Marianne Faithfull

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Marianne Faithfull bei den Women’s World Awards 2009 in Wien

Marianne Faithfull (* 29. Dezember 1946 in Hampstead, London, England als Marian Evelyn Faithfull) ist eine britische Musikerin und Schauspielerin.

Leben[Bearbeiten]

Faithfull hat durch ihre Mutter, Eva Hermine von Sacher-Masoch, Freiin Erisso (1912–1994), eine Großnichte von Leopold von Sacher-Masoch, österreich-ungarische Wurzeln. Ihr Vater, Major Robert Glynn Faithfull (1912–1998), war ein Offizier der britischen Armee und Professor für Psychologie. Faithfull wurde in den 1960er Jahren als junge Pop-Sängerin in England, Europa und im Rahmen der sogenannten „British Invasion“ (in der Zeit großer Popularität britischer Musiker wie den Beatles und den Rolling Stones) auch in den USA bekannt. 1964 begann Marianne Faithfull ihre Karriere mit As Tears Go By, einer Komposition von Mick Jagger und Keith Richards von den Rolling Stones; danach veröffentlichte sie eine Reihe erfolgreicher Singles, darunter This Little Bird, Summer Night und Sister Morphine.

Am 6. Mai 1965 heiratete Faithfull den Künstler John Dunbar; sie war 18, er 21 Jahre alt. Ihr Sohn Nicholas Dunbar wurde am 10. November 1965 geboren. 1967 verließ Faithfull Dunbar; die Ehe wurde 1970 geschieden.

In der Boulevardpresse wurde Faithfull vor allem durch ihre Liebesbeziehung zu Jagger bekannt, der angeblich den Song Wild Horses für sie komponierte. Der Song Sister Morphine vom selben Stones-Album Sticky Fingers entstammt neben der Feder von Faithfull ebenfalls der von Richards/Jagger und beschreibt Faithfulls Drogensucht. Im Leben des Paares spielte Drogenkonsum bereits eine Rolle, in hohem Maße abhängig wurde Faithfull jedoch nach der Trennung von Jagger.

Dass sie im Juli 1971 in Paris in die mysteriösen Todesumstände von Jim Morrison verwickelt gewesen sei, stellte sich dagegen als falsch heraus, insbesondere die Theorie, Faithfull sei bei Morrisons Leiche gewesen oder habe ihm sogar, quasi als „Sister Morphine“, den goldenen Schuss gesetzt. Wie Faithfull in ihrer Autobiographie detailliert beschrieb, bezogen sie und Morrison ihr Heroin lediglich von derselben Person – darin bestand die einzige Verbindung zu Morrisons Tod.

Erst 1979 gelang ihr nach etwa einem Jahrzehnt mit dem Album Broken English ein Comeback. Um sich von der Drogenabhängigkeit zu lösen, versuchte sie ihre neue künstlerische Karriere nicht nur als Musikerin, sondern auch als Theaterschauspielerin aufzubauen. Die Single-Auskopplung The Ballad of Lucy Jordan, ein Lied, das Shel Silverstein für Dr. Hook & the Medicine Show schrieb, erreichte in Deutschland Platz 5 der Charts und hielt sich insgesamt elf Wochen in den Top 10. Von ihrer Heroinsucht löste sie sich erst 1985 vollständig (“I had my last shot in 1985”). Ein weiterer Meilenstein ihrer musikalischen Karriere war 1987 Strange Weather.

Faithfull betätigte sich auch als Schauspielerin in kleinen, von der Ästhetik des „Swinging London“ geprägten Filmen. Charles Wilp engagierte sie als Modell für seine revolutionäre Kampagne für Afri-Cola. 1994 spielte sie in Shopping mit Sadie Frost, Jason Isaacs und Jude Law. Im Jahre 1967 war in I’ll Never Forget What’s ’is Name mit Marianne Faithfull zum allerersten Mal das Wort „fuck“ in einem Film verwendet worden. 1969 spielte sie in Tony Richardsons Hamlet-Verfilmung an der Seite von Anthony Hopkins die Ophelia.

In den 90er Jahren arbeitete sie auch mit jungen Musikern und Bands zusammen, u. a. mit Pulp und Metallica (bei dem Song The Memory Remains). 1994 erschien ihre Interpretation von Van Morrisons Madame George als Single (auch auf Van Morrisons No Prima Donna). 2004 erschien ihr Album Before the Poison, auf dem sie u. a. mit Nick Cave und P. J. Harvey zusammenarbeitete. Im selben Jahr trat sie in 75 Vorstellungen von The Black Rider von Robert Wilson auf.

2004 zog Marianne Faithfull von Dublin nach Paris, ins Quartier Madeleine im 8. Arrondissement, wo sie bis heute lebt.

Im September 2006 erkrankte sie an Brustkrebs. Die Krankheit war bereits in einem sehr frühen Stadium entdeckt worden, sodass gute Heilungschancen bestanden. Mittlerweile hat sie den Krebs offenbar besiegt.

2007 feierte Faithfull als Hauptdarstellerin in dem Film Irina Palm auf der Berlinale einen großen Erfolg und ging wieder auf Welttournee. Im selben Jahr sang sie mit Patrick Wolf für sein Album The Magic Position das Duett Magpie.

Diskografie[Bearbeiten]

Alben[Bearbeiten]

  • Come My Way, 1965
  • Marianne Faithfull, 1965
  • Go Away From My World, 1965
  • North Country Maid, 1966
  • Loveinamist, 1967
  • The World Of Marianne Faithfull, 1969
  • Dreamin’ My Dreams, 1976
  • Faithless, 1978
  • Broken English, 1979
  • Dangerous Acquaintances, 1981
  • A Child’s Adventure, 1983
  • Rich Kid Blues, 1984
  • Strange Weather, 1987
  • Blazing Away, 1990
  • A Secret Life, 1995
  • 20th Century Blues, 1996
  • The Seven Deadly Sins, 1998
  • Vagabond Ways, 1999
  • Kissin’ Time, 2002
  • Before The Poison, 2004
  • Easy Come Easy Go, 2008
  • Horses And High Heels, 2011
  • Give My Love To London, 2014

Kompilation[Bearbeiten]

  • A Perfect Stranger – The Island Anthology, 1998 (2 CDs, 1979-95)

Auszeichnungen für Musikverkäufe[Bearbeiten]

Goldene Schallplatte [1]

  • Deutschland
    • 1992: für das Album Broken English

Filmografie[Bearbeiten]

  • Made in U.S.A (1966)
  • Anna (1967)
  • I’ll Never Forget What’s ’is Name (1967)
  • Nackt unter Leder (1967)
  • Hamlet (1969)
  • Lucifer Rising (1972)
  • Madhouse Mansion (1974)
  • Assault on Agathon (1975)
  • The Turn of the Screw (1992) (narration)
  • When Pigs Fly (1993)
  • Shopping (1994)
  • Moondance (1995)
  • Crimetime (1996)
  • Intimacy (2001)
  • Far From China (2001)
  • Nord-Plage (2004)
  • Paris, je t’aime (Episode „Le Marais“) (2006)
  • Marie Antoinette (2006)
  • Irina Palm (2007)
  • House of Boys (2007)
  • Faces in the Crowd (2011)

Schriften[Bearbeiten]

  • (mit David Dalton) Faithfull: an autobiography. New York: Cooper Square Press, 2000 (zuerst 1994), ISBN 0815410468. Deutsche Ausgaben:
    • (mit David Dalton) Faithfull: eine Autobiographie. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-86150-116-3
    • (mit David Dalton) Marianne Faithfull: eine Autobiographie. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1997, ISBN 3-499-22117-9 (lizenziert von Zweitausendeins)
  • Memories, Dreams and Reflections. HarperCollins UK, 2008 (zuerst 2007), ISBN 9780007245819. Deutsche Ausgabe:
  • (mit François Ravard) Marianne Faithfull: Bilder meines Lebens. Verlag Edel Books, Hamburg 2014. ISBN 978-3-8419-0313-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marianne Faithfull – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Auszeichnungen für Musikverkäufe: DE