LVR-Archäologischer Park Xanten

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Das Burginatiumtor, einer der Rekonstruktionsbauten im APX
Lageplan Colonia Ulpia Traiana, Tricensimae, Archäologischer Park
Ausdehnung des Archäologischen Parks zwischen 1980 und 2010

Der Archäologische Park Xanten (APX) ist ein Freilichtmuseum mit, auf original Fundamenten rekonstruierten römischen Bauten der Colonia Ulpia Traiana in Xanten. In den Park ist das LVR-RömerMuseum Xanten integriert. Der Eintrittspreis deckt beide Teile ab.

Geschichte[Bearbeiten]

1975 begonnen, wurde der südöstliche Teil des Park (Bereich des Amphitheaters) am 8. Juni 1977 eröffnet. Die Erweiterung auf den gesamten Ostteil der Römischen Stadt erfolgte bei der Landesgartenschau 1980.[1] Langjähriger Leiter bis 2002 war der Bauforscher Gundolf Precht. Der Park steht unter der Trägerschaft des Landschaftsverbands Rheinland und bietet neben rekonstruierten antiken Bauten auch ein Restaurant, das sich in der rekonstruierten Herberge befindet, und weite Grünflächen. Das dem Park angeschlossene LVR-RömerMuseum Xanten hieß bis 2006, als es sich noch in der Xantener Innenstadt befand, Regionalmuseum Xanten. Heute befindet es sich innerhalb des gläsernen Schutzbaus, der über den ausgegrabenen Fundamenten der großen Thermen errichtet wurde und die Dimensionen des Gebäudes nachahmt. Die Großen Thermen werden derzeit in den Park integriert. Die Bundesstraße 57, die das Areal der Römerstadt etwa in der Mitte teilte und so die Thermen auf ihrer Westseite vom Archäologischen Park auf der Ostseite abschnitt, wurde verlegt. Die Erweiterung des Parks auf das komplette Areal der ehemaligen Colonia wird, ebenso wie der dafür erforderliche Rückbau der Straßen, bereits durchgeführt.[2] Dafür werden in den Jahren 2011 und 2012 über 450 Linden gepflanzt, die den antiken drei Kilometer langen Straßenverlauf in der Erweiterung des APX nachzeichnen.[2] Im Jahre 2014 begann der Bau eines Besucherzentrums an der Straße Am Rheintor.[3] Nach dessen Fertigstellung soll auch der Haupteingang vom Hafentor zum Besucherzentrum verlegt werden, um den Park besser an die Xantener Innenstadt anzubinden.

Die 73 Hektar und rund 10.000 Einwohner umfassende Colonia Ulpia Traiana, auf deren Überresten der Park erbaut wurde, war eine der zentralen Städte der Provinz Niedergermanien und wurde 275 beinahe vollständig von Franken zerstört. Die Bewohner errichteten daraufhin auf dem Gebiet der Colonia mit der Siedlung „Tricensimae“ das bedeutendste Festungswerk am Niederrhein. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts nahmen die Überfälle durch germanische Stämme jedoch dermaßen zu, dass die Siedlung endgültig aufgegeben wurde.

Zur Römerzeit führte ein Seitenarm des Rheins an der Ostseite des Geländes vorbei, weshalb sich dort eine Römische Hafenanlage befand. Heute befindet sich dort ein Parkplatz. Das Hafentor dient heute als Parkeingang. Die einstige Herberge ist heute ein Restaurant, das auch für Festivitäten im „römischen Stil“ gemietet werden kann. Die Stadt wurde durch Grundwasser-Brunnen, Becken zum Auffangen von Regen und durch ein Aquädukt mit frischem Wasser versorgt. Auch gab es ein unterirdisches Kanalisationssystem für Abwässer. Die Bürgersteige um einzelne Häuserblocks waren überdacht. Bemerkenswerte Bauwerke sind das Amphitheater und der Hafentempel.

Rekonstruktionsbauten[Bearbeiten]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Auf den Freilichtbühnen in der rekonstruierten Arena des APX und im Amphitheater der Lagervorstadt des ehemaligen Legionslagers Vetera im Xantener Ortsteil Birten richtet die „Arena-Theater GmbH“ jährlich die Xantener Sommerfestspiele aus. Diese zeichnen sich durch ein jährlich wechselndes Programm aus Musicals und Opern aus und finden meist von Juni bis August statt. Begründet durch den Erfolg der Sommerfestspiele etablierte sich die Arena des APX aber auch abseits der Festspiele als Veranstaltungsort insbesondere für Konzerte, Musicals und weitere Veranstaltungen mit teils deutschlandweiter Übertragung. So wurden unter anderem im Juni 1984 zwei Konzerte der Gruppe BAP in einem Zusammenschnitt und am 29. Juni 1991 die erste Open-Air-Sondersendung von Wetten, dass..? im ZDF gesendet. Im Juli 2012 nutzte die ARD das Amphitheater als Kulisse für die abendfüllende Spielshow "Brot und Spiele" rund um die römische Geschichte. Bands wie die Die Ärzte, ZZ Top und Fury in the Slaughterhouse gaben mehrere Konzerte im Amphitheater.

Ebenfalls jährlich richtet der Landschaftsverband Rheinland seit 1998 den „Tag der Begegnung[4] aus, der inzwischen über 20.000 behinderte und nichtbehinderte Menschen auf das Gelände des APX lockt. Der LVR reagierte damit auf ein Urteil des Oberlandesgerichtes Köln, das infolge einer Klage wegen Lärmbelästigung durch eine Wohnsiedlung behinderter Menschen festgestellt hatte „Bei den Lauten, die die geistig schwerbehinderten Heimbewohner von sich geben, ist der ‚Lästigkeitsfaktor‘ besonders hoch“. Für „mehr Akzeptanz und ein normales Miteinander zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten“ wurde daraufhin der Tag der Begegnung ins Leben gerufen, bei dem beispielsweise 2003 auch Die Prinzen auftraten.

Seit 1989 veranstaltet der Archäologische Park Xanten die „Internationale Archäologische Sommerakademie Xanten“ (IASX), eine Lehrgrabung in zwei Kampagnen, an denen jeweils 15 Studierende überwiegend aus Europa teilnehmen.

RömerMuseum[Bearbeiten]

Innenraum des RömerMuseums

Das Museum wurde am 16. August 2008 eröffnet. Zuvor befand es sich in der Xantener Innenstadt und trug die Bezeichnung "Regionalmuseum Xanten" kurz RMX. Das heutige Museum umfasst den 1999 eröffneten Thermenschutzbau und einen, über der Thermenvorhalle errichteten, Ausstellungsbau der Architekten Gatermann + Schossig aus Köln. Die Ausstellung wurde vom Atelier Brückner aus Stuttgart gestaltet. Es werden auch Sonderausstellungen gezeigt. So widmete sich vom 24. April bis 30. August 2009 die Ausstellung Marcus Caelius - Tod in der Varusschlacht über den Offizier Marcus Caelius, der 2000 Jahre zuvor in der Varusschlacht gefallen war.[5] Im Jahr 2012 gab es unter dem Motto Carpe diem eine Ausstellung mit Fotografien von Axel Thünker. Wissenschaftlicher Referent im LVR-RömerMuseum Xanten und damit dessen Leiter war seit Juli 2010 kommissarisch und seit Juli 2011 etatmäßig Marcus Reuter (als Nachfolger von Hans-Joachim Schalles).[6]Seit Dezember 2012 leitet PD Charlotte Schreiter das Museum.[7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: LVR-Archäologischer Park Xanten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landschaftsverband Rheinland (Hrsg): Denkmal an Natur. Schutz von Natur und Bodendenkmal im Archäologischen Park Xanten. Kleve, 2003 S.36
  2. a b Der APX forstet auf
  3. APX rückt näher an die Stadt
  4. LVR Tag der Begegnung
  5. Archiv der Sonderausstelungen im RömerMuseum Xanten
  6. Entscheidung gefallen: Marcus Reuter übernimmt Leitung des Rheinischen Landesmuseums Trier. In: Trierischer Volksfreund online vom 16. April 2012
  7. Landschaftsverband Rheinland (LVR) Kultur und Umwelt Newsletter LVR-Kultur vom 1. Februar 2013, abgerufen am 28. Februar 2013

51.6666666666676.45Koordinaten: 51° 40′ 0″ N, 6° 27′ 0″ O