Nord-Holland (Kassel)
|
Nord-Holland |
|||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Koordinaten | 51° 19′ 16″ N, 9° 30′ 8″ O51.3211259.502333200Koordinaten: 51° 19′ 16″ N, 9° 30′ 8″ O | ||||||||||
| Höhe | 200 m ü. NHN | ||||||||||
| Fläche | 3,52 km² (10/23) | ||||||||||
| Einwohner | 14.080 (31. Dez. 2010) (2/23) | ||||||||||
| Bevölkerungsdichte | 4000 Einwohner/km² (20/23) | ||||||||||
| Ausländeranteil | 32,4 % (31. Dez. 2010) (23/23) | ||||||||||
| Postleitzahlen | 34125, 34127 | ||||||||||
| Vorwahl | 0561 | ||||||||||
| Website | Stadtteilinfo Nord-Holland | ||||||||||
| Politik | |||||||||||
| Ortsvorsteherin | Monika Sprafke (SPD) | ||||||||||
| Sitzverteilung (Ortsbeirat) | |||||||||||
|
|||||||||||
| Quelle: Stadtverwaltung im Internet | |||||||||||
Nord-Holland ist ein Stadtteil der nordhessischen Großstadt Kassel.
Die sogenannte Nordstadt bezeichnet heute den Stadtteil, der vor allem kurz vor der Wende zum 19. Jahrhundert entlang der nach Norden führenden Ausfallstraße, der Holländischen Straße entstand. Bis heute prägend war die hohe Konzentration an Industriebetrieben. Dazwischen entstanden im Verlauf der Gründerzeit und des sozialen Werkswohnungsbaus kleine, unzusammenhängende Quartiere und Siedlungen. Heute ist die Kasseler Nordstadt mit ihren 34,8 % nichtdeutschen Einwohnern der Stadtteil mit der höchsten Migrantendichte, die aus der Ansiedlung werksnaher Arbeitsmigranten der Nachkriegsjahre resultiert.
Seit den 70er Jahren befindet sich hier der Hauptstandort der damals als Gesamthochschule neu gegründeten Universität Kassel.
Der Hauptsitz des Ausländerbeirats befindet sich ebenfalls in diesem Stadtteil.
Inhaltsverzeichnis |
Geographie [Bearbeiten]
Der Stadtteil Nord-Holland befindet sich nördlich des Stadtteils Mitte. Im Uhrzeigersinn von Norden an stoßen folgende Stadtteile an die Nordstadt Philippinenhof-Warteberg, Fasanenhof, Wesertor, Mitte, Rothenditmold und schließlich im Westen der Jungfernkopf. Die Grenze zum östlich angrenzenden Stadtteil Fasanenhof bildet der als Möncheberg bekannte Höhenzug an dessen Fuß das aus dem Habichtswald entspringende Flüsschen Ahna verläuft. Das Gewässer wurde ebenfalls wie der Mombach (Verlauf etwa unterhalb der heutigen Straße gleichen Namens) zu Ende des 19. Jahrhunderts kanalisiert. Einen Großteil der Freiflächen im Stadtteil nimmt der Hauptfriedhof ein. Der Umbau des Nordstadtstadions und der Nordstadtpark wurden jüngst im Rahmen des Urban-Programms umgesetzt. Im Süden grenzt das Schillerviertel an den Stadtteil Mitte und das Gebiet um den Hauptbahnhof an.
Geschichte [Bearbeiten]
Die Geschichte des Stadtteils ist eng mit der Industrialisierung Kassels verbunden. Diese begann erst mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz und verhalf in dessen Folge dem Unternehmen Henschel & Sohn zu seiner erfolgreichen Firmengeschichte vor allem im Bau von Lokomotiven. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts führte das Holländische Tor aus der dichtbebauten Altstadt direkt in das durch Obstbau genutzte Ahnatal nach Norden. Das Familienunternehmen Henschel & Sohn expandierte zunächst auf dem an die Altstadt angrenzenden Grundstück und reichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis an den Holländischen Platz. Es verfügte zu diesem Zeitpunkt über einen eigenen Gleisanschluss an den Güterbahnhof über die Wolfhager Straße.
In den Jahren der Gründerzeit entstanden infolge der steigenden Wohnungsnachfrage und des damit verbundenen Baubooms kleine Quartiere, die in ihrer Struktur noch heute in Teilen vorzufinden sind.
Nach der Inbetriebnahme des Güterbahnhofs an der Schenkenbier Stanne am nördlichen Stadtrand wurde ein Gleisanschluss von Norden durch den Stadtteil gelegt. Zu diesem Zweck wurde der kleine Bach Ahna vollständig kanalisiert und vor allem Zulieferbetriebe von Henschel siedelten sich nun auf dem zuweilen schmalen Streifen zwischen Holländischer Straße und Ahna an. Ebenfalls prägend war der Bau des Schlacht- und Viehhofes an der Mombachstraße, der bis in die 70er Jahre in Betrieb war und dann nach Waldau verlegt wurde. Die Situation nach dem Krieg ist gekennzeichnet durch den Wegfall vieler Unternehmen. Die von dem Essener Thyssen-Konzern übernommenen Henschel-Werke schlossen ebenfalls Anfang der 1970er Jahre das Werk am Holländischen Platz. Mehrere tausend „Henschelaner“ verloren ihre Arbeit im Stadtteil.
Die bis heute im Stadtteil vertretenen Unternehmen des Maschinenbaus (u.a. ThyssenKrupp, Daimler, Bombardier) im Nachbarstadtteil Rothenditmold, befinden sich vorwiegend auf dem nordwestlich gelegenen Industriekomplex Mittelfeld. Daimler Trucks produziert in dem ehemaligen Nutzfahrzeugwerk von Henschel, in dem bis Mitte der 1970er Jahre die Lkw von Hanomag-Henschel hergestellt wurden, seit 1978 mit rund 3.000 Mitarbeitern Achsen für Last- und Nutzfahrzeuge. Für einige Jahre hatte das amerikanische Fernsehproduktverkaufsunternehmen QVC sein Telefonzentrum in den Gebäuden der ehemaligen Firma Hertel&Reuss in der Quellhofstraße. Darüber hinaus finden sich eine große Anzahl kleiner und mittelständischer Unternehmen aus dem Baubereich.
In mancher Hinsicht hat der Stadtteil seine Identität als Industriestadtteil heute verloren. Die infolge der Gründung als auch die im Zuge der aktuellen Erweiterung stattfindende bauliche Neuordnung der Hochschule haben zu einem weitestgehenden Totalabriss der historischen Baustruktur geführt. Die sich auf dem nördlich der Moritzstraße befindlichen Gebäude der Firma Gottschalk & Co. und die in Richtung Mombachstraße befindlichen Flächen des Geländes Kohlen Koch sollen den Standort am "Holländischen Platz" in den kommenden Jahren vergrößern. Auf dem Gelände der ehemaligen Zelt- und Tuchfabrik Gottschalk sollen bis 2017 die im Stadtteil Oberzwehren angesiedelten Fachbereiche auf dem zentralen Standort in der Nordstadt zusammengeführt werden.
Die Entscheidung, die 1972 neu gegründete Hochschule auf dem Gelände der Fabrik anzusiedeln hat im südlichen Bereich des Stadtteils zu einer weitgehenden Veränderung in der Bewohnerstruktur geführt. Dieser Prozess wird sich im Zuge der Konzentration der Universität an diesem Standort in der nahen Zukunft weiter verschärfen.
Der Austausch der Bevölkerung im Stadtteil von Henschel-Arbeitern mit ausländischen Gastarbeitern hat im Zuge der Schließung des Werkes in den 1970er Jahren eingesetzt. Dadurch hat sich die Struktur in einem ersten Schritt stark verändert. Die einfachen Wohnungen wurden zu diesem Zeitpunkt von der deutschen Bevölkerung nicht weiter nachgefragt. Im Zuge dessen veränderte sich auch die kleinteilige lokale Ökonomie im Stadtteil. Geschäfte wie Bäckereien und Fleischereien wanderten ab und wurden durch Handelsgeschäfte der Migranten ersetzt. Die stadtweite ökonomische Rekonzentration hat darüber hinaus zu einer Neuordnung der Versorgungsstrukturen, insbesondere im Bereich des zur Stadtmitte hin ausgerichteten Bereich des Stadtteils geführt.
Die hinter der Berufsschule auf dem ehemaligen Schlachthof liegenden Quartiere, insbesondere die Friedrich-Wöhler-Siedlung gelten heute in vieler Hinsicht als benachteiligt. Seit 1980 ist die Nordstadt daher in unterschiedliche Städtebauförderprogramme eingebunden. Sie war Modellprojekt der „Sozialen Stadt“ und bis Ende 2006 Fördergebiet des europäischen Programms „URBAN II“.
Das Stadtteilbild hat sich seither zu einem multiethnischen Potpourri gewandelt. Im Gebiet bis zur Einmündung der Eisenschmiede zeigt sich jedoch eine soziale Barriere zwischen nördlich stadtauswärtsliegendem Siedlungsteil und dem der Hochschule zugewandtem Bereich. Eine drohende Segregation durch steigende Mieten und damit verbundene Aufwertungs- und Verdrängungsprozesse durch die Entwicklung der Hochschule könnte für die Zukunft mit einer stadtteilweiten Mietpreisbindung entgegengewirkt werden.
Stadtteilbild und Stadtteilleben [Bearbeiten]
Nach dem Ende der Förderphasen der achtziger und neunziger Jahren zu Städtebau und Stadtentwicklung, aus der viele soziale Einrichtungen in der Nordstadt Kassels entstanden sind, haben sich in den vergangenen Jahren viele selbstorganisierte Projekte gegründet, die eine alternative Entwicklung unterstützen und das Leben im Stadtteil stark bereichern. Hierzu zählen unter anderem der "Agathe e. V." im Tannenheckerweg und der mit der Staatsdomäne Frankenhausen kooperierende Verein "essbare Stadt e. V.". Zusammen mit lokalen Ausbildungsträgern wie "JAFKA" bilden sie ein Netzwerk, das eine bewohnergebundene Stadtteilentwicklung fördert. Auf der anderen Seite ist mit der Fortführung der Campuserweiterung zwischen Moritz- und Mombachstraße in den kommenden Jahren eine lokal begrenzte aber strukturell umfassende Veränderung zu erwarten, die eigendynamische Gentrifizierungsprozesse erwarten lassen. Ohne instrumentale Maßnahmen wird sich dadurch die soziale Segregation innerhalb des Stadtteils und etwa zum benachbarten Wesertor weiter verstärken.
Entgegen dieser Destabilisierung sind die Sozialträger und Integrationsvereine derzeit dabei sich über Strukturmittel selbst zu stärken und eigene Projekte stadtteilentfernt und kompetenzschwach fortzuschreiben. Nach dem Desaster um "Die Spitze", ein Quartierprojekt in der hinteren Nordstadt, den kooperativen Misserfolg der Lokalen Ökonomie e. V. und dem Fördergeldverlust durch die Fluchtbewegungen des STARQ-Programms, hängen die Bewohner im Bereich Wiener Straße und Mittelfeld übermaß an der diakonischen Verteilungsausgabe der Kasseler Tafel e. V. andere Sozialeinrichtungen werden dahingehend aufgrund einer verschobenen Verteilungspolitik zu Ungunsten der Stadtteilstruktur, der Eigeninitiative und der Selbsthilfe unterminiert.
Es existieren mehrere Kultureinrichtungen in der Nordstadt, wie zum Beispiel der studentische Club „K19“, die städtische Einrichtung „Schlachthof“, so wie die autonom verwalteten Projekte „HAUS“ und "Karoshi". Auch kann man den Bereich zwischen dem Nordstadtpark, der im Sommer bis spät in die Nacht von den Anwohnern genutzt wird, und dem Holländischen Platz als das Kneipenviertel für Alternative, Punks und Studierenden ansehen. In diesem Bereich befinden sich die Kneipen „Mutter“, „bei Ali“, „Beat Bar“, „Hurricane“, „Bar 39“, „Nordpol“ und weitere. Der Bereich zwischen Campus und Stadtteil wird stark durch das öffentliche Leben auf dem "Lucius-Burckhardt-Platz" geprägt, das mit dem Café DesAStA und der Fahrradwerkstatt als Schnittstelle zwischen Hochschule und dem Quartier an der Gottschalksstraße fungiert. Hier hat sich auch im Rahmen der beginnenden Baumaßnahmen eine Initiative gegründet, die eine stärkere Verankerung der Planung mit den Bewohnern und Nutzern erreichen möchte. Der Platz hingegen ist samt der dort über lange Jahre bestehenden Fahrradwerkstatt aufgrund Inkooperativität zwischen Hochschule, Stadt(teil) und Initiativen im inzwischen zu großen Teilen der Baulogistik geopfert worden.
Ortsbeirat und allen voran die Grünen zeigen sich widersprüchlich bis gänzlich abwesend, wenn es um die bewohnerpartizipierende und basisdemokratische Vermittlung und Kleinteiligkeit geht. Kennzeichnen doch Erledigungen und Beschäftigtsein das Straßenbild entlang der zugeparkten Bordsteine, die allein zu Zwecken der Festivalisierung jährlich beiseite geräumt werden. Die unmündige Haltung gegenüber den massiven Eingriffen im Bereich K19 und Gottschalk&Co zeigen eine informalisierte und scheinheilige Bevorteiligung, die auf prüder Kategorisierung anstatt aufgeklärtem Denken und integrierter Auffassung beruht.
Entgegen dem studentisch geprägten Leben in der südlichen Nordstadt entlang der Gottschalkstraße wirkt das durch viele mittelständische Betriebe gekennzeichnete Schillerviertel wie ausgestorben. Entlang der Wolfhager Straße in Richtung Rothenditmold verändert die legale Straßenprostitution vor allem während der Dunkelheit das Bild des Viertels. Das hohe Verkehrsaufkommen rings um den Holländischen Platz mindert den Wohnwert im ganzen Stadtteil beträchtlich. Die privat-initiierten Auflockerungen durch das Fenster-Zum-Hof-Projekt und die Bemühungen der Kooperation mit dem Strich sind exemplarisch, gegenüber der Kulturalisierung der "kreativ" getauften Szene rund um die ehemalige Brandt-Bekleidungswerke.
Die Friedrich-Wöhler-Siedlung in Höhe der Wienerstraße wurde in den vergangenen Jahren in ihren Außenbereichen durch Urban-Fördergelder und die Stadt Kassel aufgewertet. Die ehemals in öffentlicher Hand befindlichen Wohngebäude wurden an private Unternehmen verkauft. Seitens der Stadt Kassel wurde ein Quartiersmanagement eingerichtet, das die sozialen Probleme innerhalb der Siedlung und des Stadtteils verbessern soll. Das Stadtteilheft Nordwind versuchte einige Jahre die interkulturelle Kommunikation zwischen den Bewohnern zu befördern. Die unterschiedlichen sozialen Initiativen, die daran angeschlossen waren, existieren zwar weiter, die Mitteilungsebene, die durch das Magazin aufgebaut wurde, ist seither durch die Stadt nicht weiter fortgeführt worden.
Öffentliche Einrichtungen [Bearbeiten]
Neben dem großen Campus-Gelände der Universität Kassel findet sich eine Anzahl von berufsbildenden Schulen vor allem entlang der Schillerstraße, so die Walter-Hecker-Schule, die Martin-Luther-King-Schule und die Paul-Julius-von-Reuter-Schule. Das Berufsbildungswerk hat seine Räume an der Sickingenstraße. Die vierte Berufsschule, die Elisabeth-Knipping-Schule, befindet sich an der Mombachstraße auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofes Kassel.
Die lokale Konzentration, die am Katzensprung im benachbarten Stadtteil Wesertor mit zwei weiteren Berufsschulen ihre Fortsetzung findet, entstand in den späten sechziger bis Mitte der siebziger Jahre, als innerhalb dieses Gebietes ein Berufsschulzentrum errichtet werden sollte, das zentral gelegen für Schüler auch aus dem Umland gut zu erreichen sein sollte.
Im Verlauf der Holländischen Straße befindet sich die Carl Anton Henschel-Schule als Grund- und Hauptschule der Nordstadt.
Ebenfalls an der Holländischen Straße steht das Philipp-Scheidemann-Haus, das neben der Volkshochschule auch die Funktion eines Stadtteilzentrums übernimmt. Der Bau aus der Nachkriegsmoderne sollte vor einigen Jahren als Nordstadt-Einkaufszentrum ausgebaut werden. Es wurde stattdessen instand gesetzt und um einen Gebäudeteil erweitert, der private Büroflächen bietet. Die Läden im Erdgeschoss sowie die Gastronomie im alten Gebäudeteil stehen derzeit leer.
Das Kulturzentrum Schlachthof, das sich in direkter Nachbarschaft befindet, bietet ebenfalls Veranstaltungsräume vor allem für kulturelle und soziale Initiativen an. Auch das Jugendzentrum der Nordstadt befindet sich in den Torhäusern.
Verkehrsanbindung [Bearbeiten]
Der Stadtteil Nord-Holland ist in Nord-Süd Richtung von der Holländischen Straße (jeweils Teil der B 7 und B 83) durchzogen. Die Holländische Straße wird weitergehend von den Tram-Linien 1 und 5 sowie der Nacht-Tram 5 und die Buslinien 10 (Bettenhausen) und 12 (Rothenberg-Brückenhof) am Holländischen Platz bedient. Die Linie 1 fährt inzwischen den erweiterten Kurs bis Vellmar-Frommershausen.
Literatur [Bearbeiten]
- Annette Ulbricht (Hrsg.): Von der Henschelei zur Hochschule. Der Campus der Universität Kassel am Holländischen Platz und seine Geschichte. Kassel, 2004; ISBN 3-89958-099-0
Siehe auch [Bearbeiten]
Weblinks [Bearbeiten]
Bad Wilhelmshöhe | Bettenhausen | Brasselsberg | Fasanenhof | Forstfeld | Harleshausen | Jungfernkopf | Kirchditmold | Mitte | Niederzwehren | Nord-Holland | Nordshausen | Oberzwehren | Philippinenhof-Warteberg | Rothenditmold | Südstadt | Süsterfeld-Helleböhn | Unterneustadt | Vorderer Westen | Waldau | Wehlheiden | Wesertor | Wolfsanger-Hasenhecke