Lattiche

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Lactuca ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum römischen Konsul siehe Marcus Valerius Lactuca Maximus.
Lattiche
Gift-Lattich (Lactuca virosa), Illustration

Gift-Lattich (Lactuca virosa), Illustration

Systematik
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Cichorioideae
Gattung: Lattiche
Wissenschaftlicher Name
Lactuca
L.

Die Lattiche (Lactuca) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Der Milchsaft, von dem sich auch die lateinische Bezeichnung Lactuca ableitet, enthält Bitterstoffe, die der Pflanze bei der Abwehr von Fressfeinden und Schädlingen helfen; andererseits bestimmen sie den Wohlgeschmack des Gartensalats, der einzigen Lattichart mit ökonomischer Bedeutung. Insbesondere in der Schweiz wird der Bindesalat als Lattich gehandelt. Die Gattung umfasst etwa 100 Arten, die weltweit verbreitet sind.

Beschreibung[Bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Bei Lactuca-Arten handelt sich um ein- bis zweijährige oder selten ausdauernde krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von 15 bis über 450 cm erreichen. Sie bilden Pfahlwurzeln. Alle Lattich-Arten enthalten einen weißlichen Milchsaft, insbesondere in den Stängeln und Blütenständen. Der meist aufrechte Stängel ist meist verzweigt. Die oberirdischen Pflanzenteile können behaart sein.

Die Laubblätter stehen in grundständigen Rosetten zusammen oder sind wechselständig am Stängel verteilt angeordnet. Die gestielten oder sitzenden Laubblätter sind einfach bis fiederteilig, kreis-, eiförmig, länglich, lanzettlich, lineal oder fadenförmig. Sie sind am Rand oder an der Unterseite entlang der Mittelrippe gewimpert oder haben dort Stacheln und der Blattrand ist glatt, gezähnt bis mehr oder weniger stark gelappt. Die Blattflächen können behaart sein. Nebenblätter fehlen.

körbchenförmiger Teilblütenstand von Lactuca virosa mit vielen Zungenblüten.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die körbchenförmigen Blütenstände stehen einzeln oder meist zu vielen in rispigen oder schirmtraubigen Gesamtblütenständen zusammen. Es sind manchmal Hochblätter vorhanden. Die kleinen und schmalen, selten großen, körbchenförmigen Teilblütenstände sind ungefähr zylindrisch bis glockenförmig, schwellen zur Blütezeit an, und weisen Durchmesser von 2 bis 5 (selten bis über 8) mm auf. Ihre Hülle besteht aus fünf bis über dreizehn dachziegelartig angeordneten Hüllblättern mehr oder wenigen in zwei Reihen, von deen äußersten manchmal kürzer sind. Der Blütenstandboden ist flach bis konvex ohne Spreublätter. Die Einzelblüten sind in einer oder mehreren Reihen im körbchenförmigen Teilblütenstand angeordnet. Alle sechs bis über fünfzig Blüten sind Zungenblüten. Die Zunge hat fünf Kronzipfel, woran man gut erkennen kann, dass die Kronröhre aus fünf Kronblättern gebildet wird. Die Kronblätter besitzen meist eine gelbe, selten weiße, bläuliche bis violette Farbe.

Die rötlich bis hell braunen, weißen oder purpurfarben bis schwarzen Achänen besitzen eine oder mehrere Rippen auf jeder Seite und münden in eine oft fadenförmig verlängerte Spitze, an der Pappus sitzt. Der weiße Pappus besteht aus mehreren Reihen einfacher und gleich langer Haare .

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Chemische Verbindungen in Lactuca:
1 - α-Lactucerol;
2 - β-Lactucerol;
3 - Lactucin;
4 - Lactucopikrin.

Lactuca-Arten enthalten in den Blättern und im Milchsaft hauptsächlich Wasser sowie mehr oder weniger

Die Samen enthalten in der Sterolfraktion unter anderem β-Sitosterol und Campesterol. Die Wurzel enthält zusätzlich zu Lactucin und Lactucopikrin noch weitere Bitterstoffe mit ähnlicher Struktur, z.B. Jacquinelin. Die Lattiche enthalten keine Alkaloide.[2]

Pharmakologie[Bearbeiten]

Was die Wirkungen der Inhaltsstoffe der Lattiche angeht, weiß man seit Neuestem aus einer Laborstudie, dass die Hauptbitterstoffe Lactucin und Lactucopicrin gegen den Erreger der Malaria, Plasmodium falciparum wirken und diese Wirkung in Afghanistan ethnobiologisch bekannt ist – nur wird dort keine Lattichart benutzt, sondern die Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus), die dieselben zwei Stoffe enthält.[3]

Die Kräuterkunde behauptet, dass der Lattich-Milchsaft eine beruhigende und schlaffördernde Wirkung haben soll, der wissenschaftliche Nachweis steht noch aus (siehe dazu Gift-Lattich#Pharmakologie).

Verbreitung[Bearbeiten]

Es gibt etwa zehn Lattich-Arten in Nordamerika, 33 im tropischen Ostafrika, 40 in Asien und 17 in Europa. Europäische Arten wachsen in temperierten und warmen Regionen. Die nördliche Grenze verläuft dabei etwa bei 50 bis 55 ° nördlicher Breite, mit der Ausnahme von L. sibirica, der bis 70 Grad vorkommen kann. Die westlichste Art ist L. tatarica bei 9 ° West. Die meisten Arten leben in Höhenlagen von 200 bis 600 Meter mit Ausnahmen bis 2000 Meter (L. alpestris, L. tatarica, L. altaica und L. tenerrima). Die meisten europäischen Arten kommen im Mittelmeerraum vor, viele von ihnen nur dort.

Bei einer Exkursion durch Teile Mitteleuropas wurde vor allem L. serriola gefunden.[4] Lediglich in der Provence und Italien gab es eine größere Artenvielfalt. Zu bedenken ist allerdings, dass die Linienführung der Exkursion beispielsweise das Rhein-Main-Mosel-Gebiet nicht berührte, wo mehrere seltenere Arten heimisch sind.

Systematik[Bearbeiten]

Es gibt etwa 100 Lactuca-Arten.

Manche Lattich-Arten sind optisch schwer zu unterscheiden, so z. B. die Mitglieder der Gruppe L. serriola/L. saligna/L. virosa. Hinzu kommt, dass nach neueren Untersuchungen die Mitglieder der Gruppe L. sativa/L. serriola/L. dregeana/L. altaica genetisch keine Unterschiede aufweisen und daher wohl konspezifisch sind.

Eine oft verwendete Einteilung ist die in Genpools, die um den Gartensalat gruppiert sind. Hierbei gelten als primärer Genpool für den Salat die Arten L. serriola/L. dregeana/L. altaica und L. aculeata. Diese können leicht mit L. sativa gekreuzt werden und stellen daher eine sofort verfügbare Quelle zur Salatverbesserung dar. Der sekundäre Genpool besteht aus L. saligna und L. virosa, hier ist die Kreuzung schwierig. Beim tertiären Genpool schließlich ist Kreuzen nur noch mit radikalen Methoden möglich; er besteht aus den Arten der Sektionen Phaenixopus, Mulgedium und Lactucopsis (s. u.).[5][6]

Arten (Auswahl)[Bearbeiten]

Die in Europa vorkommenden 17 Arten sind in mehrere Sektionen und Untersektionen eingeteilt:[4]

Gartensalat (Lactuca sativa).
  • Sektion Phaenixopus: Der Blütenstand ist pyramidal oder ährenartig mit einzelnen oder in Büscheln stehenden Körbchen. Köpfchen mit vier bis acht Blüten.
  • Sektion Mulgedium: Der Blütenstand mit absteigender Verzweigung und wenigen Körbchen. Zahlreiche Blüten.
      • Lactuca sibirica Benth. ex Maxim.: Heimat ist der Norden Europas und Asiens, Nordamerika.
      • Tataren-Lattich (Lactuca tatarica C.A.Mey.): Heimat ist Nordwest- und Mitteleuropa, Südwestasien.
  • Sektion Lactucopsis: Der Blütenstand ist normalerweise doldentraubig. Körbchen mit sechs bis 15 Blüten.
  • Sektion Lactuca: Der Blütenstand ist eine dichte Rispe aus vielen Körbchen. Körbchen mit 10 bis 50 Blüten.
    • Untersektion Lactuca. Diese Arten sind ruderal und bevorzugen aufgewühlte Böden.
      • Gartensalat, kultiviert (Lactuca sativa L.)
      • Stachel-Lattich (Lactuca serriola L.): Heimat ist Europa, Asien, Südafrika, Nordamerika, Argentinien. Diese Art ist die bei weitem häufigste in Mitteleuropa.
      • Weiden-Lattich (Lactuca saligna L.): Heimat ist Europa (außer Norden), Nordafrika, Kleinasien.
      • Gift-Lattich (Lactuca virosa L.): Heimat ist das sub-mediterrane Europa, Westasien, Nordafrika, Nordamerika.
      • Lactuca altaica Fisch. et C.A. Mey.: Heimat ist Südostrussland, Mittel- und Südwestasien.
      • Lactuca livida Boiss. et Reut.: Endemisch in Zentralspanien.
        Lactuca perennis
    • Untersektion Cyanicae. Überraschenderweise scheinen diese Arten nach neusten Untersuchungen als am weitesten entfernt vom Gartensalat und sie sollen daher aus der Gattung Lactuca ausgeschlossen werden.

In Nordamerika gibt es folgende zehn Arten:

Quellen[Bearbeiten]

  • John L. Strother: Lactuca. In:  Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 19: Magnoliophyta: Asteridae, part 6: Asteraceae, part 1 (Mutisieae–Anthemideae), Oxford University Press, New York/Oxford u. a. 2006, ISBN 0-19-530563-9, S. 258., online.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Reuben A. Sessa, Mark H. Bennett, Mervyn J. Lewis, John W. Mansfield, Michael H. Beale: Metabolite Profiling of Sesquiterpene Lactones from Lactuca Species. In: Journal of Biological Chemistry Band 275, Nr. 35, 2000, S. 26877-26884, doi:10.1074/jbc.M000244200
  2. W. Blaschek u. a. (Hrsg.): Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. Folgeband 3: Drogen L - Z. 5. Auflage. Springer-Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-540-61619-5, S. 17 ff.
  3. Theodore A. Bischoff, Charles J. Kelley, Yvette Karchesy, Maria Laurantos, Phuc Nguyen-Dinh, Abdul Ghafoor Arefi: Antimalarial activity of Lactucin and Lactucopicrin: sesquiterpene lactones isolated from Cichorium intybus L. In: Journal of Ethnopharmacology Band 95, Nr. 2–3, 2004, S. 455–457, doi:10.1016/j.jep.2004.06.031.
  4. a b Aleš Lebeda, Ivana Doležalová, Eva Křístková, Barbora Mieslerová: Biodiversity and ecogeography of wild Lactuca spp. in some European countries. In: Genetic Resources and Crop Evolution. Band 48, Nr. 2, 2001. S. 153–164. doi:10.1023/A:1011265614395
  5. Wim J. M. Koopman, Martin J. Zevenbergen, Ronald G. Van den Berg: Species relationships in Lactuca s.l.(Lactuceae, Asteraceae) inferred from AFLP fingerprints. In: American Journal of Botany. Band 88, Nr. 10, 2001, S. 1881–1887, Abstract.
  6. Wim J. M. Koopman: Zooming in on the lettuce genome. Species relationships in Lactuca s.l., inferred from chromosomal and molecular characters. In: Wageningen University dissertation. Band 3233, 21. Juni 2002, Abstract.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lattich (Lactuca) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien