Nordstadt (Bonn)

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50.7431638888897.0860111111111Koordinaten: 50° 44′ 35″ N, 7° 5′ 10″ O

Nordstadt
Bundesstadt Bonn
Einwohner: 14.899 (31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahlen: 53119, 53111
Vorwahl: 0228
Karte

Lage von Nordstadt in Bonn

Stadthaus am südlichen Rand der Nordstadt

Die Nordstadt ist ein Ortsteil der Stadt Bonn im Stadtbezirk Bonn. Er liegt nordwestlich vom Stadtzentrum und hat etwa 14.000 Einwohner.

Der Ortsteil entspricht in etwa den Statistischen Bezirken Ellerviertel und Vor dem Sterntor.

Geschichte und Gebäudestruktur[Bearbeiten]

Fundament der Dietkirche

Im Gebiet der heutigen Nordstadt befand sich ein Dorf, welches nach der Dietkirche (= Volkskirche) benannt war. Diese wurde um 795 erstmals erwähnt und befand sich dort, wo heute eine Wohnanlage nahe der Kreuzung von Rosental/Drususstraße steht [2]. Diese war die erste Pfarrkirche im Bonner Raum mit dem Patrozinium Sti. Johannes und Petrus. Bei der Dietkirche, am Johannisbrunnen endete einst die römische Wasserleitung, die fließendes Wasser für den christlichen Taufritus lieferte. Die Dietkirche stand im Südwesten des ehemaligen Römerlagers, zwischen Augustusring, Rosental, Graurheindorfer Straße und der Rheinpromenade.

Um 1010 entstand nahe der Kirche ein Kloster, das später in ein Stift umgewandelt wurde. Das Kloster Dietkirchen besaß das Recht Ende Juni den Johannesmarkt abzuhalten. Im Truchsessischen Krieg brannten 1583 Kloster und Kirche nieder, wurden aber wieder aufgebaut. Im Jahre 1646 war die Klosterkirche eine dreischiffige Basilika ohne Querhaus. 1673, im Holländischen Krieg, wurde das gesamte Stift Dietkirchen zerstört, um freies Schussfeld zu haben. Später wurde das Stift hinter die Stadtmauer verlegt. 1729 erhielt es eine neue Kirche an dem nach ihm benannten Stiftsplatz. Das Taufbecken der Dietkirche befindet sich noch heute in ihrer Nachfolgekirche, der Stiftskirche.

Die heutige Nordstadt entstand etwa zur selben Zeit wie die Südstadt. Im Gegensatz zur Südstadt entwickelte sie sich allerdings zu einer Wohnlage der unteren Mittelschicht. Als wesentliche Erschließungsachsen fungierten frühere „Flurwege“, u. a. die Breite Straße und die Heerstraße. In den 1870er Jahren wurde die Adolfstraße erschlossen – als Parallele zur Heerstraße. Nachdem die Baumaßnahmen bis in die 1890er Jahre weitgehend ungeplant verliefen, lagen der Stiftsgasse, die 1891–1899 errichtet wurde, erstmals umfassendere Planungen zugrunde. Auch die Kasernenstraße und die vom 1910 erbauten Kaiser-Karl-Ring ausgehenden Straßen, die in den Jahren 1893–1898 angelegt wurden, fußten auf detaillierteren Entwürfen.

Die Wohngebäude des entstandenen Stadtteils wurden im Souterrain bzw. in Anbauten auch gewerblich genutzt. Die unterschiedliche Ausstattung der überwiegend dreiachsigen und dreigeschossigen Häuser ist in den unterschiedlichen Wünschen der Nutzer begründet. Balkone und Vorgärten wurden im Gegensatz zur Südstadt nicht eingerichtet.

Von 1973 bis 1977 wurde am südlichen Rand des Stadtteils das neue Bonner Stadthaus errichtet, der damit verbundene Abriss mehrerer Straßenzüge führte zu Protesten. Seit 1975 wurde die Nordstadt im Rahmen von Stadterneuerungsmaßnahmen grundlegend saniert; das gesamte Viertel steht seit 1990 unter Denkmalschutz.[3]

Altstadt[Bearbeiten]

Zugang zur Inneren Nordstadt: Blick in die Breite Straße

Der südliche Teil der Nordstadt (Innere Nordstadt) ist geprägt von alten Häusern und engen, verwinkelten Straßen. Er wird daher fälschlicherweise als Altstadt bezeichnet. Die Verwendung des Ausdrucks geht hier auf die mittleren 1970er Jahre zurück. Die innere Nordstadt war damals bereits ein vor allem bei Studenten und Schülern beliebtes Kneipenviertel. Mehrere Gastwirte und Geschäftsleute schlossen sich damals zur Altstadt-Initiative zusammen. Die beteiligten Lokale erhielten Schilder mit der Aufschrift „Altstadt – das Herz von Bonn“. Der Ausdruck Altstadt war orientiert am Vorbild der Düsseldorfer Altstadt, die damals bereits als Kneipenviertel einen legendären Ruf besaß. Tatsächlich liegt die Innere Nordstadt aber nicht auf dem Gebiet der historischen Bonner Altstadt. Diese, de Kuhl, lag vielmehr zwischen Markt, Rathaus und Rheinufer und reichte im Norden bis zum Stiftsplatz in unmittelbare Nachbarschaft zur Nordstadt. Die wahre Bonner Altstadt wurde durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg schwer getroffen. Als Wohnviertel unbeliebt und von geringem Prestige, wurde sie in den 1950er weiträumig abgerissen und durchgehend mit Neubauten im Stil der 50er, 60er und 70er Jahre überbaut. In der Brüdergasse erinnert bis heute eine Aufschrift mit stilisiertem Stadtplan an diese „Altstadt-Umlegung“. Der Ausdruck Altstadt geriet in Bonn außer Gebrauch; dadurch, dass er damit „frei“ geworden war, konnten ihn die Nordstadt-Wirte um 1975 auf die Gegend zwischen Breite Straße und Heerstraße übertragen, und es entstand die Neue Altstadt. Die ansässigen Geschäftsleute halten bis heute an diesem Gebrauch fest und haben dort ein die Breite Straße überspannendes Schriftband „Altstadt“ angebracht.

Sehenswürdigkeiten und moderne Nutzung[Bearbeiten]

Im Bereich zwischen den ehemaligen Markthallen und dem Verteilerkreis Potsdamer Platz (Anschlussstelle und Endpunkt der A 555) befindet sich das Gewerbegebiet Verteilerkreis. Neben dem Eierlikörhersteller Verpoorten, und der Magnetfabrik Bonn haben sich dort einige Autohändler, Drive-in-Restaurants sowie ein Discounter angesiedelt.

Blick auf die Nordstadt mit St. Marien aus dem Atelier August Mackes

Östlich des Potsdamer Platzes lag das nicht mehr genutzte Poststadion, in dem sich eine Radrennbahn befand.

Am südlichen Ende der Nordstadt, neben dem Stadthaus, befindet sich der 1715 angelegte Alte Friedhof mit Grabstätten von Ernst Moritz Arndt, Clara und Robert Schumann, Karl Joseph Simrock, Wilhelm Schmidtbonn und anderen berühmten Bonnern. Gegenüber dem denkmalgeschützten Frankenbad, einem der vier Bonner Hallenbäder, am Hochstadenring, liegen der Bonner Kunstverein und das Künstlerforum Bonn. In der dortigen Artothek besteht die Möglichkeit, zeitgenössische Kunst auszuleihen.

Die auf der Adolfstraße, Ecke Oppenhoffstraße gelegene Stadtkirche St. Marien zählt zu den wichtigsten und stilreinsten Kirchen der Bonner Innenstadt. Das neogotische katholische Gotteshaus wurde 1887 bis 1892 errichtet. Ein neuerer katholischer Kirchenbau aus den 1960er-Jahren ist St. Franziskus.

Direkt an der Viktoriabrücke liegt das August-Macke-Haus. In dem Wohnhaus finden Ausstellungen über den Künstler statt. Als weiteres Museum befindet sich das Frauenmuseum in der Nordstadt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. bezieht sich auf die Statistischen Bezirke Ellerviertel (6177 Einwohner) und Vor dem Sterntor (8722); Quelle: Bevölkerungsstatistik – Bevölkerung in Bonn – Stichtag: 31.12.2013, Bundesstadt Bonn, Statistikstelle, Februar 2014
  2. Koordinaten: 50.743041,7.097757. Sprich »Dihtkirche«
  3. Andreas Henk, Ingeborg Flagge: Architekturführer Bonn. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-496-01150-5, S. 57.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nordstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien