Lenk im Simmental

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Lenk im Simmental
Wappen von Lenk im Simmental
Staat: Schweiz
Kanton: Bern (BE)
Verwaltungskreis: Obersimmental-Saanenw
BFS-Nr.: 0792i1f3f4
Postleitzahl: 3775
Koordinaten: 600366 / 14507446.4577.44341068Koordinaten: 46° 27′ 25″ N, 7° 26′ 36″ O; CH1903: 600366 / 145074
Höhe: 1'068 m ü. M.
Fläche: 123.1 km²
Einwohner: 2454 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 20 Einw. pro km²
Website: www.lenk.ch
Lenk im Simmental

Lenk im Simmental

Karte
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Blick auf Lenk aus der Betelberg-Bahn.

Die Lenk (Lenk im Simmental) ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Obersimmental-Saanen des Kantons Bern in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten]

Die Lenk ist die höchstgelegene Gemeinde im Simmental. Das Gemeindegebiet umfasst mehrere Berge, der höchste ist der Wildstrubel. Etwas unterhalb des Wildstrubels, bei den Siebenbrünnen, entspringt die Simme, welche dem Simmental seinen Namen gibt.

Die Lenk liegt 57 km südlich von Bern und 42 km östlich von Montreux (Luftlinie). Der tiefste Punkt des Gemeindegebiets befindet sich beim Brändli auf ca. 1'016 m ü. M., höchster Punkt ist der Wildstrubel mit 3'244 m ü. M.[2]

Politik[Bearbeiten]

Die Stimmenanteile der Parteien anlässlich der Nationalratswahlen 2011 betrugen: SVP 48.3 %, BDP 16.0 %, SP 9.3 %, FDP 8.8 %, EDU 4.6 %, GPS 4.0 %, glp 3.1 %, EVP 2.7 %, CVP 1.1 %.[3]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Gemeinde Lenk lebt vor allem vom Tourismus, namentlich vom Wintersport. Daneben bestehen verschiedene Landwirtschafts- und Gewerbebetriebe. So sind sechs Säge-/Zimmerbetriebe, sechs LKW-Transportunternehmen, vier Schreinereien, fünf Autobetriebe und zwölf Hoch- und Tiefbauunternehmen in Lenk ansässig. Um Planung und Verkauf der errichteten Objekte kümmern sich acht Architektur- und Immobilienbüros (Stand Dezember 2008).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der Lenk geht bis in die Jungsteinzeit zurück, als Menschen die 2'660 m ü. M. gelegene Tierberghöhle als Rastplatz nutzten. Es handelt sich dabei um den wahrscheinlich höchsten alpinen Rastplatz der Urzeit.[4]

Die erste urkundliche Erwähnung der Lenk als «an der Leng» ist mit dem Jahre 1370 datiert. 1505 schlossen sich die fünf Bäuerten Aegerten, Gutenbrunnen, Brand, Oberried und Pöschenried zur Kirchgemeinde Lenk zusammen. Vorher gehörte die Lenk zur Kirchgemeinde St. Stephan und davor zur Kirchgemeinde Zweisimmen, der Mutterkirchgemeinde des Obersimmentals. Bis zur endgültigen Unabhängigkeit der Lenk verging noch ein Jahrzehnt, in dem Differenzen mit den Kirchgemeinden St. Stephan und Zweisimmen sowie dem Kloster Interlaken beigelegt werden mussten.

Die im Jahre 1528 in Bern durchgesetzte Reformation stiess im Obersimmental auf heftigen Widerstand. Auf Druck der katholischen Handelspartner aus dem Wallis schrieben die Lenker 1529 an Bern, dass sie den alten Glauben beibehalten wollten. Erst vier Jahre später wurde die Lenk unter dem Pfarrer Wilhelm Dachs 1533 reformiert.

