Mick Jagger
Sir Michael Philip Jagger, Kt (* 26. Juli 1943 in Dartford, Kent, England) ist ein britischer Musiker, Sänger und Songwriter. Berühmt wurde er als Frontmann der britischen Rockgruppe The Rolling Stones. Jagger spielt Mundharmonika, Gitarre und Klavier. Er wirkte auch als Schauspieler, Produzent und Komponist bei mehreren Filmen mit. Als Künstler verwendet er den Namen Mick Jagger.
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Leben und Karriere [Bearbeiten]
Mick Jaggers Vater, Basil Fanshawe (‚Joe‘) Jagger, stammte aus Nordengland und war Sportlehrer. Seine Mutter Eva Ensley Mary Jagger (geborene Scutts) wurde in Australien geboren, kam als Teenager nach England und arbeitete gelegentlich als Avon-Beraterin. Jagger hat einen vier Jahre jüngeren Bruder, Chris, der ebenfalls als Musiker tätig ist.
The Rolling Stones [Bearbeiten]
Bereits während seiner Jugendzeit in Dartford lernte Jagger den ebenfalls dort aufgewachsenen Keith Richards kennen. 1961, während seiner Studienzeit an der London School of Economics and Political Science, trafen sich Jagger und Keith Richards zufällig wieder, als sie in Dartford auf einen Zug warteten. Jagger hatte einige Schallplatten (Blues, Rock ’n’ Roll) dabei, sodass ihr Gespräch nur noch die Musik zum Thema hatte. Man verabredete sich schließlich, um gemeinsam mit einigen Freunden Blues und Rock ’n’ Roll zu spielen.
Vorzugsweise an den Wochenenden fuhren Mick und Keith nach London, um in den angesagten Clubs der Stadt Live-Musik zu hören. So trafen sie auf Alexis Korner, spielten von Zeit zu Zeit in seiner Band mit und lernten den aus Cheltenham stammenden Gitarristen Brian Jones kennen. Zusammen mit Brian Jones gründeten Mick und Keith The Rolling Stones. Die Band hatte im Juli 1962 ihre ersten Auftritt im Marquee Club in London.
Jagger als Sänger und Richards an der Rhythmusgitarre führten die Gruppe zu Weltruhm. Jaggers markante Stimme wurde zum Markenzeichen der Stones. Mick Jagger und Keith Richards komponierten zusammen hunderte Lieder, darunter Klassiker wie Tell Me, The Last Time, (I Can’t Get No) Satisfaction, Paint It, Black, Lady Jane, Under My Thumb, Out Of Time, Ruby Tuesday, Sympathy for the Devil, Jumpin’ Jack Flash, Street Fighting Man, Honky Tonk Women, Gimme Shelter, You Can’t Always Get What You Want, Brown Sugar, Wild Horses, Angie und Start Me Up.
Andere musikalische Projekte [Bearbeiten]
Sein erstes Soloalbum, She’s The Boss, das 1985 erschien, war so erfolgreich, dass Jagger weitere Soloaktivitäten plante. So trat er anlässlich des Live-Aid-Konzertes am 13. Juli 1985 mit Tina Turner in Philadelphia auf. Zusammen mit David Bowie veröffentlichte er Dancing in the Street. Die Single erreichte internationale Top-Positionen, das Video zum Lied fand viel Beachtung, und für das Live-Aid-Projekt gab es die Erlöse aus den Verkäufen.
Die Solokonzerte im März 1988 in Japan sowie im September und Oktober 1988 in Australien, bei denen auch sehr viele Stones-Klassiker zu hören waren, brachten Keith Richards derart in Rage, dass eine gemeinsame Zukunft der ‚Glimmer Twins‘ mit den Rolling Stones kaum mehr erwartet wurde.
Im Mai 2011 gründete Jagger seine neue Band SuperHeavy. Bandmitglieder sind neben Eurythmics-Gitarrist David A. Stewart die Solokünstler Joss Stone, A. R. Rahman sowie Damian Marley.
Aktivitäten im Filmgeschäft [Bearbeiten]
Neben der Musik war Jagger auch immer wieder im Filmgeschäft tätig. In Nicolas Roegs Kultthriller Performance hatte er an der Seite von Anita Pallenberg seine erste Hauptrolle. Aus dem Film-Soundtrack stammt ein Lied, das immer wieder aufgeführt wird, wenn es um Beispiele der Gesangsleistungen Mick Jaggers geht: Memo from Turner. Es folgte ein Film über den australischen Outlaw Ned Kelly. In der ersten, unvollendeten Fassung von Werner Herzogs Film Fitzcarraldo spielte Jagger die Nebenrolle des Wilbur.[1] Nach einer Unterbrechung der Dreharbeiten musste er jedoch wegen einer Tournee mit den Stones auf eine Fortführung der Arbeit verzichten. Da Herzog Jagger nicht durch einen anderen Schauspieler ersetzen wollte, strich er die Rolle aus dem späteren Film. Gute Kritiken erhielt der Science-Fiction-Film Freejack. Mick Jagger sang 1987 das Titellied Ruthless People des gleichnamigen Films. Er war auch als Filmproduzent (Enigma) und -komponist (2004-Remake von Alfie) tätig. Für das Filmlied Old Habits Die Hard erhielt er 2005 den Golden Globe.
Image und Privatleben [Bearbeiten]
Bereits 1965 war Mick Jagger zum Vorbild einer Generation geworden. Die Londoner Times berichtete damals von drei englischen Jugendlichen zwischen 13 und 14 Jahren, deren Schulleiter ihnen wegen ihrer langen Haare Strafarbeiten auferlegte, die Teilnahme am Unterricht verbot und Prügel androhte. Auch nach drei Wochen weigerten sich die Schüler, ihre Haare schneiden zu lassen, und zwar so lange, „bis Mick Jagger, ein Mitglied der Rolling Stones, sich seine schneiden ließ.“[2]
Trotz aller Anerkennung für seine künstlerischen Arbeiten fand in der Boulevardpresse vor allem Jaggers Privatleben als skandalträchtiger Womanizer immer wieder breite Beachtung. Seine Affären mit zahlreichen Frauen beschäftigten die Journalisten über Jahrzehnte. In den 1970er Jahren berichtete die Boulevardpresse über angebliches sexuelles Interesse Jaggers für beide Geschlechter. Bestätigungen hierfür gab es jedoch nie. Diese Mutmaßungen lassen sich auf die damalige Bühnenshow Jaggers zurückführen. So trat er 1973 bevorzugt in paillettenbesetzten und tief ausgeschnittenen Einteilern auf. Anlässlich der Black and Blue-Tournee 1976 trug er bunten Seidenfummel, hielt kokett einen Fächer in der Hand und bot eine durchaus auch feminine Show (inklusive Hip-Bump mit Billy Preston). Seine Bekanntschaft mit Andy Warhol sowie die von verlassenen Frauen allzu gern der Öffentlichkeit präsentierten ‚Insider-Stories‘ über den weltbekannten Rockstar Mick Jagger taten ein Übriges.
Mick Jagger war zweimal verheiratet. Vor, während und nach seinen Ehen gab es zahlreiche Berichte über Affären. Mittlerweile hat er sieben Kinder und zwei Enkel. In erster Ehe war Jagger von 1971 bis 1980 verheiratet mit Bianca Pérez-Mora Macías. Sie haben eine Tochter, Jade Jagger (* 1971). In zweiter Ehe war Jagger von 1990 bis 1999 verheiratet mit Jerry Hall. Sie lebten aber schon seit 1977 zusammen. Hall und Jagger haben vier gemeinsame Kinder, Elizabeth Scarlett Jagger (* 2. März 1984), James Leroy Augustin Jagger (* 28. August 1985), Georgia May Ayeesha Jagger (* 12. Januar 1992) und Gabriel Luke Beauregard Jagger (* 9. Dezember 1997). Mit Marsha A. Hunt (* 15. April 1946), als „Dionne“ Ende der 1960er Jahre Star im Rockmusical Hair, hat Jagger die Tochter Karis (* 4. November 1970). Jagger lernte sie 1969 während der Aufnahmen zu dem Titel Honky Tonk Women kennen. Mit Luciana Gimenez Morad hat Jagger den Sohn Lucas Maurice Morad (* 1999). Karis und Lucas tragen, obwohl nichtehelich geboren, beide den Nachnamen ihres Vaters. Seit 2001 ist Mick Jagger mit der amerikanischen Stylistin L’Wren Scott liiert.
1995 wurde Mick Jagger zum Ehrenpräsidenten der University of London ernannt; im gleichen Jahr wurde er Ehrenmitglied der London School of Economics and Political Science. Am 12. Dezember 2003 wurde Mick Jagger von Prinz Charles – in Vertretung für Königin Elisabeth II. – für seine „Verdienste um die populäre Musik“ zum Ritter geschlagen und darf damit den Titel Sir tragen.
