Iași

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Iași (Jassy). Weitere Bedeutungen sind unter Iași (Begriffsklärung) aufgeführt. Informationen zum Fluss Jassy findet man unter Jassy (Qoradaryo).
Iași
Jassy
Jászvásár
Wappen von Iași
Iași (Rumänien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Westmoldau
Kreis: Iași
Koordinaten: 47° 9′ N, 27° 35′ O47.15555555555627.59138888888960Koordinaten: 47° 9′ 20″ N, 27° 35′ 29″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 60 m
Fläche: 145 km²
Einwohner: 290.422 (20. Oktober 2011[1])
Bevölkerungsdichte: 2.003 Einwohner je km²
Postleitzahl: 700xxx
Telefonvorwahl: (+40) 02 32
Kfz-Kennzeichen: IS
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Munizipium
Bürgermeister: Gheorghe Nichita (USL)
Postanschrift: Bulevard Ștefan cel Mare și Sfânt, nr. 45
loc. Iași, jud. Iași, RO-700064
Webpräsenz:
Iași und nähere Umgebung

Iași [jaʃʲ] (deutsch Jassy, veraltet Jassenmarkt,[2] russisch Яссы/Jassy, ungarisch Jászvásár, armenisch Yash, türkisch Yaş) ist eine Universitätsstadt im Nordosten Rumäniens in der Region Moldau und die Hauptstadt des gleichnamigen Kreises. Historisch war sie die wichtigste Stadt des Fürstentums Moldau.

Iași hat 279.404 Einwohner (2012, errechnet),[3] ist somit eine der größten Städte Rumäniens und gilt als dessen kulturelle Hauptstadt. Viele rumänische Persönlichkeiten und Künstler lebten, studierten oder arbeiteten hier.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt 20 km westlich der Grenze zu Moldawien und etwa 400 km Luftlinie nördlich von Bukarest. Die Umgebung ist hügelig und landwirtschaftlich geprägt. Durch die Stadt fließt der kleine Fluss Bahlui, ein rechter Nebenfluss der Jijia. Iași wird ähnlich wie Rom die „Stadt der sieben Hügel“ genannt, die die Stadt umschließen.

Nachbarstädte sind in Rumänien Vaslui, Bacău, Roman, Botoșani und Suceava sowie in Moldawien Ungheni und Bălți.

Geschichte[Bearbeiten]

Bei archäologischen Forschungen wurden etwa 5.000 Jahre alte Spuren der Cucuteni-Kultur aus dem Altertum gefunden. Iași wurde im 14. Jahrhundert, zur Zeit der Herrschaft von Alexandru cel Bun, zum ersten Mal erwähnt. 1565 bis 1859 war es die Hauptstadt des Fürstentums Moldau, ab 1859 auch Hauptstadt des neu gegründeten Fürstentums Rumänien, bis es 1862 von Bukarest abgelöst wurde. Der Name Iași ist mit der so genannten Goldenen Periode der rumänischen Kultur verbunden.

Im Laufe des Ersten Weltkrieges war die Stadt von 1916 bis 1918 provisorische Hauptstadt Rumäniens.

Während des Zweiten Weltkrieges führten die Luftstreitkräfte der Sowjetunion am 26. Juni 1941 Luftangriffe auf die Stadt aus. Am 28. Juni fand eine weitere Bombardierung statt.[4]

Der Pogrom von Iași[Bearbeiten]

Hauptartikel: Todeszug von Iași

Iași war ein Siedlungsschwerpunkt der rumänischen Juden. Um 1900 machten die Juden 51 % der Wohnbevölkerung der Stadt aus.[5]

Deutsche und rumänische Truppen hatten am 22. Juni 1941 ihren Angriff auf die Sowjetunion begonnen. Bereits im Sommer 1941, noch vor dem Deutsch-Sowjetischen Krieg und vor der Berliner Wannseekonferenz, hatte Marschall Ion Antonescu einen „Masterplan“ entwickelt, der auf die „ethnische Säuberung“ des rumänischen Territoriums abzielte.

Tote Juden in den Straßen von Iași am 29. Juni 1941

Das Pogrom von Iași am 29. Juni 1941 war einer der ersten Schritte auf diesem Weg. Verstärkte antisemitische Agitation in der lokalen Presse, öffentliche Schuldzuweisungen gegenüber der jüdischen Bevölkerung, für die sowjetischen Bombardierungen verantwortlich zu sein, ließen die antisemitische Stimmung in der Stadt wachsen und endeten schließlich in einem Massaker, dem mindestens 13.000 Juden zum Opfer fielen. Das Pogrom von Iași wurde in erster Linie von der lokalen Polizei, Soldaten der rumänischen Armee, Paramilitärs und der Zivilbevölkerung ausgeführt. Beteiligt waren aber auch in Iași stationierte Einheiten der Wehrmacht, die das Massaker auf Hunderten von Fotos, die heute im United States Holocaust Memorial Museum in Washington archiviert sind, festhielten. Der deutsche Einsatzplan hatte einen solchen Übergriff nicht vorgesehen; die Initiative ging von Antonescus „Masterplan“ aus, der die „Evakuierung“ aller Juden von Iași und schließlich die Deportation aller rumänischen Juden vorsah.

Von den 127 Synagogen der Stadt überstand nur eine die Zerstörungen.

Über dieses Massaker und die Judenverfolgung im Lande allgemein wurde in Rumänien lange Zeit, vor allem während der kommunistischen Herrschaft, nicht offiziell gesprochen. Seit dem Jahr 2003 wurde mit der Aufarbeitung begonnen. Der damalige Präsident Ion Iliescu berief die Internationale Kommission zur Erforschung des Holocaust in Rumänien unter der Leitung des Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel ein. Die Wiesel-Kommission legte ihren Abschlussbericht Ende 2004 vor. Sie bestätigte den spezifisch rumänischen Holocaust; ein Elie-Wiesel-Institut wurde gegründet und der 9. Oktober als Holocaust-Gedenktag festgelegt.[6]

Siehe auch: Operation Jassy-Kischinew

Klimatabelle[Bearbeiten]

Iași
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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23
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6
 
 
35
 
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1
 
 
31
 
3
-3
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Iași
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) -0,1 2,1 8,1 16,5 22,4 25,3 26,8 26,6 22,7 16,1 8,4 2,7 Ø 14,9
Min. Temperatur (°C) -6,9 -4,8 -0,8 5,2 10,4 13,7 15,0 14,3 10,7 5,5 1,1 -3,4 Ø 5
Niederschlag (mm) 32 31 31 53 63 101 83 56 48 25 35 31 Σ 589
Sonnenstunden (h/d) 2,2 2,7 4,1 5,7 7,6 8,5 8,8 8,7 6,9 5,0 2,4 1,8 Ø 5,4
Regentage (d) 6 6 6 8 8 9 9 5 5 5 6 7 Σ 80
Luftfeuchtigkeit (%) 82 80 71 62 61 62 60 63 66 73 79 83 Ø 70,1
T
e
m
p
e
r
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t
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-0,1
-6,9
2,1
-4,8
8,1
-0,8
16,5
5,2
22,4
10,4
25,3
13,7
26,8
15,0
26,6
14,3
22,7
10,7
16,1
5,5
8,4
1,1
2,7
-3,4
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
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c
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l
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g
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25
35
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Bevölkerung[Bearbeiten]

1930 lebten auf dem Gebiet der heutigen Stadt etwa 103.000 Bewohner, darunter ca. 63.000 Rumänen, 35.000 Juden und 1.000 Deutsche.[7] Bei der Volkszählung 2002 wurden in der Stadt 320.888 Einwohner gezählt, darunter 316.094 Rumänen, 1.898 Roma, je 433 Russen und Griechen, 421 Juden, 260 Ungarn und 166 Rumäniendeutsche.[8]

Die Einwohnerzahl der Stadt entwickelte sich seit 1977 wie folgt:[3]

Bevölkerungsentwicklung
1977 1992 2002 2005 2011
265.002 344.425 321.580 307.377 290.422

Bildung, Forschung und Wirtschaft[Bearbeiten]

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde in der Stadt die erste Hochschule Rumäniens gegründet. 1860 gründete Alexandru Ioan Cuza hier die erste Universität des Landes, die deshalb den Namen Universität Alexandru-Ioan-Cuza-Universität Iași trägt. Seit 1975 pflegen die Universität in Iași eine Partnerschaft mit der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg[9] und und seit 1994 mit der Universität Konstanz.[10]

Heute ist Iași ein Zentrum der rumänischen Computerindustrie und verfügt über mehrere Universitäten.

Kunst und Kultur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Iași wurde 1870 durch den von der Lemberg-Czernowitz-Jassy-Eisenbahn-Gesellschaft ausgeführten Bau einer von Pașcani ausgehenden Linie an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Heute bestehen direkte Zugverbindungen in alle größeren Städte Rumäniens. Durch die Stadt führt die Europastraße 58. Etwa 10 km östlich der Stadt befindet sich der Internationale Flughafen Iași.

Die Stadt verfügt über ein Straßenbahnnetz, das u. a. mit ausgemusterten deutschen Straßenbahnwagen älterer Bauart betrieben wird.[11]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Im Zentrum der für ihr Porzellan bekannten Stadt steht der neogotische Kulturpalast (Bauzeit 1906–1925); er beherbergt heute vier Museen, darunter die größte Kunstsammlung des Landes, und eine Bibliothek. Sehenswert sind außerdem unter anderem die beeindruckend große Metropoliten-Kirche aus dem frühen 19. Jahrhundert und die Krönungskirche. Mehrere Klöster in der Stadt und ihrer Umgebung verdienen ebenfalls Beachtung. Auch einige Denkmäler säumen Plätze und Straßen.

Einige Bauwerke:

  • Armenische Kirche Surb Mariam[12]
  • Dosoftei-Haus, Profanbau des 17. Jahrhunderts aus nackten Ziegeln mit Arkadengang, heute das Museum für alte moldauische Literatur
  • Große Synagoge (Sinagoga Mare), erbaut 1671
  • Kloster Cetǎțuia, Festungskloster aus dem 17. Jahrhundert, vom Fürsten Gheorghe Duca gestiftet
  • Kloster Galata, erbaut 1579–1584, Erbauer Petru Schiopu
  • Kloster Golia, Kirche Înălțarea Domnului, erbaut 1650–1653 vom Wojewoden Vasile Lupu und dessen Sohn Ștefăniță Vodă
  • Kloster Sf. Trei Ierarhi (Die heiligen drei Hierarchen), heute die katholische Kathedrale, im gotischen Stil erbaut 1637–1639 durch Vasile Lupu
  • Metropoliten-Kathedrale (Catedrala Mitropolitanǎ)
  • römisch-katholische Diözesangebäude: Bischofshaus, ehemalige Kathedrale St. Mariä Himmelfahrt (18./19. Jahrhundert) und heutige Kathedrale St. Maria Königin, fertiggestellt 2005
  • weitere Erinnerungshäuser: Mihai Eminescu, George Topârceanu, Mihail Sadoveanu, Otilia Cazimir, Vasile Pogor und andere.

Die Stadt beherbergt den mit 100 ha größten Botanischen Garten Rumäniens und gleichzeitig einen der größten Europas.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Iași unterhält Städtepartnerschaften mit:[13]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Töchter und Söhne der Stadt[Bearbeiten]

Mit der Stadt verbunden[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean Angel: Der Pogrom von Iasi am 29. Juni 1941. In W. Benz, B. Mihok (Hrsg.): Holocaust an der Peripherie. Judenpolitik und Judenmord in Rumänien und Transnistrien 1940–1944. Berlin 2009, ISBN 978-3-940938-34-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Iași – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkszählung 2011 in Rumänien bei citypopulation.de
  2. Edgar Hösch, Karl Nehring, Holm Sundhaussen (Hrsg.): Lexikon zur Geschichte Südosteuropas (= UTB 8270 Geschichte). Böhlau, Wien u. a.c 2004, ISBN 3-205-77193-1.
  3. a b Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.debevoelkerungsstatistik.de world gazetteer
  4. Markus Bauer: Zur Geschichte eines „Pogroms“ – Iaşi, Juni 1941. In: Aschkenas. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden. Bd. 14, Heft 2, 2005, ISSN 1016-4987, S. 537–551, doi:10.1515/ASCH.2004.537.
  5. Ezra Mendelsohn: Juden. In: Claus D. Kernig (Hrsg.): Sowjetsystem und demokratische Gesellschaft. Eine vergleichende Enzyklopädie. Band 3: Ideologie bis Leistung. Herder, Basel u. a. 1969, ISBN 3-451-14376-3, S. 373.
  6. Annette Schaefgen: Rumänien und der Holocaust. (PDF; 157 KB).
  7. Karte der Volkszählung 1930
  8. Volkszählung 2002 abgerufen am 31. Juli 2009
  9. 30 Jahre Universitätspartnerschaft Iasi - Freiburg bei uni-protokolle.de abgerufen am 2. September 2014
  10. Partneruniversität Jassy: Doppelte Würdigung für Universität Konstanz, Presseinformation am 1. Oktober 2004 bei aktuelles.uni-konstanz.de abgerufen am 2. September 2014
  11. Augsburger Allgemeine-Online vom 13. April 2012
  12. Surb Mariam Armenian Apostolic Church (Norashen), RA
    • Das kleine, armselige Haus, „Bojdeuca Ion Creangă“ (1837–1889, benannt nach dem beliebten rumänischen Erzähler)Ambassador to Romania Hamlet Gasparyan Visits Regions of Moldova and Bukovina, 18. August 2010 (englisch)
  13. Angaben zu den Partnerschaften auf der Website von Iași, abgerufen am 9. Februar 2014