1663 wütete an der Lenk ein ganzes Jahr lang die Pest. Die Seuche, welche seit 1358 im Berner Oberland grassierte, trat an der Lenk letztmals erst 1752 auf, als sie im Pfarrhaus drei Kinderleben forderte.[5]

Über den Rawilpass (2'429 m ü. M.) unterhielten die Lenker seit dem frühen Mittelalter Handelsbeziehungen mit dem Wallis. Mehrere Wiesen nördlich der Passhöhe wurden lange Zeit von den Wallisern unterhalten, wie z. B. die Wallisdole auf der Iffigenalp. Die Legende der sogenannten Wyberschlacht auf der Langermatte weist aber auch auf Konflikte zwischen Lenkern und Wallisern hin.

Wegen anhaltenden Überschwemmungen des Oberrieds durch die Simme wurde deren Bachbett im 18. Jahrhundert künstlich verändert. Die markantesten Zeugen dieser Gewässerkorrektur sind die Simmenfälle, wo die Wassermassen in einem in den Fels gesprengten Bachbett ins Tal stürzen.[6]

Seit dem 18. Jahrhundert florierte im Simmental der Export des Simmentaler Fleckviehs. Züchtung und Verkauf der begehrten Rasse brachten dem gesamten Tal Arbeit und Wohlstand, wie an den reich verzierten Simmentaler Häusern aus jener Zeit zu sehen ist.[7]

Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage wanderten vorwiegend im 19. Jahrhundert zahlreiche arme Lenker Familien nach Amerika aus. Der Gemeinderat unterstützte sie mit 20-40 Franken pro Kind. [8]

Am 16. Juli 1878 wurde die bis anhin verschonte Lenk von einem verheerenden Dorfbrand heimgesucht. 25 Gebäude fielen den Flammen zum Opfer, unter ihnen auch die alte Kirche. Obwohl das halbe Dorf abbrannte, gab es keine Verletzten.

Am 4. Juli 1930 wurde die Lenk Opfer einer Unwetterkatastrophe. Nach einem heftigen Gewitter verwüsteten Murgänge aus den Seitenbächen das halbe Dorf und verstopften das Flussbett der Simme, so dass das gesamte Dorfzentrum einen Monat unter Wasser gesetzt wurde.[9] Nur mit Hilfe von aussen, unter anderem durch das Militär, konnten Dorf und Zufahrtswege wieder instandgesetzt werden.[10]

Herkunft des Dorfnamens[Bearbeiten]

Der Ursprung des Dorfnamens kann nicht mit Sicherheit bestimmt werden. Die gängigste Theorie besagt, dass der Name vom markanten Nordgrat des Oberlaubhornes herrührt, welcher noch heute als «Längi Egge» oder «Längeck» (= lange Ecke) bezeichnet wird. Diese Theorie würde auch erklären, weshalb man «an der Lenk» statt «in der Lenk» sagt.

Wappen[Bearbeiten]

Der obere Teil des lenker Wappens zieren die Siebenbrünnen, also die Quelle der Simme, auf grünem Grund. Der untere Teil zeigt Kunkel und Schwert auf rotem Grund, und soll an die Wyberschlacht auf der Langermatte zu Zeiten der Villmergerkriege erinnern. Die Legende der Wyberschlacht besagt, dass die lenker Frauen, in Abwesenheit der in den Krieg gezogenen Männer, walliser Viehdiebe nur mit Werkzeug bewaffnet in die Flucht schlugen.[11]

Tourismus[Bearbeiten]

Blick auf die Bergkette südlich von Lenk kurz vor Dorfeingang.

Die Lenk hat – bei knapp über 2000 Einwohnern – ungefähr 11000 Übernachtungsplätze, davon 950 Hotelbetten. 30 Restaurants bieten Mahlzeiten und Getränke an, nicht eingerechnet die Jausenstationen im Ski- oder Bergwandergebiet.

