Harleshausen

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Wappen von Kassel
Harleshausen
Stadtteil von Kassel
Lage von Harleshausen in Kassel
Koordinaten 51° 19′ 59″ N, 9° 26′ 51″ O51.3331859.44761214Koordinaten: 51° 19′ 59″ N, 9° 26′ 51″ O.
Höhe 214 m ü. NHN
Fläche 14,18 km² (2/23)
Einwohner 12.728 (31. Dez. 2010) (5/23)
Bevölkerungsdichte 898 Einwohner/km² (4/23)
Ausländeranteil 4,6 % (31. Dez. 2010) (20/23)
Eingemeindung 1936
Neugründung 1074
Postleitzahl 34128
Vorwahl 0561
Website Stadtteilinfo Harleshausen
Politik
Ortsvorsteher Reinhard Wintersperger (SPD)
Sitzverteilung (Ortsbeirat)
SPD CDU Grüne FDP
4 4 2 1
Quelle: Stadtverwaltung im Internet
Blick über Kassel-Harleshausen zum Habichtswald mit Herkules, von NO (24. Dezember 2003)
Erlöserkirche
Haus in der „Scharfen Kurve“ der Wolfhager Straße (B 251) mit „Ossenkobb“, der unter dem Balkon des Hauses hängt

Harleshausen ist der nordwestlichste Stadtteil von Kassel (Nordhessen, Deutschland).

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Im Nordosten grenzt Harleshausen an den Kasseler Stadtteil Jungfernkopf, zu dem der Geilebach teils die natürliche Grenze bildet, im Osten schließt sich − jenseits eines Ausbesserungswerks mit direkt daran angegliedertem Rangierbahnhof der Deutschen Bahn − Kassel-Rothenditmold an. Im Südosten und Süden grenzen an Harleshausen die Stadtteile Kirchditmold sowie im Süden und Südwesten − innerhalb des Habichtswalds − Bad Wilhelmshöhe.

Ortsbild[Bearbeiten]

Der größte Teil des Harleshäuser Gebiets wird von weitläufigen und dicht bewaldeten Flächen des Habichtswalds eingenommen; somit hat Harleshausen einen kleinen Anteil am Naturpark Habichtswald. Der eigentliche (östliche) Teil des Kasseler Stadtteils ist zumeist dicht bebaut, jedoch gibt es auch in Harleshausen zahlreiche Wiesen- und Ackerflächen (z. B. das so genannte Feldlager).

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

An der Nordgrenze des Nordostausläufers des Habichtswalds, etwa zwischen dem Ziegenberg, der Firnskuppe und der bereits zu Ahnatal-Weimar gehörenden, alten Gaststätte Ahnetal, stößt der Nordwesten und Norden von Harleshausen an das Gemeindegebiet von Ahnatal. Im Norden grenzt Harleshausen südwestlich der am Osterberg stehenden Wasserbehälter im Bereich des Waidmannswegs auf nur wenigen hundert Meter Länge an das Gebiet der Kleinstadt Vellmar, wo die Harleshäuser Bebauung in Vellmarer Ackerflächen über geht. Im Westen grenzt Harleshausen oberhalb der noch "jungen" Ahne und der an diesem Bach stehenden Gaststätte Ahnetal an die Gemeinde Habichtswald; diese Grenze befindet sich westlich des im Habichtswald liegenden Berg Triffelsbühl. Das dort an der B 251 liegende, ehemalige Schotterwerk, die Stätte der ehemaligen Igelsburg und der oberhalb davon liegende Silbersee gehören bereits zur Gemeinde Habichtswald.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte Harleshausens beginnt mit einer neolithischen Siedlung "In der Aue" (Bandkeramiker). Funde und Hügelgräber aus der Bronzezeit (ca. 1500 v. Chr.) belegen, dass das Gebiet des heutigen Harleshausens bereits früh von Menschen besiedelt wurde.

Mittelalter[Bearbeiten]

Urkundlich wurde Harleshausen 1074 erstmals erwähnt. Ein Mann namens Ruothnc schenkte dem Kloster Hasungen eine Manse (7,5 ha). 1125 wurden die Ministerialen (Adlige) des Klosters Hersfeld auf der "Kirchhofsburg" erwähnt. Die Adligen, die 1399 den Rest ihres Besitzes verkauften, hatten auf dem burghofartigen Gelände auf dem Kirchhof eine Eigenkirche mit einem vom Gutsherrn angestellten Priester. Später wurde Harleshausen dem Kirchspiel Weißenstein mit Sitz in Kirchditmold zugeordnet, blieb aber politisch im nördlich gelegenen Amte "Uff'r Ahna". Im Amte Ahna bildete Harleshausen einen Schöppenstuhl zusammen mit Wolfsanger.

