Nyon

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Dieser Artikel behandelt die Schweizer Gemeinde Nyon. Zur gleich ausgesprochenen französischen Gemeinde Nyons siehe dort, zu weiteren Begriffen siehe Nyon (Begriffsklärung).
Nyon
Wappen von Nyon
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Waadt (VD)
Bezirk: Nyonw
BFS-Nr.: 5724i1f3f4
Postleitzahl: 1260
UN/LOCODE: CH NYO
Koordinaten: 507702 / 13743946.3819596.238878403Koordinaten: 46° 22′ 55″ N, 6° 14′ 20″ O; CH1903: 507702 / 137439
Höhe: 403 m ü. M.
Fläche: 6.82 km²
Einwohner: i18'804 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 2757 Einw. pro km²
Arbeitslosenquote: 4,9 % (31. Juli 2013)[2]
Website: www.nyon.ch
Nyon

Nyon

Karte
Genfersee Lac des Rousses Frankreich Frankreich Kanton Genf Kanton Genf Kanton Genf Bezirk Jura-Nord vaudois Bezirk Morges Arnex-sur-Nyon Arzier-Le Muids Bassins Begnins Bogis-Bossey Borex Bursinel Bursins Burtigny Chavannes-de-Bogis Chavannes-des-Bois Chéserex Coinsins Commugny Coppet Crans-près-Céligny Crassier Duillier Dully Essertines-sur-Rolle Eysins Founex Genolier Gilly VD Gingins Givrins Gland VD Grens Longirod Luins Marchissy Mies VD Mont-sur-Rolle Nyon Perroy VD Prangins La Rippe Rolle VD Saint-Cergue Saint-George Signy-Avenex Tannay VD Tartegnin Trélex Le Vaud Vich VD VinzelKarte von Nyon
Über dieses Bild
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Nyon ist eine politische Gemeinde und Hauptort des gleichnamigen Distrikts des Kantons Waadt in der Schweiz. Die deutschen Bezeichnungen Neuis und Neuss stammen aus der Zeit der Berner Herrschaft und werden heute nicht mehr verwendet. Unter den Kelten hiess der Ort Noviodunos (latinisiert Noviodunum), während der Römerzeit Colonia Iulia Equestris.

Geographie[Bearbeiten]

Nyon liegt auf 403 m ü. M., 34 km westsüdwestlich der Kantonshauptstadt Lausanne und 22 km nordnordöstlich der Stadt Genf (Luftlinie). Die Gemeinde erstreckt sich auf einer Geländeterrasse am Nordwestufer des Genfersees rund 30 m über dem Seespiegel, zwischen den Mündungen des Boiron und der Asse.

Die Fläche des 6,8 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt am Nordwestufer des Genfersees. Der Gemeindeboden erstreckt sich vom Seeufer nach Nordwesten über den flachen Uferrandstreifen auf die leicht erhöhte anschliessende Ebene am Jurasüdfuss. In diese Ebene sind auf dem Gemeindegebiet von Nyon die Täler der beiden Flüsschen Boiron de Nyon (im Südwesten) und Asse (im Nordosten) eingetieft. Südlich des Boiron reicht das Gebiet bis in das Waldgebiet Bois Neuf. Die höchste Erhebung von Nyon wird mit 480 m ü. M. unterhalb von Trélex erreicht. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 51 Prozent auf Siedlungen, acht Prozent auf Wald und Gehölze und 41 Prozent auf Landwirtschaft.

Zu Nyon gehören die Gewerbe- und Industriesiedlung L’Asse (470 m ü. M.), rechts des gleichnamigen Flüsschens, ein Teil des Weilers Changins (436 m ü. M.) südlich des Hügels von Duillier sowie einige Hofsiedlungen. Nachbargemeinden von Nyon sind Crans-près-Céligny, Eysins, Signy-Avenex, Grens, Trélex, Duillier und Prangins.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850 1900 1910 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000
Einwohner 2'417 4'882 5'096 5'107 6'064 7'643 11'424 12'842 14'747 16'182

Mit 18.804 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) gehört Nyon zu den grössten Gemeinden des Kantons Waadt. Von den Bewohnern sind 75.9 Prozent französischsprachig, 5.7 Prozent deutschsprachig und 4.0 Prozent englischsprachig (Stand 2000). Nach 1950 setzte eine rasante Bevölkerungszunahme ein, seither hat sich die Einwohnerzahl von Nyon fast verdreifacht. Das Siedlungsgebiet von Nyon ist inzwischen mit demjenigen von Prangins lückenlos zusammengewachsen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

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UEFA-Hauptgebäude

Nyon war lange Zeit ein hauptsächlich agrarisch geprägtes Städtchen. Heute spielt die Landwirtschaft als Erwerbsquelle nur noch eine geringe Rolle. Sie konzentriert sich dank der fruchtbaren Böden auf den Acker- und Gemüsebau, an den optimal nach Süden geneigten Hangpartien ausserhalb des Stadtgebietes wird Weinbau betrieben.

