Mihai Răzvan Ungureanu

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Mihai Răzvan Ungureanu

Mihai Răzvan Ungureanu (* 22. September 1968 in Iași) ist ein rumänischer Politiker und Historiker. Ungureanu war in der Zeit vom 29. Dezember 2004 bis zum 12. März 2007 rumänischer Außenminister. Am 9. Februar 2012 wählte das rumänische Parlament Ungureanu zum Ministerpräsidenten von Rumänien.[1] Weniger als drei Monate später, am 27. April 2012, wurde seine Regierung durch ein Misstrauensvotum nach Streitigkeiten über Sparmaßnahmen gestürzt.[2] Die Amtszeit Ungureanus, wie auch die Amtszeit seines Nachfolgers Victor Ponta, der am 7. Mai 2012 vom rumänischen Parlament mit deutlicher Mehrheit zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, war von einer Staatskrise in Rumänien begleitet.

Leben[Bearbeiten]

Nach seinem Schulabschluss studierte Ungureanu an der Fakultät für Geschichtswissenschaft und Philosophie an der Universität Alexandru Ioan Cuza Iași. Danach war er in der Zeit von 1998 bis 2001 als Staatssekretär im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten tätig und von 2003 bis 2004 stellvertretender Koordinator der Initiative für South East European Cooperation (SECI) in Wien. Nach seinem Beitritt zur National-Liberalen Partei wurde er am 29. Dezember 2004 Minister für Auswärtige Angelegenheiten. Aufgrund eines sich zuspitzenden Machtkampfs zwischen dem Regierungschef Călin Popescu-Tăriceanu und Präsident Traian Băsescu trat er am 4. Februar 2007 zurück. Unmittelbarer Anlass für den Rücktritt war eine Affäre um zwei im Irak inhaftierte rumänische Zivilisten, denen von amerikanischer Seite Spionage vorgeworfen worden war.[3] Anschließend wurde er Direktor des rumänischen Geheimdienstes Serviciul de Informații Externe. Der Historiker mit Spezialisierung in Jüdischen Studien erhielt im selben Jahr eine Professur für moderne rumänische Geschichte an der Universität Bukarest.

Nach dem Rücktritt der rumänischen Regierung Anfang 2012 wurde der parteilose Ungureanu vom rumänischen Präsidenten Traian Băsescu mit der Regierungsbildung beauftragt.[4] Das rumänische Parlament wählte ihn am 9. Februar 2012 mit 237 zu 2 Stimmen zum neuen Ministerpräsidenten. Dem Kabinett Ungureanu gehören neben Ungureanu 17 Minister an, davon 9 von der PD-L, 4 von der UDMR, 2 von der UNPR und 2 Unabhängige.

Nach weniger als drei Monaten im Amt scheiterte Ungureanus Regierung an einem erfolgreichen Misstrauensvotum im Parlament, das von den Parteien Partidul Social Democrat (PSD) und Partidul Național Liberal (PNL) eingebracht worden war. Dem Mitte-rechts-Bündnis wurde vorgeworfen, dass es sich bei der Vergabe öffentlicher Gelder von Lobbygruppen hätte erpressen lassen. In den vorangegangenen Wochen waren viele Mitglieder der regierenden Partidul Democrat Liberal (PDL) zur Opposition übergelaufen. Die PDL war aufgrund ihrer rigiden Sparpolitik der letzten vier Jahre in die Kritik geraten, die Lohn- und Rentenkürzungen sowie Steuererhöhungen umfasste.[5][6]

Mihai Răzvan Ungureanu ist verheiratet und hat einen Sohn.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mihai Răzvan Ungureanu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl-Peter Schwarz: Boykott der Opposition: Ungureanu neuer Ministerpräsident von Rumänien; Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 9. Februar 2012.
  2. Regierung stürzt im Streit über Sparpolitik Süddeutsche.de, abgerufen am 28. April 2012
  3. Folgenreicher Machtkampf in Rumänien: Aussenminister Ungureanu zum Rücktritt gezwungen; Artikel in der Neuen Zürcher Zeritung vom 6. Februar 2007
  4. Rumänischer Geheimdienstchef soll Ministerpräsident werden; Artikel auf Zeit-Online vom 7. Februar 2012.
  5. Rumänien: Regierung stürzt im Streit über Sparpolitik bei sueddeutsche.de, 27. April 2012 (abgerufen am 27. April 2012).
  6. Rumänien: Misstrauensvotum stürzt Mitte-rechts-Regierung bei faz.net, 27. April 2012 (abgerufen am 27. April 2012).