Neuzeit[Bearbeiten]

Ab 1600[Bearbeiten]

1556 wird berichtet, in Harleshausen seien "viele Güter innen, gäben aber nichts davon", d. h. sie gäben der Kirche nichts ab. 1604 schlachteten die Harleshäuser einen herrschaftlichen Auerochsen des Landgrafen Moritz des Gelehrten von Hessen-Kassel. Die Gemeinde Harleshausen bezahlte 235 Jahre lang Strafe, bis 1839. Aus dieser Zeit rührt die Bezeichnung der Harleshäuser: "Ossenköbbe" (Ochsenköpfe) oder einfach "Harleshüser Ossen" (Harleshäuser Ochsen). Dieses geschichtliche Ereignis inspirierte auch zum folgenden Reim, welcher im Waldgebiete des Daspel auf einem steinernen Durchgang zu lesen ist: "Anno 1604 ging ein Urochs spazmausen von Wilhelmshöhe nach Harleshausen. Und als er kam ins Lückenroth, schlugen ihn die Harleshäuser tot. Seitdem ein jedes Kind die Harleshäuser 'Ossen' nennt."

1747, bei Erstellung des Lager-, Stück- und Steuerbuchs wurden in Harleshausen 304 Einwohner gezählt. Im Dreißigjährigen (1618-1648) und im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) erlitt Harleshausen schwere Zerstörungen. Im Siebenjährigen Krieg wurde u. a. der Turm der ehemaligen Kirche auf dem Kirchhof zerstört. Ab dem 18. Jahrhundert wurde Harleshausen nach Kirchditmold eingepfarrt.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Kassel-Harleshausen (Ahnatalstraße): Historisches Fachwerkhaus aus 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts

Im 19. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung erheblich an. 1880 kam Bürgermeister Martin Homburg ins Amt (bis 1904), der die Verkoppelung (1882–1902) durchführte. Ihm folgte Bürgermeister Wilhelm Führer (1904–1928), unter dessen Leitung Harleshausen eine eigene evangelische Kirche bekam. Daneben wurde mit dem Bau der neuen Schule ein neues Zentrum geschaffen. Das Ortsbild von Harleshausen wurde in dieser Zeit entscheidend geprägt.

1901 wurde das rechts abgebildete Fachwerkhaus aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in der Kasseler Altstadt sorgfältig abgetragen und in Harleshausen auf einem massiven Erdgeschoss an der Ahnatalstraße wieder aufgebaut. Aufgrund dessen ist es das einzige Fachwerkgebäude aus der Kasseler Innenstadt, das den Bombenangriff vom 22./23. Oktober 1943 im Zweiten Weltkrieg "überlebt" hat. Das westlich benachbarte Haus wurde vermutlich erst in den 1970ern errichtet.

Schon 1848 verlief die Bahnstrecke Kassel–Warburg durch das heutige Gebiet von Harleshausen, aber erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde erstmals ein eigenes Bahnhofsgebäude errichtet, so dass der Stadtteil einen eigenen Haltepunkt bekam; das heutige Bauwerk stammt von 1970.

Am 15. März 1908 wurde die im neugotischen Stil an der Karlshafener Straße erbaute Erlöserkirche (evangelisch) mit einem 49,5 m hohen Turm fertiggestellt; 1958 wurde sie durch ein unmittelbar angebautes Gemeindehaus ergänzt.

Um 1930 hatte Harleshausen mehr als 4000 Einwohner.

1936 wurde Harleshausen als Stadtteil nach Kassel eingemeindet und verlor dabei etwa 70 ha Fläche an Ober- und Niedervellmar.

Die katholische Kirche Herz Mariä an der Kreuzung Ahnatal-/Harleshäuser Straße wurde 1957 eingeweiht.

Von 1979 bis 1980 wird die Sporthalle Harleshausen an der Wolfhager Straße (B 251) errichtet.

