Klamath (Volk)

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Ältere Klamath-Frau 1924

Die Klamath sind amerikanische Indianer der Penuti-Sprachfamilie, die mit den Modoc verwandt sind. Sie leben im südlichen Teil des US-Staates Oregon und im äußersten Norden Kaliforniens. [1] Die Klamath wurden erst 1991 wieder als Indianerstamm anerkannt. Sie selbst nennen sich Waklaks.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Die Bedeutung des Namens Klamath ist nicht letztlich geklärt. Alfred Kroeber nahm an, dass es sich um eine Fremdbezeichnung durch die Calapooya handelt („Athlameth“). Der Ethnologe Albert Samuel Gatschet nahm an, dass die Selbstbezeichnung „Waklak“ war, was „Leute“ oder „Gemeinschaft“ bedeutet. Seine Kollegin Leslie Spear berichtet, Klamath sei die Bezeichnung für eine Untergruppe, die so genannte Klamath-Marsh-Williamson-River-Gruppe oder Auksni. Schließlich nannten die britisch-französischen Fallensteller der Hudson’s Bay Company die Indianer zunächst „La Lakes“.

Das County, in dem der Stamm lebt, heißt heute Klamath County, der größte Fluss ist der Klamath River.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Schätzungen über die Zahl der Klamath divergieren sehr stark und reichen von 400 bis 1100 im Jahr 1780. Die Abgelegenheit ihres Wohngebiets schützte sie relativ lange vor dem Kontakt mit Weißen. Peter Skene Ogden, ein Händler der Hudson’s Bay Company, nannte sie 1826 eine „happy race“ („glückliche Rasse“). Er sah voraus, dass sich dies mit den Weißen ändern würde. Die Klamath erhielten durch den Handel Pferde und Gewehre.

Oberer Klamath-See

Ihr Handelsgebiet reichte bis nach The Dalles am Columbia, wo sie von anderen Stämmen Pferde, Decken, Büffelhäute und getrockneten Lachs erhielten. Dafür sollen sie unter anderem Sklaven geboten haben, die sie bei kalifornischen Stämmen erbeutet hatten. Auch boten sie Perlen und wocus, eine nahrhafte Pflanze.[2] Sie wurde in Suppen und als Bestandteil von Mehl verwertet. Ein weiterer wichtiger Handelsplatz neben dem beim späteren The Dalles war Yainas östlich des Klamath Lake.

Veränderungen am Körper, wie Tätowierungen und Muschelpiercings waren bei ihnen verbreitet, und auch die künstliche Abflachung des Kopfes, wie sie im Nordwesten bei einigen Stämmen verbreitet war. Sie lebten in Erdhütten, die rund 1,20 m tief eingegraben waren.

Vertrag mit den USA, Reservat[Bearbeiten]

Das ehemalige Gefängnis in Fort Klamath

Zusammen mit vier Häuptlingen der Modoc und zwei Headmen der Yahuskin unterzeichneten 21 Häuptlinge der Klamath am 14. Oktober 1864 den Klamath-Vertrag. Die Klamath erhielten ein Reservat von 1.107.845 Acre Fläche, das am 17. Februar 1870 offiziell bekannt gegeben wurde. Bereits am 12. Mai 1866 war eine Indianeragentur am oberen Ende des Agency Lake gegründet worden, wenige Kilometer südlich von Fort Klamath. Doch die meisten Modoc weigerten sich, mit den Klamath zusammen in ihr Reservat zu ziehen und blieben in ihrem traditionellen Gebiet. Daher gründeten die USA rund 50 km östlich der Agentur eine Unteragentur für die Modoc und einige Upland Klamath sowie Yahuskin bei Yainas.

1898 kam es zu Verhandlungen um eine Reservatsvergrößerung, weil fehlerhafte Landvermessungen dies notwendig machten. Man einigte sich am 17. Juni 1901, den Klamath eine Entschädigung von 537.007,20 Dollar für den Verlust von 621.824,28 Acre Land zu zahlen. Währenddessen zogen sich Auseinandersetzungen um die Landprivatisierung von 1895 bis 1906 hin. 1902 wurden von weiterer Privatisierung alle Kinder ausgeschlossen, die nach dem 15. April 1910 geboren werden sollten.

1902 wandten sich Modoc, die nach der Niederlage im Krieg gegen die USA (1872-1873) nach Oklahoma verbannt worden waren, an den Stammesrat der Klamath und baten um Ansiedlungsrechte. 1903 zogen 21 Modoc in den Nordosten des Klamath-Reservats. Obwohl sich die Klamath gegen weitere Ansiedlung von rückkehrwilligen Modoc wehrten, wurden von den 47 Petenten genau 16 unter dem Druck der Regierung angesiedelt.

