Beuel

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Bonner Stadtbezirk Beuel. Auch ein Ortsteil der Stadt Bad Honnef trägt diesen Namen, siehe Beuel (Bad Honnef).
Wappen Karte
Wappen des Stadtbezirks Beuel in Bonn
Karte des Stadtbezirks Beuel in Bonn
Basisdaten
Stadt: Bonn
Geografische Lage: 50° 44′ N, 7° 7′ O50.7341677.121667Koordinaten: 50° 44′ N, 7° 7′ O
Höhe: 45,6–194,8 m ü. NN
Fläche: 33,2 km²
Eingemeindungsdatum 1. August 1969
Einwohner: 66.671 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 1.996 Einwohner je km²
Vorwahl: 0228
Postleitzahlen: 53225, 53227, 53229
Politik
Bezirksbürgermeister: Guido Déus (CDU)
Luftaufnahme von Beuel, vom Rhein aus gesehen

Beuel ist ein Stadtbezirk von Bonn, der alle rechtsrheinischen Ortsteile Bonns umfasst. Die ehemalige Gemeinde Beuel hatte von 1952 bis zu ihrer Eingliederung in die Stadt Bonn am 1. August 1969 Stadtrechte.

Geographie[Bearbeiten]

Beuel liegt auf der rechten Seite des Rheins. Nördlich grenzt er an die Sieg-Mündung, Niederkassel und Troisdorf, im Osten an Sankt Augustin und im Süden an Königswinter. Im Süden des Bezirks liegt der Höhenzug Ennert, der nördlichste Ausläufer des Siebengebirges.

Gewässer[Bearbeiten]

Kultur[Bearbeiten]

Wichtigste Kultureinrichtung in Beuel mit überregionalem Bekanntheitsgrad ist das Kulturzentrum Brotfabrik Bonn. Daneben gibt es im Beueler Zentrum in der Friedrich-Breuer-Straße das Kino Neue Film-Bühne, das vor allem nicht kommerzielle Spielfilme zeigt.

Ortsteile[Bearbeiten]

Geschichte[2][Bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Beuel 1139 als Buiela, weitere Namen in der wechselvollen Geschichte sind Buele bzw. Buwele. Der Name leitet sich von Buel (mittelhochdeutsch: Buhil) oder Büchel ab und bedeutet Anhöhe oder Erhöhung. Dies weist darauf hin, dass das Dorf Beuel auf einem Hügel zwischen mehreren verlandeten Rheinarmen errichtet wurde. Einer der ersten Nennungen Beuels hängt mit einer Dotation (Schenkung) von Kaiser Friedrich I. (HRR) am 17. September 1156. Hier ging es um den Besitz des Rheindorfer Hofes mit drei Weingärten.

Beueler Schanze, um 1703 (Fort de Bourgogne)

Politisch war das Gebiet seit dem 15. Jahrhundert geteilt: Schwarzrheindorf und Vilich bildeten einen rechtsrheinischen Brückenkopf des Kurfürstentums Köln, während die anderen Orte zum Herzogtum Berg und damit zum Amt Löwenburg gehörten. Die Grenze verlief auf Höhe der heutigen Kennedybrücke.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts, während des Truchsessischen Krieges, wurde in Beuel eine Befestigungsanlage, die sogenannte Beueler Schanze, gebaut. Sie befand sich in Combahn, gegenüber der Stadt Bonn. Diese Schanze wurde 1590 von den Spaniern geschleift und 1672/1673 bei der Belagerung durch niederländische und kaiserliche Truppen mit einfachsten Mitteln wieder hergerichtet. Im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges wurde Beuel zum dritten und letzten Mal zur Festung ausgebaut. Diese Festung wurde nach einem Beschluss des Friedensvertrags von Utrecht im Jahre 1717 geschleift.

1802 endet die Hoheit des Kurfürstentums Köln über die Herrlichkeit Vilich und Schwarzrheindorf, das sogenannte Amt Vilich wurde an den Fürsten von Nassau-Usingen übertragen. 1806 übertrug dieser das Amt an das Herzogtum Berg. Somit gelangte das Gebiet des heutigen Stadtbezirks (mit Ausnahme von Oberkassel, was weiterhin zum Siegkreis gehört und Holzlar, was weiterhin zum Amt Menden gehört) erstmals seit der karolingischen Zeit unter eine einzige politische Oberhoheit. Unter Napoleon wurde 1808 aus dem Amt Vilich die Mairie Vilich. Als erste Bürgermeister (Maire) wurde 1809 Leonhard Stroof ernannt, der Napoleon am 6. November 1811 auf dem Finkenberg begleitete, wo sich Napoleon gegen eine militärische Befestigung Bonns und seines Umlandes entscheidet.

Die Ablösung der französisch-bergischen Munizipalverfassung durch die preußische Gemeindeordnung im Jahre 1845 führte dazu, dass aus der Mairie die Gemeinde Vilich wurde.

Auch nach dem Tod von Bürgermeister Stroof verblieb die Gemeindeverwaltung in Vilich im sogenannten Bürgermeister Stroof-Haus (heutige Adelheidisstraße 3). Erst am 15. Dezember 1891 beschloss der Gemeinderat die Verlegung der Verwaltung nach Beuel. Das neue Rathaus (heutige Rathausstraße / Friedrich-Breuer-Straße) wurde am 26. September 1896 bezogen; die Gemeinde behielt jedoch noch bis 1921 den Name „Bürgermeisterei Vilich zu Beuel“.

Mit der neuen Rheinbrücke, die nach dreijähriger Bauzeit am 17. Dezember 1898 eingeweiht wurde, kamen einige Modernisierungen auf die Beueler zu:

Dies sind nur einige Beispiele für den technischen Wandel im Stadtbild. In dieser Zeit gab es auch kulturelle Veränderungen, so wurde zum Beispiel am 11. November 1912 der neue Martinsbrauch eingeführt. Erstmals führte St. Martin auf einem Pferd einen Laternenzug von Kindern an.

Die geschichtliche Bedeutung der am 8. Februar 1914 in einem Oberkasseler Steinbruch gefundenen Skelette aus der Steinzeit, die später wissenschaftliche Geschichte als „Oberkasseler Menschen“ schrieben, war den Menschen so kurz vor dem ersten Weltkrieg jedoch noch nicht bewusst.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde Beuel von kanadischem Militär und anschließend von 1920 bis 1926 von französischem Militär besetzt. Der Truppenabzug zog sich dann aber bis 1930 hin.

Wie in ganz Deutschland wurden auch in Beuel am 4. Februar 1933 nach der sogenannten Machtübernahme der Nationalsozialisten die demokratisch gewählten Kommunalvertretungen aufgelöst. Bei der Neuwahl erhielt die NSDAP durch die Unterstützung kleinerer Parteien die parlamentarisch Mehrheit. Der zur der Zeit amtierende Bürgermeister Dr. Otto Schöttler trat aus angeblichen Gesundheitsgründen zurück und wurde durch einen Nationalsozialisten ersetzt.

Sportlich gab es in dieser Zeit bemerkenswerte Erfolge; so wurde 1936 das Beueler Station mit einem Spiel zwischen dem SV Beuel 06 und Schalke 04 eingeweiht. Das Spiel endete 2:2. Im selben Jahr wird der SV Gaumeister in der Gauliga Mittelrhein, der höchsten Fußballklasse.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges veränderte den Alltag der Bevölkerung zuerst schleichend und dann massiv. Am 25. Und 26. Mai 1940 fielen die ersten Fliegerbomben auf Beuel. Beim folgenschwersten Luftangriff auf Bonn am 18. Oktober 1944 wurde auch der Bereich um den Beueler Brückenkopf schwer getroffen. Im März 1945 wichen auch in Beuel die deutschen Truppen zurück; auf ihrem Rückzug wurde die Rheinbrücke am 8. März 1945 gesprengt. Am 19. März 1945 erreichte die amerikanische 78. Infanteriedivision die Gemeinde Beuel.

Die Nachkriegszeit war gekennzeichnet durch Wiederaufbau und Wirtschaftswunder. Aber auch Brauchtumsveranstaltungen wurden wiederbelebt, so fand 1948 der erste Pützchens Markt nach dem Krieg statt. Ein Jahr später, am 24. Februar 1949, fand das 125-jährige Jubiläum der Beueler Weiberfastnacht statt. In dem Jubiläumsjahr erfolgte erstmals die Übergabe der Schlüsselgewalt an das 1824 gegründete Damenkomitee; dies war die Geburtsstunde der noch heute praktizierten Rathauserstürmung. Knapp zehn Jahre später, im Jahr 1958, wurde erstmals eine Wäscherprinzessin gewählt; ihre Regentschaft beginnt jeweils an Weiberfastnacht mit einem Umzug durch das Stadtgebiet und der anschließenden Rathauserstürmung. Mit diesen Nachkriegsänderungen entstand der traditionelle Beueler Karneval in seiner heutigen Form.

Der Wiederaufbau stärkte die Verkehrsinfrastruktur; so wurde 1949 die neue Rheinbrücke, ab 24. November 1963 Kennedybrücke genannt, 1967 die Friedrich-Ebert-Brücke und 1972 die Konrad-Adenauer-Brücke dem Verkehr übergeben. Weitere infrastrukturelle Baumaßnahmen waren unter anderem der Bau des neuen Rathauses (1962), die Modernisierung des Beueler Wasserwerkes von 1900 (1954), der Bau der Kläranlage (1949), der Bau der Ersatzbundesstraße 56 (1952), der Bau der Bundesstraße 42 (19591968), der Bau der Realschule (1952), der Bau des Hallenbades (1969) und der Bau von Haus Michael, das 1963 als Montessori-Haus und Offene Tür, als „Modellbau eines Jugendfreizeitheimes in der Vorstadt“, eingeweiht wurde.

Am 24. August 1952 wurden der Gemeinde Beuel, nach einem Beschluss der nordrheinwestfälischen Landesregierung, die Stadtrechte verliehen. Das Stadtwappen wurde von dem Beueler Kunst-Privatdozent Theodor Pape entworfen. Es zeigt einen auf Wellen schaukelnden Fährnachen sowie 13 blaue Sterne als Symbol für die 13 Ortsteile. Der erste Bürgermeister der neuen Stadt war Rudolf Holstein.

Im Juni 1969, zwei Monate bevor das Gesetz zur kommunalen Neugliederung des Raumes Bonn in Kraft tritt, wurde die Städtepartnerschaft zwischen der Städten Beuel und Mirecourt gegründet. Mit dem Gesetz wurden die bisher selbstständigen Städte Bonn, Bad Godesberg und Beuel sowie das Amt Duisdorf mit seinen zugehörigen Gemeinden, die zum Amt Oberkassel gehörende Gemeinde Oberkassel, die zum Amt Menden gehörende Gemeinde Holzlar (mit den Ortsteilen Gielgen, Heidebergen, Holzlar, Kohlkaul und Roleber) sowie die zur Gemeinde Stieldorf im Amt Oberpleis gehörenden Ortsteile Hoholz und Ungarten zur kreisfreien Stadt Bonn zusammengeschlossen. Die rechtsrheinischen Stadtteile bilden seitdem den Stadtbezirk Bonn-Beuel mit einer Fläche von 32,8 Quadratkilometern und damals 51.104 Einwohnern. Mit dieser Eingemeindung wurde letztendlich das umgesetzt, was seit 1900 immer wieder versucht wurde. Am 22. Juni 1900 beschloss die Gesamtgemeinde Vilich/Beuel eine Eingemeindung nach Bonn, dies wurde jedoch von der Stadt Bonn abgelehnt. Zwischen 1918 und 1920 wurde ein erneuter Versuch zur Eingemeindung gestartet, die Initiative ging diesmal von der Stadt Bonn aus. Die Verhandlungen scheiterten. Ein erneuter Versuch wurde 1928, wieder auf Initiative Bonns, gestartet und wiederum scheiterten die Verhandlungen.

Auf Grund der Gebietsreform erhielt die Stadt Bonn 1971 unter anderem ein neues Wappen; das Beueler Wappen hatte danach nur noch historische Bedeutung. Eine weiter Folge der Eingemeindung war 1972 die erste umfangreiche Umbenennung der Straßen, die in allen Stadtbezirken durchgeführt wurde.

Mit der Eingemeindung siedelten sich verstärkt Bundesbehörden, u. a. das Bundeswehrverwaltungsamt, das Sanitätsamt der Bundeswehr und das Bundesamt für Finanzen, in Beuel an. Außerdem wurde Beuel in die Notstandspläne der Bundesregierung eingebunden; so wurde 1983 das in der Gesamtschule integrierte Hilfskrankenhaus Beuel-Ost eingeweiht.