Harleshausen wurde 1980 innerhalb der Stadt Kassel neu zugeschnitten, so dass das Gebiet Jungfernkopf als eigener Stadtteil abgetrennt wurde, Harleshausen aber immer noch einer der großen Kasseler Stadtteile ist.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Harleshausen an der Wolfhager Straße

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Harleshausen ist insbesondere über die B 251 (Wolfhager Straße) an die deutsche Infrastruktur angebunden. Sie durchschneidet den Stadtteil in West-Ost-Richtung und führt in Richtung Westen durch den Habichtswald und über Dörnberg sowie Ehlen zur Anschluss-Stelle Zierenberg der Bundesautobahn 44. In Richtung Osten erreicht man auf der B 251 und über die Hafenbrücke die breite Zubringerstraße (Dresdner Straße), die zur Anschluss-Stelle Kassel-Nord an der A 7 führt.

Mit zahlreichen Buslinien und der RegioTram (mit dem Haltepunkt "Bahnhof Harleshausen" an der Harleshäuser Kurve) ist der Stadtteil gut an den ÖPNV angebunden.

Straßen und Plätze[Bearbeiten]

Ahnatalstraße nach Osten

Die eben genannte B 251 führt von Korbach kommend als Wolfhager Straße durch Harleshausen über Kassel-Rothenditmold in die Innenstadt; am Uhrtürmchen zweigt die Harleshäuser Straße nach Kassel-Kirchditmold ab und beim ehemaligen Café Bachmann die Straße nach Vellmar. Vielbefahren ist auch die Ahnatalstraße, die vom Haroldplatz an der B 251 über die Harleshäuser Straße zur Rasenallee führt. Letztere stellt anfangs vor dem Habichtswald und etwa an der Bebauungsgrenze von Harleshausen die Verbindung von Bad Wilhelmshöhe über nach Ahnatal zum Schloss Wilhelmsthal in Calden her.

Geschichtlich bedeutsam, aber heute nur noch eingeschränkt als Durchgangsverbindung genutzt, sind der Wilhelmshöher Weg (von der Wolfhager Straße in Ortsmitte südlich über die Ahnatalstraße zur Hessenschanze und schließlich nach Bad Wilhelmshöhe führend) und die Eschebergstraße (in der scharfen Kurve der Wolfhager Straße als Verbindung zur Rasenallee nach Westen abzweigend).

Seit dem Jahr 2007 werden Stück für Stück alle Ampelanlagen in Harleshausen erneuert und die Fußgängerampeln mit ostdeutschen Ampelmännchen bestückt. Eine Sonderform der Ampelmännchen findet sich an einer Ampelanlage in der Harleshäuser Straße, an der das ostdeutsche Ampelmännchen in Verbindung mit dem westdeutschen Fahrrad dargestellt wird.

Berge[Bearbeiten]

Innerhalb des Habichtswaldes, durch den zahlreiche Wanderwege führen, befinden sich diese zu Harleshausen gehörenden Berge:

  • Elfbuchen (535 m ü. NN), an Grenze zu Kassel-Bad Wilhelmshöhe, mit von Bäumen überragtem Aussichtsturm (Plattformhöhe: 551,30 m)
  • Wurmberg (ca. 485 m), östlich vom Elfbuchen bzw. Wurmbergsattel (474 m)
  • Hühnerberg (496 m), nördlich vom Elfbuchen
  • Triffelsbühl (ca. 395 m), im äußersten Westen des zu Harleshausen gehörenden Gebiets
  • Firnskuppe (313,90 m), eine Basaltkuppe zwischen Rasenallee und Harleshäuser Schwimmbad

Dementgegen befindet sich die niedrigste Stelle von Harleshausen auf etwa 178 m Höhe an der Geile, dort wo der Bach an der Grenze zum benachbarten Stadtteil Jungfernkopf unter dem DB-Ausbesserungswerk verschwindet.

Gewässer[Bearbeiten]

Harleshausen wird unter anderen von der Geile durchflossen. Im äußersten, waldreichen Westen des Stadtteils fließt die Ahne südlich der Gaststätte Ahnetal im Bereich des Habichtswald durch Harleshausen. In diesem Teil des Waldes befinden sich auch zwei Stillgewässer: der Blaue See und das Erlenloch. Am Blauen See, der das Quellgebiet der Geile bildet, befindet sich die von dem documenta-Künstler Harry Kramer inszenierte Kasseler Künstler-Nekropole.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Harleshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien