Münstersche Zeitung

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Münstersche Zeitung
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Beschreibung deutsche Tageszeitung
Verlag Aschendorff Verlag
Erstausgabe 1897
Erscheinungsweise Montag bis Samstag
Verkaufte Auflage
(IVW 3/2014, Mo–Sa)
25.535[1] Exemplare
Chefredakteur Stefan Bergmann (bis 10/14)
Weblink www.muensterschezeitung.de

Münstersche Zeitung, kurz MZ, ist der Titel einer regionalen Tageszeitung mit Verlagssitz in Münster. Die Münstersche Zeitung gehört zum Verlag Aschendorff. Da die Zeitung keine eigenständige redaktionellen Inhalte produziert, sind die entsprechenden Positionen nicht besetzt.

Der frühere Herausgeber und langjährige Chefredakteur der Münsterschen Zeitung, Claus-Jürgen Spitzer, starb Anfang Mai 2007. Zusammen mit der Emsdettener Volkszeitung und Grevener Zeitung erreicht das Blatt im Großraum Münster eine Auflage von rund 26.000 Exemplaren laut IVW 3/13.

Am 1. August 2014 wurde bekannt, dass die finanziell angeschlagene MZ von der auflagenstärkeren Lokalzeitung Westfälische Nachrichten (WN) übernommen wird. Das Bundeskartellamt genehmigte die Übernahme.[2][3]

Die Münstersche Zeitung bezieht den Lokalteil von den Westfälischen Nachrichten. Der Mantel wird von den Ruhr-Nachrichten aus Dortmund zugeliefert.

Geschichte[Bearbeiten]

1871 gründete der Buchhändler Carl Josef Fahle in Münster den Zeitungsverlag zur Herausgabe des Münsterschen Tageblattes, das 1897 in Münstersche Zeitung umbenannt wurde. Sie wurde 1944 auf Druck der Nationalsozialisten eingestellt und durfte erst 1949 wieder erscheinen. 1986 wurde die C.J. Fahle GmbH vom Dortmunder Verlagshaus Lensing übernommen. 1989 kam die Emsdettener Volkszeitung hinzu, die Heinrich Lechte 1897 in Münster gegründet hatte. Auch er war ein für die Nationalsozialisten unbequemer Verleger: Sie enteigneten ihn wegen „Beleidigung des Führers“. Heinrich Lechte erhielt 1949 das Zeitungsverlagsrecht zurück.

2001 brachte die Münstersche Zeitung zudem eine neue Ausgabe für Neuenkirchen und Wettringen heraus.

Ein Bericht der Münsterschen Zeitung über einen zerstörten Blumenkübel löste im August 2010 die rasante Verbreitung des Hashtags #Blumenkübel über den Mikrobloggingdienst twitter aus.

Verbreitungsgebiet[Bearbeiten]

Die Zeitung erschien im Jahr 2007 in Münster, Greven, Steinfurt, Rheine und Neuenkirchen mit eigenen Lokalausgaben. Mit der Münsterland Zeitung in Ahaus und der Emsdettener Volkszeitung bestehen enge Verflechtungen.

Produkte[Bearbeiten]

Das Pressehaus der Münsterschen Zeitung an der Neubrückenstraße
Haus der Münsterschen Zeitung am Drubbel

Im Pressehaus Münster werden die Anzeigenblätter kaufen + sparen und die Münsterische Sonntagszeitung produziert.

Mit einer Auflage von mehr als 130.000 Exemplaren an jedem Samstag veröffentlicht die Münstersche Zeitung den größten Immobilienanzeigenteil mit kostenlosen Privatanzeigen im Münsterland. Der Titel "immomia.de" erscheint als Print-Produkt und Online-Portal.

Einmal im Monat liegen der Zeitung die Beilagen Moritz – ein Magazin für Familien – sowie der Blaumacher – ein Magazin von und für Schüler – bei. Vier mal im Jahr enthält die MZ zudem die münstersche Fußball-Zeitung Heimspiel.

Seit Mitte des Jahres 2007 betreibt die Münstersche Zeitung wieder einen eigenständigen Internet-Auftritt.

Umstrukturierung[Bearbeiten]

Im Januar 2007 geriet die Münstersche Zeitung im Zuge einer Restrukturierung in die Schlagzeilen. So entzog der Verleger Lambert Lensing-Wolff der bisherigen Lokalredaktion in Münster den Produktionsauftrag und stellte deren Mitarbeiter frei. Gleichzeitig übernahm eine neue Redaktion die lokale Berichterstattung. Während im alten Team noch nach dem klassischen Ressortprinzip gearbeitet wurde, produziert die neue Redaktion seit dem 21. Januar 2007 aus einem sogenannten Newsdesk heraus.[4]

Der Vorgang wurde von den Betroffenen und den Journalistengewerkschaften scharf kritisiert.[5][6] Die Interessenvertreter sprachen von „Manchesterkapitalismus“ und rücksichtsloser Behandlung der teilweise langjährigen Mitarbeiter. Man habe im Interesse des Profits jedes soziale Gewissen über Bord geschmissen. Die ehemaligen Redakteure stünden nun von heute auf morgen auf der Straße. Der Verlag habe rein aus wirtschaftlichen Gründen gehandelt. Die neuen Mitarbeiter seien mit deutlich geringeren Gehältern und mit Zeitverträgen in einer wesentlich schlechteren arbeitsrechtlichen Position als die alte Redaktion, deren Arbeitsverträge zum größten Teil aus der Zeit stammen, als die MZ noch tarifgebunden war.

