Nesselwang
| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Bayern | |
| Regierungsbezirk: | Schwaben | |
| Landkreis: | Ostallgäu | |
| Höhe: | 867 m ü. NN | |
| Fläche: | 29,53 km² | |
| Einwohner: |
3407 (31. Dez. 2011)[1] |
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| Bevölkerungsdichte: | 115 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 87484 | |
| Vorwahl: | 08361 | |
| Kfz-Kennzeichen: | OAL (früher: FÜS) | |
| Gemeindeschlüssel: | 09 7 77 153 | |
| Adresse der Marktverwaltung: |
Hauptstraße 18 87484 Nesselwang |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Franz Erhart (CSU) | |
| Lage des Marktes Nesselwang im Landkreis Ostallgäu | ||
Nesselwang ist eine Marktgemeinde im bayerisch-schwäbischen Landkreis Ostallgäu. Der staatlich anerkannte Luftkurort liegt im Südwesten Bayerns.
Inhaltsverzeichnis |
Ortsteile[Bearbeiten]
Attlesee, Bayerstetten, Gschwend, Hörich, Lachen, Hertingen, Nesselwang, Niederhöfen, Reichenbach, Rindegg, Schicken, Schneidbach, Thal, Voglen, Wank, Widdumhof.
Geschichte[Bearbeiten]
In den Jahren 16/15 v. Chr. begannen Tiberius und Drusus, die Stiefsöhne des römischen Kaisers Augustus, mit der Eroberung des Alpenvorlandes bis zur Donau. Seit etwa 500 v. Chr. war dieses Gebiet von Kelten besiedelt worden. Eine Hauptverkehrsader wurde für die Römer die Via Claudia, die zwischen 46/47 n. Chr. angelegt wurde. Diese römische Heeresstraße ging von Verona kommend über den Fernpass, Reutte in Tirol, vorbei an Füssen und weiter nach Augsburg. Bei Vils wurde eine Verbindungsstraße angelegt, die durch das spätere Siedlungsgebiet von Nesselwang und weiter in das römische Cambodunum, das heutige Kempten (Allgäu), führte. Die letzten Römer zogen sich aus dem Gebiet des heutigen Bayern in den Jahren 487/488 zurück.
Um die Mitte des 8. Jahrhunderts kam der Wandermönch Magnus zur Bekehrung der heidnischen Alemannen durch Nesselwanger Gebiet und soll hier eine Bet-Zelle errichtet haben. Politisch gehörte Nesselwang mit seinem Umland zu dieser Zeit zum ostfränkischen Herrschaftsgebiet. Der Ort wurde Mittelpunkt eines Verwaltungsbezirkes, zu dem auch ein Königshof gehörte.
Einen der entscheidendsten Einschnitte in seiner Geschichte erlebte Nesselwang in den Jahren 1310 bis 1313. Zum Erwerb der Kaiserkrone plante König Heinrich VII. einen Italienzug, der im Jahre 1310 begann. Um dieses Unternehmen finanzieren zu können, mussten die Herrschaftsrechte zwischen Füssen und Nesselwang dem Bischof von Augsburg verpfändet werden. König Heinrich wurde zwar zum Kaiser gekrönt, starb jedoch 1313 in der Nähe von Siena. So kam es, dass dieses Reichspfand nie mehr eingelöst wurde. Bis zur Säkularisation blieb Nesselwang beim Hochstift Augsburg.
Die Augsburger Bischöfe waren während dieser Zeit in und um Nesselwang die Landesherren. Die möglicherweise im 11. Jahrhundert erbaute Nesselburg und die Herrschaft Nesselwang erhielten zunächst die Freiherren von Rettenberg als Lehen. Nach mehrmaligem Wechsel übernahmen die Bischöfe 1425 Nesselwang in eigener Verwaltung und setzten einen Vogt auf die Nesselburg. Da diese 1595 abbrannte, kaufte die bischöfliche Regierung 1601 im Ort ein Amtshaus (1976 abgebrochen).
1429 erhielt Nesselwang von König Sigismund, einem Sohn Karls IV., das Recht, alle Jahre einen fünftägigen Jahrmarkt und jede Woche einen Wochenmarkt abzuhalten. Mit diesem Marktrecht war ein Schutzrecht für die Marktbesucher und Händler verbunden. Ausschlaggebend für die Marktrechtsverleihung waren hauptsächlich wirtschaftliche Motive des bischöflichen Landesherren, da er jetzt eine ansehnliche Summe an Marktsteuern und Zöllen kassieren konnte.
Durch seine Lage an einer wichtigen Durchgangsstraße litt Nesselwang zwangsläufig unter fast allen großen Kriegen der Neuzeit, mit Ausnahme der beiden Weltkriege. Im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 kam Nesselwang wie fast das gesamte Allgäu zum Königreich Bayern und gehört seit 1837 zu dessen Regierungsbezirk Schwaben. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die Entwicklung des Tourismus in der Gemeinde ein.
Wappen[Bearbeiten]
Beschreibung: Gespalten von Rot und Silber; darauf drei aus einem goldenen Dreiberg wachsende grüne Nesselzweige.
Rund 150 Jahre später, 1582, erhielt Nesselwang ein eigenes Ortswappen. Es zeigt die hochstiftischen Farben rot und weiß, drei auf den Ortsnamen bezugnehmende Nesseln, sowie den Dreiberg, einen Hinweis auf die Rettenberger, die einstigen Lehnsherren. Ausschlaggebend war nun, dass die Verleihung des Ortswappens mit der Verleihung eines Siegels verbunden war. Es ging den Nesselwangern also hauptsächlich um das Siegelgeld, um zusätzliche Einkünfte, die sie für Besiegelungen erhielten. Heute werden diese Arbeiten normalerweise von Notaren verrichtet.
Politik[Bearbeiten]
Der Marktgemeinderat hat 16 Mitglieder. Im Marktgemeinderat sind nach der Kommunalwahl vom 2. März 2008 folgende Fraktionen vertreten:
| * CSU | 8 Sitze |
| * SPD | 2 Sitze |
| * Freie Wähler | 6 Sitze |
Bürgermeister ist Franz Erhart (seit 2008)
Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]
Verkehr[Bearbeiten]
Nesselwang liegt direkt an der Außerfernbahn, einer Eisenbahnstrecke, die Kempten mit Reutte und weiter mit Garmisch-Partenkirchen verbindet.
Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]
→ Liste der Baudenkmäler in Nesselwang
Museen[Bearbeiten]
Heimathaus
Das Nesselwanger Heimathaus „Beim Glaser“ in der Füssener Straße ist ein altes Fachwerkhaus (Baujahr 1807), das weitgehend mit Originalmobiliar ausgestattet ist (Stube, Kammern, Glaserwerkstatt, landwirtschaftliche Sölde, Austragskammer und mehr). Im Dachboden befindet sich eine Zusatzausstellung einer Schreiner- und Schusterwerkstatt. Stall und Tenne sind für Land-, Alp- und Forstwirtschaft reserviert. Der Themenbereich „Stall“ wurde in jüngster Zeit fertiggestellt. Das Heimathaus ist mit viel persönlichem Einsatz und Engagement von Nesselwanger Bürgern entstanden und wird von maßgebender Seite fachlich betreut.
Skimuseum
Das Skimuseum mit der Ausstellung „Skigeschichte Nesselwang“ setzt das Allgäuer Bergdorf seinen Spitzensportlern ein Denkmal. Schon lange vor dem mehrfachen Biathlon-Olympiasieger und Weltmeister Michael Greis war es Franz Keller, der in der Nordischen Kombination mit Olympia-Gold und einer silbernen WM-Medaille die Bekanntheit seiner Heimatgemeinde steigerte. Insgesamt nahmen rund ein Dutzend Nesselwanger bisher an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teil. Neben diesen Wintersportlern kehrten andere Spitzenathleten mit vielen nationalen Meistertiteln zurück. In der Ausstellung, die von der Nesselwanger Sportreporter-Legende Bruno Moravetz („Wo ist Behle?“) angeregt wurde, zeigen sie ihre Trophäen, ihre zum Teil historischen Sportgeräte und viele Fotos aus den Gründerjahren des Skisports. In der Kollektion von Biathlon-Gewehren ist auch die Ausrüstung von Michael Greis vertreten.
Kirchen[Bearbeiten]
Die Pfarrkirche St. Andreas im neubarocken Stil wurde von 1904 bis 1906 aufgrund der Baufälligkeit und der geringen Größe neu errichtet. Die Innenausstattung ist im Stil des Neurokoko geschaffen worden. Ebenso sehenswert ist die Wallfahrtskirche Maria Trost, die zu Fuß über den Kreuzweg oder über eine Mautstraße erreichbar ist.
Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]
- Alpspitzbahn Nesselwang
- Alpspitz-Bade-Center
- Trendsportzentrum
- Minigolfbahn (Ulli-Leubner-Gedächtnis-Anlage)
Veranstaltungen[Bearbeiten]
In Nesselwang fand vom 23. Februar bis 2. März 2013 die erste Alpine Skiweltmeisterschaft der Gehörlosen statt.[2] Die Schirmherrschaft haben die frühere Erfolgs-Skirennläuferin Irene Epple-Waigel und der ehemalige Bundesfinanzminister Theodor Waigel übernommen.
Persönlichkeiten[Bearbeiten]
Söhne und Töchter der Marktgemeinde[Bearbeiten]
- Maximilian von Lingg (1842–1930), Bischof von Augsburg
- Joseph Probst (1852–1899), Lehrer und Heimatforscher der Stadt Germersheim
- Helmut Böck (* 1931), Skisportler
- Josef Ripfel (* 1938), schwedischer Radrennfahrer
- Franz Keller (* 1945), Nordischer Kombinierer
Personen mit Bezug zum Ort[Bearbeiten]
- Sigmund Riefler (1847–1912), Physiker, Uhrmacher und Fabrikant
- Michael Greis (* 1976), Biathlet
Literatur[Bearbeiten]
- Wolfgang Wüst: Burg und Pflegamt Nesselwang im Hochstift Augsburg, in: Wilhelm Liebhart (Hg.), Nesselwang. Ein historischer Markt im Allgäu, Sigmaringen 1989, S. 51-70. ISBN 3-7995-4126-8
- Wolfgang Wüst: Vom Bauernkrieg zur „Franzosenzeit“, in: Wilhelm Liebhart (Hg.), Nesselwang. Ein historischer Markt im Allgäu, Sigmaringen 1989, S. 85-92.
Weblinks[Bearbeiten]
- Internetseite des Marktes Nesselwang
- Nesselwang: Wappengeschichte vom HdBG
- Nesselwang: Amtliche Statistik des LStDV (PDF; 1,05 MB)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland nach Bevölkerung am 31.12.2011 auf Grundlage des Zensus 2011 und früherer Zählungen (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
- ↑ Homepage der 1. Alpine Skiweltmeisterschaft
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