Kurt Westergaard

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Kurt Westergaard (* 13. Juli 1935 in Døstrup) ist ein dänischer Zeichner und Karikaturist, der durch eine umstrittene Mohammed-Karikatur bekannt wurde.

Biografie[Bearbeiten]

Westergaard wurde am 13. Juli 1935 in dem Dorf Døstrup geboren, welches im Himmerland auf der dänischen Halbinsel Jütland liegt. Er wuchs in fundamentalistisch christlichen Verhältnissen auf und besuchte eine Sonntagsschule.[1][2] In den 1950er Jahren wurde Westergaard in den kulturellen Radikalismus eingeführt, welchen er als „Offenbarung“ und Befreiung von der religiösen Unterwerfung seiner Kindheit empfand.[2]

Westergaard ist ausgebildeter Lehrer. Seine Ausbildung erhielt er am Ranum Seminarium. Nachdem er einige Zeit als Lehrer arbeitete, schrieb er sich später an der Universität Kopenhagen ein, um Psychologie zu studieren.[3] Anschließend arbeitete er als Lehrer für behinderte Kinder und war Rektor einer Schule für Behinderte auf der Halbinsel Djursland.[3]

Mitte der 80er wurde er Karikaturist für den Jyllands-Posten. Aus Altersgründen arbeitet er jedoch seit Juni 2010 nicht mehr für diese Zeitung.[1]

Westergaard ist bekennender Atheist und bezeichnet sich selbst als „kulturradikaler und multikultureller Provokateur“.[4]

Mohammed-Karikaturen[Bearbeiten]

Westergaards Karikatur des Propheten Mohammed mit einer Bombe als Turban – eine von zwölf Karikaturen zum gleichen Thema, die die dänische Tageszeitung Jyllands-Posten am 30. September 2005 unter dem Titel Das Gesicht Mohammeds veröffentlicht hatte – löste eine internationale politische Kontroverse mit weltweiten Demonstrationen aus, da viele Muslime und muslimische Staaten sich beleidigt fühlten.

Erst Monate nach der Veröffentlichung brachen in islamischen Ländern die zum Teil organisierten und gewalttätigen Proteste aus, bei denen mehr als 50 Menschen starben.[5] Obwohl auf seine Tötung (und die seiner Kollegen) Kopfgelder angeblich in Höhe von elf Millionen Dollar ausgesetzt wurden, verteidigte Westergaard seine Karikatur unter Verweis auf die Meinungsfreiheit im Westen und hielt eine Entschuldigung für nicht erforderlich.

Nach konkreten Mordplänen gegen ihn standen der Zeichner und seine Frau seit Ende 2007 unter massivem Polizeischutz durch den Politiets Efterretningstjeneste (PET); sie mussten immer wieder umziehen und an geheimen Orten leben. Westergaard erklärte, er sei zornig, dass eine gewöhnliche, alltägliche Handlung wie seine Zeichnung zu solch wahnsinnigen Reaktionen führen könne, deren Nachwirkungen sein Leben lang anhalten dürften. Ein Ende des Polizeischutzes ist bis heute nicht absehbar. Im Februar 2008 meldete der dänische Polizeigeheimdienst PET die Festnahme von mehreren Männern in der Stadt Aarhus, die mutmaßlich planten, Westergaard zu ermorden.[6] Bei den drei Männern handelte es sich um zwei Tunesier und einen Dänen marokkanischer Abstammung.[7]

Am Neujahrstag 2010 vereitelte die dänische Polizei einen Anschlag auf Westergaard. Ein somalischer Asylbewerber schlug eine Fensterscheibe ein und drang mit Messer und Axt bewaffnet in das Haus des Zeichners ein, wo sich Westergaard mit seiner fünfjährigen Enkelin befand. Westergaard gelang es rechtzeitig in das zum Schutzraum umgebaute Bad zu flüchten, zu dem sich der Attentäter keinen Zutritt verschaffen konnte. Der Angreifer bedrohte auch die nur zwei Minuten nach Auslösung des Alarms eintreffenden Polizisten, wurde von ihnen angeschossen und überwältigt. Nach Angaben des dänischen Geheimdienstes PET hatte der Mann enge Verbindungen zu führenden Mitgliedern al-Qaidas in Ostafrika.[5][8] Anfang Februar 2011 wurde der Täter zu neun Jahren Gefängnis mit anschließender Ausweisung aus Dänemark verurteilt. Der Verteidiger legte Berufung gegen das Urteil ein.[9] Am 22. Juni 2011 wurde der Schuldspruch vom Vestre Landsret (Oberster Gerichtshof für das westliche Dänemark) bestätigt und die Strafe auf 10 Jahre mit anschließender Ausweisung erhöht.[10] Die Verurteilung erfolgte in beiden Instanzen aufgrund des Terrorismusparagraphen des dänischen Strafgesetzbuches,[10] was in der Presse als Zeichen gegen den islamistischen Terror begrüßt wurde.[11]