Die Herausgeber begründeten ihr Vorgehen mit dem jahrelangen starken Auflagenverlust der MZ im Kernmarkt Münster. Während sich die Umlandausgaben im Markt gut behaupten würden, gehe es mit der Ausgabe Münster bergab. Interne Versuche der Änderung hätten keine Wirkung erzielt, daher wolle man es nun mit einem neuen Team und einem neuen Konzept versuchen, die auch durch Marktstudien abgesichert seien. Zugleich wiesen die Gesellschafter der MZ darauf hin, dass sie in anderen Verlagsbereichen in Münster im vergangenen Jahr mehr als 100 neue Arbeitsplätze geschaffen hätten. Im kressreport vom 8. Februar 2007 sagte Verleger Lambert Lensing-Wolff, das Qualitätsniveau der alten Redaktion sei „dermaßen unterirdisch“ gewesen, dass er die Zeitung ohne die Umstrukturierung in drei bis fünf Jahren hätte schließen müssen.

Nach Mitteilung des Verlages wurden inzwischen Lösungen für die 19 betroffenen Mitarbeiter gefunden. Ein kleinerer Teil fand neue Beschäftigung in anderen Firmen des Medienhauses. Für den größeren Teil wurde eine auf ein Jahr befristete Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft eingerichtet sowie Abfindungen im jeweils fünf bis sechsstelligen Bereich bezahlt. Nach Angaben des Verlages betrugen die Trennungsleistungen insgesamt gut zwei Millionen Euro.

Aus Protest gegen die Maßnahmen des Verlages gab es zahlreiche Abokündigungen. [7]

In der zweiten Hälfte des Jahres 2012 setzte das Medienhaus Lensing einen von Branchenkennern mit "Gebietsbereinigung" beschriebenen Kurs fort. Die Wettbewerber Medienhaus Lensing und WAZ-Mediengruppe hatten gemeinsam mit der Recklinghäuser Zeitung im Jahr 2006 und 2007 den Betrieb etlicher Redaktionen und Geschäftsstellen im Ruhrgebiet eingestellt. Als Folge hat der jeweilige Wettbewerber seitdem in Städten wie Gelsenkirchen, Gladbeck, Bottrop oder Haltern am See ein Monopol. Im Oktober 2012 wurde bekannt gegeben, dass die Münstersche Zeitung zum 31. Dezember 2012 ihr Erscheinen in den Städten Rheine, Neuenkirchen und Wettringen einstellt. Davon profitiert als Wettbewerber die Münsterländische Volkszeitung, die im Verlag Altmeppen erscheint.

Übernahme durch Westfälische Nachrichten[Bearbeiten]

Nach der Umstrukturierung 2007 sank die Auflage der MZ weiter, und auch die Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft wurden immer geringer.

Damit konnte sich die kleinere MZ gegenüber den auflagenstärkeren Westfälischen Nachrichten (WN) nicht mehr behaupten. Am 1. August 2014 verkündeten der MZ-Verlag Lensing und der WN-Verlag Aschendorff, dass die Münstersche Zeitung vom Aschendorff-Verlag übernommen werde.[8]

Beobachter befürchten, dass damit in Münster die Pressevielfalt deutlich zurückgehe und dass die Übernahme der als weniger konservativ geltenden MZ durch die WN zu einem politischen Rechtsruck in der lokalen Berichterstattung führen könne.[9]

Betroffen von der Übernahme ist auch der örtliche Radiosender Antenne Münster, der zu 75 Prozent den beiden Zeitungen gehört.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mit Emsdettener Volkszeitung und Grevener Zeitung
  2. Ab dem 18. November 2014 erscheint die MZ mit dem Lokalteil der Westfälischen Nachrichten. Der Mantelteil wird weiterhin von den Ruhr-Nachrichten in Dortmund zugeliefert. Westfälische Nachrichten will MZ übernehmen
  3. spiegel.de: Tageszeitungen in Münster: Kartellamt erlaubt Monopol - ausnahmsweise
  4. Friederieke Freiburg: Münstersche Zeitung-Verleger stellt ganze Redaktion kalt“, Spiegel Online vom 24. Januar 2007
  5. Pressemitteilung der Journalistengewerkschaft vom 25. Januar 2007
  6. Bericht zum Austausch der Lokalredation auf Spiegel Online vom 25. Januar 2007
  7. Eine Stadt kämpft für ihre Zeitung auf Spiegel Online vom 30. Januar 2007
  8. Mitteilung auf der Aschendorff-Webseite
  9. WDR Lokalzeit Münster vom 1. August 2014