Die Geschichte des Tourismus an der Lenk begann 1689 mit der Eröffnung des Mineralbades Lenk. Das Bad wird bis heute von einer acht Grad kalten Schwefelquelle aus der Holiebi westlich des Dorfes gespeist. Das mit Schwefelwasserstoff angereicherte Wasser wurde als Universalheilmittel vermarktet, und Menschen mit unterschiedlichsten Leiden kamen auf der Suche nach Linderung aus ganz Europa an die Lenk. Mit den aufkommenden Arzneimitteln Anfang des 20. Jahrhunderts schwand das Interesse am Mineralbad Lenk, und der Wintersport übernahm die Rolle als Tourismusmotor. Die erste Transportbahn war das Funi (Kurzform von Funiculaire), eine Schlitten-Standseilbahn, welche Wintersportler von der Lenk auf den Stoss beförderte, also ungefähr dorthin, wo sich heute die Mittelstation der Gondelbahn Lenk-Betelberg befindet. Es folgten weitere Bahnen auf beiden Talseiten. Heute besteht neben dem «Hausberg» Betelberg ein Liftverbund mit der Region Adelboden. Höchster Punkt ist der Schlepplift Dossen mit 2'362 m ü. M. im Bereich Engstligenalp auf Adelbodener Seite. Insgesamt erschliessen 56 Liftanlagen 185 Pistenkilometer. Damit ist das Skigebiet Adelboden-Lenk eines der grössten im Berner Oberland.

Die alte Tradition des Kur- und Badeortes Lenk wurde im total renovierten Luxushotel Lenkerhof gourmet spa resort in neuer Atmosphäre wiederbelebt.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Seit 1988 finden jährlich im Juli die Jazz Tage Lenk statt. Neben den Konzerten auf dem Kronenplatz gibt es Workshops für junge Musiker. Bands aus verschiedensten Ländern spielen vorwiegend traditionellen New Orleans Jazz, aber auch Gospel, Blues und Kinderkonzerte sind vertreten.

Neben einer Vielzahl von Jugend- und Militärskilagern, die teilweise mehrfach im Jahr durchgeführt werden, findet jeweils im Februar ein internationales Schlittenhunderennen in der Lenk statt. Anlässe für Familien wie Kinderkonzerte mit Maus Jimmy Flitz prägen den touristisch aktiven Ort.

Seit Herbst 2011 ist die Strubeli Dampfbahn beim Lenkersee in Betrieb. Sie ist in den neuen Spielplatz integriert und wird in den Sommermonaten betrieben. Die 10 Zoll (254 mm) Bahn ist zur Hauptattraktion des Spielplatzes geworden.

Ein Publikumsmagnet ist seit vielen Jahren das Aelplerfest, welches jeweils Mitte Oktober stattfindet. Dabei werden Kühe von Ihren Besitzern geschmückt und in sogenannten «Zügleten» durch das Dorf getrieben.

Verkehr[Bearbeiten]

Schon in prähistorischer Zeit wurde das 2756 Meter hohe Schnidejoch als Verkehrsweg genutzt. Nördlich der Passhöhe fanden Archäologen eine beeindruckende Fülle an Werkzeugen und Kleidung, von denen die ältesten mit einem Alter von über 6000 Jahren etwa 1500 Jahre älter sind als Ötzi.[12] Die Überreste eines römischen Gebäudes, die 1983 am Westufer des Iffigensees unter der Wasseroberfläche gefunden wurden, lassen darauf schliessen, dass der gleiche Passübergang auch zu römischen Zeiten rege genutzt wurde.[13]

Im frühen Mittelalter verlor das Schnidejoch seine Bedeutung zugunsten des tiefer gelegenen Rawilpasses, welcher durch die Errichtung eines Saumpfades begehbar gemacht wurde. In der ersten Hälfte des 18. Jh. Wurde ein neuer Pfad in die Felswand über der Iffigenalp gesprengt, wodurch der Weg von der Lenk ins Wallis noch einmal verkürzt wurde.[14]