Werkliste [Bearbeiten]
Werke der Rolling Stones [Bearbeiten]
Siehe Artikel The Rolling Stones/Diskografie
Soloalben [Bearbeiten]
- 1985: She’s the Boss
- 1987: Primitive Cool
- 1993: Wandering Spirit
- 2001: Goddess in the Doorway
- 2007: The Very Best of Mick Jagger
Musikalische Zusammenarbeit mit anderen Künstlern [Bearbeiten]
- 1972: You’re So Vain von Carly Simon, nur background vocals
- 1973: Too Many Cooks (Spoil The Soup), produziert von John Lennon (erschienen 2007)
- 1975: The Great Fatsby von Leslie West, nur Gitarre
- 1977: Pay, Pack & Follow von John Philips (erschienen 2001; mit Keith Richards, Mick Taylor und Ron Wood)
- 1978: (You Gotta Walk) Don’t Look Back mit Peter Tosh (und Keith Richards)
- 1983: Beast of Burden von Bette Midler, Auftritt im Video, kein Gesang
- 1984: State Of Shock mit The Jacksons, Top 10-Hit in den USA
- 1985: Dancing in the Street mit David Bowie, 4 Wochen auf Platz 1 der UK-Charts; der Verkaufserlös dieser Platte ging an Live Aid
- 1995: Long Black Veil mit The Chieftains
- 2004: Alfie mit David A. Stewart – Soundtrack zum gleichnamigen Film
- 2006: Evening gown mit Jerry Lee Lewis
- 2011: SuperHeavy, Album der Gesangsgruppe SuperHeavy
- 2011: T.H.E. (The Hardest Ever), Single von will.i.am, mit Jennifer Lopez
Filmografie (Auswahl) [Bearbeiten]
- als Schauspieler
- 1970: Kelly, der Bandit (über Ned Kelly)
- 1970: Performance
- 1978: The Rutles
- 1982: Die Last der Träume (Burden Of Dreams)
- 1990: Running out of luck
- 1992: Freejack – Geisel der Zukunft (Freejack)
- 1997: Bent
- 2001: Ein Mann für geheime Stunden (The Man from Elysian Fields)
- als Komponist
- 2004: Alfie
- als Produzent
Chartplatzierungen [Bearbeiten]
Liste der Singles und Alben von Mick Jagger als Musiker außerhalb der Rolling Stones mit ihren Chartplatzierungen. Zur Chartpositionierung von Werken der Rolling Stones siehe Artikel The Rolling Stones/Diskografie.
Singles [Bearbeiten]
| Jahr | Singles | A | CH | D | GB | USA |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1970 | Memo From Turner | – | – | 23 | 32 | – |
| 1985 | Just Another Night | 17 | 17 | 16 | 32 | 12 |
| 1985 | Dancing in the Street (David Bowie feat. Mick Jagger) | 6 | 9 | 6 | 1 | 7 |
| 1985 | Lucky In Love | – | – | 44 | – | 38 |
| 1985 | Hard Woman | – | – | 57 | – | – |
| 1986 | Ruthless People | – | – | – | – | 51 |
| 1987 | Let’s Work | – | – | 29 | 31 | 39 |
| 1987 | Throwaway | – | – | – | – | 67 |
| 1993 | Sweet Thing | 7 | 8 | 23 | 24 | 84 |
| 1993 | Don’t Tear Me Up | – | – | 77 | – | – |
| 1993 | Out Of Focus | – | – | 70 | – | – |
| 2001 | God Gave Me Everything (Mick Jagger & Lenny Kravitz) | 57 | 77 | 60 | – | – |
| 2002 | Visions Of Paradise | – | – | 77 | – | – |
| 2005 | Old Habits Die Hard (Mick Jagger & David A. Stewart) | – | – | 62 | – | – |
| 2008 | Charmed Life | – | – | – | – | 18 |
Alben [Bearbeiten]
| Jahr | Alben | A | CH | D | GB | USA |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1985 | She’s The Boss | 7 | 3 | 4 | 6 | 13 |
| 1987 | Primitive Cool | 15 | 14 | 8 | 26 | 41 |
| 1993 | Wandering Spirit | 2 | 2 | 3 | 12 | 11 |
| 2001 | Goddess In The Doorway | 3 | 8 | 2 | 44 | 39 |
| 2007 | The very best of Mick Jagger | 25 | 44 | 8 | 57 | 77 |
Die Positionierung des Albums SuperHeavy (2011) der gleichnamigen Musikgruppe, der Mick Jagger angehört, ist in dem Artikel zur Gruppe angegeben.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Wolfgang Stock: Mick Jagger ist Wilbur. 25. September 2010, abgerufen am 15. Juni 2012.
- ↑ The Times: No Lessons For Boys With Long Hair, 19. April 1965, S. 5. Der Schulleiter wehrte sich gegen Angriffe der Eltern mit den Worten, dies sei eine Schul-interne Angelegenheit („This is an internal matter.“)
Literaturhinweise [Bearbeiten]
- Marc Spitz: Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Aus dem Englischen von Sonja Kerkhoffs. Hamburg: Edel Germany 2012, ISBN 978-3-8419-0122-4.
- Philip Norman: Mick Jagger. Die Biographie. Aus dem Englischen. Droemer Knaur Verlag, München 2012, ISBN 978-3-426-27542-9.
Weblinks [Bearbeiten]
- MickJagger.com (offizielle Seite)
- Mick Jagger bei AllMusic.com
- Mick Jagger in der Internet Movie Database (englisch)
- Mick Jagger bei MusicBrainz (englisch)
- Literatur von und über Mick Jagger im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Mitglieder: Mick Jagger | Keith Richards | Charlie Watts (seit 1963) | Ron Wood (seit 1975)
Ehemalige Mitglieder: Bill Wyman (1962–1993) | Mick Taylor (1969–1974) | Brian Jones (bis 1969) | Ian Stewart (bis 1963) | Tony Chapman (bis 1963) | Dick Taylor (bis 1962)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Jagger, Mick |
| ALTERNATIVNAMEN | Jagger, Sir Michael Phillip (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | britischer Musiker, Sänger der Rolling Stones |
| GEBURTSDATUM | 26. Juli 1943 |
| GEBURTSORT | Dartford, Kent, England |