Müritz-Nationalpark

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Müritz-Nationalpark
Der Käbelicksee bei Kratzeburg, Müritz-Nationalpark
Der Käbelicksee bei Kratzeburg, Müritz-Nationalpark
Müritz-Nationalpark (Deutschland)
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53.43638888888912.836666666667Koordinaten: 53° 26′ 11″ N, 12° 50′ 12″ O
Lage: Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland
Nächste Stadt: Waren (Müritz), Neustrelitz
Fläche: 32.200 ha
Gründung: 1. Oktober 1990
Adresse: Webseiten des Nationalparks
Nationalparkamt Müritz

Schlossplatz 3
D-17237 Hohenzieritz

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Der 1990 gegründete Müritz-Nationalpark befindet sich im Süden Mecklenburg-Vorpommerns und ist der größte terrestrische Nationalpark der Bundesrepublik. Der Park erstreckt sich über die zwei räumlich getrennten Gebiete der Mecklenburgischen Seenplatte und eines Teiles der Feldberger Seenlandschaft. Der westliche größere Teil ist das Teilgebiet Müritz, der kleinere östliche Teil wird Teilgebiet Serrahn genannt. Zwischen den Teilgebieten liegt im Wesentlichen das Stadtgebiet von Neustrelitz.

Charakteristika[Bearbeiten]

Quelle des Flusses Havel bei Ankershagen
Moosbeck nahe dem Zierzsee

Der insgesamt 322 km² große Nationalpark ist zu 72 Prozent von Wäldern und zu 13 Prozent von Seen bedeckt; acht Prozent des Gebietes sind Moore und fünf Prozent Wiesen und zwei Prozent Äcker.[1]

Landschaftsprägend war die Weichseleiszeit vor etwa 15.000 Jahren. Die Gletschermassen der Pommerschen Hauptendmoräne hinterließen Findlinge, Zungenbecken, Rinnen und zahllose Toteislöcher. Letztere sind heute als Seen (zum Beispiel die Wienpietschseen) und Sölle überall in der Landschaft verstreut.

Insgesamt gibt es im Nationalpark 100 Seen und unzählige kleinere Stillgewässer. Die Müritz ist mit einer Fläche von 117 Quadratkilometern das größte Gewässer, das vollständig innerhalb Deutschlands liegt.

Teilgebiet Müritz[Bearbeiten]

Das Teilgebiet Müritz umfasst vor allem das östliche Hinterland der Müritz. Außer der Müritz, die nur zu kleinen Teilen im Nationalpark liegt, sind größere Gewässer im westlichen Teil der Feisnecksee, Rederangsee, Specker See und Woterfitzsee. Einige Seen am Ostufer der Müritz waren auf Grund von Wasserstandsschwankungen durch Mühlenstaue und der Regulierung der Elde[2] zeitweise Teil der Müritz.

Die höchste Erhebung im allgemein flacheren Müritzer Teil ist der Käflingsberg mit 100,3 m ü. NHN. Hier befindet sich mit dem Käflingsbergturm ein kombinierter Aussichts-, Feuerwacht- und Mobilfunksendeturm.

Teilgebiet Serrahn[Bearbeiten]

Das Teilgebiet Serrahn umfasst den östlichen Teil des Nationalparks und befindet sich im Übergang zwischen der Mecklenburgischen Seenplatte zur Feldberger Seenlandschaft. In dem waldreichen hügeligen Teil des Nationalparks gibt es mit dem Großen Fürstenseer See, dem Schweingartensee und dem Zwirnsee größere Seen. Diese sind jedoch nicht so landschaftsprägend wie im Westteil. Große Gebiete dieses Teilgebietes gehören zum Naturpark Feldberger Seenlandschaft.