Die Stadt ist ein wichtiges regionales Industriezentrum, das dank der hervorragenden Verkehrserschliessung an der Achse Genf–Lausanne in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen ist. Bedeutende Industriezweige sind die Medikamentenherstellung, die Nahrungsmittel-, chemische, metallurgische und Zündholzindustrie, die Werkzeug-, Uhren- und Töpferwarenherstellung und graphische Betriebe.

Da Nyon auch als Verwaltungs- und Bankzentrum gilt, sind die meisten Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor vorhanden. Seit 1995 ist Nyon Sitz des Fussballverbandes UEFA, der seitdem die Auslosungen zu den Europapokal-Wettbewerben in seiner Zentrale veranstaltet. 1988 wurde das Centre d’enseignement secondaire supérieur (CESSOUEST) eröffnet. Seit 1886 befindet sich in Changins die Station fédérale de recherches agronomiques de Changins, die Eidgenössische landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope.

Kultur[Bearbeiten]

In Nyon werden alljährlich bedeutende kulturelle Veranstaltungen abgehalten. Darunter ist vor allem das Paléo Festival Nyon zu nennen, eines der grössten Freiluftfestivals der Schweiz. Daneben gibt es weitere Tanz- und Filmfestivals, ein Dokumentarfilmfestival, unter anderem das international bekannte Visions du Réel, und Konzerte. Der Sommerkurort am Genfersee hat auch touristische Bedeutung und besitzt mehrere Museen, wie beispielsweise das Musée Romain (seit 1979), das Musée du Léman (seit 1954) und das Musée historique et des porcelaines (seit 1860).

In der Osterzeit werden in Nyon – einem alten Brauch folgend – die Brunnen mit Blumen, Zweigen, Bändern und farbigen Eiern geschmückt (Osterbrauch).

Verkehr[Bearbeiten]

Bus der TPN (Transports publics de la région nyonnaise) in Crassier

Die Stadt ist verkehrstechnisch hervorragend erschlossen. Sie liegt an der Hauptstrasse 1 von Genf entlang dem Seeufer nach Lausanne. Hier zweigt die Strasse über den Col de la Givrine nach Morez in Frankreich ab. Der Autobahnanschluss Nyon an der 1964 eröffneten A1 (Genf–Lausanne) ist rund 3 km vom Stadtkern entfernt.

Am 14. April 1858 wurde der Abschnitt Morges–Coppet der SBB-Linie Lausanne–Genf mit einem Bahnhof in Nyon in Betrieb genommen. Die Meterspurige Nyon–Saint-Cergue–Morez-Bahn (NStCM) von Nyon nach Saint-Cergue, die auch Nyons Aussenquartiere erschliesst, wurde am 12. Juli 1916 eingeweiht. Von 1905 bis 1962 war ferner die Bahnlinie von Nyon nach Divonne-les-Bains in Betrieb. Heute wird jedoch nur noch der Abschnitt bis Eysins für den Gütertransport genutzt.

Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgt das Stadtbusnetz von Nyon. Daneben gibt es Postautokurse in die umliegenden Gemeinden, nach Coppet, Gingins und Gimel. Ferner ist Nyon an das Netz der Personenschifffahrt auf dem Genfersee angebunden.

Geschichte[Bearbeiten]

Nyon kann auf eine sehr lange Siedlungstradition zurückblicken. Die frühesten Funde datieren auf das Neolithikum, als sich am Seeufer eine kleine Siedlung befand.

Keltische und Römische Zeit[Bearbeiten]

Römische Ruinen

Im 1. Jahrhundert vor Christus befand sich an der Stelle des heutigen Nyon die Befestigung Noviodunos, die von den Helvetiern bewohnt war. Vermutlich brannten diese bei ihrem Auszug nach Gallien um 58 vor Christus die Stadt nieder. Von Caesar zur Rückkehr gezwungen, liessen sich Stämme der Helvetier wieder am Ufer des Genfersees nieder und gründeten um 45 vor Christus unter Aufsicht der Römer die Stadt Colonia Iulia Equestris, die zur wichtigsten Stadt am Genfersee während der Römerzeit aufstieg. Das Zentrum befand sich auf der Geländeterrasse im Bereich des Schlosses an der Stelle der heutigen Altstadt. Sie bestand aus einem Forum mit Haupttempel, ausgestattet mit reichen Fussbodenmosaiken sowie einer Basilika. Die ersten Ausgrabungen wurden im 19. Jahrhundert vorgenommen, weitere Grabungen folgten 1974. Über die Wohngebiete ist hingegen nur wenig bekannt. Colonia Iulia Equestris wurde über einen Aquädukt mit Wasser von der Versoix versorgt. Einige Reste dieses teilweise unterirdisch verlaufenden Aquädukts sind erhalten.

Im Lauf der Römerzeit löste Aventicum (Avenches) Colonia Iulia Equestris als regionales Zentrum ab, in der spätrömischen Zeit gewann auch Genava (Genf) immer mehr an Bedeutung. Ein erstes Mal wurde die Stadt nach der Mitte des 3. Jahrhunderts zerstört, später aber wieder unter dem Namen Civitas Equestri aufgebaut. Die endgültige Verwüstung und Zerstörung der Stadt erfolgte im 5. Jahrhundert.

