Oława

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Oława in Polen. Für den gleichnamigen Fluss siehe Oława (Fluss).
Oława
Wappen von Oława
Oława (Polen)
Oława
Oława
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Landkreis: Oława
Fläche: 27,30 km²
Geographische Lage: 50° 57′ N, 17° 18′ O50.9517.3Koordinaten: 50° 57′ 0″ N, 17° 18′ 0″ O
Höhe: 133 m n.p.m
Einwohner: 32.240
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 55-200
Telefonvorwahl: (+48) 71
Kfz-Kennzeichen: DOA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: BrzegBreslau
Schienenweg: Breslau–Katowice
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 27,30 km²
Einwohner: 32.240
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 1181 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0215011
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Franciszek Październik
Adresse: pl. Zamkowy 15
55-200 Oława
Webpräsenz: www.um.olawa.pl

Oława [ɔˈwava] (deutsch Ohlau) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen, zwischen den Flüssen Oława (Ohle) und der Oder gelegen. Sie ist Kreissitz des Powiat Oławski, bildet eine eigene Stadtgemeinde und ist darüber hinaus Sitz der Gmina Oława, einer Landgemeinde, die die umliegenden Dörfer umfasst. Seit 1348/49 war es Residenzstadt des Herzogtums Ohlau, das bis 1675 von den Schlesischen Piasten regiert wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Piastenschloss

Die erste Erwähnung Ohlaw ist für das Jahr 1149 belegt.[2] Sie findet sich in einem Dokument, das die Schenkung der altslawischen Siedlung Olava[3] an die Abtei St. Vinzenz in Breslau bestätigt. Im Jahre 1206 gelangte Ohlau im Tausch gegen Hundsfeld an Herzog Heinrich I. von Schlesien, der die Stadt im Zuge der deutschen Ostsiedlung besiedeln ließ und ihr 1234 das Stadtrecht verlieh. 1241 wurde Ohlau durch die Mongolen vernichtet. Nach dem Neuaufbau war es ab 1282 Sitz einer Kastellanei. Der charakteristische Hahn als Wappentier soll auf wallonische Weber zurückgehen, die sich damals in der Gegend niedergelassen hatten.[4]

Zusammen mit dem Herzogtum Brieg, zu dem es damals gehörte, gelangte Ohlau 1327 als ein Lehen an die Krone Böhmen, was 1335 mit dem Vertrag von Trentschin bestätigt wurde. 1338 erwarb Ohlau das Privileg des Salzverkaufs und des Salzzolls, und für 1361 sind die Zünfte der Weber, Bäcker, Schuster und Fleischer belegt. 1362 kaufte die Stadt die Erbvogtei, 1364 das Marktrecht. 1370 erlangte sie das Recht, weitere Krambuden, einen Tuchscherladen sowie ein Waaghaus errichten zu dürfen und Ende des 14. Jahrhunderts die Obergerichtsbarkeit. 1448 wurde Ohlau durch die Hussiten vernichtet. Seit 1534 konnte sich die Reformation ausbreiten, die von den regierenden Herzögen unterstützt wurde. 1544 konnte eine erste Brücke über die Oder errichtet werden, 1588 raffte eine Pestepidemie weite Teile der Bevölkerung dahin.[2] Im 16. und 17. Jahrhundert erlebte Ohlau in wirtschaftlicher Hinsicht eine Blütezeit, die durch den Dreißigjährigen Krieg unterbrochen wurde. Nachdem sich der kaiserliche General Hans Ulrich von Schaffgotsch im November 1633 vor der Verfolgung durch Schweden und Sachsen nach Ohlau abgesetzt hatte und am 24. Februar 1634 verhaftet wurde, ließ sein Nachfolger beim Herannahen der Feinde Ohlau anzünden. Soweit die Bevölkerung nicht schon vorher geflohen war, zog sie sich auf das Schloss zurück.

Mit dem Tod des Herzogs Georg Wilhelm I., mit dem das Geschlecht der Schlesischen Piasten 1675 erlosch, gelangte Ohlau zusammen mit dem Herzogtum Ohlau durch Heimfall an die Krone Böhmen, die seit 1526 die Habsburger innehatten. 1691 verpfändete Kaiser Leopold I. in seiner Eigenschaft als König von Böhmen Stadt und Herrschaft Ohlau seinem Schwager Jakob Ludwig Sobieski, der mit Hedwig Elisabeth Amelia von Pfalz-Neuburg verheiratet war. Auf seine Veranlassung wurde 1706 vor dem Brieger Tor die katholische Rochuskapelle erbaut. Nach seinem Tod 1737 fiel Ohlau wiederum an den böhmischen Landesherrn.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel die Stadt 1742 an Preußen. Die in den Schlesischen Kriegen beschädigten Befestigungen wurden später abgetragen. 1816 wurde Ohlau Kreisstadt des Landkreises Ohlau im Regierungsbezirk Breslau. In Ohlau war eine Garnison Husaren untergebracht. Im 18. und 19. Jahrhundert erlebte Ohlau einen wirtschaftlichen Aufschwung und wurde zu einem Zentrum des Tabakanbaus. Im Jahr 1842 wurde die erste Eisenbahn Schlesiens (und damit des heutigen Polens) zwischen Ohlau und Breslau eröffnet.

Als Folge des Zweiten Weltkriegs kam das etwa zur Hälfte zerstörte Ohlau unter Verwaltung der Volksrepublik Polen und wurde in Oława umbenannt. Nach der Vertreibung der nahezu gesamten deutschen Bevölkerung, erreichte Oława erst um die Mitte der 1960er Jahre die Einwohnerzahl der Vorkriegszeit. Dabei wurden in der Stadt vorwiegend polnische Vertriebene aus den an die Sowjetunion gefallenen polnischen Ostgebieten angesiedelt. Die Gegend hatte 1950 mit 68,4 % den höchsten Anteil polnischer Vertriebener an der Gesamtbevölkerung in Schlesien.[5] Es folgte ein starkes Wachstum der Stadt und der Bau neuer (Plattenbau-) Wohnsiedlungen. Bis 1992 war Oława Standort einer Garnison der sowjetischen Streitkräfte.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen von Oława nach dem jeweiligen Gebietsstand:[6]

Jahr Einwohner
1840 5.315¹
1854 6.500
1875 7.947
1880 8.395
1885 8.575
1890 8.632
1905 9.233
1910 9.037
Jahr Einwohner
1925 11.412
1933 12.267
1939 12.424
1945 5.782
1995 31.877
2000 31.045
2005 30.903

¹ ohne Garnison 4.706

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Stadt Ohlau zeigt einen nach links gewendeten silbernen Hahn auf rotem Schild. In dieser Form taucht die Darstellung erstmals 1334 in einem Stadtsiegel auf.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Die Stadt Oława unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften:

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Rathaus
Stadtpfarrkirche

Trotz der Schäden Ohlaus im Zweiten Weltkrieg, dem zweckmäßigen Wiederaufbau Oławas nach dem Krieg mit Wohnblöcken im sozialistischen Stil und dem späteren Verfall der Stadt konnte sich einiges der historischen Bebauung erhalten. So finden sich heute besonders an der Nordost- und Westseite des Rings sowie der ul. Wrocławska sehenswerte historische Bürgerhäuser, wie der Barockbau der Apotheke, der heute das Standesamt beherbergt.

Rathaus[Bearbeiten]

Der älteste erhaltene Teil des Rathauses ist der von 1637 bis 1668 errichtete Turm mit seinem charakteristischen Turmhelm. Am Turm befindet sich eine wertvolle Uhr aus dem Jahre 1728, dort ist der Tod von Ohlau angebracht, eine sensenschwingende Skelettfigur. Weitere bewegliche Figuren sind der Herrscher der Zeit, sowie ein Hahn, der eine Henne jagt. Außerdem findet sich dort eine Monduhr. Der Rathausbau selbst ist spätklassizistisch und wurde von 1823 bis 1830 nach Plänen des preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel erbaut.

Stadtpfarrkirche[Bearbeiten]

Die Stadtpfarrkirche wurde 1201 erstmals erwähnt. Der gotische Chor wurde um 1300 vollendet und im 15. Jahrhundert mit einem Sterngewölbe überwölbt, das Kirchenschiff wurde 1587–1589 als dreischiffige Pseudobasilika errichtet. Insgesamt erstreckt sich die Kirche über fünf Joche im Langhaus und zwei Joche im niedrigeren Chor und ist 50 m lang und 30 m breit. Nach schweren Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg 1634 wurde die Kirche 1691–1692 wiederaufgebaut. Der Kirchturm erlitt 1881 infolge eines Blitzschlags schwere Schäden, der barocke Turmhelm wurde dabei zerstört. 1886 wurde der Turm im neugotischen Stil auf eine Höhe von 62 m aufgestockt. Trotz der bewegten Vergangenheit konnte sich in der Kirche eine sehenswerte Innenausstattung erhalten: Neben einigen Renaissance-Epitaphen verdienen die Renaissance-Kanzel sowie die barocke Orgel Beachtung, der Hauptaltar ist neugotisch. Von 1534 bis 1699 und 1707–1945 war die Kirche evangelisch (Pfarrkirche St. Blasius und Sperantus), seit 1945 ist sie nach Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung wieder katholisch (Stadtpfarrkirche Maria Trost).

Schloss[Bearbeiten]

Das Schloss Ohlau am Schlossplatz wurde im 14. Jahrhundert von Herzog Ludwig II. († 1436) von Liegnitz-Brieg als Ersatz für die in den Hussitenkriegen zerstörte Burg am anderen Ende der Stadt errichtet. Das heutige Schloss besteht nur aus dem Luisenbau, der unter Herzog Joachim Friedrich und später seiner Frau Luise von Anhalt 1659–1680 vom Architekten Carlo Rossi im barocken Stil erbaut wurde. Ihre Wappen konnten sich am Gebäude erhalten. Der Rest des Schlossareals wurde zwar im 18. Jahrhundert vom damaligen Pfandherrn Jakob Louis Heinrich Sobieski nochmals umgestaltet, verfiel aber nach seinem Tod und wurde im 19. Jahrhundert teilweise abgerissen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Luisenbau renoviert und darin die Stadtverwaltung untergebracht.

St. Peter und Paul[Bearbeiten]

Direkt neben dem Schloss steht die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul. Sie wurde 1833 bis 1835 anstelle des verfallenen Christianbaus des Schlosses nach Plänen Schinkels errichtet. Nach einem Brand wurde sie 1927 in modernen Formen wiederaufgebaut.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oława – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 9. Juli 2014.
  2. a b Vgl. Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845
  3. Schreibweise nach Handb. hist. Stätten, S. 373.
  4. Vgl. um.olawa.pl abger. am 26. September 2008
  5. Vgl. um.olawa.pl abger. am 26. September 2008
  6. Quellen der Einwohnerzahlen:
    1840: [1] - 1854: [2] - 1875, 1880, 1890, 1925, 1933, 1939: [3] – 1885: [4] – 1905: [5] – 1910: [6] – 1945: [7] – 1995, 2000, 2005: GUS