Aus Furcht vor möglichen Konsequenzen sagte das ZDF im Mai 2010 ein TV-Gespräch mit Westergaard ab. Nachdem Westergaard dem ZDF daraufhin Selbstzensur vorwarf und Medien die Ausladung kritisierten,[12] durfte er dann jedoch in der Sendung auftreten.[13]

Am 8. September 2010 wurde Westergaard vom M100-Beirat am M100 Sanssouci Colloquium in Potsdam der M100-Medienpreis als Anerkennung für sein unbeugsames Eintreten für die Meinungs- und Pressefreiheit verliehen.[14] Bundeskanzlerin Angela Merkel übergab ihm den Preis.[15] Der Zentralrat der Muslime in Deutschland kritisierte die Preisverleihung. Generalsekretär Aiman Mazyek sagte, Westergaard hat „unseren Propheten in unseren Augen mit Füßen getreten“. Die Würdigung sei in einer aufgeladenen und erhitzten Zeit hochproblematisch.[16]

Am 8. Oktober 2010 wurde Westergaard mit dem Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien in Leipzig ausgezeichnet. Die iranische Friedensnobelpreis-Trägerin Shirin Ebadi und ihr Landsmann, der Journalist und Regimekritiker Akbar Ganji, haben gegen die Auszeichnung protestiert. Ebadi sagte aber in einem Interview, dass sie nicht gegen die Einladung Westergaards oder dass er mit dem Preis ausgezeichnet wurde, protestierte, sondern weil sie im Vorfeld nicht darüber informiert wurde, wer als Preisträger ausgezeichnet werde. Ebadi und Ganji waren als Gast an dem Medienkongress eingeladen, wo Westergaard den Preis erhalten sollte. Ebadi kündigte an, nicht an der Preisverleihung teilzunehmen. Ganji, Preisträger von 2007, reiste ohne den Kongress besucht zu haben wieder ab.[17][18][19]

Aus gegebenem Anlass distanzierte sich Westergaard im Mai 2012 von der Verwendung seiner Mohammed-Karikatur und seines Namens durch die Partei Pro NRW: „Meine Zeichnung war ein Kommentar zur Meinungsfreiheit, und nur mit Meinungsfreiheit soll man mich verbinden.“[20]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b tagesspiegel.de: Kurt Westergaard - Zeichnen der Zeit
  2. a b berlingske.dk: Med Fanden under fødderne (dänisch)
  3. a b Politiken: Tegneren har vendt frygt til vrede (dänisch), von Hans Drachmann am 3. Januar 2010, Seite 2
  4. taz.de: Der zeichnende Provokateur
  5. a b Spiegel Online: Polizei vereitelt Anschlag auf Mohammed-Karikaturisten; Bericht vom 2. Januar 2010.
  6. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Anschlag auf Mohammed-Karikaturisten vereitelt; Ausgabe vom 12. Februar 2008
  7. I. M. Stockholm: Die dänische Polizei vereitelt Attentat auf Karikaturisten – Festnahme dreier Verdächtiger; Neue Zürcher Zeitung vom 12. Februar 2008.
  8. Mordanschlag auf Mohammed-Zeichner vereitelt in: tagesschau.de: vom 2. Januar 2010
  9. Somalier muss neun Jahre in dänisches Gefängnis in: NZZ Online vom 4. Februar 2011
  10. a b Øksemanden fik skærpet sin straf
  11. Die Welt: Westergaard-Urteil setzt Zeichen gegen Islamismus, 4. Februar 2011, abgerufen am 12. Dezember 2011
  12. Zum Beispiel: Heinrich Wefing: Feigheit vor dem Gast: Das ZDF lädt Kurt Westergaard wieder aus; Die Zeit 19/2010, S. 1. Kölner Stadt-Anzeiger: Westergaard attackiert das ZDF; Bericht vom 3. Mai 2010
  13. Westergaard-Posse beim ZDF: Umstrittener Karikaturist darf doch zu Lanz; Spiegel-Online; Meldung vom 27. Mai 2010.
  14. Karikaturist Westergaard erhält Medienpreis in Focus vom 8. September 2010.
  15. Mohammed-Karikaturist mit Medien-Preis geehrt in Schweizer Fernsehen vom 9. September 2010
  16. Karikaturisten-Ehrung: Merkel verurteilt geplante Koran-Verbrennung in Spiegel Online vom 8. September 2010
  17. «Die Karikaturen von Westergaard gefallen uns auch nicht» in: Tages-Anzeiger vom 8. Oktober 2010
  18. "Kurt Westergaard hat Hass geschürt" Interview mit Shirin Ebadi in: Zeit Online vom 8. Oktober 2010
  19. Iranische Intellektuelle rügen Westergaard-Ehrung in: Spiegel Online vom 8. Oktober 2010
  20. Missbrauch der Mohammed-Karikaturen. „Unter meinem schärfsten Protest“, Interview mit Kurt Westergaard, Frankfurter Rundschau, 9. Mai 2012 .
  21. Dänen reissen sich um Biografie von Karikaturist Westergaard in: Tages-Anzeiger vom 12. November 2010