Sibylle Lewitscharoff
Sibylle Lewitscharoff (* 16. April 1954 in Stuttgart) ist eine deutsche Schriftstellerin.
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Leben [Bearbeiten]
Sibylle Lewitscharoff stammt von einem bulgarischen Vater und einer deutschen Mutter ab.[1] Sie wuchs in Stuttgart auf, wo sie 1972 ihr Abitur machte. In dieser Zeit beteiligte sie sich an der Gründung eines regionalen Ablegers des Sozialistischen Büros.[2] Anschließend studierte sie bei Professor Klaus Heinrich Religionswissenschaft an der Freien Universität Berlin.[3] Während ihres Studiums hielt sie sich für längere Zeit in Buenos Aires und Paris auf, und lebt seitdem in Berlin.[1]
Nach ihrem Studienabschluss arbeitete Lewitscharoff einige Jahre als Buchhalterin in einer Berliner Werbeagentur.[1] Ihre schriftstellerische Tätigkeit begann sie mit dem Verfassen von Radio-Features und Hörspielen.
Von Dezember 2009 bis Ende Januar 2010 stellte sie im Rahmen der Veranstaltungsreihe fluxus im Literaturmuseum der Moderne in Marbach am Neckar vier Papiertheaterarbeiten und zwei Leporellos aus, die wie der sie begleitende Essay Der Dichter als Kind dem vorliterarischen Leben von Goethe, Schiller, Clemens Brentano, Gottfried Keller und Karl Philipp Moritz galten.[4] Sie ist seit 2005 Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Im Grimm-Jahr 2013 übernimmt Lewitscharoff die Grimm-Professur an der Universität Kassel.[5]
Romane [Bearbeiten]
Sibylle Lewitscharoff veröffentlichte 1998 die Erzählung Pong, mit der sie in Klagenfurt mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde. Pong ist die Geschichte eines Verrückten, der die Welt verändern will und dessen absurde Logik die Perspektive der Erzählung bestimmt. Im Jahr 2003 wird ihr Roman Montgomery veröffentlicht, der die Lebensgeschichte des schwäbisch-italienischen Filmproduzenten Montgomery Cassini Stahl erzählt, der dabei war, das Leben des Joseph Süß Oppenheimer zu verfilmen. Der Tod des Filmproduzenten wird zum Ausgangspunkt des Romans, der das Leben des Filmproduzenten in Rückblenden rekonstruiert. 2006 erscheint Lewitscharoffs Roman Consummatus, in dem der Lehrer Ralph Zimmermann in einem Cafe sitzt und in einem Monolog die Lebenden und die Toten seines Lebens auftauchen lässt. Die Stationen seines Lebens passieren Revue, zu denen neben dem Tod der Eltern die Liebe zu einer Sängerin zählt, mit der er bis zu ihrem Tod einige Monate lang in Europa unterwegs war. 2009 erschien der Roman Apostoloff, in dem zwei Schwestern in Bulgarien unterwegs sind, wohin die Überreste ihres bulgarischen Vaters überführt werden. Die jüngere Schwester, die Erzählerin, rechnet sowohl mit ihrem toten Vater als auch dem Herkunftsland Bulgarien ab. In ihrem 2011 erschienenen Roman Blumenberg erscheint dem Philosophen Hans Blumenberg eines Nachts ein Löwe im Arbeitszimmer. Er liegt auf dem Teppich und schaut den Hausherrn an und zeigt sich auch während seiner Vorlesung an der Universität. Das Leben Blumenbergs und das Schicksal einiger seiner Studierenden wird im Kontext der Löwen-Erscheinung erzählt. Lewitscharoff nimmt mit Blumenberg Bezug auf die 2001 unter dem Titel Löwen erschienenen philosophischen Betrachtungen aus dem Nachlass Hans Blumenbergs.
Auszeichnungen [Bearbeiten]
- 1998: Ingeborg-Bachmann-Preis
- 2006: Kranichsteiner Literaturpreis
- 2007: Preis der Literaturhäuser
- 2007: Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung
- 2008: Marie-Luise-Kaschnitz-Preis
- 2009: Preis der Leipziger Buchmesse für ihren Roman Apostoloff
- 2009: Spycher: Literaturpreis Leuk
- 2009: Bestenliste des Preises der deutschen Schallplattenkritik (4. Quartal) für das von ihr selbst gelesene Hörbuch Apostoloff
- 2010: Berliner Literaturpreis
- 2010: Mitglied der Akademie der Künste (Berlin)
- 2011: Frankfurter Poetik-Vorlesungen
- 2011: Zweifel am Guten, Wahren, Schönen, Zürcher Poetikvorlesungen
- 2011: Kleist-Preis
- 2011: Ricarda-Huch-Preis
- 2011: Marieluise-Fleißer-Preis
- 2011: Wilhelm-Raabe-Literaturpreis für den Roman Blumenberg
- 2011: Nominierung für den Deutschen Buchpreis (Shortlist) mit dem Roman Blumenberg
- 2011/2012: Stipendiatin des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg
- 2012: Stipendiatin des Jahrgangs 2013 der Villa Massimo.[6]
- 2013: Brüder-Grimm-Professur Kassel
Werke [Bearbeiten]
Romane
- 36 Gerechte. C. Steinrötter, Münster 1994, ISBN 3-927024-00-7.
- Pong. Berlin Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-8270-0285-0.
- Der höfliche Harald. Berlin Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-8270-0349-0.
- Montgomery. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart [u.a.] 2003, ISBN 3-421-05680-3.
- Consummatus. DVA, Stuttgart 2006, ISBN 3-421-05596-3.
- Apostoloff. Suhrkamp, Frankfurt 2009, ISBN 3-518-42061-5.
- Blumenberg. Suhrkamp, Berlin 2011, ISBN 978-3-518-42244-1. (Die Hauptfigur ist ein literarisches Porträt des Philosophen Hans Blumenberg.)
Essays und Gespräche
- Der Dichter als Kind. Ein Essay und fünf szenische Objekte. In: Marbacher Magazin 128, Deutsche Schillergesellschaft, Marbach am Neckar 2009, ISBN 978-3-937384-63-4.
- Der mörderische Kern des Erzählens. Mit einem Nachwort von Gisela Wand. Rede zur Eröffnung des Europäischen Schriftstellerkongresses 2009 in der Stiftskirche St. Arnual, Saarbrücken. Gollenstein Verlag, Merzig 2010, ISBN 978-3-938823-66-8.
- Ein Satz als Instrument. Michael Lentz und Sibylle Lewitscharoff im Gespräch. In: Ich liebe Dich. Marbacher Magazin 136, Deutsche Schillergesellschaft, Marbach am Neckar 2011, ISBN 978-3-937384-78-8, S. 5–52.
- Über die Niederlage. Klagenfurter Rede zur Literatur 2011. Text (PDF; 18 kB) und Video
- Vom Guten, Wahren und Schönen: Frankfurter und Zürcher Poetikvorlesungen. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3518126493.
Bühnenwerke
- Vor dem Gericht. Uraufführung des Theaterstücks 2012 am Nationaltheater Mannheim unter Regie von Burkhard C. Kosminski.[3]
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur von und über Sibylle Lewitscharoff im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Biographische Selbstangaben, Werke und Hörproben von Sibylle Lewitscharoff bei Literaturport
- Auszug aus dem Roman Pong für den Bachmann-Wettbewerb
- Rezensionen zu Werken von Sibylle Lewitscharoff bei perlentaucher.de
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b c Kurzporträt von Sibylle Lewitscharoff auf den Seiten des Suhrkamp-Verlags. (Abgerufen am 26. Mai 2012.)
- ↑ Vgl. Uta Bitterli, Sybille Lewitscharoff, Onno Poppinga: Sozialistisches Zentrum Stuttgart: Versuch einer regionalen Orientierung. In: links Nr. 39, Dezember 1972; hier nach: Für eine neue sozialistische Linke. Analysen, Strategien, Modelle. Hrsg. v. Sozialistischen Büro. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-436-01771-X. S. 299–304.
- ↑ a b Bettina Schulte: Wartezimmer zum Jenseits : Sibylle Lewitscharoffs erstes Theaterstück „Vor dem Gericht“ in Mannheim uraufgeführt. In: Badische Zeitung vom 22. Mai 2012.
- ↑ Film der Ausstellungseröffnung fluxus 12 [1]
- ↑ Homepage Universität Kassel Nachrichten vom 6. Februar 2013 Kasseler Grimm-Professur 2013 an Sibylle Lewitscharoff, abgerufen am 6. Februar 2013
- ↑ Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat Rom-Preise 2013 der Villa Massimo vergeben. ddp-Meldung vom 1.Juni 2012.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lewitscharoff, Sibylle |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 16. April 1954 |
| GEBURTSORT | Stuttgart |