Lynchjustiz

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Zeitgenössische Darstellung von Lynchjustiz im Le Petit Journal

Mit Lynchjustiz wird die eigenmächtige, illegale Exekution tatsächlicher oder vermeintlicher Verbrecher oder unliebsamer Personen ohne anerkanntes richterliches Verfahren bezeichnet.

Etymologie[Bearbeiten]

Die Herkunft des Begriffs Lynchjustiz ist nicht eindeutig geklärt. Je nach Quelle werden unterschiedliche Personen als Namensgeber genannt. Darunter:

  • Charles Lynch (1736–1796), bekannt als ein willkürlich rechtsprechender Oberst und Richter, der im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg sowohl englandtreue Loyalisten als auch vermeintlich Kriminelle ohne ordentliches Gerichtsverfahren bestrafen ließ (meist durch Auspeitschen).
  • John Lynch, der Ende des 17. Jahrhunderts von den Bewohnern North Carolinas mit unumschränkter richterlicher und exekutiver Gewalt ausgestattet wurde.
  • William Lynch (1742–1820) aus Virginia. Er organisierte eine Bürgerwehr in Pittsylvania County, um eine berüchtigte Räuberbande zu fangen und zu bestrafen.
  • James Lynch, Bürgermeister der irischen Stadt Galway, der 1493 in einem Mordprozess gegen seinen Sohn als Ankläger und Richter und nach dessen Verurteilung auch als Henker auftrat.[1]

Lynchen als Instrument der Einschüchterung[Bearbeiten]

Postkarte, die den verkohlten Leichnam des Jesse Washington zeigt. Text:
This is the barbecue we had last night. […] Your son, Joe. („Das war gestern abend unser Barbecue. […] Dein Sohn Joe.“)

Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg wurde „Lynching“ immer mehr zu einem Instrument der Einschüchterung gegen Afroamerikaner, oft praktiziert von Mitgliedern des Ku-Klux-Klans, aber auch von der sonstigen weißen Bevölkerung der Südstaaten. Oft wurden von Fotos der Lynchopfern Postkarten angefertigt. Diese dienten sowohl der Belustigung der weißen Bevölkerung als auch zur Abschreckung und Einschüchterung der afroamerikanischen Bevölkerung.

Als Lynchen bezeichnet man seither die Bestrafung (insbesondere mit dem Tod) ohne richterliches Urteil meist durch eine (unter Umständen von einem Agitator aufgebrachte) Volksmenge (Mob).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • James Allen (Hrsg.): Without Sanctuary. Lynching Photography in America. Twin Palms Publications, 2000, ISBN 0-944092-69-1 (mit Online-Begleitmaterial)
  • Philip Dray: At the Hands of Persons Unknown. The Lynching of Black America. Random House, New York 2002, ISBN 0-375-50324-2 oder ISBN 0-375-75445-8
  • Jacqueline Goldsby: A Spectacular Secret: Lynching in American Life and Literature. Chicago 2006, ISBN 978-0-226-30137-2
  • Judith Ketelsen: Das unaussprechliche Verbrechen. Die Kriminalisierung der Opfer im Diskurs um Lynching und Vergewaltigung in den Südstaaten der USA nach dem Bürgerkrieg. Lit, Münster 2000, ISBN 3-8258-4498-6
  • Sascha W. Krause: The anatomy of resistance. The rhetoric of anti-lynching in American literature and culture, 1892–1936. Dissertation, Universität Regensburg 2006 (Volltext)
  • Ida B. Wells-Barnett: Mob Rule in New Orleans. Robert Charles and His Fight to Death, the Story of His Life, Burning Human Beings Alive, Other Lynching Statistics. 1900 (E-Text)
  • Ida B. Wells-Barnett: The Red Record. Tabulated Statistics and Alleged Causes of Lynching in the United States. 1895 (E-Text)
  • Ida B. Wells-Barnett: Southern Horrors. Lynch Law in All Its Phases (E-Text)
  • Manfred Berg: Lynchjustiz in den USA. Hamburger Edition, Hamburg 2014, ISBN 978-3-86854-273-8

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Patrick Bauser: Der Westen Irlands. In: FH-Zeitung, 2005.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lynchjustiz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien