Mykola Asarow
Mykola Janowytsch Asarow (geborener Pachlo; * 17. Dezember 1947 in Kaluga, Sowjetunion) ist ein ukrainischer Politiker. Seit dem 11. März 2010 ist er Ministerpräsident der Ukraine. Nachdem Asarow am 3. Dezember 2012 zunächst seinen Rücktritt eingereicht hatte, wurde er wieder nominiert und am 13. Dezember 2012 erneut zum Ministerpräsidenten gewählt.[1] Bereits im Dezember 2004/Januar 2005 war er kommissarischer Ministerpräsident der Ukraine gewesen. Asarow ist ein enger Vertrauter des ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch.
Leben [Bearbeiten]
Mykola Asarow wurde als Nikolai Pachlo in Kaluga (Russland) geboren. Später übernahm er von seiner Frau Ljudmila Nikolajewna Asarowa den Familiennamen.[2] Der Vater von Mykola Asarow, Jan Robertowitsch Pachlo (* 1924), ist estnischer Abstammung.[3] Seine Mutter Jekaterina Pawlowna Kwasnikowa (* 1927) ist Russin.
Asarow studierte Geologie und Geophysik an der Lomonossow-Universität in Moskau und erlangte 1971 einen Universitätsabschluss. Anschließend arbeitete er als Abteilungschef und Chefingenieur in einem Kohlebergwerk in Tula (Kombinat Tulaugol) und ab 1976 in der Forschung in einem Bergbauinstitut bei Moskau. 1984 zog er in die Ukraine, wo er als stellvertretender Direktor und später als Direktor eines Geologie- und Bergbauinstituts in Donezk arbeitete.
1986 erlangte Asarow den Doktortitel für Geologie und Mineralogie und 1991 den Professorentitel. 1997 wurde er Mitglied der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften. Anfang der 1990er Jahre begann Asarow seine politische Laufbahn. Ab 1993 war er führendes Mitglied der Partei der Arbeit (Partija Prazi), die sich später in Partei der Regionalen Wiedergeburt (Partija Regionalnoho Widrodschennja) und 2001 in Partei der Regionen (Partija Rehioniw) umbenannte. 1994 wurde Asarow in die Werchowna Rada, das ukrainische Parlament, gewählt. Von September 1995 bis Oktober 1997 war er hier Vorsitzender des Haushaltsausschusses. Seit 1. Oktober 1997 war Asarow Direktor der obersten Finanzbehörde. Von März bis Dezember 2001 war er Vorsitzender der Partija Regioniw. Um der Kritik an dieser Ämterhäufung und Interessenkonflikten zuvorzukommen gab er den Posten als Parteichef an Wiktor Janukowytsch ab und ist seitdem die Nummer Zwei in der Partei der Regionen und seit dem 19. April 2003 Vorsitzender von deren Führungsgremium (der so genannten Politrada).
| Kyrillisch (Ukrainisch) | |
|---|---|
| Микола Янович Азаров | |
| Transl.: | Mykola Janovyč Azarov |
| Transkr.: | Mykola Janowytsch Asarow |
| Kyrillisch (Russisch) | |
| Николай Янович Азаров | |
| Transl.: | Nikolaj Janovič Azarov |
| Transkr.: | Nikolai Janowitsch Asarow |
Am 26. November 2002 wurde Asarow erster stellvertretender Ministerpräsident und Finanzminister in der Regierung Janukowytsch. Vom 7. bis zum 28. Dezember 2004 führte Asarow kommissarisch die Amtsgeschäfte des Ministerpräsidenten, da Staatspräsident Kutschma Regierungschef Janukowytsch in Zusammenhang mit der Wahlkrise suspendiert hatte. Nach Beilegung der Krise wollte Janukowytsch seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen, war jedoch durch die Umstände gezwungen, am 30. Dezember 2004 seinen Rücktritt einzureichen. Das Kabinett wurde offiziell am 5. Januar 2005 entlassen und Asarow wurde wiederum als kommissarischer Regierungschef eingesetzt. Nach der Amtseinsetzung von Wiktor Juschtschenko als Staatspräsident wurde Asarow am 24. Januar 2005 durch Julija Tymoschenko abgelöst.
Vom 4. August 2006 bis zum 18. Dezember 2007 war Asarow erneut erster stellvertretender Ministerpräsident und Finanzminister in der zweiten Regierung Janukowytsch.
Nach dem Wahlsieg von Janukowytsch bei den Präsidentschaftswahlen im Februar 2010 wurde Asarow erneut Vorsitzender der Partei der Regionen.[4] Am 11. März 2010 wurde Asarow zum ukrainischen Ministerpräsidenten gewählt. Er steht einer Koalition unter Führung der Partei der Regionen vor, die nach der Abwahl von Ministerpräsidentin Tymoschenko durch das Parlament gebildet wurde. Bei seiner Wahl verkündete Asarow als wichtigste Aufgabe die Sanierung der Staatsfinanzen.[5]
2011 wurde er in den päpstlichen Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem aufgenommen.[6]
Anfang Dezember 2012, fünf Wochen nach der Parlamentswahl, trat Asarow zunächst als Ministerpräsident zurück. Verfassungsgemäß hatte dies auch den Rücktritt des gesamten Kabinetts zur Folge. Asarow begründete seinen Rücktritt damit, dass er bei der Parlamentswahl für die Partei der Regionen ein Abgeordnetenmandat gewonnen habe. Auch weitere zurückgetretene Kabinettsmitglieder hatten Mandate errungen. Einige Beobachter machten Asarows schrumpfenden Einfluss sowie seine bevorstehende Pensionierung für diesen Schritt verantwortlich.[1] Bereits am 9. Dezember 2012 nominierte Präsident Janukowytsch Asarow aber erneut für das Amt des Ministerpräsidenten.[7] Am 13. Dezember 2012 stimmte das ukrainische Parlament (255 von 450 Abgeordneten) der erneuten Ernennung von Asarow zum Regierungschef zu. Im Vorfeld der Abstimmung war es zu tumultartigen Debatten mit zwei Massenschlägereien zwischen Abgeordneten der Opposition und der regierenden Partei der Regionen gekommen.[8]
Weblinks [Bearbeiten]
- Konrad Schuller: „Das ganze Land leidet unter Timoschenkos Verträgen“. Im Gespräch: Ministerpräsident Asarow. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 7. Februar 2013, abgerufen am 11. Februar 2013 (deutsch, Interview mit Asarow zum Fall Julija Tymoschenko).
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b Machtwechsel: Ukrainische Regierung tritt zurück bei zeit.de, 3. Dezember 2012 (abgerufen am 3. Dezember 2012).
- ↑ Grund für die Annahme des Namens seiner Frau war wohl, dass sein Geburtsname „Pachló“ bei anderer Betonung („Páchlo“) auf Deutsch „es roch“ oder „es stank“ bedeutet.
- ↑ Азаров виявився наполовину естонцем. In: TSN. 6. Oktober 2010, abgerufen am 13. Dezember 2012 (ukrainisch).
- ↑ Kyiv Post: Yanukovych suspends his membership in Party of Regions, hands over party leadership to Azarov, 3. März 2010.
- ↑ Die neue Harmonie an der Kiewer Staatsspitze, diepresse.com, 11. März 2010.
- ↑ Азарова посвятили в рыцари Ордена Святого Гроба Господнего, ATN, 15. März 2011.
- ↑ Janukowitsch nominierte Asarow als ukrainischen Regierungschef Der Standard vom 9. Dezember 2012
- ↑ Veser, Reinhard: Ukraine: Tumulte im Parlament – Asarow wiedergewählt bei faz.net, 13. Dezember 2012 (abgerufen am 13. Dezember 2012).
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Asarow, Mykola |
| ALTERNATIVNAMEN | Asarow, Mykola Janowytsch; Pachlo, Nikolai (Geburtsname); Азаров, Микола Янович (ukrainisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | ukrainischer Politiker |
| GEBURTSDATUM | 17. Dezember 1947 |
| GEBURTSORT | Kaluga, Sowjetunion |