Im Teilgebiet Serrahn befinden sich mit dem Hirschberg (143,7 m ü. NHN) und dem Warsberg (143,2 m ü. NHN) die höchsten Erhebungen im Nationalpark. Weitere bedeutende Anhöhen sind die Serrahner Berge mit 124,2 m ü. NHN. Am 25. Juni 2011 wurde dieser Teil des Schutzgebietes zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt.[3]

Klima[Bearbeiten]

Käflingsbergturm bei Speck, ein Aussichtsturm im Müritz-Nationalpark (55m hoch)

Der Müritz-Nationalpark liegt in einer Zone des Übergangs vom subatlantischen zum subkontinentalen Klima. Das heißt, der ozeanische Einfluss ist nur noch schwach ausgeprägt, und das kontinentale Wetter hat erst geringe Bedeutung.

Das Mikroklima im Bereich der Müritz wird wesentlich durch den See beeinflusst. Der Jahresgang der Temperatur wird durch die große Wasserfläche sowohl bei der Erwärmung im Frühjahr als auch bei der Abkühlung im Herbst abgefedert.

Waren (Müritz) hat mit dem langjährigen Mittel von -4 °C die niedrigste Februartemperatur in Mecklenburg-Vorpommern. Dadurch, dass Niederschläge häufig über der Müritz und den anderen mecklenburgischen Großseen abregnen, herrscht im westlichen Teil des Nationalparks relative Niederschlagsarmut. Im östlichen Teil nehmen die Niederschläge vor allem im Sommer zu. Als Ursache könnte die starke sommerliche Erwärmung der Sanderflächen und die damit verbundene erhöhte Gewittertätigkeit, als auch das Abregnen an über 140 m ü. NHN hohen Anhöhen des Strelitzer Lobus, der Pommerschen Endmoräne, angenommen werden.

Im östlichen Teil treten durch große geschlossene Buchenwälder mit eingebetteten Senken lokalklimatische Einflüsse auf. So kommt es in den Senken sehr oft zur Bildung sogenannter Kaltluftseen. Eine andere Art von Mikroklima tritt in dem Offenlandgebiet des ehemaligen Truppenübungsplatzes bei Speck auf. Hier gibt es durch die fehlende Vegetationsdecke sehr große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht.[4]

Fauna und Flora[Bearbeiten]

In dem Gebiet haben unter anderem viele See- und Fischadler ihr Einstandgebiet. Insbesondere die Fischadler kann man von Aussichtskanzeln aus bei ihrer Brut und beim Jagen beobachten.

Krick- und Knäkenten brüten in der dichten Ufervegetation der Müritz, Teichrohrsänger und die seltene Rohrdommel sind in den Feuchtgebieten zu Hause. Während der Vogelzugzeit halten sich Watvögel wie Zwergstrandläufer, Rotschenkel und Grünschenkel im Gebiet auf. Schwarzstörche und Kraniche sind Brutvögel im Müritz-Nationalpark.

Botanisch bemerkenswert sind Riede aus seltenen Sauergrasarten wie dem Schneidried (Cladium mariscus) und große, landschaftsprägende, am Ostufer der Müritz auch flächig vorkommende Wacholderbestände, die ehemals intensiv als Viehweiden genutzt wurden.

Das Vorkommen zahlreicher unterschiedlicher Biotoptypen gewährleistet auch eine hohe Biodiversität der Tier- und Pflanzenarten im Nationalpark. Es wurden bisher 54 Säugetierarten, 214 Vogelarten, 859 Käferarten, 673 Großschmetterlingsarten, 61 Spinnenarten, 16 Reptilien- und Amphibienarten und 26 Fischarten im Nationalpark beobachtet. Die Flora setzt sich u.a. zusammen aus 910 Gefäßpflanzenarten, 133 Moosarten und 17 Armleuchteralgen. Außerdem wurden 593 Pilzarten und 152 Flechtenarten gezählt.[5]

Im Januar 2011 riss wahrscheinlich ein Wolf drei in einem Gehege unweit des Nationalparks gehaltene Rentiere.[6] Wie Nationalpark-Sprecher Hendrik Fulda sagte, wurde im Müritz-Nationalpark bereits seit langem mit dem Auftreten eines Wolfes gerechnet.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Buchen-Urwald „Serrahn“ mit Totholz
Hochmoorsanierung: Durch angehobene Wasserstände sterben die Birken ab

Als eine der letzten Amtshandlungen der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gelang es dem damaligen stellvertretenden Umweltminister Michael Succow zusammen mit weiteren engagierten Naturschützern im Rahmen des Nationalparkprogramms, mehrere Großschutzgebiete (Nationalparks, Biosphärenreservate) auszuweisen, darunter auch 320 km² inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte.

Während der Zeit der DDR war in dieser Region ein sogenannter „produktionsintegrierender Naturschutz“ propagiert worden. Das extrem dünn besiedelte Land wurde für militärische Übungen, Karpfenzuchten und Staatsjagden sowie eine intensive Forst- und Landwirtschaft genutzt. Der Bevölkerung war das Betreten der als Staatsjagdgebiet genutzten Wälder untersagt.[7] Zwölf Kilometer der Uferzone der Müritz standen allerdings auch schon zu DDR-Zeiten unter strengerem Naturschutz.

Die intensive Forstwirtschaft hat dafür gesorgt, dass monotone Kiefernforste den Nationalpark heute noch prägen. Eine Entwicklung hin zu naturraumtypischem Laubwald ist von der Nationalparkverwaltung eingeleitet, jedoch wird dieser Prozess mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen. In einem separaten Areal im Osten des Nationalparks, auf den Hügeln von Serrahn, lässt sich jedoch schon besichtigen, welches Gesicht das Gebiet tragen wird, wenn sich Waldgesellschaften wieder ungestört gemäß den natürlichen Bedingungen entwickeln können. Hier findet man einen größeren, urwaldartigen Bestand alter Rotbuchen.

Die von der DDR-Verwaltung fortgesetzte Entwässerung des Gebiets durch Kanäle senkte den Grundwasserspiegel kontinuierlich. Ausgedehnte Birkenwälder entstanden im Lauf der Jahre. Die aktuelle Nationalparkverwaltung sperrt die Kanäle und hebt somit das Grundwasser auf das ursprüngliche Niveau. Die Birken sterben ab, die eigentliche Flora entsteht langsam wieder. Da der Prozess ohne weiteren Eingriff durch den Menschen verläuft, sind derzeit ausgedehnte Flächen mit Birkenstümpfen zu sehen.

Touristisch ist der Nationalpark mit Wander- und Fahrradwegen, Rastplätzen, Aussichtstürmen und Beobachtungsständen gut erschlossen. Linienbusse (mit Fahrradtransportanhängern) bedienen zahlreiche Haltestellen im für Kfz gesperrten Parkbereich. In Waren gibt es seit 2007 mit dem Müritzeum ein Informations- und Naturerlebniszentrum für die Nationalparkregion.

Literatur[Bearbeiten]

Filmographie[Bearbeiten]

  • Im Müritz-Nationalpark. Dokumentarfilm, 45 Min., Deutschland, 1998, von Hanna Lehmbäcker und Martin Rötger, Produktion: Komplett-Media-GmbH, Grünwald (ISBN 3-89672-494-0), Kurzbeschreibung des MDR

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Müritz-Nationalpark – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.mueritz-nationalpark.de/cms2/MNP_prod/MNP/de/Natur/Zahlen/index.jsp?
  2. Fred Ruchhöft: Der Wasserstand der „Oberen Seen“ in Mecklenburg in Mittelalter und früher Neuzeit. In: Archäologische Berichte aus Mecklenburg-Vorpommern. Bd. 6, 1999, ISSN 0946-512X, S. 195–208.
  3. Buchenwälder sind UNESCO-Weltnaturerbe in Die Welt
  4. Infoblatt Nationalparkamt Müritz 2002
  5. Severin Zillich: Müritz. Wälder, Moore, Seen. In: BUND magazin, 3/2010, S. 28 (Originalquelle nicht angegeben)
  6. a b ndr.de: Wolf reißt Rentiere im Müritzkreis (28. Januar 2011)
  7. Wälder sind nicht für den Spaß einzelner da. Artikel im Nordkurier vom 30. Mai 2009