Mittelalter und Neuzeit[Bearbeiten]

Osterbrauch

Die Neugründung von Nyon ist auf die Zeit um das 11. und 12. Jahrhundert anzusiedeln. Zunächst trug die Stadt die latinisierten Namen Neodunum, Nevidunum, Nividunum, Novidunum, Niviodunum, Noiodunum und Neomagus. Nyon gehörte zur Herrschaft Prangins und kam 1293 an das Haus Savoyen. Nachdem Nyon im 13. Jahrhundert Stadtrechte erhalten hatte, erlebte es unter den Savoyern einen wirtschaftlichen Aufschwung und wurde Münzprägestätte (bis zum 15. Jahrhundert).

Mit der Eroberung der Waadt durch Bern im Jahr 1536 wurde Nyon zum Sitz der gleichnamigen Vogtei erhoben. 1711 wurde die Vogtei Bonmont von Nyon abgetrennt. Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime gehörte die Stadt von 1798 bis 1803 während der Helvetik zum Kanton Léman, der anschliessend mit der Inkraftsetzung der Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufging. Seit 1798 ist Nyon Hauptort des gleichnamigen Bezirks. Von 1781 bis 1813 erlangte die Stadt Weltbekanntheit als Sitz einer Porzellanmanufaktur.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Altstadt von Nyon

Reste der römischen Basilika und des Forums können heute im Römischen Museum besichtigt werden. Von der Römerzeit zeugen überdies die drei Säulen des ehemaligen Forums, die heute am Stadteingang stehen. Erst 1996 wurde das ehemalige Amphitheater entdeckt.

Das Schloss von Nyon

Die Stadtanlage wurde auf den römischen Fundamenten aufgebaut und hat den ursprünglichen Grundriss bewahrt. Sie zeigt heute noch ein mittelalterliches Stadtbild mit charakteristischen Patrizierhäusern meist im spätgotischen Stil. Die Stadt wurde im 12. Jahrhundert unter den Herren von Prangins befestigt; aus dieser Zeit ist noch die Tour de César (auch Tour de Rive genannt) erhalten. Auch Teile der Ringmauer sind im Südosten der Altstadt sichtbar.

Die reformierte Stadtpfarrkirche Notre-Dame ging aus einer ehemaligen Prioratskirche hervor. Diese wurde im 12. Jahrhundert an der Stelle eines vermutlich vor 700 erbauten Gotteshauses errichtet. Der heutige Bau der Kirche stammt zum grössten Teil aus dem 14. Jahrhundert, Gewölbe und Seitenkapellen wurden 1471–1781 erbaut. Aus der romanischen Zeit sind Teile des Chors und die Wandmalereien erhalten. Grössere Umbauten wurden im 18. und 19. Jahrhundert vorgenommen, der Glockenturm wurde 1934 neu gebaut.

Osterbrauch

Das Schloss am Ostende der Altstadt wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Es diente zunächst den Grafen und Herzögen von Savoyen, in der Berner Zeit den Landvögten als Residenz. Der ursprüngliche Bau wurde in der Zeit von 1574 bis 1583 stark erweitert und umgestaltet. Das Schloss zeigt einen viereckigen Grundriss mit vier Seitentürmen. Es beherbergt heute das Musée historique et des porcelaines (mit einer reichen Sammlung an Porzellan und Fayencen).

Zu den bedeutenden Bauwerken in der Altstadt zählen die Porte Sainte-Marie (aus dem 18. Jahrhundert), das Maison Bonnard mit einem Turm aus dem 15. Jahrhundert, das Hôtel de Ville (auch Maison Lancaster genannt) aus dem 16. Jahrhundert mit Sonnenuhren an der Fassade. Das ehemalige Kollegium ist ein klassizistischer Bau von 1784–1792.

Das Quartier am Seeufer unterhalb der Altstadt aus dem 18. bis 19. Jahrhundert konzentrierte sich früher vor allem auf den Handel und das Gewerbe.

Auch Gebäude der modernen Architektur sind in Nyon zahlreich vertreten.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Seit 8. September 2001 besteht ein Freundschaftsabkommen zwischen Nyon und der französischen Stadt Nyons im Département Drôme.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Mit Nyon verbunden[Bearbeiten]

  • Arnold C. Klebs (1870–1943), schweizerisch-US-amerikanischer Medizinhistoriker, lebte in Nyon
  • Der Musiker Phil Collins hat sich hier niedergelassen.
  • Die Vorfahren des ehemaligen US-Präsidenten Dwight Eisenhower betrieben im 19. Jahrhundert in Nyon eine Bierbrauerei.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Population résidante permanente par commune et origine, Vaud, 1950-2012 (XLS, 924 kB). Service cantonal de recherche et d’information statistiques (Statistiques Vaud). Kanton Waadt (Canton de Vaud). Abgerufen am 23. April 2013.
  2. Demandeurs d'emploi, chômeurs et taux de chômage par commune : juillet 2013 (XLS, 104 kB; MS Excel). Abgerufen am 11. August 2013.