Insgesamt wurden 177.719,62 Acre privatisiert, wobei das Land an 1.174 Indianer verteilt wurde. 6.094,77 Acre blieben für die Agentur, für Kirche und Schule frei.

Im Gegensatz zu vielen anderen Stämmen in diesem Gebiet wurden die Klamath weder von Epidemien dezimiert, noch gerieten sie in kriegerische Auseinandersetzungen mit den USA.

General Council und Auflösung des Stammes[Bearbeiten]

1909 richtete der Stamm den Klamath General Council ein, um mit den Indianeragenten besser verhandeln zu können, 1929 richteten sie eine Versammlung für Wirtschaftsfragen, ein Business Committee ein.

Am 15. Juni 1935 lehnte eine Mehrheit des Stammes den Indian Reorganization Act ab, doch war der Stamm zerstritten. Ein Teil wollte die Auflösung des Stammes und die Privatisierung allen Besitzes, ein anderer wollte bleiben. Von den 2.133 Stammesmitgliedern in der Stammesrolle votierten 1958 genau 1.660 für die Auflösung und 473 dagegen. Die Mehrheit sollte pro Kopf 50.000 Dollar erhalten, doch sollten sie nun für innerhalb der Reservate erwirtschaftete Gewinne Steuern zahlen. Drei Bedingungen führten zur Steuerfreiheit: der Antragsteller musste im Reservat leben, in der Stammesrolle eingetragen sein und er musste die Einkünfte dort erwirtschaftet haben. Die zu dieser Zeit rund 600 Klamath, die verblieben, erhielten für die 473 Anteile 1974 jeweils 173.000 Dollar. Das Gebiet wurde ein Teil des Winema National Forest.

Militärstraße[Bearbeiten]

Klamath in Einbäumen, nach 1870

Noch vor dem Vertrag mit den Klamath erhielt Oregon am 2. Juli 1864 die Genehmigung für den Bau einer Militärstraße von Eugene bis an die Ostgrenze Oregons. Mehr als ein Viertel der benötigten Fläche, nämlich genau 111.385 Acre lagen auf dem Land der Klamath. Diesen Verlust stellte der Oberste Gerichtshof 1904 ausdrücklich fest, und man fragte die Straßenbaugesellschaft, ob sie bereit sei, einen Ausgleich zu zahlen, oder eine andere Trasse zu akzeptieren. Die California & Oregon Land Company akzeptierte einen Tausch mit 86.418,06 Acre gegen die besagten 111.000 beim Yamsey Mountain. Der zugehörige Vertrag wurde genauso ohne jede Mitteilung oder Involvierung des Stammes abgeschlossen wie die vorausgehenden Verhandlungen. Das Reservat wurde also um ein Waldgebiet im Wert von 3.550.000 Dollar auf 86.000 Acre reduziert. 1907/08 sollte der Stamm eine Kompensation von 108.750 Dollar erhalten, eine Summe, der der Kongress zustimmte. 150 der 287 erwachsenen Klamath erklärten sich im Nachhinein mit diesem Vorgehen einverstanden.

1920 durften die Klamath beim Kongress Klage erheben (die heute zuständige Indian Claims Commission wurde erst 1947 gegründet), 1934 landete der Fall beim Court of Claims,[3] doch entschied der Gerichtshof gegen die Kläger. 1936 wurden sie erneut gehört. Am 25. April 1938 entschied der Oberste Gerichtshof, dass der Reststamm 2.980.000 Dollar erhalten sollte, eine Entschädigung, die sich zusammen mit den aufgelaufenen Zinsen auf 5.313.347,32 Dollar belief. Viele Indianer wurden jedoch um diese Summen betrogen. Bis heute sind die Klamath allerdings die einzigen, die im Klamath River Fisch fangen dürfen.

Die Militärstraße ist letztlich nie benutzt worden, und war dennoch für die Wiederbelebung des Stammes entscheidend.

Mündung des Klamath
Schutzgebiet am unteren Klamath

1969 bildeten einige Klamath und drei Weiße die Organization of Forgotten Americans (Organisation der Vergessenen Amerikaner). 1984 entzündete ein Klamath ein Feuer, das erst erlöschen sollte, wenn der Stamm wieder anerkannt war und ein eigenes Territorium besaß. Den „Vergessenen Amerikanern“ gelang es zunächst, den Anspruch auf Lager im geschützten Winema-Gebiet durchzusetzen, und 1991 wurde die Gruppe wieder als Stamm anerkannt.

Rückforderung[Bearbeiten]

100 Jahre nach dem Klamath-Vertrag setzte der Kongress eine Kompensation von 2,5 Millionen Dollar für das verlorene Land fest, dazu die Verteilungsschlüssel. Weitere 4.162.992,82 Dollar wurden für das „versehentlich“ verlorene Land gezahlt. Das gesamte Missmanagement der zuständigen Behörden kostete die USA weitere 18 Millionen Dollar (1977) und nochmals 16,5 Millionen (1982) für das Missmanagement der Wälder. Auch für das Verkaufen unter Wert, sei es aufgrund von Vetternwirtschaft oder Gleichgültigkeit, erhielten die Klamath abermals 785.000 Dollar. Weitere 23,5 Millionen wurden für die verkauften Wälder fällig.

Aktuelle Situation[Bearbeiten]

Angehörige der Klamath fordern den Abriss der Dämme am Klamath River, um dem Lachs wieder den Laichzug zu ermöglichen.

Auch wenn es den Klamath gelungen ist, als Stamm anerkannt zu werden, Entschädigungen zu erhalten und ein eigenes Gebiet, in dem sie das ausschließliche Fischfangrecht besitzen, so ist dieses dennoch in seinem Wert durch Dammbauten vermindert worden. Diese Bauwerke behindern die Fischzüge, vor allem die des Lachses, der für viele Familien immer noch einen erheblichen Teil der Ernährung beiträgt. Dabei ist vor allem der Coho-Lachs bedroht, der wiederum Orcas als Nahrung dient.[4]

Allein 2006 sagte die Regierung Hilfsleistungen - an alle Lachsfischer am Klamath - im Umfang von 60 Millionen Dollar zu. 2008 war sogar der bis dahin als sicher geltende Sacramento River vom Einbruch der Lachspopulationen an der Pazifikküste betroffen. Dieser katastrophale Einbruch hat verschiedene Ursachen, am Klamath dürfte eine der niedrige Wasserstand sein. Dies hängt wiederum mit dem in Kalifornien immer noch sehr hohen Wasserverbrauch zusammen, unter dem inzwischen fast alle Flüsse zu leiden haben. Hierin zeigt sich auch ein Paradigmenwechsel in der Politik, denn seit 2001, als man zugunsten der Lachse den Wasserverbrauch per Anweisung reduzierte, wird der Bewässerung wieder der Vorrang gegeben. Dabei laufen seit Jahren Gespräche mit PacifiCorp, dem Inhaber der vier Dämme, die abgerissen werden sollen.[5] Am 7. November 2008 wurde in San Franciscos beim 33. Indianischen Filmfestival der Film von Stephen Most, River of Renewal, Myth and History in the Klamath Basin vorgeführt, der diesen Streit thematisiert.[6]

Geschichtsschreibung[Bearbeiten]

Mit der Terminationspolitik drohte den Klamath, wie allen indianischen Völkern, auch die Auslöschung der eigenen Geschichte. Barbara Alatorre war bei ihnen der wichtigste Historiker. Sie sicherte die Erinnerungsstücke der Stammesgeschichte und forschte selbst auf diesem Sektor.

Literatur[Bearbeiten]

  • Susan Hood: Termination of the Klamath Indian Tribe of Oregon. In: Ethnohistory. Bd. 19, Nr. 4, 1972, ISSN 0014-1801, S. 379–392.
  • Stephen Most: River of Renewal. Myth and History in the Klamath Basin. Oregon Historical Society Press in association with University of Washington Press, Portland OR 2009, ISBN 0-295-98622-0.
  • Robert H. Ruby, John A. Brown: A Guide to the Indian Tribes of the Pacific Northwest (= The Civilization of the American Indian Series. Bd. 173). Revised edition. University of Oklahoma Press, Norman OK u. a. 1992, ISBN 0-8061-1967-5, S. 90–95.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carl Waldman: Encyclopedia of Native American Tribes. Checkmark, New York NY 1999, ISBN 0-8160-3964-X.
  2. S. Wocus auf der Website der Klamath Tribes.
  3. Dieser Gerichtshof war von 1855 bis 1982 für alle Klagen gegen die Regierung verantwortlich. Ab 1948 hieß er United States Court of Claims. Seit 1863 konnte der Gerichtshof endgültige Urteile fällen, eine Revision war in einem solchen Fall nicht mehr möglich. Die Indian Commission wurde 1978 aufgelöst, woraufhin der Court of Claims auch diese Fälle vier Jahre lang übernahm. 1982 wurde der Gerichtshof aufgelöst.
  4. Eine umfangreiche Untersuchung über die Lachsarten findet sich hier: (PDF, 6,3 MB): Updated Status of Federally Listed ESUs of West Coast Salmon and Steelhead.
  5. Zur Situation im Juni 2008: Jeff Barnard: Feds tell irrigators Klamath salmon need more water, Associated Press, 20. Juni 2008.
  6. Dan Bacher: Klamath Film Premiers at American Indian Film Festival in San Francisco, 5. November 2008