Ludwig Martin

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Markus Ludwig Martin (* 25. April 1909 in Waltenhofen-Martinszell, Oberallgäu; † 31. März 2010 in Karlsruhe) war ein deutscher Jurist. Er war vom 7. April 1963 bis zu seiner Pensionierung am 30. April 1974 Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof.

Leben[Bearbeiten]

Martin, Sohn eines Molkereifacharbeiters, konnte entgegen dem Wunsch seines Vaters und mit Fürsprache seines Religionslehrers sein Abitur machen und Rechtswissenschaften sowie Volkswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München studieren. 1933/34 absolvierte er ein Zusatzstudium der Philosophie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. 1932 und 1937 bestand er die juristischen Staatsprüfungen und trat in den bayerischen Justizdienst ein.

1939 wurde Martin – obwohl kein Mitglied der NSDAP – Jourrichter, später Strafrichter und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Reichsanwaltschaft beim Reichsgericht in Leipzig. Im Oktober 1939 wurde er Staatsanwalt in Nürnberg-Fürth und im Februar 1940 in Leipzig, jedoch nur formal – beide Ämter trat er nie an. Ab 1939 leistete er Kriegsdienst in der Wehrmacht.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft wurde er 1946 Amtsrichter in Sonthofen, 1950 kam er in die zivilrechtliche Abteilung des Bundesjustizministeriums. Von dort wurde er im Januar 1951 an die Bundesanwaltschaft abgeordnet, wo er bereits fünf Monate später zum Oberstaatsanwalt ernannt und im Juni 1952 zum Bundesanwalt befördert wurde. 1953 wurde er zum Bundesrichter ernannt und war zehn Jahre lang – bis 1963 – vor allem in Strafsenaten am 1. und 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofes tätig.

1956 war er als beisitzender Richter am BGH-Urteil gegen die NS-Verbrecher Otto Thorbeck und Walter Huppenkothen beteiligt, durch das diese vom Vorwurf der Beihilfe zum Mord freigesprochen wurden. Auch auf Grund Martins Tätigkeit als Jurist während der NS-Zeit wird dieses Urteil heute sehr kritisch gesehen. Im Gegensatz zu diesem BGH-Urteil hatte die Vorinstanz, das Landgericht Augsburg, die Angeklagten Huppenkothen und Thorbeck wegen Beihilfe zum Mord in sechs bzw. fünf Fällen verurteilt.

1963 folgte schließlich die Ernennung zum Generalbundesanwalt. In diese Amtszeit fielen Fälle wie die Spiegel-Affäre und das Guillaume-Verfahren. 1974 ging er in den Ruhestand.

Ludwig Martin lebte zuletzt in Karlsruhe-Rüppurr.

Wirken[Bearbeiten]

Martin war seit 1956 Mitglied und später Vorsitzender und Ehrenpräsident der Deutschen Sektion der Internationalen Juristen-Kommission e. V. und Ehrenpräsident der Deutsch-Italienischen Juristenvereinigung.

1977 trat er der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte e. V. (IGFM) bei und war Kuratoriumspräsident sowie deren Ehrenpräsident. Er befürwortete die Todesstrafe.[1] Als Kuratoriumspräsident der IGFM galt er dem chilenischen Regime von Augusto Pinochet als „bewährter Freund“. 1987 warnte er, gemeinsam mit Lothar Bossle, die chilenischen Regierungsstellen, dass das Bekanntwerden der Verbrechen in der Colonia Dignidad zu einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen Deutschland und dem Pinochet-Regime führen könnte.[2]

Martin war bekennender Konservativer und Katholik. Er war seit 1973 Mitglied der Komturei St. Bernhard in Baden-Baden des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Neben verschiedenen nationalen und internationalen Auszeichnungen wurde er mit dem Komturkreuz mit Stern des päpstlichen Gregoriusordens (1969) sowie mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Armand Mergen (Hrsg.): Dokumentation über die Todesstrafe. Stoytscheff, Darmstadt, Nürnberg, Düsseldorf und Berlin 1963
  2. Mauricio Weibel: Colonia Dignidad: Was wussten Pinochets Freunde am Rhein? Südwest_presse, 29. Oktober 2012.