Politik[Bearbeiten]

Die 19 Sitze der Bezirksvertretung teilen sich folgendermaßen auf:

Partei Sitze (2004) Sitze (2009) Sitze (seit 29. Oktober 2010) Sitze (seit 10. Dezember 2010) Sitze (seit März 2013) Sitze (2014)
CDU 8 6 6 6 6 7
SPD 6 5 5 6 7 4
GRÜNE 3 4 3 3 4 4
FDP 1 2 2 2 2 1
Bürger Bund Bonn 1 1 1 1 - 1
Die Linke 1 - 1
Parteilos 2 1 - -
AfD - - - - - 1

CDU, SPD und FDP haben für die Wahlperiode 2014 bis 2020 einen Koalitionsvertrag geschlossen. In der konstituierenden Sitzung der Bezirksvertretung Beuel im Juni 2014 wurde Bezirksbürgermeister Guido Déus (CDU) erstmals gewählt.

Brauchtum[Bearbeiten]

Beuel zählt zu den historischen Wiegen des rheinischen Karnevals mit den Hochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz, weil dort 1824 die Weiberfastnacht geboren wurde. Am Morgen der Weiberfastnacht, dem Donnerstag vor Rosenmontag, findet die traditionelle Erstürmung des Beueler Rathauses statt. Bei diesem Ereignis versuchen die Stadtväter jedes Jahr aufs Neue und am Ende vergeblich, den Schlüssel der Stadt vor den heranstürmenden Beueler Wäscherinnen und der Beueler Wäscherprinzessin zu schützen.

Einmal jährlich findet der fünftägige "Pützchens Markt" statt, die wohl größte Kirmes des Rheinlands.

Ausstellungen zu Geschichte und Brauchtum des Stadtbezirks finden sich im Heimatmuseum Beuel.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Beuel verfügt über eine internationale Gastronomie, Filialen diverser Geldinstitute, ein Hallenbad mit Sauna, weitläufige Grünanlagen und je einen Sportplatz mit Asche- und Rasenbelag[3].

Seit 2003 wurden umfangreiche, öffentliche Investitionsmaßnahmen im Straßenbau, in der Altbausanierung sowie im ÖPNV getätigt. Zahlreiche Handels- und Dienstleistungsunternehmen, vor allem aus dem Medien- und Gesundheitsbereich, haben sich seither neu in Beuel und den angrenzenden, rechtsrheinischen Stadtteilen angesiedelt.

Beuel ist mit dem Bahnhof Bonn-Beuel an die Rechte Rheinstrecke angeschlossen. Die Anbindung an die Bonner City wird über die Straßenbahnlinie 62 (Siebengebirgsbahn) und die Stadtbahnlinie 66 (Siegburger Bahn) sichergestellt, letztere verbindet Beuel zusätzlich mit den Fernbahnhof Siegburg/Bonn. Verschiedene Buslinien erschließen das Siedlungsgebiet, während die Industriegebiete Beuels über die Beueler Industriebahn erschlossen werden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

  • Werner Knieper (1909−1977), ehemaliger Staatssekretär und Präsident des Bundesverbandes der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie
  • Günter Ollenschläger (* 1951), Mediziner und Wissenschaftspublizist
  • Guido Mehlkop (* 1972), Sozialwissenschaftler

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikstelle der Bundesstadt Bonn – Wohnberechtigte Bevölkerung in der Stadt Bonn am 31.12.2013
  2. Carl Jakob Bachem: Beueler Chronik. Zeittafel zur Geschichte des rechtsrheinischen Bonn. Stadt Bonn, Bonn 1989, ISBN 3-922832-06-7, (Studien zur Heimatgeschichte des Stadtbezirks Bonn-Beuel 26).
  3. http://www.svbeuel06.de/index.php?option=com_content&view=frontpage&Itemid=1

Literatur[Bearbeiten]

  • Carl Jakob Bachem: Beueler Chronik. Zeittafel zur Geschichte des rechtsrheinischen Bonn. Stadt Bonn, Bonn 1989, ISBN 3-922832-06-7, (Studien zur Heimatgeschichte des Stadtbezirks Bonn-Beuel 26).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Beuel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bonn/Beuel – Reiseführer