten Manfred Wilde (parteilos), Thilo Wolff (CDU), Theodor Arnold (SPD), Dietmar Schmidt (Die Linke), Martin Wernicke (FDP) sowie Marcell Scholz (REP). Im zweiten Wahlgang wurde der Historiker und bisherige Museumsleiter des Barockschlosses Manfred Wilde mit 60,2 Prozent der Stimmen zum Oberbürgermeister gewählt. Sein Amt als Oberbürgermeister trat er am 14. August 2008 an. Er ist neben seinem Beruf als Stadtoberhaupt auch Mitglied und Vorsitzender vieler innerstädtischer und außenstädtischer Ausschüsse, Gesellschaften, Verbände und Räte. Bürgermeister und Beigeordneter für Bau, Ordnung und Gewerbe ist Thorsten Schöne (parteilos).[40]
[Bearbeiten] Wappen
Blasonierung: Das Wappen der Stadt Delitzsch zeigt in Gold zwei blaue Pfähle, belegt mit einem schräg gestellten Herzschild, darin in Gold ein doppelschwänziger schwarzer Löwe.
Es vereint damit in sich zwei verschiedene Wappen, zum einen das Haus- oder Stammwappen der Wettiner (Landsberger Pfähle) und zum anderen das der Markgrafschaft Meißen (doppelschwänziger Löwe). Der Löwe der Markgrafschaft Meißen und die Pfähle der Markgrafen von Landsberg sind alte wettinische Wappenbilder, die auf die Einbindung der Stadt Delitzsch in das mittelalterliche Kursachsen verweisen. Das heutige Wappen entwickelte sich aus dem im Spätmittelalter verwendeten Siegel der Stadt für die Bestätigung von Urkunden und Dokumenten.[41] Die Stadtfarben sind dem Wappen entsprechend blau und gelb.
[Bearbeiten] Städtepartnerschaften
Friedrichshafen am Bodensee seit 1990
Monheim am Rhein in Nordrhein-Westfalen seit 1990
Ostrów Wielkopolski in der Woiwodschaft Großpolen seit 2000
Im Laufe der Jahre haben sich drei Städtepartnerschaften entwickelt, die sehr aktiv sind und von Vereinen, Schulen und Privatpersonen durch Briefkontakte, Schüleraustausch, Bürger- und Vereinsreisen gepflegt werden. Am 18. Oktober 1990 entstand die Partnerschaft mit Monheim am Rhein und am 21. Oktober 1990 mit Friedrichshafen. Die Verwaltungen und Bürger beider Städte standen Delitzsch, seiner Stadtverwaltung und seiner Einwohnerschaft in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung tatkräftig zur Seite.[42] Inzwischen gibt es besonders auf Vereinsebene zahlreiche Kontakte, die wie auch auf Verwaltungsebene in jedem Jahr zum Austausch von Erfahrungen und Ideen führen. Mit dem polnischen Ostrów Wielkopolski besitzt Delitzsch seit dem 1. April 2000 eine osteuropäische Städtepartnerschaft, die im militärischen Bereich begann und durch Beziehungen der Vereine beider Städte gestärkt wird.
[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten] Altstadt und ihre Bauwerke
Nachdem sich das Siedlungsgebiet der Slawen am Rande des Schlossbergs ausgeweitet hatte, entstanden Mitte des 14. Jahrhunderts erste Anfänge der Altstadt. Sie bildet den historischen Stadtkern und den westlichen Teil des Stadt- und Geschäftszentrums von Delitzsch. Der historische Stadtteil mit einer Fläche von 20 Hektar ist von einer drei bis fünf Meter hohen und 1,4 Kilometer langen Stadtmauer und einem parallel verlaufenden Wassergraben umgeben. Die Ansicht der Altstadt wird durch fünf Türme geprägt, wobei der fast 50 Meter hohe Schlossturm das höchste Gebäude der Stadt ist. Altstadtmittelpunkt ist der Marktplatz, wo sich die Hauptachsen, Breite Straße und Am Markt, kreuzen. Von dort aus entwickelte sich die Stadt in alle Himmelsrichtungen. Die vielen kleinen Straßen, Gassen und Plätze zwischen den historischen Bauwerken und Bürgerhäusern blieben fast unverändert. In der Altstadt begegnen sich die Baustile der Renaissance, des Barocks und der Gotik. Die Vielzahl an Bauwerken verschiedener Stile verdankt die Stadt dem Umstand, dass sie im Zweiten Weltkrieg fast unbeschädigt blieb. Am 31. Dezember 2010 lebten 2485 Einwohner in der Delitzscher Altstadt.
[Bearbeiten] Barockschloss
Von 1387 bis 1391 ließ Markgraf Wilhelm I. von Meißen eine gotische Wasserburg als Verwaltungs- und Reiseresidenz errichten. Aus dieser Zeit stammen zwei Tiefenkeller und die Geschosse des Schlossturms. Unter dem albertinischen Herzog Moritz von Sachsen wurde die Burg zwischen 1540 bis 1558 im Stil der Renaissance für die Kurfürsten von Sachsen umgebaut. Zahlreiche Aufenthalte der Kurfürsten von Sachsen und ihres Gefolges in den späteren Jahrzehnten sind nachgewiesen.
Im Gegensatz zu den meisten landesherrlichen Schlössern des Kurfürstentums Sachsen überstand das Delitzscher Schloss den Dreißigjährigen Krieg weitgehend unbeschadet, sein Erscheinungsbild wurde aber durch Einquartierungen schwedischer Söldnerverbände in Mitleidenschaft gezogen. Ab dem 24. Juni 1689 wurden ein Haupt- und ein Nebenflügel sowie eine kleine Kapelle errichtet. Das gesamte Gebäude wurde innerhalb von sieben Jahren im Stil des sächsischen Frühbarocks umgestaltet, wobei der Schlossturm 1695 eine barocke welsche Haube mit Wetterfahne erhielt.
Die Einrichtung der seit 1992 rekonstruierten Privatgemächer der Herzogwitwen entstand nach französischen Vorbildern. Unmittelbar neben dem Schloss wurde ab 1692 ein barocker Garten angelegt, der neben der eigentlichen Funktion als Lustgarten aufgrund eingeschränkter Platzverhältnisse auch als Nutzgarten mit Obstbäumen und Sträuchern diente. Die letzten Bauarbeiten waren im Jahr 1696 abgeschlossen. Die verwitwete Herzogin Christiana von Sachsen-Merseburg zog jedoch mit ihrem Hofstaat schon am 31. Mai 1692 in das Schloss ein. Nach ihrem Tod im Jahr 1701 nutzte die kurfürstlich-sächsische Familie das Schloss nur noch selten als Reiseresidenz. Von 1731 bis 1734 lebte Herzogin Henriette Charlotte im Schloss Delitzsch. Von ihr stammen die repräsentativen Türen, die bedruckten Leinentapeten und die Kamine in den herzoglichen Privatgemächern. Da sie mit ihrem Ehemann Moritz Wilhelm von Sachsen-Merseburg keine Nachkommen hatte, fiel die Sekundogenitur Sachsen-Merseburg 1738 wieder an das Kurfürstentum Sachsen zurück.
Von 1860 bis 1926 befand sich im Schloss ein königlich-preußisches Frauenzuchthaus mit bis zu 300 Insassinnen. Hierzu wurden die Räumlichkeiten der Kellergewölbe genutzt, in denen sich Exponate aus dieser Zeit befinden. Im Umfeld entstanden mehrere Zellengebäude, ein Pförtnerhäuschen und eine vier Meter hohe Mauer. Später beherbergte das ab 1929 in städtischem Besitz befindliche Schloss unter anderem ein Museum, eine Berufsschule, zeitweise Räume der Luftwaffe und das Kreisgericht. Ab 1974 war das Gebäude aufgrund massiver Bauschäden baupolizeilich gesperrt. Erst nach der politischen Wende konnten umfassende Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Seit 1993 ist das Museum im Schloss wieder zugänglich. Später zogen Tourist-Information, Standesamt, Kreismusikschule und Veranstaltungskeller ein.
[Bearbeiten] Stadtschreiber-/Ritterhaus
Die Stadt Delitzsch ließ das Stadtschreiberhaus 1568 bis 1572 für den damaligen Stadtschreiber Balthasar Franz erbauen.[43] Es diente der Archivierung bedeutender Schriftstücke, Urteile, Urkunden und sonstiger Akten über Besitztümer und Privilegien. Im Haus Ritterstraße 11 befanden sich bis 1829 die Dienstwohnung des Stadtschreibers und das städtische Archiv.[43] An der äußeren Schaufassade befindet sich ein typisches Sitznischenportal mit krönendem Dreiecksgiebel aus der Renaissance. Im Inneren, insbesondere in der Diele, ist die historische Raumaufteilung gut zu erkennen. Eine Besonderheit bildet das für die Renaissance typische Kreuzgewölbe mit den tragenden Säulen und die erhöhten Fensterbögen und Wandnischen, die den erhabenen Eindruck um den Stellenwert der Stadt präsentieren sollen. Heute dient das 100 m² große Haus als Galerie und Museum. 1558 entstand das im Renaissancestil erbaute Ritterhaus nach Plänen des Amtsschössers Christoph Lotter.[44] Es hat die typischen Formen der Renaissance, zu denen zum Beispiel der Giebel mit Schweifwerk und die Eckquaderung aus rotem Rochlitzer Porphyrtuff zählen. Das Gebäude in der Ritterstraße 27 gehört neben dem Stadtschreiberhaus zu den ältesten Gebäuden der Altstadt und war früher Wohnhaus der reichsten Ritter im Kurfürstentum Sachsen. Aus diesem Grund befinden sich seit dem 19. Jahrhundert in den beiden unteren Etagen des Hauses restaurierte Ritterrüstungen und Waffen aus der Zeit vor über 400 Jahren.
[Bearbeiten] Schulze-Delitzsch-Haus
Der am 29. August 1808 in Delitzsch geborene Hermann Schulze hatte nach seiner Schulausbildung in Leipzig und Halle/Saale Jura studiert. Während seiner Tätigkeit als Patrimonialrichter für mehrere Rittergutsbezirke wurde er auf die Probleme der Handwerksbetriebe aufmerksam, die durch die Industrialisierung zu einem beispiellosen Konkurrenzkampf gezwungen wurden. Als Mitglied der Preußischen Nationalversammlung arbeitete er in den Kommissionen für Handwerk, Handel und Gewerbe mit und setzte sich dort für die Einschränkung der Gewerbefreiheit ein. Im Haus des Schuhmachers Brendecke in der Kreuzgasse 10 rief Hermann Schulze am 1. Dezember 1849 die Schuhmacherassoziation und damit die erste deutsche Genossenschaft ins Leben. Heute befindet sich in diesem Gebäude eine genossenschaftliche Gedenkstätte, in der der Besucher viel Wissenswertes über Hermann Schulze-Delitzsch, wie er als Abgeordneter in der Nationalversammlung zur Unterscheidung von seinen Namensvettern genannt wurde, und sein Leben und Wirken erfährt. Ausgestellte Maschinen und Werkzeuge einer Buchbinderei vermitteln ein eindrucksvolles Bild des technischen Entwicklungsstandes zum Ende des 19. Jahrhunderts. Hermann Schulze-Delitzsch starb am 29. April 1883 in Potsdam. Am 22. November 2010 wurde das Schulze-Delitzsch-Haus nach einer grundlegenden Umgestaltung der Dauerausstellung wieder eröffnet.[45]
[Bearbeiten] Stadtmauer und Wachtürme
Ungefähr 200 Jahre nach der Stadtgründung, im 14./15. Jahrhundert, wurde Delitzsch mit einer Stadtmauer aus Naturstein und Backstein umgeben, die ursprünglich auch die Burg einschloss. Sie hatte zwei große und 20 kleine Türme und auch zwei Tore:[46] das Breite Tor im Osten an der Straße nach Bad Düben und das Hallesche Tor im Westen an der alten Salzstraße nach Halle (Saale). Die Stadtmauer als Bauwerk wurde 1410 erstmals urkundlich erwähnt und in mehreren Abschnitten bis 1457 errichtet. Sie war ursprünglich etwa sechs bis sieben Meter hoch und umgab die Stadt auf 1,5 Kilometern Länge. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Wehranlage teilweise zerstört und danach auf etwa drei bis fünf Meter Höhe wieder aufgebaut.[47]
Die Wachtürme wurde als Teil der östlichen beziehungsweise westlichen Stadtmauer um 1394 bis 1396 aus roten Backsteinen erbaut.[48] Sie gehören zu den ältesten und höchsten Bauwerken der Stadt und wurden errichtet, um die Stadtverteidigung an dieser Stelle zu verbessern. An der Ostseite des Mauergürtels befindet sich der 46 Meter hohe Breite Turm. Von 1504 bis 1890 diente er als Wohn- und Arbeitsstätte des Türmers.[48] Heute befindet sich in der Wohnetage eine museale Schuhmacherwerkstatt aus dem 17. Jahrhundert, während die übrigen Etagen Museumsausstellungen beherbergen. Im Osten der Altstadt ist der 38 Meter hohe Hallesche Turm zu sehen. Auch er diente vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit als Wohn- und Arbeitsstätte eines Türmers. Daneben verfügte er über ein Verlies in der Turmsohle, in dem Verurteilte bis zu ihrer Hinrichtung eingesperrt wurden.[48] Als Zusatz erhielt das Backsteingebäude im 16. Jahrhundert einen Renaissanceaufbau in Form einer Laterne für die Montage einer Glocke.
[Bearbeiten] Weitere Bauwerke
Delitzschs Stadtkern ist durch viele Fußgängerzonen geprägt. Auf den zentralen Marktplatz kann man von fünf Seiten aus gelangen. Seine Mitte zierte von 1895 bis 1933 ein Siegesdenkmal.[49] Seit 2006 befindet sich dort, im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Marktplatzes, ein rechteckiger Springbrunnen. Eine Vielzahl von Wohn- und Geschäftshäusern am Marktplatz sind dem Klassizismus und dem Historismus zuzuordnen. Hervorzuheben ist das Rathaus, das im Kern aus drei ehemaligen Bürgerhäusern, die von 1376 bis 1474 aufgekauft und nach Umbauarbeiten von 1474 bis 1497 zum Rathaus bestimmt wurden. Während im Inneren gotische Gewölbe auf das 15. Jahrhundert hinweisen, zeigt sich die äußere Fassade seit 1849 im Stil des Spätklassizismus. Im Dreiecksgiebel weist eine Justitia auf die Funktion des Hauses auch als Gerichtsgebäude hin.[49] Mittelpunkt des wenige Minuten vom Marktplatz entfernten Rossplatzes bildet eine Postsäule. Sie wurde wie in vielen sächsischen Städten auf Anweisung Augusts des Starken aufgestellt. Anlass war die verkehrsmäßige Erschließung des Kurfürstentums Sachsen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Delitzscher Distanzsäule wurde 1730 gesetzt und ist die höchste und schlankste aller erhaltenen Distanzsäulen.[50] Seit 1619 ist in Delitzsch ein Henker und Scharfrichter nachgewiesen. Sein Wohnhaus und Gehöft befand sich am östlichen Rande der Neustadt. Nach der teilweisen Zerstörung durch Brandstiftung im Dreißigjährigen Krieg wurde es um 1660 wieder vollständig hergestellt. Im Jahr 2006 wurde es restauriert und ist seitdem ein Wohnhaus der Wohnungsgesellschaft Stadt Delitzsch GmbH, in dem zwei Mietwohnungen eingerichtet wurden. Die Scharfrichterei ist die einzige noch erhaltene bauliche Anlage dieser Art im gesamten mitteldeutschen Raum.[51]
[Bearbeiten] Theater und Musik
Zu den Kultureinrichtungen in Delitzsch zählen neben dem Bürgerhaus, der Schlosskeller, die Pfarrscheune und die Akademie der Darstellenden Künste. Während im Schlosskeller und in der Pfarrscheune überwiegend regelmäßig Theatervorstellungen, Konzerte, Lesungen, Vorträge und Kabarettveranstaltungen mit Künstlern, meist aus dem deutschen Raum, stattfinden, werden in der Akademie der Künste Konzerte und Theatervorstellungen von Studenten der Schauspielschule und Theatergruppen angeboten. Eine besondere Institution ist die Delitzscher Amateur-Theatergruppe. Das BAFF Theater Delitzsch e. V. entwickelte sich bereits in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts und erweiterte sich mit einer Theaterwerkstatt in den späten neunziger Jahren. Der Theaterverein gehört zum Landesverband Amateurtheater Sachsen e. V. und hatte im Jahr 2010 mehr als 50 aktive Mitglieder.
Delitzsch hat eine reichhaltige Musiktradition, die bereits im 19. Jahrhundert einsetzte. Die Stadt verfügt derzeit über zwei Orchester und drei Gesangsvereine. Der wohl bekannteste und älteste Musikverein der Stadt ist der 1954 gegründete Schulze-Delitzsch-Männerchor e. V. mit 45 Mitgliedern. Er ging aus der im Jahr 1846 gegründeten Schulze-Delitzsch-Liedertafel hervor, die bis zum Zweiten Weltkrieg bestand und sich durch die Neugründung im Jahr 1954 unter dem Namen Männer-Chor Delitzsch erneut etablierte. Am 10. Mai 1957 erhielt der Chor seinen heutigen Namen.[52] Eng verbunden mit dem Männerchor ist der Schulze-Delitzsch-Frauenchor e. V. mit 32 Mitgliedern. Er wurde im Januar 1966 als Partnerchor für Frauen gegründet. Besonders während der Anfangsjahre gaben beide Chöre viele gemeinsame Konzerte, entwickelten aber auch ihr eigenes spezifisches Repertoire. Seit 1995 gibt es den Oskar-Reime-Schulchor des Christian-Gottfried-Ehrenberg-Gymnasiums. Jährlich werden Reisen zu anderen Schulchören oder nationalen Wettbewerben unternommen und Konzerte organisiert.
Zu den Orchestern in Delitzsch zählen die Delitzscher Stadtmusikanten e. V. (gegründet 1961) mit 16 und der Blasmusikverein Schenkenberg e. V. (gegründet 1990) mit 29 Mitgliedern. Besonderer Schwerpunkt der Delitzscher Stadtmusikanten ist die böhmisch-mährische Blasmusik.
[Bearbeiten] Parks und Gärten
Die Stadt Delitzsch wirbt seit geraumer Zeit mit dem Slogan Landschaft im Wandel, da sie eine ausgeprägte Park- und Grünflächenlandschaft vorzuweisen hat. Dies gilt nicht nur für die großen Natur- und Seengebiete nördlich und südlich des Stadtgebietes sondern auch für die innerstädtischen Grünanlagen.
Im Zentrum der Stadt, zwischen nördlicher Altstadt und Erzberger Straße, liegt der weitläufige Stadtpark. Er ist die älteste und mit 15 Hektar größte und bedeutendste Parkanlage Delitzschs und wurde im Laufe von mehr als 120 Jahren gestaltet. Angelegt wurde der Stadtpark im Jahr 1884 als kommunale Parkanlage in der Nähe eines Birkenwaldes. 1934 wurde die damalige Grünfläche um einen beträchtlichen Teil erweitert, zu dem auch die Installation der Skulpturengruppe Genesung von Max Alfred Brumme aus dem Jahr 1936 inmitten eines Wasserbeckens zählt. Stifter dieses Kunstwerks war der damalige Besitzer der Delitzscher Schokoladenfabrik, Albert Böhme, der Delitzsch gerne als Kurort etabliert hätte. Der Stadtpark ist ein naturnaher Landschaftspark mit 973 Bäumen.[53] Ergänzt wird der Park durch eine Vielzahl von Spazierwegen und Spielplätzen. Die Grünflache erstreckt sich über die Auenlandschaft der Fließgewässer Lober und Mühlgraben, die von vielen kleinen Fußgängerbrücken überquert werden.
Neben dem Stadtpark gehört auch der Rosengarten in der südlichen Altstadt zu den bedeutendsten Parks der Stadt. Er wurde von 1933 bis 1934 angelegt und 1980 von den Mitgliedern des Vereins Delitzscher Rosenfreunde, Herbert Mießler und Karl-Heinz Rindsland, neu gestaltet. Zu deren Ehren wurde im Mai 2010 ein Findling mit Gedenktafel im Zentrum des Gartens aufgestellt. Die weit an der Lober sich hinziehende Gartenlandschaft ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Delitzscher, nicht zuletzt auch wegen der Nähe zum ehemaligen Viktoriabad (früher Moor- und Heilbad). Der Rosengarten beheimatet auf einer rechteckigen Fläche von 130 × 37 Metern mehr als 5000 Rosen in 300 Arten.[54]
Eine historische Besonderheit ist der Lustgarten am Barockschloss. Christiana von Sachsen-Merseburg ließ ihn nach französischen Vorbildern vom Gartenarchitekten Andreas Gotthard Carl in den Jahren 1692/93 südwestlich des Schlosses anlegen. Er gilt als einer der frühesten barocken Gartenanlagen in Sachsen. Entgegen der üblichen Nutzung barocker Lustgärten als reiner Ort der Zerstreuung diente die Delitzscher Anlage aufgrund von Platzmangel im 17. Jahrhundert auch als Nutzgarten. Von 1996 bis 2000 wurde er auf der Grundlage eines Originalplans rekonstruiert. Eine weitere Besonderheit im mitteldeutschen Raum sind die Zwingergärten aus dem späten Mittelalter. Ursprünglich Teil der Wehranlage, wurden auf dem terrassenförmig angelegten Zwingerbereich zwischen Stadtmauer und Wallgraben seit dem 18. Jahrhundert Gärten angelegt. Ein Teil dieser städtischen und privaten Grünanlagen lässt die ursprüngliche Terrassenform erkennen. Vereinzelt sind runde Fundamente mit etwa acht Meter Durchmesser sichtbar, die eventuell Überreste ehemaliger Pulvertürme sind.
Delitzsch hat seit dem 11. Juni 1968 im nördlichen Rosental einen Tierpark. Der Tiergarten Delitzsch besitzt etwa 400 Exemplare von 80 Tierarten auf einer Fläche von circa 4 Hektar. Im Jahr 1993 gründete sich der Förderverein Tiergarten Delitzsch e. V., der die artgerechte Gestaltung der Anlagen und die zielgerichtete Bildungsarbeit finanziell unterstützt. Neben einer 2004 errichteten Zooschule in einem Mehrzweckgebäude, Gastronomiebetrieben und einer Aussichtsplattform bietet der Tierpark auch mehrere Erholungsmöglichkeiten.
[Bearbeiten] Gedenkstätten
In Delitzsch befinden sich neben mehreren Gedenkstätten zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde und die Opfer des Faschismus auch Denkmäler für international bekannte Delitzscher Persönlichkeiten. Auf dem jüdischen Friedhof am Rosental, der noch bis 1937 als Begräbnisstätte genutzt wurde, erinnern eine aus Marmor bestehende Tafel und ein Gedenkstein an die sieben Bürger, die zur jüdischen Gemeinde gehörten und im Ersten Weltkrieg fielen. Ein weiteres Mahnmal ist ein etwa zwei Meter großer Gedenkstein in der Bitterfelder Straße für alle Opfer des Faschismus. Auf dem Städtischen Friedhof an der Dübener Straße befindet sich seit 1946 ein Ehrenhain mit Obelisk für 96 sowjetische Kriegsgefangene und 22 Frauen und Männer, die im Zweiten Weltkrieg nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden. Dort befinden sich auch Grabsteine französischer, polnischer, italienischer und Kriegsgefangener unbekannter Herkunft. Ebenfalls auf dem Areal des Friedhofs befinden sich Grabstätten und Gedenksteine für 14 unbekannte KZ-Häftlinge, die bei einem Todesmarsch von einem der Außenlager des KZ Buchenwald von SS-Männern ermordet, zunächst an anderer Stelle verscharrt und dann dort begraben wurden. An den Sohn der Stadt, Dr. Hermann Schulze-Delitzsch, erinnert seit 1950 eine etwa vier Meter hohe Muschelkalkstatue auf dem Marienplatz. Sie wurde als Ersatz für die im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzene Bronzestatue von 1891 errichtet.[55] Seit 1992 gibt es im ehemaligen Gründerhaus der ersten handwerklichen Genossenschaft in der Kreuzgasse 10 eine museale Ausstellung zu Schulze-Delitzsch und seiner Arbeit als Genossenschaftler. Auch dem Begründer der Mikrobiologie Christian Gottfried Ehrenberg wird auf verschiedene Weise gedacht. Das städtische Gymnasium und eine Straße in der östlichen Neustadt wurden nach ihm benannt. Außerdem erinnert ein Gedenkstein mit goldener Inschrift und dem Bildnis des Naturforschers in der Halleschen Straße an ihn.
[Bearbeiten] Sakralbauten
In Delitzsch gibt es eine Vielzahl historischer Kirchen und Gotteshäuser; sie sind in einem Zeitraum von über 500 Jahren errichtet worden. Wie in fast ganz Sachsen gehört auch die Delitzscher Bevölkerung überwiegend der evangelischen Konfession an, was sich auch in der Anzahl evangelischer Kirchen im Stadtgebiet widerspiegelt.
Die evangelische Stadtkirche Sankt Peter und Paul ist eine gotische, dreischiffige Hallenkirche aus dem 15. Jahrhundert. Sie wurde ab 1404 unter Einbeziehung der unteren Geschosse des Westturms eines vermutlich aus dem 13. Jahrhundert stammenden Vorgängerbaus errichtet, worauf ein romanischer Bogenfries an der Westwand und im Innern des nördlichen Turmanbaus hindeutet.[56] Dieser Vorgängerbau wurde im Jahr 1325 erstmals urkundlich als St.-Peters-Kirche erwähnt. Die heutige Kirche ist 1437 geweiht worden und war bis 1491 vollendet. In ihrem östlichen Teil befindet sich der fünfteilige Flügelaltar mit Predella aus dem Jahr 1492. Das hölzerne Retabel wurde nach dem Tod des Bürgermeisters Anton Kropfheuser von seiner Witwe Gertrud Kropfheuser gestiftet. Im Jahr 1889 wurden die Flügelpaare zusammengenagelt, sodass nur noch die Festtagsseite zu sehen war. Erst 2004 konnten die gealterten Ölgemälde und Tafelmalereien aus dem 15. Jahrhundert unversehrt freigelegt werden.[56] Der Aufsatz mit einer Darstellung des Gekreuzigten, der Mutter Maria und des Lieblingsjüngers Johannes wurde erst 1889 hinzugefügt.[57] Weitere Besonderheiten sind die Wandmalereien an der Innenseite der Kirche. Hierzu zählen die Himmelfahrt der Hl. Maria Magdalena und der Passionszyklus aus dem Jahr 1463.[56] Als Andachtsstätte entstand 1410 eine Ölberggruppe an der südöstlichen Außenseite des Chores mit Jesus und den Jüngern Petrus, Johannes und Jakobus.
Etwa 1525 begannen die Bauarbeiten an der Marienkirche. Jahrelanger Leerstand und die spätere Nutzung als Strohlager ließen die Kirche herunterkommen. Erst die Stiftung von Christian Schulze ermöglichte die Fertigstellung dieser evangelischen Kirche im 18. Jahrhundert.[58] Ihre Umgebung wurde von 1400 bis 1878 als städtischer Friedhof genutzt, worauf auch ihr Beiname Gottesackerkirche verweist.
Gegenüber dem Halleschen Turm, unmittelbar an der ehemaligen Salzstraße, die von Halle über Delitzsch gen Osten führte, befindet sich die Hospitalkirche Sankt Georg. Am 15. August 1516 begann man mit der Grundsteinlegung der Kirche und vollendete sie nach mehreren Bauunterbrechungen im Jahr 1518. Bereits vor 1516 gab es an gleicher Stelle eine Hospitalkapelle mit dem Namen St. Fabian und St. Sebastian, die zum damaligen, 1391/92 als Stiftung von Markgraf Wilhelm I. vor den Toren der Stadt erbauten Hospital der Stadt gehörte.[59] Die Kirche ist ein einschiffiger Bau aus Backstein. Ein schiefergedeckter achteckiger Dachreiter enthält eine Gusseisenglocke. Die Chorverglasung der Kapelle stammte ursprünglich von dem deutschen Maler Charles Crodel. Sie fiel 1924 dem Vandalismus zum Opfer und wurde erst 1967 ersetzt.[59] Reste der wertvollen Fenster befinden sich seit 2001 in der Galerie des Halleschen Turmes. Die Hospitalkirche gehört zu einem modernen Seniorenheim der Stiftung St.-Georg-Hospital.
Johannes Reuter entwarf die katholische Pfarrkirche St. Marien, die 1936 in nur wenigen Monaten entstand. Ein aus dem 19. Jahrhundert stammender Vorgängerbau war zu klein geworden, nachdem sich viele Katholiken im neu entstandenen Kreis Delitzsch angesiedelt hatten.[58] Die katholische Gemeinde von Delitzsch wurde 1858 gegründet und beging 2008 ihr 150-jähriges Jubiläum. Gleichzeitig wurde im Stadtteil Brodau eine Außenstelle eingerichtet. Die katholische Kindertagesstätte Anne Frank und das Caritas-Altenpflegeheim St. Marien wurden als soziale Einrichtungen durch die Pfarrei errichtet.[58]
[Bearbeiten] Sport und Sportanlagen
Größter Sportverein Delitzschs ist der 1949 gegründete und über 650 Mitglieder umfassende ESV Delitzsch e. V., in welchem die Abteilungen Fußball, Volleyball, Tischtennis, Leichtathletik, Turnen, Boxen und Faustball vertreten sind.
Über die Region hinaus bekannt ist vor allem der 1994 gegründete Traditionsverein 1. SV Concordia Delitzsch, der aus der Handballabteilung des ESV Delitzsch entstand. 1997/98 stieg die Mannschaft, nach zweijähriger Spielzeit in der Regionalliga, in die 2. Handball-Bundesliga auf. In den Jahren 2004/05 gelang der Aufstieg in die 1. Handball-Bundesliga. In der höchsten Spielklasse erwies sich jedoch die Konkurrenz als zu stark, so dass der Verein ab der Saison 2006/2007 wieder in der 2. Handball-Bundesliga Süd spielte. Aufgrund gewachsener Finanznot meldete der Verein am 19. Juli 2010 Insolvenz an. Wenige Wochen nach dem Insolvenzantrag kam es zur Gründung des neuen Handballvereins NHV Concordia Delitzsch, der seitdem in der Sachsenliga spielt. Auch der GSVE Delitzsch ist als Volleyballverein überregional bekannt. 2003 gelang der ersten Herrenmannschaft der Aufstieg in die 2. Bundesliga Süd. Durch einen zweiten Platz in der Saison 2005/06 gelang der Aufstieg in die 1. Bundesliga. Dieser Erfolg hielt nur eine Saison, sodass der GSVE seit 2007 wieder in der 2. Liga spielt.
Den Fußball vertreten der 1. FC Delitzsch 2010 e. V. und der ESV Delitzsch 1950 e. V., die in der siebthöchsten beziehungsweise sechsthöchsten deutschen Fußballklasse spielen. Die Heimspiele der Mannschaften finden im Stadion der Eisenbahner beziehungsweise im Loberstadion statt. Auch Kampfsportarten werden in Form von Judo (Delitzscher Sportfüchse e. V.) und Taekwondo ( Korean Tigers 1989 e. V.) in der nordsächsischen Stadt ausgeübt. In Fachkreisen ist Delitzsch auch durch seinen Radsportverein RV Germania Delitzsch 1891 e. V. bekannt. Der Verein mit etwa 50 Mitgliedern nahm schon an internationalen Veranstaltungen wie dem UCI Rad Masters in Österreich teil. Ein weiterer Verein ist der 1958 gegründete Tauchclub Delitzsch e. V., dessen Trainingsort an der Förstergrube in Sandersdorf ist. Der Delitzscher Tennisclub 1921 e. V. kann auf eine über neunzigjährige Geschichte zurückblicken und ist damit einer der ältesten Sportvereine der Stadt. Die Tennisanlage östlich des Schlosshangs besitzt sechs Plätze, auf denen vor allem zu DDR-Zeiten große Erfolge gefeiert wurden.
Das Kultur- und Sportzentrum Delitzsch (BSZ) ist mit einer Fläche von zwei Hektar das größte Sportareal der Stadt. Auf dem Gelände des BSZ befindet sich eine Mehrzweckhalle mit 800 Sitzplätzen und 300 Stehplätzen. Weitere Aktivitäten ermöglichen zwei Weitsprunggruben, vier 100-m-Laufbahnen, eine Weitwurfanlage sowie je ein Fußball-, Basketball- und Tennisplatz. Weitere acht Sporthallen (darunter eine Judo- und eine Boxhalle), mehrere Rasenfußballplätze und das örtliche Freibad erweitern das Sportangebot der Kreisstadt. Zudem bietet die seit Juni 2003 vom Wassersportzentrum ALL-on-SEA bewirtschaftete Schladitzer Bucht südlich von Delitzsch in der Sommersaison alle dort möglichen Wasser- und Strandsportarten an.
[Bearbeiten] Regelmäßige Veranstaltungen
In Delitzsch finden jedes Jahr zahlreiche Feste, Festivals und Führungen statt. Die größte jährlich wiederkehrende Veranstaltung ist das Peter und Paul Fest, das von der Peter und Paul Veranstaltungs GmbH organisiert wird. Es findet immer am Wochenende nach dem Peter-und-Paul-Tag (29. Juni) an drei aufeinander folgenden Tagen statt. Seit 1990 zieht es jedes Jahr Tausende Touristen in die Altstadt von Delitzsch. Eröffnet wird dieses Spektakel durch den so genannten Apfelbiss an der Stadtkirche St. Peter und Paul, bei dem Adam in einen Apfel beißt, den ihm Eva reicht. Dieses mechanische Schauspiel ist immer um 12 Uhr jedes Festtages oberhalb der Turmuhr dargestellt. Während der drei Festtage sind in der gesamten Innenstadt Stände, Bühnen und historische Darsteller zu sehen. Ein Höhepunkt der dreitägigen Veranstaltung ist der historische Festumzug, ein Rundkurs durch die Altstadt, der 2009 mit über 1300 Teilnehmern einer der größten in Mitteldeutschland war.[60]
Ein weiteres historisches Spektakel ist das Schlossfest, das an jedem zweiten Maiwochenende im und am Barockschloss stattfindet. Zu diesem Anlass werden Führungen durch die Gewölbe des Schlosskellers und durch die Museumsräume angeboten. Auf dem Platz vor dem Schloss wird ein kleiner Markt mit Ständen und Tribünen aufgebaut. Seit 2011 werden auch barocke Tänze und historische Spiele im Barockgarten aufgeführt. Ein ebenfalls mit dem Schloss verbundenes Festival sind die Kamingespräche im Barockschloss, welche als Veranstaltungsreihe zu Themen der Zeitgeschichte von der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung unterstützt werden. Wolfgang Leonhard und Friedrich Schorlemmer konnten in der Vergangenheit als Teilnehmer gewonnen werden. Am Tag der Senioren, den die Stadtverwaltung mit vielen Vereinen ebenfalls im Mai durchführt, informieren sich ältere Leute und deren Angehörige über einschlägige Produkte und bei Vorträgen über Rente, Gesundheit im Alter und den Umgang mit Computern. Weitere jährliche Veranstaltungen sind die Nacht der Türme im März, der Tag der offenen Gartentür im Juni, der Tag der Vereine im September, die Delitzscher Wiesn im Oktober und der Adventsmarkt im November/Dezember.
[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur
[Bearbeiten] Verkehr
[Bearbeiten] Straßenverkehr und ÖPNV
Die Stadt Delitzsch liegt in der Nähe des Schnittpunkts der Autobahnen A 9 Berlin–Nürnberg-München und A 14 Dresden–Leipzig-Magdeburg (Mitteldeutsche Schleife) sowie an den Bundesstraßen B 184 (Magdeburg-Dessau-Leipzig) und B 183a (Brehna–Delitzsch–Bad Düben). Aufgrund des Braunkohleabbaus in den 1960er Jahren wurde die B 184 in Richtung Bitterfeld um drei Kilometer nach Westen verlegt und 2008 wieder für den Verkehr freigegeben. Zu den wichtigsten und verkehrsreichsten Straßen im Stadtgebiet zählen die Bitterfelder Straße, die Securiusstraße, die Eilenburgerstraße, die Bismarckstraße übergehend in Eilenburger Chaussee und Dübener Straße. Innerhalb der Stadt sind die meisten Straßen verkehrsberuhigt und verfügen über Fahrrad- und Fußgängerwege. Für den ÖPNV ist hauptsächlich die Auto Webel GmbH zuständig, die 1935 gegründet wurde und seit 1939 für den Personennahverkehr in Delitzsch zuständig ist. Neun Überlandbuslinien binden die Stadt an die umliegenden Gemeinden und Städte an, drei Stadtbuslinien verbinden jeweils die Stadtteile mit dem Stadtzentrum. Die Zentralhaltestelle ist der Omnibusbahnhof am Unteren Bahnhof. Das Kundenbüro der Auto Webel GmbH befindet sich in der Halleschen Straße. Das Gebiet um Delitzsch gehört zur Zone 165 des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV), dem alle hier verkehrenden Unternehmen angehören.
[Bearbeiten] Schienenverkehr
Delitzsch besitzt einen Oberen Bahnhof mit zwei Gleisen an der Bahnstrecke Halle–Cottbus und einen Unteren Bahnhof mit drei Gleisen an der Bahnstrecke Dessau–Leipzig. Beide Bahnhöfe liegen ebenfalls in der Tarifzone 165 des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes. Seit Dezember 2008 fahren auf beiden Bahnhöfen neben den Zügen der Deutschen Bahn (DB) auch Züge der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB). Die Züge der MRB fahren auf allen Strecken im Stundentakt genauso wie die Züge der DB, jedoch meist um circa 30 Minuten am unteren Bahnhof und 60 Minuten am Oberen Bahnhof versetzt. Delitzsch ist über den Regionalverkehr an die nahen Fernverkehrsknoten in Halle und Leipzig angebunden.
Die Züge der Mitteldeutschen Regiobahn fahren auf den Strecken:
| MRB 118 | Eilenburg – Delitzsch – Landsberg – Halle Hauptbahnhof |
|---|---|
| MRB 54 | (Bitterfeld) – Delitzsch – Leipzig Messe – Leipzig – Leipzig Hauptbahnhof |
Die Züge der Deutschen Bahn fahren auf den Strecken:
| RB 118 | Eilenburg – Delitzsch – Landsberg – Halle Hauptbahnhof | |
|---|---|---|
| RE 13 | Leipzig Hauptbahnhof – Delitzsch – Bitterfeld – Dessau-Roßlau – Magdeburg | |
| RB 54 | Leipzig Hauptbahnhof – Delitzsch – Bitterfeld – Dessau-Roßlau | |
| RB 57 | Leipzig Hauptbahnhof – Delitzsch – Bitterfeld – Lutherstadt Wittenberg |
[Bearbeiten] Flugverkehr
Der Flughafen Leipzig/Halle befindet sich 20 Kilometer südwestlich von Delitzsch, unmittelbar am Schkeuditzer Kreuz. Er dient als internationaler Verkehrsflughafen der gleichnamigen Region und verfügt über eine direkte Auto- und Zuganbindung. Der Flughafen wurde am 18. April 1927 in Betrieb genommen und hat vor allem im Bereich des Luftfrachtverkehrs internationale Bedeutung. Gemessen an der Zahl der Passagiere liegt der Flughafen an zwölfter Stelle, gemessen an der umgeschlagenen Frachtmenge an zweiter Stelle in Deutschland. Nordöstlich von Delitzsch befindet sich der vor allem für sportliche Zwecke genutzte Flugplatz bei Roitzschjora. Er wurde 1936 erbaut und 1938 erstmals durch Segelflieger genutzt. Nach seiner militärischen Nutzung im Zweiten Weltkrieg wurde der Flugplatz ab 1953 wieder für den Flugsport freigegeben. Nach der Wende gründete sich der Fliegerklub Roitzschjora e.V., der seit 1994 den Flugplatz leitet. Heute besitzt der Flugplatz Roitzschjora eine 1200 m lange Start- und Landebahn und verzeichnet knapp 10.000 Flugbewegungen im Jahr.
[Bearbeiten] Energieversorgungsunternehmen
[Bearbeiten] Strom- und Gasversorgung
Seit 1991 ist die Technische Werke Delitzsch GmbH (TWD) Anbieter von Erdgas und Fernwärme. 1995 übernahm die TWD auch die Stromversorgung von der Westsächsischen Energie AG (WESAG). Beliefert werden etwa 14.700 Tarifkunden und rund 30 Sondervertragskunden mit Energie sowie zwölf Großkunden mit Fernwärme. Gesellschafter der Technische Werke Delitzsch GmbH sind mit 74,9 Prozent die Zukunft in Delitzsch GmbH (ZID) und mit 25,1 Prozent die E.ON Thüringer Energie AG.[61] Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 48 Mitarbeiter.
Die Gasversorgung Delitzsch GmbH ist der örtliche Gasversorger der Stadt. Gegründet wurde das Unternehmen 1995 durch die Abspaltung der Delitzscher Gasgesellschaft GmbH von der Gasversorgung Leipzig. Beliefert werden 4900 Kunden mit Erdgas. Gesellschafter der Gasversorgung Delitzsch GmbH sind mit 51,0 Prozent die Technische Werke Delitzsch GmbH und mit 49,0 Prozent die Envia Mitteldeutsche Energie AG.[62]
Im Zuge der gesetzlich vorgeschriebenen rechtlichen Entflechtung wurde am 1. Oktober 2007 die TWD Netz GmbH gegründet und übernahm von der Technische Werke Delitzsch GmbH und der Gasversorgung Delitzsch GmbH die Aufgabe als Strom- und Gasverteilnetzbetreiber. Die TWD Netz GmbH betreut in dieser Sparte ein 400 Kilometer langes Leitungsnetz für Strom sowie ein etwa 120 Kilometer langes Rohrnetz für Gas. Gesellschafter der TWD Netz GmbH sind mit 74,8 Prozent die Technische Werke Delitzsch GmbH und mit 25,2 Prozent die Gasversorgung Delitzsch GmbH.
[Bearbeiten] Wasserversorgung
Für die öffentliche Wasserversorgung ist seit dem 28. Juli 1993 die Delitzsch-Rackwitzer Wasserversorgung – DERAWA zuständig. Sie wurde nach zwölfjähriger Vorbereitung im Jahr 1989 auf dem Betriebsgelände des ersten Delitzscher Wasserwerks von 1903 errichtet. Bis zur Übernahme der technischen und kaufmännischen Betriebsführung des neuen Wasserwerks durch den Zweckverband DERAWA im Jahr 2005 wurde diese Abteilung von den Technischen Werke Delitzsch GmbH übernommen.
