Levin August von Bennigsen

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Levin August von Bennigsen - Porträt von George Dawe (heute in der Militär-Galerie (Военная галерея) des Winterpalastes)

Graf Levin (Leontij Leontevič) August Theophil von Bennigsen (russisch Леонтий Леонтьевич Беннигсен; * 10. Februar 1745 in Braunschweig; † 3. Dezember 1826 in Banteln (Kreis Alfeld) bei Hildesheim) war ein Offizier aus dem niedersächsischen Adelsgeschlecht der Bennigsen. Er stand zunächst in kurfürstlich-hannoverschen Diensten und wurde später General der russischen Armee.

Leben[Bearbeiten]

Bennigsen war der Sohn des braunschweigischen Obersten Levin Friedrich von Bennigsen und dessen Ehefrau Henriette Marie von Rauchhaupt. Mütterlicherseits war Bennigsen damit der Urenkel des kursächsischen General-Feldmarschalls Hans Adam von Schöning. Der spätere hannoversche Premierminister Alexander Levin von Bennigsen war sein Sohn. Bennigsens Urenkel Karl und Adolf wurden als Fürsten von Auersperg österreichische Ministerpräsidenten.

Nach nur kurzem Unterricht durch Hauslehrer kam Bennigsen mit zehn Jahren 1755 als Page an den kurfürstlich braunschweigischen Hof nach Hannover. Bereits vier Jahre später wurde er als Fähnrich in die hannoversche Fußgarde aufgenommen. 1762, bei der Schlacht bei Freiberg, der letzten kriegerischen Auseinandersetzung im Siebenjährigen Krieg, fungierte er bereits als Hauptmann.

Im selben Jahr starb auch sein Vater und Bennigsen übernahm als Erbe das Gut Banteln. Er trat aus der Armee aus, zeigte aber keinerlei kaufmännisches Geschick. 1768 heiratete er Friederike Amalie, eine Tochter des hannoverschen Gesandten am Hof in Wien Georg Friedrich von Steinberg. Im Jahr 1772 hatte sich Bennigsen ruiniert und sein Erbe in den Konkurs gewirtschaftet. Vergeblich bemühte er sich um eine Anstellung an den Hof der nach Celle verbannten dänischen Königin Caroline Mathilde. So nahm er das Angebot der Zarin Katharina II. an und trat 1773 als Premiermajor des Wjatkaschen Musketierregiments in das russische Heer ein. Bis 1815 blieb Bennigsen in russischen Diensten. Kurz zuvor war seine erste Frau gestorben und Caroline Mathilde nahm Sophie (1769–1850), die ältere der beiden Töchter, als Pflegekind auf.[1]

Im Jahr 1776 heiratete Bennigsen zum zweiten Mal, Elisabeth Meyer. Da bereits wenige Wochen nach der Hochzeit seine zweite Ehefrau verstarb, ehelichte Bennigsen 1777 Amalie Oelgarde, eine Tochter des hannoverschen Ministers August Wilhelm von Schwicheldt.

Bereits im darauffolgenden Jahr nahm Bennigsen unter dem Befehl von Feldmarschall Graf Pjotr Rumjanzew-Sadunaiski an den russischen Feldzügen gegen die Türken und Perser teil. 1778 wurde er zum Oberstleutnant befördert, was auch einen Wechsel zur Kavallerie zur Folge hatte. Nach der Einnahme von Otschakiw unter General Potemkin zeichnete sich Bennigsen ebenfalls aus und wurde dafür im Jahr 1790 zum Oberst befördert. Im Jahr 1792 führte er in Litauen ein fliegendes Korps zur Deckung von Weißrussland. In der Schlacht bei Soly im Jahr 1794 erlitt das polnische Heer eine Niederlage, an der Bennigsen maßgeblich beteiligt war. Dies brachte ihm eine Beförderung zum Generalmajor ein.

Für die handstreichartige Aushebung einer feindlichen Batterie bei Vilnius im Juli 1792 bekam Bennigsen von Zarin Katharina II. persönlich ein sehr großes Landgut im Gouvernement Minsk verliehen. Im Krieg gegen Persien im Jahr 1796 trug er wesentlich zur Einnahme von Derbent bei. Trotz des folgenden zehnjährigen Friedens avancierte er im Jahr 1798 zum Generalleutnant und 1802 zum General der Kavallerie.