Seit der Einläutung des Bahnzeitalters gab es mehrmals Ambitionen, eine Bahn durch das Simmental ins Wallis zu bauen. Beim ersten Projekt handelte es sich um eine Normalspurbahn, welche mittels zwei Tunneln durch das Stockhorn- und das Wildstrubelmassiv den Anschluss Berns an den Simplontunnel und somit nach Italien hätte sicherstellen sollen. Das Dampfbahn-Projekt unterlag jedoch der elektrischen Lötschberg-Variante.[15] 1912, als Die MOB-Strecke Zweisimmen-Lenk eingeweiht wurde, plante man den Bau einer Rawil-Bahn ins Wallis, die jedoch nie realisiert wurde.[16]

Auch eine Strasse über den Rawilpass, beziehungsweise darunter hindurch, war immer wieder ein Thema gewesen. Die erste Idee war eine Passstrasse nach Crans-Montana mit einem lediglich 1,6 km langen Tunnel.[17] Im Rahmen des Nationalstrassennetzes war Ende der 50er Jahre ein ambitionierteres Projekt in Form einer Weiterziehung der A6 durch das Simmental bis an die A9 im Wallis mit einem ca. 4 km langen Rawiltunnel vorgesehen. Da diese Strasse wegen ihres hochgelegenen Scheitelpunktes nur im Sommer befahrbar gewesen wäre und so ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis aufgewiesen hätte, verwarf man diese Idee aber bald wieder, und plante stattdessen den Bau eines 9.8 Kilometer langen, wintersicheren Tunnels. Das umstrittene Autobahn-Projekt wurde jedoch wegen heftigen Widerstands der simmentaler Bevölkerung und ungünstigen geologischen Voraussetzungen am Rawil trotz heftiger Proteste aus dem Wallis verworfen.

Sonstiges[Bearbeiten]

Eine kurze Sequenz von Theo gegen den Rest der Welt mit Marius Müller-Westernhagen wurde an der Lenk aufgenommen.

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Sommer, Albert, 500 Jahre Lenk. Wimmis 2005.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lenk im Simmental – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. http://map.geo.admin.ch/
  3. http://www.wahlarchiv.sites.be.ch/wahlen2011/target/NAWAInternetAction.do@method=read&sprache=d&typ=21&gem=792.html abgerufen am 16. Juli 2012
  4. http://www.lenk-simmental.ch/de/Simmental/Geschichte
  5. Aebi Ruth L., Lenk, Naturschönheit im Simmental. Aarau 1994. S. 27
  6. Sommer, Albert, 500 Jahre Lenk. Wimmis 2005. S. 127
  7. Aebi Ruth L., Lenk, Naturschönheit im Simmental. Aarau 1994. S. 41
  8. Sommer, Albert, 500 Jahre Lenk. Wimmis 2005. S. 134
  9. Aebi Ruth L., Lenk, Naturschönheit im Simmental. Aarau 1994. S. 32
  10. Sommer, Albert, 500 Jahre Lenk. Wimmis 2005. S. 152-159
  11. Michel, Hans A. (Hrsg.), Die Lenk in alter Zeit, Die Lenk im Jahre 1799. Bern 1978. S. 5
  12. Prof. Dr. Hafner, Albert, Zwischen Gipfeln und Seen – Archäologie im Alpenraum. In: UniPress 156/2013. S. 15
  13. Herzig Heinz E., Eine Römerstrasse am Kaltwasserpass? Probleme der Alpenstrassen zur Römerzeit. In: Stiftung Kulturförderung Lenk (Hrsg.), Lenk, Zehn Jahre Sommer-Universität Lenk. Wimmis 1997. S. 19-23
  14. Michel, Hans A. (Hrsg.), Die Lenk in alter Zeit, Die Lenk im Jahre 1799. Bern 1978. S. 78-80
  15. Amacher Hoppler, Anna, Entstehung der Lötschbergbahn 1902-1913. In: Elsasser, Kilian T. und Appenzeller, Stephan, Pionierbahn am Lötschberg, Die Geschichte der Lötschbergbahn. Zürich 2013. S. 58-61
  16. Michel, Hans A. (Hrsg.), Die Lenk in alter Zeit, Die Lenk im Jahre 1799. Bern 1978. S. 78
  17. Sommer, Albert, 500 Jahre Lenk. Wimmis 2005. S. 158