Das Versorgungsgebiet umfasst etwa 50.000 Einwohner und erstreckt sich über den gesamten städtischen Raum sowie über die angrenzenden Gemeinden und Städte.[63] DERAWA bezieht sein Trinkwasser aus einer Quelle in der Prellheide südwestlich von Bad Düben. Das Wasserwerk verfügt über drei Reinwasserbehälter (à 5000 m3), deren Trinkwasser über ein 567 Kilometer langes Wasserleitungsnetz zu den etwa 12.000 Abnehmeranschlüssen im gesamten Versorgungsgebiet transportiert wird.[63]
[Bearbeiten] Ansässige Unternehmen
In Delitzsch befinden sich verschiedene mittelständische Betriebe und Konzerne; der bei den Verbrauchern bekannteste ist wohl die Delitzscher Schokoladenfabrik. 1894 wurde sie von Albert Böhme gegründet und ist seit Oktober 2008 Tochterunternehmen der Halloren Schokoladenfabrik AG, die im 30 Kilometer entfernten Halle (Saale) ihren Sitz hat. Mit 160 Mitarbeitern ist der Delitzscher Betrieb größtes Tochterunternehmen von Halloren.[64] Ein weiteres Traditionsunternehmen ist die 1908 gegründete Schienenfahrzeugwerk Delitzsch GmbH (SFW); sie ist im Januar 2010 von der schwedischen Firma EuroMaint Rail GmbH übernommen worden und trägt nun diesen Namen. Spezialisiert ist die Firma mit ihren 237 Beschäftigten auf Instandhaltung, Wartung und Umbau von Schienenfahrzeugen sowie deren Komponenten.[65]
Neben den Traditionsunternehmen in der Kernstadt befinden sich weitere Konzerne im Industrie-/Gewerbegebiet Südwest, das seit 1993 existiert. Dort haben sich große, mittlere und kleine Unternehmen der Produktion, des Großhandels, des Handwerks und des Dienstleistungsgewerbes angesiedelt. Dazu zählt das seit 1994 bestehende, weltweit größte Dämmstoff-Werk der URSA-Gruppe. Mit einer Betriebsfläche von 44.100 m2 und 200 Mitarbeitern ist es auch das modernste Glaswollewerk Europas.[66] Zu den Kernprodukten gehören Mineraldämmstoffe wie Glaswolle, Hartschaumdämmstoffe wie extrudiertes Polystyrol (XPS) und Produkte für die Steildachdämmung. Unmittelbar neben URSA befindet sich die Smurfit Kappa Group. Das aus Irland stammende Unternehmen ist spezialisiert auf die Herstellung von Wellpappe, Karton und anderen auf Holzschliff basierenden Verpackungen. Mit 185 Beschäftigten und einer Betriebsfläche von 20.000 m2 gehört es zu den bedeutendsten industriellen Arbeitgebern in der Region. Weitere städtische Unternehmen sind der Mineralölhandel Hans Schmidt GmbH & Co, die Herberger Bau AG, die Sogut Fleisch- und Wurstwaren GmbH, der Bauelemente und Natursteinhandel Alltag, die DSD Steel Group GmbH und die Kreiswerke Delitzsch.
Das Versandhaus Ebrosia hat seit 2009 seinen Sitz in der nordsächsischen Kreisstadt und ist spezialisiert auf den bundesweiten Versand von Wein, Schokolade und Delikatessen. Ebrosia wurde im Jahr 2003 vom Bundesverband des Deutschen Versandhandels (BVH) mit dem Young Business Award als innovativstes und jüngstes Versandhaus Deutschlands ausgezeichnet. Es hat seit November 2011 auch ein eigenes Fachgeschäft vor Ort.[67]
[Bearbeiten] Öffentliche Einrichtungen
Delitzsch hat als Mittelzentrum und Große Kreisstadt neben der eigenen Stadtverwaltung auch viele Ämter, Institutionen und Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die Stadtverwaltung und das Stadtarchiv sind in einem der ehemaligen Dienstgebäude des Frauenzuchthauses am Schloss untergebracht. Der Oberbürgermeister arbeitet hingegen im Delitzscher Rathaus am Marktplatz, in dem sich ein zweiter Teil der Stadtverwaltung und das Ratsarchiv befinden. Nach der Kreisreform von 2008 wurde Sitz des Landrats von Delitzsch nach Torgau verlegt. Die Stadt verfügt jedoch immer noch über eine Außenstelle des Landratsamtes Nordsachsen mit einem Teil des Dezernates I (Hauptverwaltung) und dem gesamten Dezernat III (Baudezernat) mit dem Planungs- und Bauordnungsamt, dem Amt für Ländliche Neuordnung, dem Straßenbauamt und einem Gutachterausschuss.
Delitzsch hat des Weiteren eine Agentur für Arbeit und ein Jobcenter in Trägerschaft des Bundes, ein Hauptzollamt, eine Polizeidirektion mit den nachgeordneten Dienststellen der Verkehrs- und Kriminalpolizei, eine Freiwillige Feuerwehr und ein Technisches Hilfswerk sowie eine Außenstelle der Kreishandwerkerschaft Nordsachsen. Hinzu kommt der Hauptsitz der Unteroffizierschule des Heeres (USH), die als zentrale truppengattungsübergreifende Ausbildungseinrichtung für Unteroffiziere des Heeres und die Heeresuniformträger der Streitkräftebasis der Bundeswehr dient. Untergebracht sind der Stab und die Lehrgruppen A und C der USH. Zu den kulturellen öffentlichen Einrichtungen zählen das Bürgerhaus, die Volkshochschule Delitzsch, die Stadtbibliothek, der Tierpark und das Freibad. Im Jahr 1999 wurde das Jugendzentrum YOZ, das vom DRK geleitet und betrieben wird, für die außerschulische Kinder- und Jugendarbeit im Norden von Delitzsch eröffnet.
[Bearbeiten] Gesundheitswesen
Seit 1861 besitzt Delitzsch ein eigenes Krankenhaus. Mit dem Zusammenschluss der Landkreise Delitzsch und Eilenburg 1994 wurde die Kreiskrankenhaus Delitzsch GmbH mit Kliniken in Delitzsch und Eilenburg gebildet. Die Delitzscher Klinik ist ein Krankenhaus der Regelversorgung mit 150 Betten. Die Kreiskrankenhaus Delitzsch GmbH fungiert seit 2008 als gemeinnütziges Tochterunternehmen des Landkreises Nordsachsen.[68]
Von 2005 bis 2008 wurde die Klinik umfassend erweitert und modernisiert, wozu auch die Anschaffung neuer Medizintechnik gehörte. Seit 2007 verfügt das Kreiskrankenhaus über sechs Stationen mit 184 Angestellten. Hinzu kommen eine Notfallaufnahme und eine Intensivstation. Jährlich werden im Durchschnitt 5600 Behandlungen in den Fachgebieten Viszeral- und Gefäßchirurgie, Herzmedizin/IMC/Schlaganfalleinheit, Innere Medizin sowie Unfallchirurgie durchgeführt. Unmittelbar neben dem Kreiskrankenhaus befinden sich zwei separate städtische Ärztehauser als medizinische Zentren für Ärzte mehrerer Fachrichtungen. Der Rettungsdienst wird im gesamten Stadtgebiet vom Roten Kreuz gestellt. In Delitzsch befindet sich die Bezirksstelle, von der aus die Landkreise Nordsachsen und Anhalt-Bitterfeld betreut werden.
[Bearbeiten] Medien
In der Beethovenstraße befindet sich der Sitz von Nordsachsen TV (NTV). Der Sender produziert seit 1995 ein wöchentlich wechselndes Programm mit Berichten aus der Region. Mit sechs Außenstellen erreicht der Lokalsender eine technische Reichweite von 20.000 angeschlossenen Kabelhaushalten und eine durchschnittliche Zuschauerzahl von 60.000 Menschen.[69]Zum Programm gehören neben lokalen Themen auch Unternehmensvorstellungen und eine eigene Nachrichtensendung. Als regionaler Radiosender zählt das privat betriebene HaPPyFan-Internetradio. Es sendet seit 2008 ein eigenes und unabhängiges zehnstündiges Hörfunkprogramm.
Die Leipziger Volkszeitung (LVZ) erscheint als einzige regionale Tageszeitung. Eine Lokalredaktion der LVZ befindet sich am Rossplatz. Produziert und gedruckt wird die LVZ von der Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft in Leipzig-Stahmeln. Die tägliche Auflage der LVZ für die Region Delitzsch/Eilenburg liegt bei rund 15.200 Stück.[70] Darüber hinaus erscheinen wöchentlich der Nordsächsische Wochenkurier, der Sachsen-Sonntag, das Sonntags Wochenblatt, die Delitzscher Rundschau und der Bitterfelder Spatz als kostenlose Printmedien. Das Amtsblatt wird vierzehntäglich von der Stadtverwaltung und dem Landkreis herausgegeben. Seit Sommer 2006 berichtet das private Online-Magazin Delitzsch-Compact täglich aktuell aus der Stadt. Mit aktuellen Nachrichten aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur ergänzt es den offiziellen Internet-Auftritt der Stadt.
[Bearbeiten] Bildungseinrichtungen
[Bearbeiten] Bibliotheken und Archive
Die Stadtbibliothek Delitzsch wurde 1896 gegründet und befindet sich seit dem Umzug aus der Eilenburger Straße im Jahr 2009 in der Alten Lateinschule an der Stadtkirche St. Peter und Paul. Auf mehr als 400 Quadratmeter Fläche, verteilt auf drei Etagen, sind über 42.000 Bücher, Schriften und Datenträger untergebracht.[71] Im zweiten Obergeschoss befindet sich ein Lesesaal, der auch für Lesungen von Autoren und Veranstaltungen der Kreismusikschule genutzt wird. Der 1998 gegründete Literatur-Stammtisch Delitzsch trifft sich dort monatlich und diskutiert über Neuerwerbungen aus den Beständen, Leseempfehlungen und Leseproben von neuen und wiederentdeckten Autoren.
Im Stadtarchiv von Delitzsch, das im Technischen Rathaus seinen Sitz hat, sind mehr als 100.000 Archivalieneinheiten über die Tätigkeiten der Stadtverwaltung Delitzsch, der städtischen Einrichtungen, der unter städtischer Verwaltung stehenden Stiftungen sowie der städtischen Eigenbetriebe gelagert. Daneben befindet sich dort eine Bestandsübersicht über die städtischen Bauwerke und ein Personenstandsregister von 1874 bis heute.[72] Weitere historische Archivalien über Delitzsch und seine Ortsteile befinden sich seit 1972 im Staatsarchiv Leipzig.
[Bearbeiten] Schulen
Die erste Schule von Delitzsch entstand um 1426 als Knabenschule und wurde im 16. Jahrhundert erweitert, als wegen der allgemeinen Schulpflicht auch die Mädchen die Schule besuchen mussten. Heute gibt es in der Stadt für ungefähr 4000 Schüler neun öffentliche und drei private Schulen.
Für die Primarstufe gibt es drei Schulen: die Grundschule Delitzsch-Ost, die Grundschule am Rosenweg und die Diesterweg-Grundschule, benannt nach dem deutschen Pädagogen Adolph Diesterweg. Alle drei Bildungseinrichtungen befinden sich in Trägerschaft der Stadt und hatten im Schuljahr 2010/2011 über 600 Schüler.
Die größte Mittelschule in Delitzsch ist die Artur-Becker Schule mit 436 Schülern (Schuljahr 2010/2011). Zudem existiert seit 1982 die Mittelschule Delitzsch-Nord. Bis zur Einführung der Mittelschulen in Sachsen stand sie unter dem Namen Karl-Marx-Oberschule. Beide Schulen befinden sich ebenfalls in Trägerschaft der Stadt.
Das Christian-Gottfried-Ehrenberg-Gymnasium ist mit seiner 150-jährigen Geschichte nicht nur die älteste, sondern mit 763 Schülern (Schuljahr 2009/2010) auch die größte Bildungseinrichtung im Stadtgebiet. Die Schule entstand 2003 nach dem Zusammenschluss der vormals eigenständigen Gymnasien Oskar-Reime und Ehrenberg.[73] Der Unterricht findet in zwei getrennten Häusern am Wallgraben und in der Dübener Straße statt. Seit der Kreisreform vom 1. August 2008 befindet sich das Gymnasium in Trägerschaft des Landkreises Nordsachsen.[74]
Seit 1952 existiert das Berufsschulzentrum – Dr. Hermann Schulze-Delitzsch an der Karl-Marx-Straße.[75] Innerhalb der Berufsschule wird in den Abteilungen gewerblicher, kaufmännischer und landwirtschaftlicher Bereich unterrichtet. Dort ist auch ein berufliches Gymnasium untergebracht. Durch bundesweite Ausstellungen, wie die Comtec in Dresden (1997), die Youth Media in Düsseldorf (1999) und die Expo 2000 in Hannover, konnte die Schule mit ihren Projekten auf sich aufmerksam machen.
Zur schulischen Förderung von körperlich und geistig Behinderten gibt es neben der Förderpädagogischen Beratungsstelle die Förderschule Rödgen und die Pestalozzischule Schule (für Lernförderung) Delitzsch. Die privaten Schulen wie die Volkshochschule Delitzsch, die Akademie der Darstellenden Künste Delitzsch und die Musikschule im Barockschloss runden das Schulangebot in Delitzsch ab.
[Bearbeiten] Persönlichkeiten
Der wohl bekannteste Sohn der Stadt ist der Jurist und Politiker Hermann Schulze-Delitzsch (1808–1883). Schulze-Delitzsch wurde als Sohn des damaligen Bürgermeisters und Justizrates August Wilhelm Schulze im Haus Markt 14 geboren. Neben seinem Wirken im Bundes- und später auch im Reichstag bestand seine größte Leistung in der Begründung des deutschen Handwerkergenossenschaftswesens und der auf dem Solidarprinzip ihrer Mitglieder beruhenden Genossenschaftsbank. In seinem einstigen Gründerhaus in der Kreuzgasse 10 wurde ein Museum zu seinen Ehren eingerichtet. Ein weiterer über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gewordener Wissenschaftler war der Bio-, Öko- und Geologe Christian Gottfried Ehrenberg (1795–1876). Ehrenberg zählt zu den bekanntesten und produktivsten europäischen Wissenschaftlern seiner Zeit und gilt als Begründer der Mikrobiologie. Neben Forschungsexpeditionen von 1820 bis 1825 im Nahen Osten und Nordafrika war er auch Reisebegleiter von Alexander von Humboldt auf der Asienreise im Jahr 1829.
Auch in der jüngeren Zeit brachte die Stadt bekannte Wissenschaftler hervor, so beispielsweise den Mediziner Paul Walther Fürbringer, den Grafiker und Typograf Walter Tiemann, die Politikerin und Gewerkschaftsfunktionärin Anna Zammert und den Kunsthistoriker und Konservator Eberhard Ruhmer. Im Bereich der Rechtswissenschaften sind der Rechtswissenschaftler und Diplomat Augustin Strauch, der Jurist und Staatsanwalt Hermann Haußmann und der Studentenhistoriker Erich Bauer zu nennen. Aus Delitzsch stammen zudem viele Persönlichkeiten, welche im Bereich der Bildung tätig waren. Dazu zählen der Mathematiker und Philologe Erasmus Schmidt, der Hochschullehrer und Dichter Christian Saalbach, der Gymnasiallehrer und Kulturkritiker Bernhard Förster sowie der Erfinder und Professor Helmut Schreyer, welcher an der Technischen Hochschule des brasilianischen Heeres in Rio de Janeiro unterrichtete.
[Bearbeiten] Literatur
- Sigrid Schmidt/Christel Moltrecht: Stadtbilder aus Delitzsch. Stadt-Bild-Verlag, Leipzig 1992, ISBN 3-928741-16-0.
- Karlheinz Blaschke: Delitzsch – Eilenburg – Torgau. Land und Städte in der sächsischen Landesgeschichte. In: Sächsische Heimatblätter, Band 5 . Sächsisches Druck- und Verlagshaus, Dresden 1993.
- Manfred Wilde: Häuserbuch der Stadt Delitzsch, Teil 1: Die Altstadt . Degener, Neustadt/ Aisch 1993, ISBN 3-7686-4135-X.
- Manfred Wilde Häuserbuch der Stadt Delitzsch, Teil 2: Die Neustadt . Degener, Neustadt/ Aisch 1994, ISBN 3-7686-4139-2.
- Statistisches Bundesamt: Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
- Christel Moltrecht: Delitzsch in alten Ansichten. Europäische Bibliothek, Zaltbommel (NL) 1998, ISBN 90-288-5698-6.
- Manfred Wilde: Delitzsch – Die Reihe Archivbilder. Sutton, Wiltshire (GB) 1998, ISBN 3-89702-102-1.
- Manfred Wilde: Die Verlorenen Orte des Kreises Delitzsch. Sax-Verlag, Beucha 2000, ISBN 3-930076-78-0.
- Jürgen M. Pietsch/Manfred Wilde: Delitzsch. Edition Akanthus, Spröda 2003.
- Manfred Wilde/Detlef Seeger: Bilder aus der DDR. Sutton, Erfurt 2006, ISBN 3-89702-981-2.
- Stadt Delitzsch: Delitzscher Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde 2011. Heide-Druck, Bad Düben 2010.
- Stadt Delitzsch: Delitzscher Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde 2012. Heide-Druck, Bad Düben 2011.
[Bearbeiten] Weblinks
- www.delitzsch.de offizielle Internetpräsenz der Stadt Delitzsch
- Delitzsch im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
- Links zum Thema Delitzsch im Open Directory Project
- Literatur von Delitzsch im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Informationen zu Delitzsch im BAM-Portal
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen – Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden (Hilfe dazu)
- ↑ Leipziger Volkszeitung (Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung), 11. August 2009, S. 17
- ↑ a b c Sigrid Schmidt/Christel Moltrecht: Stadtbilder aus Delitzsch. S. 3.
- ↑ Geologische Übersichtskarte 1:200.000, Blatt CC 4734 Leipzig. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Abgerufen am 31. Oktober 2011.
- ↑ www.delitzsch.de: Ortsteile der Stadt Delitzsch. Abgerufen am 21. Dezember 2011.
- ↑ www.delitzsch.de: Ortschaftsräte der Ortsteile. Abgerufen am 21. Dezember 2011.
- ↑ www.delitzsch-online.de: Sonnenstadt 2010 im Freistaat Sachsen. Abgerufen am 23. April 2011.
- ↑ Deutscher Wetterdienst: Standortkarte. Abgerufen am 10. Juni 2011.
- ↑ Louis D. Nebelsick, Jens Schulze-Forster, Harald Stäuble: Der Adonis von Zschernitz. Die Kunst der ersten Bauern. In: Archaeonaut, Bd.4, Landesamt für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte, Dresden 2004.
- ↑ Christel Moltrecht: Delitzsch in alten Ansichten. S. 5
- ↑ Dort wird ein Wikardus de Dielce genannt (UB Erzst. Magd. 1413), vgl. Monumenta Germaniae Historica. Die Urkunden Friedrichs I. (1158-1167), S. 454.
- ↑ Manfred Wilde/Nadine Kinne: Barockschloss Delitzsch. Edition Leipzig, Leipzig 2007, ISBN 978-3-361-00622-5. S. 58.
- ↑ Sigrid Schmidt/Christel Moltrecht: Stadtbilder aus Delitzsch. S. 4.
- ↑ Jürgen M. Pietsch/Manfred Wilde: Delitzsch. S. 7
- ↑ Leipziger Teilung im Leipzig-Lexikon. Abgerufen am 4. Dezember 2011.
- ↑ Sigrid Schmidt/Christel Moltrecht: Stadtbilder aus Delitzsch. S. 5.
- ↑ Die Sage von der Delitzscher Türmerstochter
- ↑ Manfred Wilde/Nadine Kinne: Barockschloss Delitzsch. Edition Leipzig, Leipzig 2007, ISBN 978-3-361-00622-5, S. 17
- ↑ Manfred Wilde: Episoden um Hermann Schulze-Delitzsch. Tauchaer Verlag, Taucha 2008, ISBN 978-3-89772-139-5. S. 29
- ↑ Manfred Wilde: Episoden um Hermann Schulze-Delitzsch. Tauchaer Verlag, Taucha 2008, ISBN 978-3-89772-139-5. S. 32
- ↑ Christel Moltrecht: Delitzsch in alten Ansichten. S. 5.
- ↑ Jürgen M. Pietsch/Manfred Wilde: Delitzsch. S. 19.
- ↑ a b c Jürgen M. Pietsch/Manfred Wilde: Delitzsch. S. 21.
- ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
- ↑ Sigrid Schmidt/Christel Moltrecht: Stadtbilder aus Delitzsch . S. 7.
- ↑ www.delitzsch.de: Chronikübersicht der Stadt − Wende 1989. Abgerufen am 14. Dezember 2011.
- ↑ www.delitzsch-online.de:Industrie- und Gewerbeansiedlungen im Landkreis Nordsachsen. Abgerufen am 12. Dezember 2011.
- ↑ www.delitzsch.de:Delitzsch gewinnt Wettbewerb Energieeffiziente Stadt. Abgerufen am 12. Dezember 2011.
- ↑ Leipziger Volkszeitung (Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung), 29. November 2011, S. 17
- ↑ Solarbundesliga–Landeswertung Sachsen. Abgerufen am 12. Dezember 2011.
- ↑ Gesamtbilanz (Stand: 2001) nach: Andreas Berkner: Braunkohlenbergbau und Siedlungsentwicklung in Mitteldeutschland. Gratwanderung zwischen Aufschwung, Zerstörung und neuen Chancen. In: Dachverein Mitteldeutsche Straße der Braunkohle (Hrsg.): Braunkohlenbergbau und Siedlungen. Leipzig 2001. S. 8–19. ISBN 3-9807201-3-6
- ↑ Statistisches Bundesamt:Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
- ↑ StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997. Abgerufen am 28. April 2011.
- ↑ www.delitzsch.de: Chronikübersicht der Stadt. Abgerufen am 5. März 2011.
- ↑ Homepage der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde: Geschichte; eingesehen am 6. April 2011
- ↑ a b c Geschichte der Juden in Sachsen. Abgerufen am 18. September 2011.
- ↑ Jürgen M. Pietsch/Manfred Wilde: Delitzsch. S. 20.
- ↑ Ergebnisse der Stadtratswahl 2009. Abgerufen am 26. März 2011.
- ↑ Ergebnisse der Stadtratswahl 2004. Abgerufen am 17. November 2011.
- ↑ www.delitzsch.de: Verwaltungsstruktur. Abgerufen am 24. September 2010.
- ↑ Jürgen M. Pietsch/Manfred Wilde: Delitzsch. S. 8.
- ↑ www.delitzsch.de: Partnerstädte und Partnerschaften. Abgerufen am 5. November 2011.
- ↑ a b Manfred Wilde: Das Häuserbuch der Stadt Delitzsch. Die Altstadt. S. 15; 278.
- ↑ Christel Moltrecht: Delitzsch in alten Ansichten. S. 21.
- ↑ Leipziger Volkszeitung (Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung), 23. November 2010, Seite 15/17
- ↑ www.burgenwelt.de: Stadtmauer von Delitzsch. Abgerufen am 28. Mai 2011.
- ↑ www.delitzsch.de: Informationen zur Stadtmauer. Abgerufen am 14. Dezember 2011.
- ↑ a b c Manfred Wilde: Das Häuserbuch der Stadt Delitzsch. Die Altstadt. S. 30-35.
- ↑ a b Christel Moltrecht: Delitzsch in alten Ansichten. S. 8/9.
- ↑ Sigrid Schmidt/Christel Moltrecht: Stadtbilder aus Delitzsch. S. 37.
- ↑ www.delitzsch.de: Informationen zum Schafrichterhaus. Abgerufen am 6. März 2011.
- ↑ Homepage des Schulze-Delitzsch-Männerchors. Abgerufen am 9. November 2011.
- ↑ Leipziger Volkszeitung (Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung), 18. Oktober 2011, S. 17
- ↑ Leipziger Volkszeitung (Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung), 17. Juni 2010, S. 18
- ↑ Sigrid Schmidt/Christel Moltrecht: Stadtbilder aus Delitzsch. S. 38.
- ↑ a b c Geschichte der Stadtkirche St.-Peter-und-Paul. Abgerufen am 25. September 2011.
- ↑ Kirchenführer der Stadt Delitzsch, eingesehen am 5. April 2010
- ↑ a b c www.delitzsch.de: Kirchen und Friedhöfe. Abgerufen am 4. Januar 2011.
- ↑ a b Homepage der Hospitalkirche St. Georg. Abgerufen am 6. November 2011.
- ↑ Leipziger Volkszeitung (Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung), 6. Juli 2009, Seite 1
- ↑ Homepage der Technischen Werke Delitzsch − Unternehmensporträt. Abgerufen am 15. Dezember 2011.
- ↑ Homepage der Gasversorgung Delitzsch − Unternehmensporträt. Abgerufen am 15. Dezember 2011.
- ↑ a b Homepage der DERAWA Wasserversorgung Delitzsch−Rackwitz − Technische Daten. Abgerufen am 15. Dezember 2011.
- ↑ Schokoladenfabrik Delitzsch. Abgerufen am 24. April 2011.
- ↑ Homepage der EuroMaint Rail GmbH Delitzsch. Abgerufen am 24. April 2011.
- ↑ Homepage der URSA Uralita Gruppe - Unternehmen Delitzsch. Abgerufen am 24. April 2011.
- ↑ Leipziger Volkszeitung (Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung), 12. Oktober 2011, Seite 17
- ↑ Homepage der Kreiskrankenhaus Delitzsch GmbH eingesehen am 3. Dezember 2011
- ↑ Homepage des Lokalsenders Nodsachsen TV. Abgerufen am 5. Juni 2011.
- ↑ laut IVW, viertes Quartal 2011, Mo-Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
- ↑ www.delitzsch.de: Stadtbibliothek. Abgerufen am 10. Juni 2011.
- ↑ www.delitzsch.de: Stadtarchiv. Abgerufen am 10. Juni 2011.
- ↑ Leipziger Volkszeitung (Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung), 26. März 2009, S. 15/17
- ↑ Homepage des Gymnasiums eingesehen am 3. Dezember 2011
- ↑ Homepage des Beruflichen Schulzentrums Delitzsch, eingesehen am 3. Dezember 2011
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