Bennigsen war maßgeblich an der Verschwörung gegen Zar Paul I. beteiligt. Als Initiator trug er auch bei dessen Ermordung am 23. März 1801 wesentlich zum Gelingen des Attentats bei, wiewohl er bei der Tat selbst nicht gegenwärtig war. Von Pauls Nachfolger, Zar Alexander I. wurde er zum Generalgouverneur von Litauen ernannt. Im November 1805 kam er mit der Nordarmee Österreich zu Hilfe, erhielt aber kaum vier Wochen später bei Breslau den Befehl zum Rückzug, da der Friede von Pressburg geschlossen worden war.

Da inzwischen Ehefrau Amalie Oelgarde ebenfalls verstorben war, heiratete Bennigsen im Anschluss an die Feierlichkeiten der Friedensverhandlungen Marie Leonarde von Andrzeykowicz. Mit ihr hatte er einen Sohn, Alexander, der 1809 geboren wurde.

Im Oktober 1806 rückte Bennigsen mit einem starken Hilfskorps in Preußen ein und behauptete sich bei den Kämpfen bei Pułtusk gegen den heftigen Angriff des französischen Heeres unter Napoléon Bonaparte am 26. Dezember 1806, wodurch das russische Heer vor einer Niederlage gerettet wurde. Zar Alexander ernannte ihn dafür am 1. Januar 1807 zum Oberbefehlshaber der Armee. Als solcher errang Bennigsen gegen die Franzosen zwischen dem 7. und 8. Februar 1807 in der Schlacht bei Preußisch Eylau ein Unentschieden, muss dabei jedoch schwere Verluste in Kauf nehmen. Durch falsche Entscheidungen erlitt Bennigsen in der Schlacht bei Friedland eine entscheidende Niederlage, welche dann 1807 den Frieden von Tilsit zur Folge hatte.

Bennigsen nahm seinen Abschied und zog sich für die folgenden fünf Jahre auf seine Güter in der Nähe von Vilnius zurück. 1812 wurde Bennigsen auf Wunsch von Generalfeldmarschall Kutusow zum Chef des Generalstabes ernannt. Trotz dieser Aufgaben nahm Bennigsen am 7. September 1812 an der Schlacht von Borodino teil und besiegte General Joachim Murat am 18. Oktober in der Schlacht bei Tarutino. Differenzen mit Generalfeldmarschall Kutusow bewegten Bennigsen zu einem mehrmonatigen Urlaub. Doch bereits Anfang 1813 holte ihn Zar Alexander I. mit der Beförderung zum Oberbefehlshaber der Reservearmee, welche in Polen aufgestellt worden war, wieder zurück. Mit diesem Heer besetzte Bennigsen im Juli desselben Jahres das Herzogtum Warschau. Dort besiegte er am 12. Oktober General Laurent de Gouvion Saint-Cyr in der Schlacht bei Dohna. Anschließend führte er diese Armee in Eilmärschen nach Leipzig, wo er dann vier Tage später maßgeblich an der Völkerschlacht bei Leipzig beteiligt war. Sein rechtzeitiges Eintreffen am 17. Oktober sicherte maßgeblich den Sieg der Verbündeten. Bennigsen nahm persönlich die Kapitulation des Königs von Sachsen, Friedrich August I. entgegen.

Noch in Leipzig wurde Bennigsen durch Zar Alexander I. persönlich in den russischen Grafenstand erhoben. Bis zum ersten Pariser Frieden am 30. Mai 1814 belagerte Bennigsen u.a. Hamburg, Magdeburg, Torgau und Wittenberg. Nach Beendigung der Freiheitskriege ließ sich Bennigsen das Oberkommando der zaristischen Südarmee in Bessarabien übertragen und sicherte mit dieser die russisch-türkische Grenze.

Nach vier Jahren ließ sich Bennigsen im Jahr 1818 in den Ruhestand versetzen, da er sich infolge verschiedener Kriegsverletzungen nicht mehr dienstfähig sah. Er zog sich zusammen mit seinem Sohn Alexander auf Gut Banteln zurück, wo er auch am 3. Dezember 1826 im Alter von über 81 Jahren starb.

Noch heute hängt in der Dorfkirche von Banteln das Bild des bekannten Sohnes des Dorfes, eine Abbildung in Uniform auf dem Schlachtfeld bei Hamburg.

Werke[Bearbeiten]

  • Gedanken über einige dem Officier der leichten Reiterei nothwendige Vorkenntnisse. Riga 1794.
  • Mémoires. Charles-Lavauzelle, Paris 1907.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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Belege[Bearbeiten]

  1. Jürgen Huck: Sophie von Bennigsen (1769–1850) – Pflegetochter der Königin Caroline Mathilde In: Caroline Mathilde. Von Kopenhagen nach Celle – Das kurze Leben einer Königin. Hrsg. vom Bomann-Museum Celle. Celle 2001, S. 201–214; S. 202. 205